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Beiträge zur Geschichte  









Fortsetzung IV


Die Französische Revolution von 1789 bis 1794

Die Großbürgertum an der Macht

Die Einnahme der Bastille war das Signal für die Volksbewegungen in den Provinzen. In den städtischen Zentren ergriff überall das Bürgertum nach dem Beispiele von Paris die Macht und organisierte aus den wohlhabenden Bürgern eine Nationalgarde. Auf dem Lande vereinigten sich die Bauernaufstände, die bis dahin nur örtlich aufgeflackert waren, mit der Revolution. In ganz Frankreich wurde Sturm geläutet. Die Bauern griffen zu Sensen, Heugabeln und Dreschflegeln; die Schlösser der Seigneurs gingen in Flammen auf.

Die Dokumente, in denen die Feudalverpflichtungen der Bauern aufgezeichnet waren, verbrannte man auf Scheiterhaufen. Es kamen für die Grundbesitzer die Tage "der großen Furcht", wie man damals sagte. Manche von ihnen packten ihre Sachen und flohen über die Grenze des Landes.

Nachtsitzung des 4. August

Auch die Vertreter von Adel und Geistlichkeit in der Konstituierenden Nationalversammlung waren beunruhigt. Sie beschlossen, um sich zu retten, einige Zugeständnisse zu machen. In der Nacht zum 4. August 1789 beantragte Graf de Noailles, einige feudale Vorrechte abzuschaffen. Daraufhin beseitigte die Versammlung zwar einige veraltete, weniger bedeutsame feudale Privilegien, wie etwa das Recht, Taubenschläge zu halten, oder das Recht, auf den Feldern der Bauern zu jagen.

Jedoch alle wesentlichen Verpflichtungen, die auf dem Bauernland lagen, blieben aufrechterhalten. Von ihnen sollten sich die Bauern unter äußerst schweren, ja unerfüllbaren Bedingungen loskaufen. Daher gingen die Aufstände auf dem Land weiter, zeitweilig zwar etwas ruhiger werdend, bald aber zu neuer, größerer Stärke anschwellend.


Die Verschwörung des Hofes. Die Ereignisse des 5.und 6. Oktober 1789

Ludwig XVI. dachte nicht daran, auf die Niederhaltung der Revolution durch Gewalt zu verzichten. Etwa Anfang Oktober 1789 wurden um Versailles und vor Paris wiederum große Truppenteile zusammengezogen. Die größten Hoffnungen setzte man auf deutsche und schweizerische Söldnertruppen. Im Mittelpunkt der Verschwörung, die die Königspartei betrieb, stand die dem Volke verhasste "Österreicherin" Marie-Antoinette.

Zug nach Versailles

Die sonst immer so hochmütige Marie-Antoinette ließ sich so weit herab, an die Gardeoffiziere und Soldaten selbst weiße Kokarden zu verteilen. (Die weiße Farbe war die Farbe des königlichen Hauses Bourbon.) Davon erfuhr man in Paris, wo zu jener Zeit die Bevölkerung hungerte. Infolge eines außerordentlich heftigen Hagelunwetters, einer Missernte und eines harten Winters war im Jahre 1789 eine der furchtbarsten Hungersnöte des 18. Jahrhunderts entstanden. Als die Pariser nun erfuhren, dass die Königspartei eine blutige Auseinandersetzung vorbereitete, marschierten ihre Handwerker, Arbeiter und Kleinbürger, mit ihren Frauen an der Spitze, unter den Rufen: "Brot, Brot!" nach Versailles.

Man erzählte sich, der König habe Brot verstecken lassen. Als das Volk in Versailles anlangte, sah es, dass die Wagen der königlichen Familie mit Gepäck beladen und abreisefertig gemacht waren. Es verbreitete sich das Gerücht, der König beabsichtige, über die Grenze zu fliehen, um von dort, mit den Truppen der zur Intervention bereiten Mächte nach Paris zu marschieren. Da nahm das Volk König und Königin gefangen und brachte sie als Geiseln nach Paris.

Alle Hoffnungen des gefangen gehaltenen Königs richteten sich jetzt auf die Intervention des Auslandes, der Feudalstaaten Österreich, Preußen sowie auch Russland.


Die Verfassung von 1791

Deklaration der Menschenrechte

Bei der Aufstellung einer Verfassung für Frankreich arbeitete die Konstituierende Versammlung zuerst eine "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" aus (am 26. August 1789), in der in feierlicher Weise die Grundsätze verkündet wurden, die der Verfassung zugrunde liegen sollten, nämlich das Recht eines jeden, frei zu sein, die Abschaffung der Stände, die Gleichheit aller vor dem Gesetz. Das Volk selbst sei die einzige Quelle der Macht, wurde in dieser Erklärung verkündet; es hieß darin: "Die Natur hat die Menschen frei und gleich geschaffen."

