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KAPITEL III

Geschichte

Die Geschichte der Deutschen Bank, Deutschlands größter Geschäftsbank, ist eine Geschichte der Expansion ­ der Expansion im Sinne eines ständig steigenden Umfangs der Operationen und einer ständig zunehmenden geographischen Ausbreitung.(1) Diese Expansion wurde durch die Übernahme zahlreicher anderer Institutionen des Bankwesens sowie in den späteren Jahren durch eine enge Abstimmung von Strategie und Taktik der Politik der Bank mit den expansionistischen Zielen der Führer des Dritten Reiches herbeigeführt.(2)

Das Gründungsjahr der Bank, das Jahr 1870, war der Beginn der »Gründerjahre« in Deutschland, einer Zeit, in der zahlreiche neue Industrie­ und Finanzunternehmen errichtet wurden. Es war ein Jahr von historischer Bedeutung für die großdeutsche Bewegung, weil es das Jahr der deutschen Einigung unter Kanzler Bismarck war und die Ära des deutschen Imperialismus einleitete. Der primäre Zweck der Bank bestand bei ihrer Gründung darin, den deutschen Außenhandel zu finanzieren sowie diesen Außenhandel und die deutsche Industrie in zunehmendem Maße aus der Abhängigkeit von ausländischen Banken herauszulösen. Das Anfangskapital der Bank betrug 15 Mill. RM. Der Hauptgründer der Bank war Georg von Siemens, und bis heute hat die Bank besonders enge Verbindungen mit der Familie Siemens und den Industrieunternehmen von Siemens aufrechterhalten.(3)

Bezeichnenderweise ging eine der ersten Großtransaktionen der Bank auf die Förderung durch die deutsche Regierung zurück. Mitte der siebziger Jahre wurde die Deutsche Bank zum alleinigen Vertreter des Deutschen Reiches für den Verkauf von eingeschmolzenen Silbermünzen im Werte von 1 Milliarde RM erklärt.(4) Etwa zur gleichen Zeit begründete die Bank ihr Auslandsgeschäft und begann, sich der Führung bei der Finanzierung bedeutender deutscher Industriezweige zu bemächtigen Gebiet, auf dem sie sich allmählich die effektive Kontrolle über weite Bereiche der deutschen Industrie sicherte.(5) Siemens­Komplex war natürlich einer der ersten bedeutenden Kunden, dem die Deutsche Bank mit der Ausgabe zahlreicher Wertpapiere ihre Dienste erwies.

Der erste Vorstoß auf Gebiet der direkten Beherrschung von Industrieunternehmen wurde im Jahr 1890 bei der Sanierung des Mannesmann­Konzerns unternommen. Aus dieser Aktion ging die Deutsche Bank als die dominierende Kraft in Angelegenheiten des Konzerns hervor, der sich zu einem der bedeutendsten Unternehmen der deutschen Schwerindustrie entwickeln sollte.(6) Zehn Jahre später wurden die Gebrüder Mannesmann selbst aus dieser Aktiengesellschaft verdrängt. Max Steinthal, damals der führende Kopf der Bank, war an dieser Aktion maßgeblich beteiligt und bestimmte danach jahrzehntelang die Geschäftspolitik sowohl des Mannesmann­Unternehmens als auch der Deutschen Bank.

Emil Georg von Stauß, der die Jahrhundertwende zu einem führenden Mitarbeite Bank wurde, entfaltete bei der Förderung der industriellen Interessen der Bank eine ähnliche Wirksamkeit. Er es, der nach dem Ersten Weltkrieg das Weiterbestehen der deutschen Flugzeugindustrie sicherte. In den Jahren 1924/1925 spielte er eine wichtige Rolle bei der Reorganisierung zweier großer Motorenhersteller, Bayerische Motoren­Werke (BMW) und Daimler­Benz, und blieb im folgenden der wichtigste Mann in ihrer Leitung. Seit jener Zeit diese Firmen unter der Vorherrschaft der Deutschen Bank verblieben.(7) Während des Zweiten Weltkrieges stellten sie zwei Drittel aller deutschen Flugzeugmotoren heil. Kapitel VIII über Kontrolle der Industrie).

