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Beiträge zur Geschichte  












Fortsetzung 7

Marlis Meergans, Eberhard Noll

Die Pariser Kommune

Der 18. März, Paris befreit sich

"Paris war das einzige ernstliche Hindernis auf dem Wege der konterrevolutionären Verschwörung. Paris mußte also entwaffnet werden ( ... ) Und Thiers war so durch und durch bar eines jeden, auch des durchsichtigsten Vorwandes, um den Krieg mit Paris einzuleiten, daß er auf die platte Lüge angewiesen blieb: Das Geschütz der Nationalgarde sei Staatseigentum! Die Beschlagnahme des Geschützes sollte nur dienen als allgemeines Vorspiel der Entwaffnung von Paris und damit der Entwaffnung der Revolution des 4. September" (26)

Als am 26. Februar der Präliminarfrieden unterzeichnet wurde, brachte die Pariser Bevölkerung die Geschütze der Nationalgarde in Sicherheit, welche sich in einem Stadtteil befanden, das von den preußischen Truppen besetzt werden sollte. Diese Geschütze waren durch Beiträge der Pariser Bevölkerung beschafft worden, und mit Recht wollte das Volk verhindern, daß sie in die Hände der Okkupanten fielen. Am 18. März um 3 Uhr morgens rückten die Truppen Thiers' gegen Buttes­Chaumont, Belleville, Faubourg du Temple, das Luxembourg und das Invalidenhaus, um sich der Geschütze der Nationalgarde zu bemächtigen.

Das größte der Geschützdepots der Nationalgarde befand sich auf dem Hügel von Montmatre. Der Division Susbielle und der Brigade des General Lecomte wurde die Aufgabe übertragen, die Geschütze von dort abzutransportieren. Die Operation schien reibungslos zu gelingen. Nach kurzem Feuergefecht war die Wachmannschaft des 61. Bataillons der Nationalgarde vertrieben und das Artillerielager besetzt. Durch eine jener Nachlässigkeiten jedoch, die der französischen Heeresführung schon während des Krieges serienweise unterlaufen waren, versäumte man die Gespanne zum Abtransport der Geschütze freizustellen. Inzwischen war Montmatre in große Aufregung geraten. Die Sturmglocken wurden gelautet und alle Straßen bis zum Hügel füllten sich mit einer unübersehbaren Menschenansammlung ­ unter ihnen Frauen, Kinder und bewaffnete Nationalgardisten.

Von der Haltung der Regierungstruppen hing viel ab, denn sie haben bei der Belagerung der Stadt Seite an Seite mit der Bevölkerung gekämpft. Es waren Bürger in Uniform, und keine dem bedingungslosen Gehorsam verschrieben Söldner, die die, deren sich das zweite Kaiserreich bedient hatte. Als General Lecomte den Befehl gab auf das Volk zu schießen, weigerten sie sich. Als einer der Unterführer rief: Kameraden, die Waffen nieder!, verbrüderte sich das 88. Linienbataillon des General Lecomte mit der Bevölkerung. Unter den Rufen: Hoch leben die Linientruppen!, entwaffnete es seine Offiziere und verhaftete General Lecomte. General Lecomte, den man auch den 'Erschießer von 1848' noch bevor er abgeführt werden konnte, von den Massen ergriffen, in einen Hinterhof geführt und erschossen. So berechtigt der Zorn der Bevölkerung war, so unnötig war diese Tat, traf sie doch nur einen Komparsen, während sich die wahren Schuldigen aus Paris davonmachten.

Am Place Pigalle mißlang ebenfalls Thiers' Offensive. Dort schlugen Nationalgardisten und Soldaten des 88. Linienbataillons nach kurzem Gefecht eine Gruppe berittener Jäger zurück und postierten sich vor die Geschütze. Weiter entfernt auf den Hügeln von Chaumont, wo sich ein weiteres Geschützlager befand, hatte General Faron die gleichen Mißerfolge erlitten. Gegen 9 Uhr war die Niederlage der Regierungstruppen perfekt. In Voraussicht eines möglichen Gegenangriffs organisierte das Zentralkomitee den anfangs spontanen Widerstand. Aber es erfolgte kein Gegenangriff Thiers unter anderem deshalb, weil ein Appell der Regierung Thiers, der die Nationalgardisten aufforderte: "Ihre Stadt, ihre Häuser, ihre Familien und ihr Eigentum zu verteidigen" scheiterte.

