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Beiträge zur Ökonomie  









Hans Jürgen Schönamsgruber

Der postrealsozialistische Kapitalismus aus werttheoretischer Sicht

Nach der Kapitalanalyse von Marx ergibt sich aus dem "Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate" und dem "Schema der Erweiterten Reproduktion" als objektiver ökonomischer Zwang eine permanente Steigerung der Arbeitsproduktivität und eine Ausdehnung der Produktion bei einem überproportionalen Wachstum des konstanten Kapitals (c).

Der Ausgleich der Durchschnittsprofitrate verändert die Aufteilung des Mehrwertes zwischen den Untemehmen zugunsten der Untemehmen mit der höheren organischen Zusammensetzung des Kapitals. Steigt jedoch die durchschnittliche organische Zusammensetzung des Kapitals für die Gesamtheit der Unternehmen, dann senkt sich - unter sonst gleichen Umständen- die müttlere Profitrate. Wenn beispielsweise von einem Jahrzehnt auf das andere der Wert der Jahresproduktion von:

Schaubild 1

so führt die Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals von 3 auf 4 zu einer Verminderung der Profitrate (p')

Schaubild 2

"Wenn ein System immer mehr Werkzeuge und Produktionsmittel ansammelt, verringert sich die Ertragsrate des neuen und des alten Kapitals. Die Steigerung der organischen Zusammensetzung des Kapitals, die Vermehrung der toten Arbeit im Verhältnis zur lebendigen Arbeit, ist der Wesenszug der kapitalistischen Produktionsweise. Der tendenzielle Fall der Durchschnittsprofitrate ist somit ein Entwicklungsgesetz der kapitalistischen Produktionsweise."(1)

Diese Mechanismen haben unter anderem folgende Wirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung:

1. Sie führten in der Anfangsperiode des Kapitalismus zu einer beschleunigten Entwicklung der Produktivkräfte, die Marx als die eigentliche positive historische Funktion des Kapitalismus ansah.

2. Die abhängig Beschäftigten bleiben immer relative Unterkonsumenten bezogen auf die Produktion. Sie können ihre Bedürfnisse nur im Rahmen ihrer Kaufkraft befriedigen.

3. Sie führen zu periodischen Disproportionen zwischen den beiden Abteilungen der Produktion (2) und damit zu wiederkehrenden Wirtschaftskrisen mit Überakkumulation auf der einen und Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite.

4. Die objektiv bedingte permanente Kapitalakkumulation erzwingt eine immer weitere Steigerung der Arbeitsproduktivität und Expansion des Marktes (hierin liegt auch die letzte Ursache für Imperialismus und Krieg). Dies bedeutet, daß der Kapitalismus auf Dauer nur mit Wachstum existenzfähig ist.

Heute stellt sich aber die ökonomische Realität des Kapitalismus differenzierter dar, obwohl die oben beschriebenen Zwänge weiter wirken. Die Marx'schen Schemata stellen eine reine Abstraktion dar, in denen nur die ökonomischen Beziehungen zwischen den Lohnabhängigen (verkörpert durch v) und den Unternehmern (verkörpert durch c) dargestellt werden. Es wird also nicht nur von allen anderen ökonomischen Klassen, Gruppen und Schichten abgesehen, sondern auch von der historisch gewachsenen Bedürfnisstruktur der Gesellschaft. Aus diesem Grund setzt Marx den überproportionalen Wachstumsprozeß von c nur in Beziehung zu v und nicht in Beziehung zu den tatsächlichen in der Gesellschaft vorhandenen Bedürfnissen.

Diese Beziehung zwischen c und v führt in der marx'schen Betrachtung zu einer permanenten Disproportion zugunsten von c oder anders ausgedrückt: zu einer relativen Überproduktion in bezug auf v. Daraus folgt, daß das Warenangebot immer tendenziell die Kaufkraft übersteigt und ein Übermaß an produktivem Kapital in der Gesellschaft vorhanden ist. Deshalb ist es auch verständlich, daß die ausgeglichenen Proportionen im vorgenannten Schema in der Realität nicht vorkommen, sondern nur der Anschauung dienen. Das Schema zeigt, welche Bedingungen erfüllt sein müßten, damit es zu keinen krisenhaften Erscheinungen kommt.