Die am konsequentester] mit dem größten Erfolg angewandte Methode der Deutschen Bank in ihrem Expansionsbestreben bestand in der Übernahme anderer Institutionen des Bankwesens. Bei jeder Serie von Fusionen profitierte die Bank nicht nur durch eine Vergrößerung ihrer Mittel und ihres Kundenkreises, sondern erreichte zugleich auch eine lückenlose Erfassung des ganzen deutschen Raumes und eine größere Dichte ihres Zweigstellennetzes.(8) Jede Serie von Zusammenschlüssen weist eine klare geographische Ausgewogenheit auf. So übernahm die Deutsche Bank beispielsweise zwischen den Jahren 1917 und 1920 eine Bank in Norddeutschland, eine in Schlesien und eine in Braunschweig (nördliches Mitteldeutschland). In den Jahren 1921 bis 1928 übernahm sie die Privatbank zu Gotha, die Württembergische Vereinsbank, die Essener Creditanstalt, die Bank für Thüringen, die Hildesheimer Bank und die Osnabrücker Bank.(9)

Ungewöhnlich war die Erwerbung der Deutschen Petroleum AG, die von der Deutschen Bank im Jahre 1922 während der Inflationszeit übernommen wurde. Die Gesellschaft war vorher gezwungen gewesen, ihre wichtigsten Anteile an der Ölindustrie zu verkaufen, und war weitgehend zu einem Finanzunternehmen mit beträchtlichem flüssigem Kapital geworden. Durch diese Erwerbung fügte die Deutsche Bank ihren Mitteln für das Bankgeschäft beträchtliche Mengen an Bargeld und Devisen hinzu und erhöhte unter anderem auch aufgrund dieser Erwerbung ihr eigenes Kapital von 400 Mill. RM auf 800 Mill. RM.(10)

Die größte Bankenfusion fand jedoch im Jahre 1929 nach der Währungsstabilisierung statt, als sich die Deutsche Bank mit der Disconto­Gesellschaft, der damals zweitgrößten Bank Deutschlands, vereinigte.(11) Das Kapital der Deutschen Bank belief sich zur damaligen Zeit auf 150 Mill. RM, d. h. auf das Zehnfache ihres ursprünglichen Kapitals, wozu die Disconto­Gesellschaft noch weitere 135 Mill. RM beisteuerte. Die offenen Rücklagen der Deutschen Bank betrugen 90 Mill. RM, die der Disconto­Gesellschaft 66,5 Mill. RM. Somit ließ die vereinigte Bank in bezug auf Kapital und Reserven sowie Gesamtmittel (5,5 Mrd. RM) jede andere Bank in Deutschland weit hinter sich. In diesen riesigen Komplex brachte die Disconto­Gesellschaft nicht nur ihre eigenen Einrichtungen und ihre Kundschaft ein, sondern auch die ihrer bedeutenden Tochtergesellschaften, des A. Schaffhausenschen Bankvereins mit seinen seit altersher bestehenden Geschäftsverbindungen zur Industrie des Rheinlandes, der Rheinischen Creditbank und der in Baden und Württemberg führenden Süddeutschen Disconto­Gesellschaft sowie der Norddeutschen Bank in Hamburg, einer der angesehensten Banken im internationalen Handelszentrum Deutschlands. Die vereinigten Institutionen führten mit ungefähr 800 000 Konten etwa doppelt soviel wie die alte Deutsche Bank. Ihr Netz umfaßte 289 Zweigstellen, im Vergleich zu 181 vor dem Zusammenschluß. Obwohl diese Fusion natürlich in gewissem Maße eine Beseitigung von einander überschneidenden Einrichtungen mit sich brachte, sank die Anzahl der Zweigstellen nie wesentlich unter diese Zahl, ausgenommen die Zeit der unfreiwilligen Einschränkung während des Zweiten Weltkrieges. Mehrere Jahre nach dem Zusammenschluß nannte sich die Institution noch »Deutsche Bank und Disconto­Gesellschaft«, aber im Jahre 1937 nahm sie wieder den alten Namen Deutsche Bank an.(12)

Im Jahre 1929 sowie im Jahr 1930 übernahm die Deutsche Bank auch eine Reihe von privaten Bankhäusern, wie L. Pfeiffer in Kassel, j. Frank & Cie. in Krefeld, Doertenbach & Cie. in Stuttgart und E. Ladenburg in Frankfurt.(13)