Diesem Appell der Regierung "mit einem aufständischen Komitee Schluß zu machen, dessen Mitglieder nur kommunistische Lehren vertreten und Paris der Plünderung aussetzen und Frankreich ins Grab bringen würden", waren 500 Nationalgardisten gefolgt. Aber als sie sahen, wie wenige sie waren, beschlossen sie wieder nach Hause zu gehen. Nachdem im Außenministerium die Nachrichten von der mißlungenen Einnahme der Geschütze der Nationalgarde eingetroffen waren, faßte Thiers den Entschluß Paris zu räumen. Mit seinem Kabinett und den übriggebliebenen Truppen verließ er Paris und begab sich nach Versailles. Das Zentralkomitee der Nationalgarde hatte unterdessen mehrere Sitzungen abgehalten und nachdem es über die gesamten Ereignisse informiert worden war, veranlaßte es die Besetzung der strategisch wichtigen Punkte der Stadt, sowie der öffentlichen Gebäude. Innerhalb weniger Stunden wurden Kasernen, die Polizeipräfektur, das Justizministerium Lind das Rathaus, auf dem bereits die rote Fahne gehißt worden war, besetzt.

Die Besetzung erfolgte jedoch nicht ohne Zögern; so unterließ es z.B. das Zentralkomitee das Hauptpostamt und die Bank von Frankreich zu besetzen. Diese Unterlassung sollte sich in der Folgezeit noch verheerend auswirken. Nicht zuletzt gar dieser Fehler in der irrealen Politik der Proudhonisten begründet, die jeglichen Eingriff in das private Eigentum an Produktionsmitteln ablehnten. Zudem beging man den Fehler, den Oberbefehl der Nationalgarde dem ehemaligen Marineoffizier Charles Lullier anzuvertrauen, der weder den Rückzug der Truppen Thiers zu stoppen versuchte ("obwohl diese zum Überlaufen bereit waren")(27), noch ließ er die Tore von Paris schließen. Bis man merkte wie verhängnisvoll diese Entscheidung war, hatte Lullier nicht wiedergutzumachenden Schaden angerichtet. Er vergaß nämlich, die von den Regierungstruppen verlassenen Bastionen des Mont­Valérien zu besetzen. Nach 36 Stunden wurden sie schließlich von den Versailler Regierungstruppen kampflos wieder vereinnahmt.

Am folgenden Tag kam es zur ersten regulären Sitzung des Zentralkomitees der Nationalgarde im Stadthaus von Paris. Ein Paket von Resolutionen an die Pariser Bevölkerung war das Ergebnis dieser ersten Sitzung, die sich mit allem Nachdruck gegen den Vorwurf der nach Versailles geflüchteten Regierung wandte, die Führer der Nationalgarde hatten es auf die Lacht abgesehen. In einem Aufruf kündigte man für den 22. März Kommunalwahlen an, um die in den Schoß gefallene einer freigewählten Kommune zu übergeben. Ein weiterer Appell sollte deutlich machen, daß das Zentralkomitee seine augenblickliche Legitimation durch die Nationalgardisten erhielt, welche es gewählt hatten.

"Bürger,

Ihr habt uns mit der Organisation der Verteidigung von Paris sowie Eurer Rechte betraut. Wir sind der Meinung diese Mission erfüllt zu haben. Unterstützt durch Euren großartigen Mut und Eure bewundernswerte Kaltblütigkeit, haben wir die Regierung, die uns verriet, davongejagt. Damit ist unser Mandat abgelaufen, wir geben es Euch hiermit zurück, denn wir maßen uns nicht an, die Rolle derjenigen zu übernehmen, die der Atem des Volkes hinweggefegt hat. Bereitet denn also schnellstens Eure Kommunalwahlen vor und schenkt uns die einzige Belohnung, die wir uns jemals erhofften. Euch eine wirkliche Republik errichten zu sehen. Die Wahlen erwartend bleiben wir im Namen des Volkes im Stadthaus. "(28)

Brunel, Mitglied des Zentralkomitees der Nationalgarde, schlug vor, sofort nach Versailles zu marschieren, um die der "Regierung der Nationalen Verteidigung" zu verhaften. Da die regulären Truppen in Versailles zutiefst demoralisiert waren, wäre dies im Bereich des Möglichen gewesen. Doch die einzigen militärischen Maßnahmen die das Zentralkomitee zu treffen bereit war, galten der Absicherung gegen eventuelle Überraschungsangriffe, zu denen Thiers allerdings momentan außerstande war. Vorerst war er heilfroh sich in Versailles von einer dreifachen Kette von Kanonen verschanzt zu sehen und begnügte sich mit verbalen Drohungen,

