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Beiträge zur Geschichte  









Fortsetzung V


Die Französische Revolution von 1789 bis 1794

Sturz der Monarchie. Kampf der Girondisten mit der Bergpartei

Der Aufstand des 10. August 1792. Sturz der Monarchie in Frankreich

In dieser bedrohlichen Stunde erhoben sich die Arbeiter und die Handwerker der Pariser Vororte und verteidigten die Revolution gegen das Heer der Emigranten und der Feudalstaaten.

Robespierre forderte die Absetzung des Königs und die Einberufung einer Volksversammlung, des Konvents, der durch allgemeine Abstimmung, ohne Teilung der Bürger in aktive und passive, gewählt werden sollte.

Der beim Kleinbürgertum und den Arbeitern von Paris populäre Marat forderte in seiner Zeitung "Der Volksfreund" dazu auf, weder dem Könige noch der Gesetzgebenden Versammlung zu trauen. "Die Gesetzgebende Versammlung ist euer schlimmster Feind, sie wird sich an euch rächen und sich bemühen, euch mit lügnerischen Versprechungen zu überschütten", rief Marat unaufhörlich in seinen Artikeln. "Fordert die Einberufung eines Konvents zum Gericht über den König und zur Nachprüfung der Verfassung!"

Jean Paul Marat

Jean Paul Marat (1745-1793) war von Beruf Arzt. Er studierte in London, hatte dort enge Beziehungen zu radikalen Demokraten und siedelte dann nach Paris über. Seit Beginn der Revolution trat Marat in scharfen und leidenschaftlichen Zeitungsartikeln für die Interessen der Armen in den Städten und der Bauern ein. Er wandte sich gegen Mirabeau, den er beschuldigte, sich dem Hofe verkauft zu haben (was sich übrigens später auch als vollkommen richtig erwies).

Es wurde ein Haftbefehl gegen Marat erlassen, so dass er sich viele Monate in den Armenvierteln von Paris versteckt halten musste. Da er Tag und Nacht in einem Keller ohne Tageslicht arbeitete, zog sich Marat eine Augenkrankheit zu. Trotzdem schrieb er seine Artikel, in denen er zur Weiterführung der Revolution aufrief, unermüdlich weiter. Marat gab die Zeitung "Der Volksfreund" heraus. Unter den Armen hatte er überall Freunde; man nannte ihn selbst "Freund des Volkes". Während, er zum Kampf gegen König und Adel und später gegen die Girondisten aufrief, hielt Marat doch mit der Veröffentlichung seines Programms zurück, das von dem Programm der Jakobiner abwich.

Aus Mitgefühl mit den Armen aus dem Handwerkerstande und mit dem Wunsch, ihre Lage zu verbessern, schlug Marat vor, das überlebte mittelalterliche System der Zünfte wieder herzustellen.

In den Tagen als der Revolution Gefahr drohte, entfaltete Marat seine Tätigkeit vor allem in den Sektionen. Die Sektionen waren in einigen Bezirken von Paris anfänglich zur Durchführung der Wahlen zu den Generalständen gebildet worden und anach zu ständigen Organisationen der Bürger in den Rayons geworden. In diese Sektionen hatte man schon früher nicht nur die aktiven Bürger zugelassen, sondern alle, die es wünschten. Jetzt erklärten die Sektionen, die der Gesetzgebenden Versammlung nicht trauten, ihre Sitzungen als ununterbrochen tagend und wählten ein Zentralkomitee, die Kommune von Paris, zur Leitung der revolutionären Bewegung.

Die Zunahme der Teuerung und der Mangel an Lebensmitteln vergrößerten die Aufregung der Bevölkerung.

Einnahme der Tuilerien

In der Nacht vom 9. zum 10. August 1792 zogen auf ein Alarmsignal hin die bewaffneten Bürger von Paris zum Rathaus. In Abteilungen gegliedert, mit Pistolen und Piken bewaffnet, griffen das Volk zusammen mit den aus der Provinz herangerückten Freiwilligen beim Morgengrauen des 10. August das königliche Schloss, die Tuilerien, an. Auf einen solchen Angriff hatte sich der König seit langem vorbereitet, denn es waren im Schloss Abteilungen der Schweizer Söldnergarde zusammengezogen, dem Königs ergebene Adlige und Offiziere versammelt und Artillerie aufgestellt.