Im letzten Punkte der "Erklärung" stand: "Das Eigentum ist ein unverletzliches und geheiligtes Recht." So bestätigte die, "Erklärung der Menschenrechte" die Grundlage der bürgerlichen Ordnung. Für jene Zeit bedeutete die Annahme der "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" einen großen Fortschritt. Sie versetzte den feudalen Vorrechten, der Willkür der Feudalherren einen Schlag. Sie verkündete die Gleichheit aller vor dem Gesetz. Gleichzeitig bestätigte sie aber auch eine neue Ungleichheit, die des Besitzes und begründete damit neue gesellschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse.

Im Jahre 1791 nahm die französische bürgerliche Konstituierende Versammlung die Verfassung an. Die Monarchie blieb in Frankreich bestehen, dem König verblieb sogar das Vetorecht, d.h. das Recht, die Durchführung von Gesetzen, die die Versammlung angenommen hatte, zeitweise zu verhindern (lat. veto = ich verbiete). Es wurde das Einkammersystem eingeführt. Nach dieser Verfassung gliederte man entgegen der in der "Erklärung" von 1789 verkündeten Gleichheit der Rechte die Bürger in "aktive" und "passive", d.h. solche, die das Recht hatten, zu wählen, und solche, denen es entzogen war. Frauen hatten überhaupt kein Wahlrecht.

Zur Zahl der Aktiven wurden nur die wohlhabenden Bürger gerechnet, die Steuern zahlten. Von 25 Millionen Franzosen waren nur 4 Millionen aktive Bürger. Nur die aktiven Bürger wurden in die Gesetzgebende Versammlung sowie in die Organe der städtischen Selbstverwaltung gewählt. Nur sie konnten in die Nationalgarde eintreten.

"Wer gab euch das Recht, dem Volke seine Rechte zu rauben?", rief in einer Rede über diese Verfassung ein junger Advokat aus Arras, der standhafte Demokrat Maximilian Robespierre, empört aus.

Als das Bürgertum zur Macht gekommen war, beseitigte es die Zünfte und die Reglementierung der Industrie durch die Regierung. Die Bodensteuer wurde zur Grundlage des ganzen Steuersystems.

Die frühere Einteilung Frankreichs in Provinzen, die den alten Feudalfürstentümern entsprach, wurde beseitigt. Man teilte das Land in 83 ungefähr gleichgroße Departements, die nach Flüssen und Bergen benannt wurden. Alle Binnenzölle wurden aufgehoben. Ein einheitliches metrisches System wurde eingeführt, das die Unzahl örtlich gebräuchlicher Maße ersetzen sollte. Das Gericht der Seigneurs wurde durch das Geschworenengericht ersetzt. Die Juden erhielten völlige Rechtsgleichheit.

In den Orten wurde eine neue Gemeindeverwaltung geschaffen, die von den aktiven Bürgern gewählt wurde und daher in den Händen der Großbourgeoisie lag.

Da die absolute Monarchie Frankreich zum vollen Zusammenbruch geführt und die Staatskasse geleert hatte, musste man neue Einnahmequellen suchen.

Nach Beschlagnahme der Ländereien der Geistlichkeit erklärte das Bürgertum diese zum Nationaleigentum und gab sie zum Verkauf frei. Man gab Geldschuldscheine, die "Assignaten", heraus, die bei der Bezahlung der zum Verkauf freigegebenen beschlagnahmten Ländereien der Geistlichkeit angenommen wurden. Diese Assignaten ersetzten das Metallgeld und wurden als Geldscheine anerkannt. Da man sie aber in zu großer Menge ausgegeben hatte, fielen sie bald in ihrem Wert, so dass ihre Ausgabe zu weiterem Anstieg der Teuerung führte.

Ein schwerer Schlag wurde der katholischen Kirche versetzt. Man nahm ihr und den Klöstern den Grundbesitz und übergab ihn dem Staat.

Den Geistlichen zahlte man jetzt wie Beamten Gehalt. Da aber die Geistlichkeit den Verlust der Einnahmen, den sie aus ihrem Grundbesitz erzielt hatte, nicht verschmerzen konnte, führte sie einen erbitterten Kampf um die Wiederherstellung der Macht des Königs und des Adels um die Rückgabe ihres Eigentums.