"Auf gegen die Mörder! Gegen die Söldlinge des Feindes und des Despotismus! Auf erteilt ihnen die gerechte Züchtigung, die sie verdient haben."(29)

"Ein Komitee, das sich 'Generalkomitee' nennt, hat sich einer Anzahl Kanonen bemächtigt, Paris mit Barrikaden bedeckt, auf die Verteidiger der Ordnung geschossen, Gefangene gemacht und kaltblütig die Generale Lecomte und Thomas ermordet. Wer sind die Mitglieder dieses Komitees? Niemand kennt sie; man weiß nicht einmal, zu welcher Partei sie gehören. Handelt es sich um Kommunisten, Bonapartisten oder Preußen? Oder sind sie Agenten eines Bündnisses aller drei? ..." (30)

Während Versailles diese und andere Lügen über den Aufstand des 18. März verbreitete, versuchten die zur Nationalgarde haltenden Blätter, wie das Organ der Linken Jacobiner "Le Vengeur" die Ereignisse ihrer geschichtlichen Tragweite zu durchleuchten.

"Das Frankreich des Volkes beginnt mit dem 18. März. Eine neue Ära, eine neue Fahne. Das Frankreich des Adels ist 1789 mit einer weißen Fahne gestorben, keine Kasten, keine Klassen mehr! Das Frankreich des Rechts, das Frankreich der Pflicht, das Frankreich der Arbeit, Das Frankreich des Volkes, das Frankreich aller beginnt, neu, lebendig, feurig wie seine rote Fahne ..."(31)

Die Versailler hatten aber nicht nur ihre treuen Truppen abgezogen, sondern nahmen gleichfalls den gesamten Beamtenapparat mit. Im geschützten Versailles hatte man schließlich zu allem Überdruß noch ein Gesetz verabschiedet, dem zufolge jeder Angestellte, der nicht desertierte, als fristlos entlassen galt. Die Folgen waren verheerend Sämtliche Ämter und Verwaltungen wurden durch die Massendesertation von regierungstreuen Beamten funktionsunfähig. Der Schriftsteller Lind Zeitgenosse Lissagaray schildert die Zustände des Verwaltungs­ und Amtswesens wie folgt:

"Sämtliche Hämorrhoidenträger der Nation rannten bleich und aufgeregt durcheinander, triefend vor Angstschweiß, den Staub ihrer dreißigjährigen, ohne Ansehen des gerade herrschenden Regimes und System geleisteten Dienste aufwirbelnd, schleppten verstört und verschreckt ihre Registraturfolianten sowie ihren sonstigen Krempel davon und warfen unter tiefen Seufzern lange traurige Blicke auf ihre zurückbleibenden breiten Ledersessel... Dann ist es sowohl mit dem Heiraten als auch mit dem Aufsetzen von Testamenten aus ­ dann sollen sich die Frauen im Wochenbett, die Sterbenden auf ihren Schragen bitte schön nach Versailles verfügen, wenn sie von den auf Geheiß der Herren Thiers, Picard und Jules Ferry eingepackten dicken grünen Folianten des Zivilstandsregisters etwas wollen. Kein Telegraphenamt mehr ­ seine sämtlichen Angestellten haben sich verdrückt. Die Fürsorger, die Schlapphüte von den Wohltätigkeitseinrichtungen verschwinden mit samt all ihren Kassen und dem darin befindlichen Geld, doch die Bedürftigen sind geblieben, die vielen tausend Blinden, Tauben, Paralytiker, Rheumatiker, dieses ganze ausgehungerte leidende Volk von Invaliden und Kranken, das bis dahin von der öffentlichen Wohlfahrt lebte." (32)

Seit dem 18. März feuerte aber auch die bürgerliche Pariser Presse aus allen Rohren und verbreitete unaufhörlich ihre Lügen. So behauptete sie z.B. die öffentlichen Kassen und das Privateigentum seien vom Zentralkomitee zur Plünderung freigegeben worden; dann wieder mutmaßten sie das Zentralkomitee werde mit preußischem Gold unterhalten. Und schließlich witterte man bonapartistisches Gold in der revolutionären Bewegung. Das Zentralkomitee ignorierte dererlei Nadelstiche und am 21. März verkündete es sein erstes Sozialdekret durch welches mit sofortiger Wirkung der Verkauf von Pfändern verboten, der Verfalltermin für Wechsel für einen Monat vertagt und den Hausbesitzern ein Kündigungsstop auferlegt wurde.