Betrachten wir aber den ökonomischen Wachstumsprozeß in Beziehung auf die in der Gesellschaft vorhandenen Bedürfnisse, gibt uns die relative Überproduktion keine Auskunft, ob die Kaufkraft (v) und das Warenangebot unter oder über den Bedürfnissen der Gesellschaft liegen. Nehmen wir aber an, daß die Produktion einen solchen Umfang annimmt, daß das Warenangebot nicht nur die Kaufkraft, sondem auch die vorhandenen Bedürfnisse überschreitet, handelt es sich nicht mehr nur um eine relative, sondern um eine absolute Überproduktion. Das Phänomen einer möglichen absoluten Überproduktion spielt in den Überlegungen von Marx noch keine Rolle.

Doch heute können wir in einigen Produktionszweigen feststellen, daß die Schwelle zur absoluten Überproduktion, durch die permanente Steigerung der Arbeitsproduktivität verursacht, bereits erreicht oder tendenziell überschritten wird. Das bedeutet, daß die Produktion in einigen Produktionszweigen bereits zeitweise größer sein kann als die realen Bedürfnisse, die für dieses Produkt in der Gesellschaft vorhanden sind.

Zum Verständnis einige Beispiele:

- Agrarmarkt: Sowohl innerhalb der EG als auch in anderen Regionen (USA, Kanada, usw.) werden weit mehr Lebensmittel produziert als dort verbraucht werden können. Der Hunger in vielen Regionen der Welt liegt nicht darin begründet, daß dort keine Nahrungsmittel produziert werden könnten, sondem, daß die Marktbedingungen, die durch GATT, IWF, Weltbank und EG geschaffen wurden, die ökonomischen Strukturen dieser Länder schwer beschädigt haben.

Schaubild 4

- Verkehrsinfarkt: In den Industriestaaten ist der tägliche Stau längst zum Normalfall geworden. Jedes neu zugelassene Auto verlängert nur noch den Stau, statt die Mobilität zu erhöhen. Trotzdem stehen hunderttausende der produzierten Autos unverkäuflich auf Halde. Selbst die Autos die bereits einen Käufer gefunden haben, sind im Durchschnitt unter 5% ausgelastet. Auch hier - bezogen auf das Bedürfnis nach Mobilität eine stattliche absolute Überproduktion.

- Arbeitslosigkeit: Im Kapitalismus ist die Arbeitskraft ebenfalls eine Ware, zu deren "Produktion" (Lebensunterhalt und Ausbildung) Mittel verausgabt wurden. Deshalb ist die Arbeitskraft eines jeden Arbeitslosen - rein ökonomisch gesehen eine unverkäufliche Ware, die über den Bedarf produziert wurde.

Eine Wirkung der absoluten Überproduktion ist, daß dort, wo sie über einen längeren Zeitraum besteht, die Marktmechanismen nicht mehr funktionieren und dirigistische Maßnahmen verlangen (siehe Agrarmarktordnung und Stahlquoten in der EG usw.). Hier wird bereits deutlich, daß ein Funktionieren der viel beschworenen "Selbstheilungskräfte" des Marktes - nach dem traditionellen Lehrsatz: Angebot und Nachfrage regeln den Preis - hier völlig versagen.

Ein funktionierender Marktmechanismus setzt voraus, daß die Bedürfnisse der Gesellschaft größer sind als die Produktion und die Kaufkraft. Unter solchen Bedingungen ändert sich der Preis je nach Angebot (Produktion) und Nachfrage (Kaufkraft). Ist die Kaufkraft größer als die Produktion, dann steigen die Preise über den Warenwert (3):

Schaubild 5

Unter solchen Bedingungen ist es sinnvoll und notwendig, die Produktion - auch extensiv - auszudehnen, ohne befürchten zu müssen, daß die Waren nicht verkauft werden.

Eine solche ökonomische Situation, in der die Kaufkraft die Produktion übersteigt, ist im Kapitalismus nicht die Regel, da bei normaler Mehrwertproduktion immer eine relative Überproduktion besteht. Doch nach Kriegen (siehe z.B. nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg) sind durch die enorme Vernichtung von Produktionsanlagen und Konsumgütern (oder durch eine unseriöse Schulden-Politik des Staates (Mefo-Wechsel) solche Verhältnisse entstanden, die aber durch eine Währungsreform umgehend bereinigt wurden.