Während die bürgerliche Konstituierende Versammlung in jener Zeit eine Reihe fortschrittlicher Maßnahmen durchführte, ergriff sie zur gleichen Zeit Maßnahmen gegen das niedere Volk. Schon im Oktober 1789 erließ man - nach dem Zuge des Pariser Volkes nach Versailles - ein Gesetz, das den Behörden gestattete, auf eine unbewaffnete Menge schießen zu lassen, falls sie sich weigerte, auseinander zu gehen. Im Jahre 1791 gingen die Arbeiter im Zusammenhang mit den großen Streiks daran, sich zu Berufsverbänden zusammenzuschließen: die Zimmerleute organisierten eine Gesellschaft zur gegenseitigem Hilfe, die Drucker einen Verband der Druckereiarbeiter. Da erließ die Konstituierende Versammlung ein vom Deputierten Le Chapelier eingebrachtes Gesetz, das die Arbeiterorganisationen verbot. Die Urheber und aktiven Teilnehmer an Streiks wurden mit Strafen und Gefängnis bedroht.

Die Bauern waren eben so wenig zufrieden, da ihre wesentlichsten Feudellasten nicht abgeschafft worden waren.
In den Kolonien behielt das Großbürgertum die Sklaverei bei.


Die Flucht des Königs

Festnahme des Königs, 21. Juni 1791

Der König wartete nur auf die Gelegenheit, aus Frankreich zu fliehen und die Unterstützung der Feudalstaaten zu erhalten. Gegen Ende des Jahres 1791 hatten sich fast 20.000 gegenrevolutionäre Emigranten, die aus Frankreich geflohen waren, in der Stadt Koblenz unweit der Grenze versammelt und erwarteten das Zeichen zum Losschlagen.

Der König nahm bei Pariser Bankiers Gelder auf, versah sich mit einem falschen russischen Pass und fuhr am 20. Juni 1791 in aller Eile mit seiner Familie heimlich zur belgischen Grenze, an der man vorher schon Truppen konzentriert hatte und deren Führung dem König ergeben war.

Unterwegs, unfern der Stadt Varennes, erkannte ein Postmeister den König. Die Opposition schlug Alarm, und die Folge war, dass der König unter dem Geleit des Volkes nach Paris zurückgebracht wurde.

Lafayette

Das Volk forderte eine gerichtliche Aburteilung des Königs. Die Konstituierende Versammlung jedoch fürchtete, dass der Sturz des Königs eine Massenbewegung des Volkes gegen Grundherren und Bürgertum zur Folge haben würde. Sie stellte sich schützend vor den König und versuchte, sein Verhalten zu rechtfertigen. Man ließ verkünden, der König sei gar nicht geflohen, er sei "entführt" worden. Als sich dann am 17. Juli eine große Volksmenge auf dem Marsfelde versammelte und die Absetzung des Königs sowie die Ausrufung der Republik forderte, ließ das Bürgertum gegen diese Demonstration die Nationalgarde unter Führung Lafayettes aufmarschieren. Die Garde jagte die unbewaffneten Demonstranten mit Gewehrsalven auseinander. So trat die Großbourgeoisie offen auf die Seite des Königs und stellte sich gegen das Volk.

Die überwiegende Mehrheit der Konstituierenden Versammlung bestand aus den Vertretern der großen Finanz- und Handelsbourgeoisie und aus den Grundbesitzern. Die Demokraten waren darin nur mit wenigen Männern vertreten, an deren Spitze der Junge Advokat Robespierre stand. Als standhafter Verteidiger der Rechte des Volkes kämpfte er gegen den König, die Aristokratie und die Großgrundbesitzer. Sein Wort galt in den revolutionären Pariser Vororten.

Weit größer war die Zahl der Demokraten in den politischen Klubs. Einen immer größeren Einfluss errang der Klub der Jakobiner (der so genannt wurde, weil er in dem früheren Kloster des Heiligen Jakobus tagte). Anfangs überwog in diesem Klub die Großbourgeoisie; je weiter sich jedoch die Revolution entwickelte, um so mehr gewannen darin die revolutionären bürgerlichen Demokraten mit Robespierre an der Spitze die Oberhand. Die Vertreter des großen Finanzbürgertums und des liberalen Adels, die Anhänger einer konstitutionellen Monarchie, spalteten sich von den Jakobinern ab und gründeten einen eigenen Klub der Feuillants. (Dieser Klub wurde in einem großen Gebäude eines während der Revolution geschlossenen reichen Klosters der Feuillants gegründet. Daher der Name: Klub der Feuillants.)