Der erste Angriff des Volkes wurde abgeschlagen; Tote und Verwundete blieben auf dem Platze vor dem Schloss. Erst nach einem zweiten Angriff gelang die Einnahme der Tuilerien. Ludwig XVI. aber war in die Gesetzgebende Versammlung geflüchtet, wo er um Schutz bat.

Die Gesetzgebende Versammlung entzog dem König die Macht und beschloss seine Überführung in ein Pariser Schloss. Doch die Kommune bestand auf seiner Verhaftung. Er wurde mit seiner Familie im Gefängnis des Temple-Gebäudes festgesetzt.

Danton

So wurde am 10. August 1792 in Frankreich die Monarchie gestürzt. Das Ministerium der Girondisten unter der Führung Rolands gelangte wieder zur Macht. Justizininister wurde der Jakobiner Danton. Darauf erklärte sich die Kommune von Paris als revolutionäre Macht, die berechtigt sei, die Anordnungen der Gesetzgebenden Versammlung außer Kraft zu setzen.


Die Organisation der Verteidigung und die Vertreibung des Feindes

Die Kommune benutzte ihren Einfluss vor allem zur Organisation der Verteidigung, die unverzüglich erfolgen musste, denn die Preußen waren schon bis Verdun gelangt. Während Paris Truppen an die Front schickte, bereiteten in der Hauptstadt selbst Gegenrevolutionäre offen einen Aufruhr vor. Die Monarchisten waren entschlossen, die Gefängnisse zu zertrümmern und die darin gefangengehaltenen Gegenrevolutionäre freizulassen, den König zu befreien und in der Hauptstadt ein Gemetzel zu veranstalten. Da ordnete die Kommune eine Reihe von Verhaftungen an. Anfang September stürzte sich das Volk in die Gefängnisse und machte mit den Gegenrevolutionären, die im Begriffe standen, auszubrechen, kurzen Prozess.

In diesen Tagen sprach der Jakobiner Danton von der Tribüne der Gesetzgebenden Versammlung, indem er der Stimmung des Volkes Ausdruck gab: "Wenn das Vaterland in Gefahr ist, hat niemand das Recht, ihm den Dienst zu verweigern, ohne Gefahr zu laufen, sich mit Schmach zu bedecken und sich den Namen eines Verräters am Vaterlande zuzuziehen. Um die Feinde zu schlagen, brauchen wir Kühnheit, Kühnheit und noch einmal Kühnheit - und Frankreich wird gerettet sein."

Die Losungen Robespierres, Marats und Dantons zur Verteidigung des Landes wurden vom ganzen revolutionären Frankreich aufgegriffen. Dann aber geschah etwas für Europa ganz Unerwartetes. Die französischen Truppen, die hungrig, schlecht gekleidet, oft ohne Schuhwerk und mangelhaft bewaffnet, jedoch von revolutionärer Begeisterung ergriffen waren, verjagten die gut ausgebildeten Heere der feudalen Koalition.

Die Schlacht bei Valmy

Am 20. September 1792 kam es zur Entscheidungsschlacht bei Valmy. Die preußischen Truppen flohen, da sie dem starken Artilleriefeuer und dem gewaltigen Ansturm der revolutionären Truppen nicht gewachsen waren. Paris war gerettet. Die Schlacht bei Valmy bedeutete einen Umschwung im Verlaufe des Krieges. Nach diesem Siege ging die revolutionäre Armee zum Angriff über, die französischen Truppen überschritten schon nach kurzer Zeit die Grenze und besetzten ganz Belgien.


Der Konvent. Die Kämpfe zwischen Girondisten und Jakobinern

Ausrufung der Republik

Der Sieg bei Valmy fiel mit der Eröffnung des Konvents zusammen, der die Gesetzgebende Versammlung abgelöst hatte. Seine erste Maßnahme war die Ausrufung der Republik in Frankreich (22. September 1792). Obwohl der Konvent durch allgemeines Wahlrecht, ohne Aufteilung der Bürger in passive und aktive, gewählt worden war, bestand er trotzdem hauptsächlich aus Vertretern des Bürgertums.