Ist die Produktion aber größer als die Kaufkraft, dann müßten die Preise unter ihren aktuellen Warenwert fallen, sollen alle Waren verkauft werden:

Schaubild 6

Unter solchen Bedingungen ist eine Ausdehnung der Produktion nur noch sinnvoll, wenn die Produktionskosten so niedrig sind, daß auch bei solch niedrigen Preisen noch Gewinne erzielt werden können. Deshalb können nur noch Betriebe auf dem Markt mithalten, die durch Rationalisierung die Produktion so steigern (intensive Produktionssteigerung), daß sie zu oder noch unter dem gesellschaftlich durchschnittlichen Kostpreis produzieren.

Solange die Produktion unter den Bedürfnissen liegt, kann auch, wenn die Produktion höher als die Kaufkraft ist, durch Preissenkungen die verkaufte Warenmenge gesteigert werden, was allerdings für Betriebe, deren Produktionskosten die über dem gesellschaftlich durchschnittlichen Kostpreis liegen, Gewinneinbusen mitsichbringt.

Ganz andere Verhältnisse erhalten wir, wenn die Produktion über die faktischen Bedürfnisse steigt, selbst wenn wir annehmen, daß die Kaufkraft diesen Bedürfnissen entspricht:

Schaubild 7

Hier kann die verkaufte Warenmenge weder durch ein erhöhtes Warenangebot noch durch Preissenkungen vergrößert werden. Preissteigerungen dagegen verringern nur den Absatz und erhöhen die unverkäufliche Warenmenge. Davon, daß "Angebot und Nachfrage den Preis regeln", kann also keine Rede mehr sein, sondern "der Preis regelt jetzt die absetzbare Warenmenge".

Würde unter solchen Bedingungen eine freie Preisbildung beibehalten würden die Preise ins bodenlose fallen ohne daß wesentlich mehr Waren verkauft würden. Deshalb wurden in der EG/EU, in den Branchen mit absoluter Überproduktion nicht nur Produktions-"Quoten" sondern auch die Preise festgesetzt und die unverkäuflichen Überschüsse auf kosten der Allgemeinheit Eingelagert (siehe Agrarmarktordnung, Stahlindustrie usw.).

Unter solchen Bedingungen sind selbstverständlich Investitionen zur Produktivitätssteigerung aus gesamtgesellschaftlicher Sicht eigentlich sinnlos, da sie unter kapitalistischen Bedingungen immer mit einer Vergrößerung des Warenausstoßes in Bezug auf das investierte Kapital verbunden sind und somit des Problem noch verschärfen würden. Investitionen führen also unter den Bedingungen einer absoluten Überproduktion nur noch zu einem ruinösen Konkurrenzkampf (Verdrängungswettbewerb), ohne die Bedürfnisbefriedigung der Gesellschaft zu verbessern. Im Gegenteil: Die Folgekosten solcher Aktionen werden in der Regel der Allgemeinheit aufgebürdet.

Eine Verbesserung der Bedürfnisbefriedigung könnte unter solchen Verhältnissen nur durch Produktionseinschränkungen erreicht werden, da die eingesparten Ressourcen für gesellschaftliche Aufgaben Verwendung finden könnten. Dies ist aber nicht möglich, da die Kapitalakkumulation nur bei Expansion funktioniert.

Aus diesen analytischen Überlegungen kann somit geschlußfolgert werden, daß der Marktmechanismus nur dort noch seine historische Berechtigung hat, wo sich ein Produktionszweig noch im Stadium der relativen Überproduktion befindet und eine Ausdehnung der Produktion und des Marktes noch objektiv möglich und gesellschaftlich auch wünschenswert ist.

Eine weitere Wirkung der absoluten Überproduktion ist eine zunehmende Destruktivität innerhalb der kapitalistischen Metropolen selbst, da der wachsende Konkurrenzdruck bei immer enger werdendem Markt nicht mehr so einfach an die Peripherie verlagert werden kann. Dies führt sowohl an der ökonomischen Basis als auch im Überbau zu entsprechenden Verwerfungen.

Auf der ökonomischen Seite zeigt sich die zunehmende Destruktivität in immer brutaler werdenden Methoden der Konkurrenz (siehe: "Der Fall Lopez" bei VW). Zum anderen werden Produkte auf Kosten der Gesellschaft entweder sinnlos gelagert oder gar vernichtet (siehe EG-Richtlinien zur Stillegung von Flächen, Lagerung und Vernichtung von Überschüssen).

