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1999-03-25

Pressemitteilung

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, erklärt anläßlich des Beginns der NATO-Kampfhandlungen gegen Jugoslawien:

Die verantwortlichen Politiker und Militärs der NATO-Staaten - und mit ihnen wir alle - sind mit der schrecklichen Tatsache konfrontiert, daß trotz zahlreicher Bemühungen um friedlichen Ausgleich im Kosovo eine unerträgliche Lage entstanden ist. In dem längst zum Bürgerkrieg eskalierten Streit um die Selbstbestimmungsrechte der albanischen Bevölkerung werden Menschen ihrer Rechte beraubt, auf brutale Weise verfolgt und getötet. Wir teilen die Enttäuschung derer, die sich - auch in der Serbischen Orthodoxen Kirche - um eine friedliche Konfliktlösung bemüht haben.

Nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen gilt militärische Gewalt als einzig wirksames, letztes Mittel, um den Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein Ende zu bereiten und das Leben bedrohter Menschen zu retten. Niemand kann gewährleisten, daß die militärische Intervention den Konflikt zu einer dauerhaften Lösung führt. Nichts zu tun, würde jedoch bedeuten, in anderer Weise schuldig zu werden.

Erstmals sind an den Kampfhandlungen Soldaten der Bundeswehr unmittelbar beteiligt. Mit ihnen und ihren Angehörigen wissen wir uns in besonderer Weise verbunden.

Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen in Deutschland, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die kriegerischen Aktionen so bald wie möglich zu beenden. Wir teilen ihre Unsicherheit, welche Schritte jetzt notwendig und geeignet sind, um Unrecht und Gewalt dauerhaft zu überwinden. Wir sind besorgt über das Schicksal der Zivilbevölkerung im Kriegsgebiet. Wir beklagen die Opfer, die die Auseinandersetzungen fordern. Wir rufen zu Gott im Gebet, daß er den Weg zu einem friedlichen Ausgleich öffnet. Denn wir bleiben der Überzeugung verpflichtet: Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.

Hannover, den 25. März 1999
Pressestelle der EKD



Quelle: Evangelische Kirche Deutschland


 




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