Die Größe der sich ausdehnenden Institutionen erforderte ein bestimmtes Maß an verfahrenstechnischer Selbständigkeit auf lokaler Ebene. Daher wurde das Land in geographische Bezirke mit regionalen Beiräten eingeteilt, und bestimmte Entscheidungen, z. B. die Gewährung von Darlehen bis zu 50000 oder 150000 Reichsmark (je nach der Größe der Zweigstelle) konnten auf Bezirksebene ohne vorherige Rücksprache mit Berlin genehmigt werden. Die genaue Kontrolle aller größeren Darlehen erfolgte jedoch weiterhin von Berlin aus. Außerdem entwickelte die Bank unter der Führung des Vorstandsmitgliedes Hans Rummel,(14) der als Schrittmacher auf diesem Gebiet bekannt wurde, ein ausgeklügeltes System der Kostenabrechnung der Zweigstellen, das eine genauere Kontrolle und Leitung der Zweigstellenaktivitäten von der Zentrale aus ermöglichte.

Die Stellung der Deutschen Bank war so stark, daß sie die Bankenkrise Anfang der dreißiger Jahre mit weitaus weniger staatlicher Unterstützung überstehen konnte als die anderen großen Banken. Die Regierung übernahm etwa 50 Millionen Reichsmark des Bankkapitals, das dann nach zwei Wiederanpassungen im Jahr 1932 144 Millionen Reichsmark betrug. Während dieses Zeitraums machte sich die Bank die überaus engen Beziehungen, durch die bestimmte große Industriekonzerne an sie gebunden waren, immer wieder ausgiebig zunutze. Es gelang ihr, große Teile ihrer Aktien bei Mannesmann, Rheinische Braunkohle und beim Reemtsma­Konzern unterzubringen (Kapitel VIII). In den Jahren von 1933 bis 1937 wurde die Bank stufenweise »reprivatisiert«, d. h. die Aktien, die sich im Besitz der Regierung befanden, gingen wieder in Privathand über.(15)

Die Ära der Naziherrschaft bot der Deutschen Bank Gelegenheit, ihre Expansionskraft in ganz neue Bahnen zu lenken. In enger Koordinierung mit den aggressiven Vorstößen des Dritten Reiches dehnte die Bank ihren Einfluß und ihr Zweigstellennetz auf die überfallenen Territorien aus. Diese Phase ihrer Expansion wird in einem der folgenden Kapitel genauer behandelt. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Auslandsgeschäft der Bank zu relativer Bedeutungslosigkeit herabgesunken, insbesondere nach dem »Stillhalteabkommen« des Jahres 1931.(16) Vor 1938 hatte die Deutsche Bank nur wenige Teilhaberschaften in Bankinstitutionen des Auslandes, etwa in der Handels­Maatschappij H. Albert de Bary & Co. in Holland und in der Deutschen Überseeischen Bank,(17) der größten deutschen Bank in Lateinamerika und in Spanien. Als die deutsche Aggression voranschritt, dehnte die Bank ihre Stützpunkte im Ausland schnell aus. Sie machte sich unverzüglich daran, aus dem »Anschluß« Nutzen zu ziehen, indem sie die Kontrolle über Österreichs größte Bank, den Creditanstalt­Bankverein, erlangte.(18) Diese Übernahme brachte ein Filialnetz von mehr als 40 Zweigstellen in den Bereich der Deutschen Bank ein. Die Deutsche Bank erhielt dadurch auch eine Depotstelle, wo sie einige ihrer südosteuropäischen Anteile, die sie nach und nach erwarb, hinterlegte. In der Tschechoslowakei folgte die Bank dem Modell der offiziellen Außenpolitik des Reiches, indem sie die 21 Zweigstellen zweier tschechischer Banken im Sudetenland in Zweigstellen der Deutschen Bank umwandelte. In der übrigen Tschechoslowakei wurden die Zweigstellen unter den Namen der ursprünglichen Institutionen beibehalten, die der Reihe nach unter die Kontrolle der Deutschen Bank gebracht wurden.(19) Zu der Zeit, als Deutschland den Höhepunkt seiner Expansion erreichte, hatte die Deutsche Bank Zweigstellen in der Tschechoslowakei, in Frankreich, in den baltischen Staaten, in Polen, in der Türkei und in Danzig sowie Tochtergesellschaften in Österreich, der Tschechoslowakei, in Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Luxemburg, Holland, Spanien und Lateinamerika.(20)