Unterdessen richtete die Nationalversammlung in Versailles einen beschwörenden Appell an die Pariser Bevölkerung, der zum Boykott der Kommunalwahlen aufrief. Insgesamt 29 bürgerliche Blätter publizierten das Traktat, dem eine herzzerreißende Bittschrift vorausgegangen war.

Am 22. März mußte das Zentralkomitee die Verschiebung der Wahlen auf den 26. März bekanntgeben. Die Gründe, die dazu geführt hatten, nannte es in einer Bekanntmachung:

"Eure Maires(33), Eure Deputierten haben die Verpflichtungen, die sie als Kandidaten auf ich genommen hatten, nicht eingehalten, sondern alles getan, um dieses Wahlen, die wir in kurzer Frist vornehmen lassen wollen, hinauszuzögern. Die Reaktion, von ihnen aufgestachelt, erklärt uns den Krieg. Wir müssen den Kampf aufnehmen und den Widerstand brechen, damit Ihr in der Ruhe Eures Willens und Eurer Kraft zu den Wahlurnen schreiten könnt."(34)

Der 18. März und die Reaktion

Auf die ersten Kampfansagen der in Paris verbliebenen bürgerlichen Kräfte reagierte das Zentralkomitee mit entwaffnender Gutmütigkeit. Dennoch gab es eine zweite, gegen die Konterrevolution gerichtete, Erklärung ab, in der es seine Absicht betonte, "den Beschlüssen der Vertreter des souveränen Volkes von Paris Geltung zu verschaffen"(35) und nicht langer zuzulassen, daß man ihnen ungestraft Abbruch tue. Die ständigen Beteuerungen des Zentralkomitees "die Freiheit der Presse" zu garantieren, inspirierte die bürgerlichen Presseorgane geradezu zu neuen Taten. Zwar drohte man mit Unterdrückungsmaßnahmen, falls die bürgerlichen Blätter weiterhin Lügen über das Zentralkomitee sowie die in Versailles verfaßten Pamphlete verbreiten würde, doch verloren diese Drohungen durch Untätigkeit seitens des ZK an Glaubwürdigkeit.

Obskure "Vereinigungen der Freunde der Ordnung" wurden gegründet und sammelten alle reaktionären und gemäßigten Elemente, alles was zu Recht oder zu Unrecht Angst vor zuviel Demokratie und Sozialismus hatte. Sie machten bald lautstark von sich hören, als am 21. März ein Demonstrationszug von hundert "Arbeitern" mit dem Ruf "Es lebe die Nationalversammlung" zur Place Vendôme marschierte. Vor dem Generalstab riefen sie "Nieder mit dem Zentralkomitee". Als man jedoch merkte, daß der Zug weder an Personen noch an Lautstärke zunahm, verabredete man sich für den nächsten Tag vor der neuen Oper, um in der Zwischenzeit Verstärkung zu sammeln. Über das was am nächsten geschah berichtet Lissagaray(36):

"Am 22. mittags versammelten sich die Börsenmänner vor dem Opernhaus. Um ein Uhr waren es etwa tausend Mann ­ Stutzer, Krautjunker, Zeitungsschreiber und die alten Stammgäste des Kaiserreichs, die mit dem Ruf 'Es lebe die Ordnung' in die Rue de la Paix hinunterzogen. Sie beabsichtigten, unter dem Schein einer friedlichen Kundgebung die Place Vendôme zu stürmen und die Föderierten zu vertreiben. Dann hätte sie, im Besitz von Passy sowie des I. und der Hälfte des II. Arrondissements, Paris gespalten und das Stadthaus bedroht. Admiral Saisset folgte ihnen in einiger Entfernung. Vor der Rue Neuvesaint­Augustin entwaffneten Lind mißhandelten diese 'friedlichen' Demonstranten zwei Schildwachen der NationaIgarde. Daraufhin griffen die Föderierten auf der Place Vendôme an und rückten in geschlossener Linie auf die auf die Anhöhe der Rue Neuve­des­Petits­Champs. Sie waren nur zweihundert Mann, die ganze Garnison des Platzes.( ... )

Bald stießen die Reaktionäre auf die erste Linie der Nationalgardisten. 'Nieder mit dem Zentralkomitee, 'Nieder mit den Mördern' riefen sie den Gardisten ins Gesicht und schwenkten eine Fahne und ihre Taschentücher. Einigen streckten ihre Hände nach den Gewehren aus. Die Mitglieder des Zentralkomitees ..., die an der Spitze der Nationalgardisten herbeigeeilt waren, forderten die aufrührerischen Demonstranten auf, sich zurückzuziehen.