Die Gesetzgebende Versammlung

Nach Ausarbeitung der Verfassung (1791) sah die Konstituierende Versammlung ihre Aufgabe als beendet an. Indem sie ihren Platz der auf Grund der neuen Verfassung gewählten Gesetzgebenden Nationalversammlung abtrat, beschoss sie, dass keines ihrer Mitglieder das Recht habe, der neuen Versammlung anzugehören.

In die Gesetzgebende Versammlung wurden nur "aktive" Bürger gewählt; von ihren 766 Deputierten waren nur 3 Bauern und 4 Handwerker. Hier hatte das Großbürgertum die größte Zahl der Plätze inne. Aber auch die Zahl der Demokraten hatte zugenommen, obwohl Robespierre als Mitglied der Konstituierenden Versammlung in die Gesetzgebende Versammlung nicht hineingewählt wurde. Die Feuillants, die das reiche Bürgertum, die Bankiers und die Steuerpächter vertraten, unter denen sich aber auch adlige Grundbesitzer befanden, hatten in der Gesetzgebenden Versammlung 264 Sitze inne. Den linken Flügel der Versammlung bildeten 136 Deputierte, die sich in zwei Gruppen teilten, in die demokratischen Jakobiner und in die Girondisten.

Bankett der Girondisten

Die Girondisten erlangten in der Gesgesetzgebenden Versammlung bedeutenden Einfluss. Die angesehensten ihrer Führer, der glänzende Redner und Advokat Vergniaud und andere, wurden vom Departement der Gironde gewählt (daher der Name dieser Partei). Eine bedeutende Rolle spielte unter den Girondisten der Deputierte von Paris, der Journalist Brissot. Die Girondisten waren Vertreter des Handels- und Industriebürgertums.

Manche Girondisten hatten Verbindungen zur Landwirtschaft und zogen Gewinn aus der Ausbeutung der Bauern. Es gab Grundbesitzer unter ihnen, die ein Interesse daran hatten, dass die Bauern weiterhin im Zustande der Rechtlosigkeit und der Bedrückung blieben und weiter ihre Verpflichtungen zu tragen hatten. Die Girondisten besaßen Handelsunternehmungen, die mit den Kolonien Handel trieben; einige waren an der Erhaltung der Sklaverei in den Kolonien interessiert.


Der König und die Gesetzgebende Versammlung

Der König stand der Gesetzgebenden Versammlung feindlich gegenüber. Als sie Gesetze über die Beschlagnahme des Eigentums der gegenrevolutionären Emigranten annahm, die Verhängung der Todesstrafe über sie beschloss, als sie dann noch so weit ging, den Geistlichen die Gehälter zu entziehen, weil sie den von der Gesetzgebenden Versammlung geforderten Eid auf die Verfassung verweigerten, nahm der König sein Vetorecht wahr und versagte diesen Gesetzen seine Genehmigung.

Im März 1792 entschloss sich Ludwig XVI., dessen Unnachgiebigkeit den Zorn und ernste Drohungen der Girondisten hervorgerufen hatte, ein Ministerium aus Girondisten unter der Führung von Roland zu bilden.

Im Frühjahr 1792 verstärkten sich die Unruhen wegen der Verpflegungsschwierigkeiten in den Städten. Man forderte die Festsetzung neuer Brotpreise. Der Wert des Geldes sank, die Teuerung stieg. Auf dem Lande wurde die Bewegung unter den Bauern, welche Forderungen auf Landzuteilungen stellten, immer stärker. Im gleichen Jahre zog die Gefahr kriegerischer Verwicklungen über Frankreich herauf.


Die Koalition der Feudalstaaten gegen das revolutionäre Frankreich

Schon im Jahre 1791 hatten der österreichische Kaiser Leopold II. und der preußische König Friedrich Wilhelm II. in Pillnitz eine Zusammenkunft mit Vertretern der französischen Emigranten. Sie unterschrieben ein Abkommen über gemeinsame Unternehmungen zur Wiederherstellung des Absolutismus' Ludwigs XVI. und beschlossen, Truppen bereit zu halten.

In jener Zeit wandten sich französische Emigranten auch an Katharina II. Sie schrieben: "Wir sind überzeugt, dass unter Ihrem Schutze die Monarchie (in Frankeich) wieder aus der Asche erstehen und ihren früheren Glanz wiedererlangen wird."
Auf diese Eingabe antwortete Katharina II.: "Die Verteidigung des Königs von Frankreich ist eine Angelegenheit aller Herrscher. Im Augenblick genügt ein Heer von 10.000 Mann, um Fankreich von einem zum anderen Ende zu erobern." Die Zarin erklärte, die Gesetzgebende Versammlung sei eine "Hydra mit 1200 Köpfen". Zu einer unmittelbaren Einmischung Russlands in die Angelegenheiten Frankreichs kam es jedoch in den Jahren der Französischen Revolution nicht, da Russland durch Kriege mit Schweden und der Türkei und durch seine Teilnahme an der Aufteilung Polens von jenen Vorgängen abgelenkt war.