Auf Seiten des Kapitals findet eine verstärkte Kapitalvernichtung durch Pleiten (letztes Beispiel: Schneider AG mit über 6 Mrd.) statt oder die in Anspruchnahme von öffentlichen Subventionen für nicht konkurrenzfähige Betriebe (siehe Airbus, deutsche Kohleindustrie, Vulkan-Werften usw.).

Auch im Überbau ist eine allgemein zunehmende Aggressivität zu beobachten, die von einer Zunahme der Kriminalität, über eine verstärkte Gewaltdarstellung in den Medien bis zum innerbetrieblichen Konkurrenzkampf (Mobbing) reicht. Auch im öffentlichen und politischen Leben nehmen gewalttätige und illegale Methoden weiter zu (Barschel-Affäre, Selbstbedienung der Politiker, Ausländerfeindlichkeit, Neonazi-Terror usw.).

Hier wird deutlich, daß die von Marx beschriebene historisch positive Funktion des Kapitalismus - nämlich die Entwicklung der Produktivkräfte - in einem dialektischen Prozeß in ihr Gegenteil umschlägt. Produktivität verwandelt sich in Destruktivität.

Schaubild 8

Somit stellt der Übergang zur absoluten Überproduktion ein Entwicklungsniveau des Kapitalismus dar, das die objektive Grenze der progressiven ökonomischen Entwicklungsmöglichkeiten des kapitalistischen System charakterisiert. Diese "Systemgrenze" läßt sich aber weder zeitlich noch räumlich exakt eingrenzen, da sich die Entwicklung der Produktivkräfte in den einzelnen Produktionszweigen, Märkten und Regionen sehr unterschiedlich vollzieht.

So können wir bereits heute in den kapitalistischen Metropolen in einigen Produktionszweigen eine Tendenz zur absoluten Überproduktion beobachten (natürlich nur in Bezug auf den eigenen Markt) und gleichzeitig noch große industriell unterentwickelte Regionen in der Welt feststellen. Schon aus diesem Grund kann die "Systemgrenze" nicht als ein historisch und zeitlich vorherbestimmbares Entwicklungshemmnis betrachtet werden, sondern lediglich als geschichtliche Tendenz mit der die progressiven Entwicklungsmöglichkeiten des Kapitalismus immer weiter eingeschränkt werden.

Deshalb ist es auch nicht von vorrangigem politischem Interesse, genau zu wissen, wann und wie im einzelnen die "Systemgrenze" erreicht sein könnte - dies sollte der wissenschaftlichen Analyse vorbehalten bleiben -, sondern inwieweit die destruktiven Begleiterscheinungen in eine politische Krise münden könnten.

Die Paradoxie des bisherigen Denkens

Aus dem oben Dargestellten ergibt sich des weiteren die Schlußfolgerung, daß eine sinnvolle Weiterentwicklung der Produktivkräfte eine Verbesserung der Bedürfnisbefriedigung bei gleichzeitiger quantitativer Einschränkung der Produktion beinhalten müßte. Dies ist aber aus traditioneller marxistischer und bürgerlicher (fehlen noch) Betrachtungsweise ein gerade zu paradoxer und unlösbarer Widerspruch.

Denn bisher sind die Marxisten davon ausgegangen, daß die Aufhebung der kapitalistischen Widersprüche erst die quantitative Ausdehnung der Produktion ermöglichen würde, die dann eine Weiterentwicklung der Produktivkräfte und die behauptete bessere Bedürfnisbefriedigung als im Kapitalismus bewirken könnte. Auch im bisherigen bürgerlichen ökonomischen Denken sind Verbesserungen in der Bedürfnisbefriedigung nur mit einer quantitativen Ausdehnung der Produktion vorstellbar.

Doch dies erscheint heute, wo in den kapitalistischen Metropolen bereits eine Tendenz zur absoluten Überproduktion zu beobachten ist und angesichts der vorhandenen Umweltprobleme geradezu widersinnig. Selbst Konservative fordern schon seit langem eine Begrenzung des Wachstums. Dieser paradoxe Widerspruch ist also nur lösbar, wenn es einen Weg gibt, der durch eine Einschränkung der Produktion die Bedürfnisbefriedigung verbessert.