Sie bemühte sich, ihren Einfluß auch auf den Fernen Osten auszudehnen, indem sie gemeinsam mit anderen deutschen Banken an der Schaffung von zwei deutschen Institutionen zur Finanzierung des Fernosthandels mitwirkte: der Deutsch­Asiatischen Bank mit ihrem Hauptbüro in Schanghai und Zweigstellen in China und in Deutschland sowie der Deutschen Bank für Ostasien, einer von der Regierung unterstützten Institution, die im Jahre 1942 geschaffen worden war, um den Austausch von Waren und die Durchführung des Verrechnungsverkehrs zwischen Deutschland und Japan zu fördern.(21)

Des weiteren diente die gegen die Juden gerichtete Politik der Nazis dem ständigen Drang der Deutschen Bank nach Ausdehnung ihrer Macht. Im Jahre 1938 übernahm sie den Kundenkreis der aufgelösten Firma Mendelssohn & Co. Berlin, der größten Privatbank in Deutschland. (Siehe Jahresbericht 1938 .)(22) Im gleichen Jahr wirkte die Bank bei der »Arisierung« des bekannten privaten Bankhauses von Simon Hirschland, Essen, mit und erwarb die Kontrolle über dessen Nachfolger Burkhardt & Co.(23) Die Bank nahm an zahlreichen andern »Arisierungen« von Industrie und Finanzunternehmen teil.(24)

Erst die Wirkung des alliierten Durchbruches und ein Luftangriff brachten die Deutsche Bank für kurze Zeit von ihrer Politik der zentralisierten Verwaltung ab.

Gegen Ende des Jahres 1943 und im Jahre 1944 wurden »Ausweichstellen« in Wiesbaden (für die Zweigstellen im Gebiet von Frankfurt, Kassel, Württemberg und Bayern), ferner in Hamburg (für die nordwestlichen, westlichen und südwestlichen Zweigstellen) und in Erfurt (für die östlichen Zweigstellen) errichtet.

Wie die Deutsche Bank seit dem Tag des Sieges der Alliierten bestrebt war, selbst diese bescheidenen Dezentralisierungsmaßnahmen, die die militärische Lage erzwungen hatte, rückgängig zu machen, wird in einem der folgenden Kapitel behandelt.






Anmerkungen:

1 Eine kritische Geschichte der Deutschen Bank gibt es noch nicht, deshalb die große Bedeutung des vorliegenden Berichts. Vgl. im Gegensatz dazu die apologetischen Darstellungen von Manfred Pohl, Hermann J. Abs Eine Bildbiographie, Mainz 1981; sowie die im Auftrag des Vorstands der Deutschen Bank von Fritz Seidenzahl verfaßte Festschrift: 100 Jahre Deutsche Bank 1870­­1970, Frankfurt/M. 1970. Als kritische Glosse zu Seidenzahl vgl. Hans Radandt, »100 Jahre Deutsche Bank« ­ Eine typische Konzerngeschichte, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, 1972, Teil III, 37ff

2 Ansätze zur Durchleuchtung der Rolle der Deutschen Bank in der NSZeit liefern bis heute Kurt Gossweiler, Die Rolle der Großbanken im Imperialismus, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte (im folgenden abgekürzt = JWG), 1971, Teil III, 35ff.; Heinz Mohrmann, Zur staatsmonopolistischen Konkurrenz deutscher Großbanken unter dem Faschismus, in: JWG, 1967, T. IV, 11 ff.; Hans Radandt, Hermann J. Abs ­ Bankier im Geheimauftrag Görings, ebenda, 1974, T. IV, 27ff.; ders., Zu den Beziehungen zwischen dem Konzern der Deutschen Bank und dem Staatsapparat bei der Vorbereitung und Durchführung des zweiten Weltkrieges, in: Der deutsche Imperialismus und der zweite Weltkrieg, Bd. 1, Berlin 1960, S. 9 ff.; sowie als Zusammenfassung der OMGUS-Untersuchungen über die Deutsche Bank und die Dresdner Bank Military Government of Germany (U.S.), Dresdner ans Deutsche Banks, Special Report of the Military Governor, U.S. Zone, June 1947. Außerdem gibt es in den Beständen BA, OMGUS FINAD, eine Fülle von Detailuntersuchungen, die dem hier veröffentlichten Bericht voraufgegangen sind.