Während Katharina II. auf der Seite der französischen Gegenrevolution stand, verfolgten fortschrittliche Kreise der russischen Gesellschaft die Revolution, die in Frankreich ausgebrochen war, mit starker Sympathie.

Im Jahre 1790 hatte in Russland A. N. Radischtschew, der erste russische Republikaner, ein Verehrer der französischen Aufklärung, seine berühmte "Reise von Petersburg nach Moskau" veröffentlicht. In diesem Werke enthüllte er kühn die Grausamkeiten, unter denen die leibeigenen Bauern in Russland litten und führte den bis dahin schärfsten Angriff gegen Leibeigenschaft und Absolutismus in Rußland. Katharina II. bezeichnete das Buch als die "Aussaat der französischen Seuche" und nannte Radischtschew selbst einen "Aufrührer". Er wurde zur Todesstrafe verurteilt, die später in eine zehnjährige Verbannung nach Sibirien umgewandelt wurde.

Im Jahre 1792 rüstete der österreichische Kaiser, der die schwierige Lage Frankreichs ausnützen und die Autokratie Ludwigs XVI. und seiner Schwester, Königin Marie-Antoinette wieder aufrichten wollte, zum Kriege gegen Frankreich. Die Gesetzgebende Versammlung aber beschloss, ihm zuvorzukommen. Sie erklärte im Frühjahr 1792 Österreich den Krieg.

Damit trat Frankreich in eine Reihe von Kriegen ein, die über 20 Jahre dauerten.


"Das Vaterland ist in Gefahr"

Der Krieg gegen Österreich und Preußen begann mit Misserfolgen. In den vom Adel besetzten Kommandostellen hatten sich Verrat und Sabotage eingenistet. Die Soldaten verloren das Vertrauen zu den Offizieren und Generälen. Die Disziplin war untergraben. Die Kriegslage Frankreichs wurde noch dadurch verschlechtert, dass Marie-Antoinette den Österreichern den Kriegsplan aushändigte. Preußische und österreichische Truppen rückten an die Grenzen Frankreichs und von Tag zu Tag wurde ihr Einfall erwartet.

Unter dem Druck der Pariser Arbeitervorstädte beschloss die Gesetzgebende Versammlung dann, aus der Provinz 20.000 Freiwillige (Föderierte) nach Paris einzuberufen und in der Nähe der Stadt ein Heerlager einzurichten. Als der König diesem Beschluss seine Zustimmung versagte, erhob sich im ganzen Lande ein Sturm der Empörung. Das Girondistenministerium Roland, das den Beschluss zur Bildung eines Lagers der Föderierten unterstützt hatte, wurde vom König entlassen.

Marseillaise

Entgegen dem Verbot des Königs strömten im ganzen Land Scharen von Freiwilligen zusammen und zogen in Eilmärschen zur Verteidigung der Stadt nach Paris. Die bewaffneten Abteilungen, die aus Marseille heranrückten, marschierten mit einem neuen Revolutionslied, der Marseillaise, in der es zu Beginn heißt:

    "Voran, Kinder des Vaterlandes, der Tag des Ruhmes ist gekommen.
    Gegen uns hat die Tyrannei die blutige Fahne erhoben.
    zu den Waffen, ihr Bürger, zu den Waffen!"

Am 11. Juli 1792 erklärte die Gesetzgebende Versammlung "das Vaterland in Gefahr". Es wurden an die Pariser Waffen ausgegeben. Die neu aufgestellten Freiwilligenverbände begaben sich an die Front.

In dieser Zeit veröffentlichte der Oberbefehlshaber des preußischen Heeres - das sich Österreich angeschlossen hatte -,der Herzog von Braunschweig, ein Manifest, in dem er die Drohung aussprach, er werde mit der Revolution erbarmungslos verfahren und in Paris keinen Stein auf dem anderen lassen, wenn die frühere autokratische Regierung Ludwig XVI. nicht wiederhergestellt werden sollte. Gleichzeitig begann der Herzog von Braunschweig mit einem regulären Heer und Emigrantenverbänden von Koblenz aus den Vormarsch auf Paris.



Fortsetzung V

PSG e.V., Geschichts-AG








 

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