Ein wütendes Geschrei schlug ihnen entgegen. 'Memmen, Räuber', und die Stöcke wurden erhoben.( ... ) noch zehnmal wurde die Aufforderung wiederholt. Fünf Minuten lang hörte man nichts als Trommelwirbel und dazwischen wildes Geschrei. Die hintersten Reihen der Demonstranten drängten die ersten vorwärts und versuchten, die Linie der Föderierten zu durchbrechen. Als die Anführer erkannten, daß sie so nicht zum Ziel kommen würden, schossen sie ihre Pistolen ab. (Daß die Föderierten angegriffen wurden, war so wenig zu leugnen, daß keines der 26 Kriegsgerichte, die alle Winkel der Revolution vom 18. März durchstöberten, das Scharmützel auf der Place Vendôme ans Licht zu ziehen wagte.) Zwei Nationalgardisten wurden getötet, sieben verwundet,... Jetzt gingen die Gewehre der Nationalgarde gleichsam von selber los.

Ihrer Salve folgte ein gräßlicher Schrei, dann eine schauerliche Stille. Die eben noch von Menschen wimmelnde Straße war in fünf Sekunden leer. Ein Dutzend Tote, dazu Pistolen, Stockdegen und Hüte bedeckten das verlassene sonnenglänzende Pflaster. Hätten die Föderierten gezielt, ja hätten sie nur in Mannshöhe geschossen, so wären 200 Tote zurückgeblieben, denn in dieser dichten Masse hätte jeder Schuß getroffen. (...) Die Flüchtlinge rannten in Paris umher und schrien 'Mord!' Auf den Boulevards wurden die Läden geschlossen,

Der Börsenplatz füllte sich mit wütenden Gruppen. Um vier Uhr rückten einige Kompanien mit geschultertem Gewehr heran, um Ordnung zu schaffen. Sie besetzten das ganze Börsenviertel. (...) Das Gewehrfeuer schien die 'Männer der Ordnung' aufgeweckt zu haben; sie strömten auf dem Börsenplatz zusammen. Viele Offiziere, die aus Deutschland zurückgekehrt waren, boten ihre Dienste an. Die reaktionären Kompanien setzten sich in der Bürgermeisterei des IX. Arrondissements fest, nahmen die Bürgermeisterei des VI. Arrondissements wieder ein, vertrieben die Föderierten vom Bahnhof Saint­Lazare, bewachten alle Zugänge zu den besetzten Stadtteilen und hielten die Passanten mit Gewalt auf. So gab es eine Stadt in der Stadt;( ... )Ihr Widerstand verfügte über eine Armee."(37)

Bereits am nächsten Tag, waren die "Männer der Ordnung" gezwungen, sich in wildem Durcheinander zurückzuziehen. Die Schüsse der Föderierten forderten insgesamt 15 Tote und etliche Verwundete. Die bourgeoisen Elemente gaben sich jedoch lange nicht geschlagen. Gestützt von den bürgerlichen Presseorganen leisteten sie noch des öfteren heftigen Widerstand.






Anmerkungen:

26 K. Marx, "Der Bürgerkrieg in Frankreich, Berlin 1970, S. 57, 58
27 "Die Pariser Kommune", Berlin 1971, S. 92
28 "Die Großen 72 Tage", Berlin 1971, S. 146
29 ebenda S. 147
30 ebenda
31 ebenda S. 148
32 aus "Die großen 72 Tage" Jean Villain, Berlin 1971, S. 149/150
33 Bürgermeister (frz)
34 aus "Die großen 72 Tage" Jean Villain, Bln. 197l, 3.153
35 ebenda
36 Schriftsteller und Zeitgenosse der Kommune
37 Prosper Lissagaray "Geschichte der Commune von 1871 ed. suhrk., S. 112/113



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