3 Siemens war für den aggressiven Expansionskurs der Deutschen Bank seit ihrem Engagement im Nahen und Mittleren Osten vor der Jahrhundertwende verantwortlich, und nicht alle Mitbegründer der Bank machten diesen Kurs mit. Vgl. den mit einem leisen Bedauern geschriebenen Aufsatz von Fritz Seidenzahl, Elkan Heinemann, in: Beiträge zu Wirtschafts und Währungsfragen und zur Bankgeschichte, H. 3, August 1966, S. 11 ff.

4 Und zwar deshalb, weil die preußische Regierung den freien Silberankauf bei den preußischen Münzen einstellte, um allein das Gold als Umlauf- und Deckungsmittel für die Banknoten der Reichsbank einzuführen (»Monometallismus«). Zu den Einzelheiten M. Pohl, Festigung und Ausdehnung des deutschen Bankwesens zwischen 1870 und 1914, in: Deutsche Bankengeschichte, Bd. 2, Frankfurt/M. 1982, S.224f.

5 Dazu noch immer unübertroffen Wo Hagemann, Das Verhältnis der deutschen Großbanken zur Industrie, Berlin 1931; W. Strauß, Die Konzertrationsbewegung im deutschen Bankgewerbe, Berlin und Leipzig 1928.

6 Vgl. H. Koch, 75 Jahre Mannesmann, Düsseldorf 1965, bes. S, 60 ff.

7 Vgl. die Geschäftsberichte der beiden Konzerne seit Mitte der zwanziger Jahre mit der Entwicklung der Aufsichtsratsmandate.

8 Vgl. die tabellarische Auflistung der Übernahmen durch die Deutsche Bank bei M. Pohl, Konzentration im deutschen Bankwesen (1848­1980), Frankfurt/M. 1982, S. 573 ff.

9 Die Zahl der Übernahmen ist größer. Vgl. Pohl, ebenda, S. 583­59 1.

10 Die Umstände der Transaktion waren verwickelter. Die Deutsche Petroleum AG, eine Tochter der Deutschen Bank, hatte 94% des Aktienkapitals der rumänischen Erdölgesellschaft Steaua Romana in Besitz. Als die Enteignung dieser Gesellschaft drohte, gründete die Deutsche Bank eine Tarngesellschaft in der Schweiz, die die Akten der Deutschen Petroleum AG an ein internationales Konsortium verkaufte.

11 Dazu M. Pohl, Der Zusammenschluß der Deutschen Bank und der Disconto­Gesellschaft im Oktober 1929, in: Beiträge zu Wirtschafts­ und Währungsfragen und zur Bankgeschichte (im folgenden abgekürzt = Beiträge), Nr. 18, 1980, S. 31 ff.; sowie DB­Geschäftsbericht 1929.

12 Vgl. Geschäftsbericht der Deutschen Bank für 1937.

13 Es waren mehr. Vgl. die Aufstellung bei M. Pohl, Konzentration im deutschen Bankwesen, S. 591 ff.

14 Hans Rummel, geh. 9.3.1882, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank von 1933­1947, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Übergangsgesellschaft Süddeutsche Bank von 1952­1956.

15 Ungenaue Darstellung. Im Gegensatz zu den anderen Großbanken brauchte die Deutsche Bank »nur« Aktienkapital in Höhe von 50 Millionen Reichsmark an die staatliche Golddiskontbank abzuführen, 34,7% ihres Aktienbesitzes. Durch einen Grundstücksverkauf im November 1933 an das Reich ging die Golddiskontbank ihrer Sperrminorität wieder verlustig, und die Deutsche Bank war wieder eigenständig. Die Reprivatisierung der übrigen Großbanken erfolgte hingegen erst 1936/37, und zwar unter der Regie des Bankhauses Delbrück, Schickler und Co., wobei Hermann J. Abs eine führende Rolle bei der Konsortialbildung einnahm. Er wurde dafür von den Großbanken mit einem Vorstandsposten in der Deutschen Bank belohnt.

16 Zum ersten »Stillhalteabkommen« von 1931, das sogar das erste Kriegsjahr überdauerte, vgl. K.E. Born, Geld und Banken im 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart 1977, S. 496f; zu den diplomatischen Hintergründen: Akten der Reichskanzlei- Weimarer Republik, Die Kabinette Brüning I und II, Bd.2, hrsg. T. Koops, Boppard 1982, bes. 1272ff.