Ihm gaben ihre Stimmen sowohl die Bauern wie die breiten Schichten der städtischen Bevölkerung, die noch nicht fähig waren, als politisch selbständige Macht aufzutreten. Die demokratischen Jakobiner, die die obersten Bänke im Saal einnahmen, erhielten den Namen "Bergpartei". Auf den unteren Bänken des Konvents saßen die Girondisten, Vertreter des handel- und gewerbetreibenden Bürgertums. Ebenfalls unten hatten sich bürgerliche Vertreter des Konvents niedergelassene die drei Viertel der überhaupt Gewählten ausmachten und sich an keine Partei angelehnt hatten. Sie unterstützten diejenige Partei, die im gegebenen Augenblick stärker war; sie gingen zuerst mit den Girondisten und dann mit den Jakobinern. Wegen ihrer Unbeständigkeit und ihres Schwankens bei politischen Entscheidungen erhielten sie den Beinamen "Sumpf" oder "Ebene".

Von Anfang an spielten sich im Konvent Kämpfe zwischen den Jakobinern und den Girondisten ab. Die Girondisten wollten die Revolution beendet sehen, die Jakobiner dagegen waren der Meinung, man müsse sie noch verschärfen und es sei nötig, den Kampf gegen die feudalen Mächte der Unterdrückung weiterzuführen.

Hinrichtung Ludwig XVI.

Während die Girondisten das Leben des Königs zu retten wünschten, setzten es die Jakobiner mit Unterstützung der Kommune durch, dass der Konvent über den König Gericht abhielt und ihn zum Tode verurteilte. Am 21. Januar 1793 wurde Ludwig XVI. mit der Guillotine enthauptet. Später wurde auch die Anführerin der Hofpartei, Marie-Antoinette, hingerichtet.

Unterdessen verschlechterte sich die Lage an der Front sehr. Schon während des erfolgreichen Einfalls in Belgien (1792) hatte der Konvent verkündet, dass er allen Völkern brüderliche Hilfe leisten werde, dass die Truppen der Französischen Republik auf die Abschaffung der feudalen Vorrechte in den angegliederten Ländern bedacht sein würden. Die Revolutionsgeneräle erklärten als ihre Losung: "Friede den Hütten, Krieg den Palästen".

Sansculotte

Die Girondisten jedoch betrachteten den Krieg als ein Mittel zur Unterwerfung neuer Länder unter die französische Bourgeoisie. Ihre Generäle plünderten die Bevölkerung der eroberten Gebiete aus. Der Girondistenminister Roland enthüllte die wahren Absichten der Großbourgeoisie. "Man muss Tausende von Menschen aus Paris zur Grenze schicken", sagte er. "Wir geben ihnen Gewehre und senden sie so weit fort, wie ihre Füße sie nur irgend tragen können. Anderenfalls würden sie zurückkommen und uns die Kehlen durchschneiden." Also durch Entsendung von Truppen an die Front wollten sich die Girondisten von den revolutionärsten Elementen befreien, von den Sansculotten, wie die Armen hießen (denn sie trugen lange Hosen aus grobem Gewebe und nicht wie die Adligen und Reichen Kniehosen [frz. = culottes], die mit Spitzen reich besetzt waren).

Unter der Führung der Girondisten ließ bei den Truppen des Konvents die Kampfbegeisterung wieder nach, denn sie trauten ihren Kommandeuren nicht. Sie wichen vor dem heftigen Ansturm der Heere der feudalen Koalition zurück. Außer Österreich und Preußen schloss sich dieser Koalition auch Spanien an. Und auch das zaristische Russland beteiligte sich an der Blockade Frankreichs. Am 1. Februar 1793 erklärte Frankreich an England, das französische Schiffe beschlagnahmt hatte und sich damit feindseliger Handlungen gegenüber Frankreich schuldig gemacht hatte, den Krieg. Am gleichen Tage erfolgte die Kriegserklärung an Holland. Den Feudalstaaten ging es vor allem darum, die Französische Revolution zu unterdrücken, um zu verhindern, dass ihre Flamme auf andere Länder Europas übergriffe.

Das englische Bürgertum war ebenfalls daran interessiert, dass in Frankreich die Bewegung der Bevölkerung unterdrückt wurde. Sein Hauptziel jedoch war die Vernichtung des für seine Industrie in jener Zeit bedeutendsten Konkurrenten im Kampf um Kolonien. England spielte die Hauptrolle als Organisator des Krieges gegen das revolutionäre Frankreich. Durch Unterstützung mit Hilfsgeldern zwang es seine Bundesgenossen Österreich, Preußen und andere, Truppen gegen Frankreich zu senden. Die Lage wurde dadurch erschwert, dass ein gegenrevolutionärer Aufstand in Frankreich selbst, in der Vendée, ausbrach. Die rückständige Bauernschaft dieses Gebietes ging zu den gegenrevolutionären Geistlichen und Grundherren über. Englische Spione und Agenten schmuggelten große Summen von Geld und Waffen zur Organisation des Aufstandes in die Vendée.

