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Beiträge zur Geschichte  












Fortsetzung 5

Marlis Meergans, Eberhard Noll

Die Pariser Kommune

Die Preußen in Paris

Am 27. Februar verkündete ein Maueranschlag die Verlängerung des Waffenstillstandes und für den 1. März die Besetzung der Champs­Elysées durch 30.000 preußische Soldaten. Thiers, hatte direkt um die Besetzung jener Stadtteile gebeten, in denen sich am 1. März die preußischen Truppen etablieren sollten. Auch war es kein Zufall, daß Thiers die Geschütze der Nationalgarde, die durch die Spenden der Pariser Bevölkerung beschafft wurden, in diesen Stadtteilen zurückließ. Hätte die Pariser Bevölkerung und die Nationalgarde die Geschütze nicht in Sicherheit gebracht, so wären sie den Besatzern in die Hände gefallen. Am 1. März zogen die Preußischen Truppen mit klingendem Spiel über den Place d'Etoile und die Champs­Elysées bis zum Place de la Concorde. Doch weiter vorzustoßen wagten sie nicht. In dem von ihnen genau 48 Stunden okkupierten Teil der riesigen Stadt konnten sie ihres Triumphes nicht recht froh werden.

"Die Stadt befand sich wieder ganz in den Händen des Volkes; es war nicht mehr das Paris der Junker und der Großbourgeoisie von 1815. Schwarze Fahnen wehten an den Häusern, die Straßen waren leer; die Läden geschlossen, die Springbrunnen versiegt, die Standbilder auf der Place de la Concorde verhüllt und die Straßenlaternen ohne Licht. Das alles machte deutlich den Eindruck einer toten Stadt(...) Ein einziger hoher Herr fand sich in der Vorstadt Saint­Germain, der sein Haus den Preußen zur Verfügung stellte..."(24)

"Aber die Nationalgarde behielt ihre Waffen und Kanonen und trat nur in Waffenstillstand gegen die Sieger, und diese selbst wagten nicht, in Paris im Triumph einzuziehen. Nur ein kleines, obendrein aus öffentlichen Parks bestehendes Eckchen von Paris wagten sie zu besetzen, und auch dies nur für ein paar Tage! ... Solchen Respekt flößten die Pariser Arbeiter dem Heere ein, vor welchem sämtliche Armeen des Kaiserreichs die Waffen gestreckt; und die preußischen Junker, die hergekommen waren, um Rache zu nehmen am Herd der Revolution, mußten ehrerbietig stehenbleiben und salutieren vor eben dieser bewaffneten Revolution!" (25)

Die kurzfristige Besetzung der Bourgeois­Quartiere der Hauptstadt verlief fast ohne Zwischenfälle. Am 11. März verabschiedete die Nationalversammlung eine Verordnung, die, als eine ihrer letzten vor dem 18. März, noch einmal sehr deutlich zeigte wie volksfeindlich die Nationalversammlung gesinnt war:

Alle Wechsel, die am 13. November 1870 in Anbetracht des Krieges verlängert worden waren, sollten am 13. März 1871 verfallen. Für zehntausende von kleinen Kaufleuten bedeutete das den Bankrott, da die Belagerung jede wirtschaftliche Aktivität zum Erliegen gebracht hatte und die Geldreserven der Kleingewerbetreibenden so gut wie aufgezehrt waren. Doch damit nicht genug: Prallel dazu erließ die Nationalversammlung eine neue Mietverordnung, durch die rund 300.000 Arbeiter, Angestellte, Handwerker usw., die ebenfalls aus den oben erwähnten Gründen im Rückstand waren, mitsamt ihren Familien kurzerhand auf die Straße geworfen werden sollten. Schließlich beschloß die Nationalversammlung auch noch die Besoldung der Pariser Nationalgarden ab sofort einzustehen,






Anmerkungen:

24 Prosper Lissagaray, Geschichte der Commune von 1871, ed. suhrk. S. 68
25 Friedrich Engels, Vorwort zum "Bürgerkrieg in Frankreich" Berlin 1970

Fortsetzung 6








 

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