17 Vgl. dazu die DB­Geschäftsberichte bis 1938, sowie Deutsche Überseeische Bank (Hrsg.). 50 Jahre Deutsche Überseeische Bank 1886­1936, Berlin 1936.

18 Um sich durchzusetzen, brauchte die Deutsche Bank allerdings drei Jahre. Vgl. dazu die Beweisstücke 351­361, sowie 180­186, die die Autoren der Finance Division bei der Abfassung ihres ersten Berichts teilweise noch nicht in der Hand hatten.

19 Dazu wichtige Ergänzungen zu den hier benutzten Beweisstücken in BA, R 2, 13 532, 13 533.

20 Fast ein Drittel der von der Autorengruppe zusammen mit dem Bericht vorgelegten Beweisstücke dient diesem Nachweis, vgl. das Exhibitregister im Anhang. Trotzdem ist das Material lückenhaft, die Darstellung hängt manchmal zu sehr von den Aussagen der verhörten DB­Manager ab. Nach der Durchsicht umfangreicher zentraler Archivbestände läßt sich jedoch feststellen, daß die Ermittlungsergebnisse im wesentlichen Bestand haben und nur in Details erweiterungs und korrekturbedürftig erscheinen.

21 Dazu ergänzend ein geschlossener Aktenvorgang in BA, R 7/4239.

22 Es handelte sich uni eine »freundschaftliche Arisierung«, vgl. Anm.6 in Kap.2. Zum Begriff »freundschaftliche Arisierung«, vgl. Helmut Genschel, Die Verdrängung der Juden aus der Wirtschaft im Dritten Reich, Göttingen usw. 1966, 218ff.

23 Vgl. DB­Geschäftsbericht für 1938, S. 10. Diese Transaktion fehlt bei M. Pohl, Konzentration im deutschen Bankwesen, S. 617 f.

24 Vgl. dazu die Beweisstücke Nr. 321, 322, 323­325. Ergänzende Dokumente in DokNS, W. 4.3.1.5., sowie in BA, R 2, 13 534­13 537 (»Arisierungen« im Zusammenhang mit der Sanierung der Böhmischen Union­Bank); NAW, T­75 (Generalbevollmächtigter für die Wirtschaft in Serbien), Rolls 60­66; R 13 XVIII, 6 und 7 (Beteiligung der Deutschen Bank am >,Arisierungsgeschäft« 1942/43).

Das Material zeigt insgesamt, daß die Deutsche Bank keinesfalls nur »freundschaftliche Arisierungen« betrieb, sondern in einzelnen Fällen die »Arisierungen« zum Anlaß nahm, um hohe Provisionen einzustreichen. Das gilt besonders für ihre Aktivitäten im südosteuropäischen Ausland. Im Reichsgebiet haben ­ allein schon aus Rücksicht auf die internationalen Geschäftsbeziehungen und die exponierte Stellung der Deutschen Bank bei den sog. Stillhalteverhandlungen ­mit Sicherheit die »Arisierungen« à la Mendelssohn & Co., Adler & Oppenheimer usw. überwogen. Der umstandslos forsche Zugriff anderer Großbanken läßt sich bei der Deutschen Bank wohl nicht nachweisen.

Mangelnde Differenzierung des Sachverhalts und Beweisnot brachten 1970/71 den DDR­Autor Eberhard Czichon und seinen westdeutschen Verlag vor das Stuttgarter Landgericht, wo sie gegen Hermann J. Abs nicht nur in Sachen »Arisierungen« verloren. Die Anwälte von Abs konnten nachweisen, daß die zur Auseinandersetzung stehenden Fälle von den Betroffenen selbst initiiert worden waren, und daß Abs keine Rolle bei sog. »Zwangsarisierungen« gespielt hatte. Die tatsächliche Rolle der Deutschen Bank beim »Arisierungsgeschäft« muß erst noch untersucht werden. Zu dem Stuttgarter Verfahren vgl. Eberhard Czichon, Der Bankier und die Macht Hermann Josef Abs in der deutschen Politik, Köln 1970; Teil­Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 24. 2. 1972 und Schluß­Urteil vom 27.6. 1972 (Gesch.­Nr. 17 0 220/70).


Aus: Ermittlungen gegen die Deutsche Bank - 1946/1949 -, herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger, verlegt bei Franz Greno, Nördlingen 1985.


Fortsetzung Kapitel IV


 




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