Will man aber nicht nur einem unrealistischen Konsumverzicht das Wort reden, muß man diesen Widerspruch nicht nur logisch, sondern auch praktisch auflösen können. Deshalb stellt sich die Frage: Wie ist es möglich, durch eine quantitative Einschränkung der Produktion die Bedürfnisbefriedigung zu verbessern? Oder präziser: durch welche Verbesserung der Lebensqualität können Ressourcen eingespart werden?

Hier nur ein Beispiel:

Der Autoverkehr steht in den Metropolen kurz vor dem Infarkt. Nicht, weil es zu wenig, sondem weil es zu viele Autos gibt. Bezogen auf die Transportleistung - etwa 5% fahrender und 95% ruhender Verkehr - wäre nur ein Bruchteil der Autos notwendig, wenn durch eine andere Verkehrsorganisation (Scheckkartenauto (4)) die Auslastung der Autos zum Beispiel von 5% auf 30% oder mehr gesteigert werden könnte.

Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Autos, weniger Parkflächen, freiere Straßen usw. Auch sind die Autos an jedem Ort verfügbar, was die Mitnahme eines Autos z.B. von Hamburg nach München erübrigen würde usw. Es würden so nicht nur direkt Ressourcen eingespart, sondern auch eigentlich unnütze Fahrten unterbleiben, ohne daß die Mobilität eingeschränkt würde. Doch die Realisierung eines solchen Projektes würde bedeuten, daß es nicht nur keine Privatautos mehr zu kaufen gibt, sondern daß die Autoindustrie ihre Produktion erheblich einschränken und umstellen müßte. Es ist aber einsichtig, daß unter Bedingungen der Kapitalakkumulation, die auf Wachstum angewiesen ist, solche Lösungen als unrealistisch angesehen werden müssen.

Verallgemeinert man dieses Beispiel, so folgt aus werttheoretischer Sicht, daß durch kooperative Produktions- und Verbrauchsstrukturen die Verbesserung der Bedürfnisbefriedigung bei gleichzeitiger Produktionseinschränkung nicht nur funktioniert, sondem sich geradezu gegenseitig bedingt. Gleichzeitig würden sich die kapitalistischen Wertverhältnisse aufheben, da das wirtschaftliche Ziel eine optimale Bedürfnisrealisierung bei Kostendeckung und nicht mehr die Gewinnmaximierung unter Konkurrenzbedingungen wäre. Folgt man dieser Logik, so löst sich der anfänglich als paradox erscheinende Widerspruch, daß durch eine Produktionseinschränkung eine verbesserte Bedürfnisbefriedigung erreicht werden könnte, in eine realistische Perspektive auf.

Theoretisch verallgemeinert bedeutet das, daß die marx'sche Auffassung, das bürgerliche Eigentum werde zu einem Hemmnis für die Weiterentwicklung der Produktivkräfte - da es eine weitere quantiative Ausdehnung der Produktion behindert - in der Richtung neu überdacht werden sollte, daß es eine qulitative Weiterentwicklung verhindert. Dabei wäre zu hinterfragen, inwieweit das bürgerliche Eigentum nicht die Ausdehnung der Produktion als vielmehr eine effektivere, rationalere und ökologische Organisationsform der Produktuons- und Konsumsionstrukturen be- bzw. verhindert.

Aus diesem Grund können die "Marxisten / Sozialisten" ihre traditionelle ökonomische Argumentations- und Denkweise getrost aufgeben, da sie es sich erlauben können, eine Welt jenseits des Wertgesetzes zu formulieren.



© Hans Jürgen Schönamsgruber, Berlin 1994





Literatur:

1 Mandel, E.: Marxistische Wirtschaftstheorie, Bd. 1, S. 196

2 Abteilung I, die Produktionsmittel und Abteilung II, die Konsumtionsmittel herstellt.

3 Der Warenwert ist der Kostpreis plus Durchschnittsprofit zum gegebenen historischen Zeitpunkt.

4 Jeder kann jedes Auto mit Hilfe einer Scheckkarte fahren, wobei die Fahrerlaubnis und Abrechnung der gefahrenen Kilometer über diese Karte erfolgen würde.










 

GLASNOST, Berlin 1992 - 2015