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Beiträge zur Geschichte  









Die Entwicklung in England 1830 - 1847

Im Jahre 1844 beschrieb Engels die industriellen Erfolge Englands folgendermaßen: "Vor sechzig, achtzig Jahren ein Land wie alle anderen, mit kleinen Städten, wenig und einfacher Industrie, und einer dünnen, aber verhältnismäßig großen Ackerbaubevölkerung ; und jetzt ein Land wie kein anderes, mit einer Hauptstadt von drittehalb Millionen Einwohnern, mit kolossalen Fabrikstädten, mit einer Industrie, die die ganze Welt versorgt..." Die raschen Erfolge der Industrialisierung Englands schufen ein wohlhabendes und einflußreiches Bürgertum. Das veraltete Wahlsystem aber hielt das Bürgertum von der Macht fern. Solange dieses System bestand, konnte das Bürgertum keine Abgeordneten ins Unterhaus entsenden, das ganz in der Hand der Grundbesitzer war. Die Bewegung, die im englischen Bürgertum um die Frage der Reform des Wahlsystems entstand, fand Unterstützung bei den englischen Arbeitern.

Die Parlamentsreform von 1832

Einen bedeutsamen Anstoß gab der Bewegung die Julirevolution in Frankreich. Die "verfallenen Wahlflecken" wurden beseitigt, die großen Industriezentren erhielten das Recht, Abgeordnete zu entsenden. Der Wahlzensus wurde herabgesetzt, und die Zahl der Wähl er wuchs im ganzen auf 220.000. Das Bürgertum gewann durch diese Reformen, aber der Arbeiterschaft blieb das Wahlrecht vorenthalten. Ihre Forderungen gingen weiter.

Der Chartismus

Im Jahre 1835 begann eine Massenbewegung der Arbeiter, die unter der Losung der Wahlreform stand. In London kam es zur Gründung einer "Arbeitergesellschaft" ("Working Men's Association"), die den Kampf ums allgemeine Wahlrecht aufnehmen sollte. Diese Gese llschaft arbeitete eine Volkscharte (people's charter) aus, um sie dem Parlament einzureichen. Die ganze Bewegung wurde deshalb Chartistenbewegung genannt. Die Charte enthielt fünf Punkte:

1. Gleiche Vertretung bei Einteilung Englands in 200 Wahlkreise mit gleicher Bevölkerungszahl;

2. Jährliche Neuwahl des Parlaments;

3. Allgemeines Wahlrecht (für die männliche Bevölkerung soweit sie das 21. Lebensjahr erreicht hatte und am betreffenden Ort mindestens sechs Monate ansässig war.)

4. Abschaffung des Besitzzensus

5. Geheime Stimmabgabe, Diäten für die Abgeordneten und regelmäßige Sitzungen des Parlaments.

Die Chartistenbewegung war gespalten, vor allem in der Frage wie die Forderungen durchgesetzt werden sollen: Mit Gewalt oder gewaltfrei. Das Parlament lehnte mehrmals die Forderungen der Chartisten ab, die Polizei unterdrückte die Bewegung, 450 führende Mitglieder wurden verhaftet. Im Jahre 1847 setzte die Bewegung den zehnstündigen Arbeitstag durch.



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