Ein scharfer Kampf zwischen "Berg" und "Gironde", zwischen Jakobinern und Girondisten, entbrannte um die Frage der Versorgung. Die Teuerung wuchs mit jedem Tag und lastete schwer auf der Bevölkerung. Die Girondisten aber setzten den Erlass eines Gesetzes über die volle Freiheit des Getreidehandels durch, was eine große Unzufriedenheit unter der armen Bevölkerung der Städte hervorrief. In den Pariser Sektionsversammlungen traten Anhänger radikalster Maßnahme auf, die von dem Bürgertum als die "Wütenden" (enragés) bezeichnet wurden. Den größten Einfluss hatte bei ihnen Jacques Roux, ein armer Gemeindegeistlicher.

"Die Freiheit ist ein leeres Phantom, wenn eine Klasse ungestraft eine andere aushungern darf", sagte Roux. "Ist denn Eigentum von Halunken wertvoller als das Menschenleben?"

Die "Wütenden" traten gegen die Steuerpächter und Reichen auf.

Nun begannen die Jakobiner unter dem Einfluss der Unzufriedenheit unter der Bevölkerung und der Agitation der "Wütenden" die Einführung fester Preise für Brot und andere Lebensmittel zu fordern. (Den festen Höchstpreis auf Waren nannte man damals das "Maximum".) Endlich, am 4. Mai 1793, nahm der Konvent ein Gesetz über das Maximum für Brotgetreide an.

'Triumpf'-Zugs Marats

Dem Lande drohte Gefahr von außen und zugleich durch die gegenrevolutionären Bestrebungen im Innern. In dieser Lage Frankreichs übte der Oberbefehlshaber der Nordarmee, der girondistische General Dumouriez, Verrat und ging auf die Seite der Österreicher über. Marat, der "Freund des Volkes", wurde von den Girondisten vor Gericht gestellt, aber unter dem Druck der Bevölkerung freigesprochen. Das Volk trug Marat aus dem Gerichtsgebäude auf den Händen hinaus und zum Konvent, wo es ihn mit Zurufen freudig begrüßte und mit Blumen überschüttete.

Die Nachricht von einem Beschluss der Girondisten, gegen die Kommune und die revolutionären Sektionen ein Gerichtsverfahren einzuleiten und zu diesem Zwecke eine besondere Zwölferkommission zu wählen, rief in den Vororten eine große Erregung hervor.


Der Aufstand vom 31. Mai bis zum 2. Juni 1793

Am 31. Mai 1793 waren die Straßen von Paris wieder voll von bewaffneten Aufständischen. An diesem Tage aber erreichten sie vom Konvent nur die Auflösung der "Zwölferkommission". Der Kampf ging weiter. Am Morgen des 2. Juni gab Marat selbst vom Rathaus aus das Signal zum Läuten der Sturmglocken. Die Vorstädte erhoben sich. 40.000 Mann zogen zum Konvent. Als diese bewaffneten Trupps der Sektionen den Konvent eingeschlossen hatten, entschied sich dieser unter dem Druck der Aufständischen dafür, die girondistischen Führer zu verhaften. Die führende Partei im Konvent wurden die Jakobiner, die die entschlossensten Vertreter des revolutionären des Bürgertums waren.

Die Jakobiner waren Vertreter des revolutionären Bürgertums, das gegen die feudal-absolutistische Ordnung kämpfte. Hinter dem revolutionären Bürgertum standen die Plebejer, die am wenigsten gesicherten und verelendeten Schichten des Kleinbürgertums, der Handwerker und Arbeiter.

Im Kampf gegen die feudal-absolutistische Schicht unterstützten diese Plebejer die Jakobiner und waren oft ihre treibende Kraft. Die Bauernschaft, die gegen die Grundherren auf dem Lande und zugleich gegen den äußeren Feind an den Fronten kämpfte, war zahlenmäßig am stärksten und bildete die Hauptkampfkraft der Französischen Revolution.

Vom 31. Mai bis zum 2. Juni 1793 wurde in Frankreich die revolutionär-demokratische Diktatur der Jakobiner errichtet, die unter dem Druck der niederen Schichten in den Städten und auf dem Lande eine Reihe von wichtigen, im Interesse dieser Schichten liegenden Maßnahmen durchführte.



Fortsetzung VI

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