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Beiträge zur Geschichte  









Die Zeit Napoleons (1793 bis 1815)

Im Zusammenhang mit der Teilung Polens zwischen Rußland, Preußen und Österreich enstanden im Lager der Koalition Spannungen. Frankreich nutzte diese aus und schloß mit Preußen, das seine Verbündeten verriet, einen Sonderfrieden. In diesem Frieden gelingt es Frankreich die Früchte all der Siege zu ernten, die seine Heere schon seit der Revolutionszeit errungen hatten. Die Länder auf dem linken Rheinufer werden an Frankreich abgetreten (Frieden zu Basel 1795).

Der Krieg mit England und Österreich ging weiter. In diesen Kriegen zeichnete sich besonders ein junger General aus: Napoleon Bonaparte. Er hatte bereits entscheidenden Anteil an der Rückeroberung von Toulon 1793 und war vom Konvent vom Hauptmann zum General befördert worden. Im Jahre 1795 schlug Bonaparte mit einem mörderischen Artilleriefeuer einen Aufstand der Royalisten in Paris nieder, die versucht hatten, die Macht zu ergreifen. Zum Oberbefehlshaber der Truppen in Paris ernannt, übernahm er wenig später den Oberbefehl über die französischen Truppen in Oberitalien. Er reorganisierte und disziplinierte die Armee und sorgte für Verpflegung und Ausrüstung. Der Einmarsch der französischen Armee erfolgte rasch; die Österreicher erlitten eine Niederlage na ch der anderen. Bald war fast ganz Italien besetzt. Er nahm dem Papst einige seiner Besitzungen und führte Pius VI. als Gefangenen nach Frankreich. Er überschritt die österreichische Grenze und marschierte bis kurz vor Wien. Das geschlagene Österreich war bereit, Frieden zu schließen (Frieden zu Campo Formio 1797). Alle auf dem linken Rheinufer gelegenen Gebiete wurden an Frankreich abgetreten. Frankreich erhielt außerdem die österreichischen Niederlande. Österreich wurde durch Venedig entschädigt. Gleich zeitig entstehen auf italienischen Boden eine Reihe von Tochterrepubliken, die in der Abhängigkeit Frankreichs standen. Auch die Schweiz und Holland waren von Frankreich abhängige Republiken.

Der Krieg aber ging weiter. Der Hauptfeind war England, von einer starken Flotte geschützt, für Frankreich unangreifbar. Der englische Ministerpräsident William Pitt (der Jüngere) war die Seele und der Organisator des Krieges gegen Frankreich. Er versorgte die Feudalstaaten Europas mit Geldmitteln, damit sie den Krieg gegen Frankreich führen konnten und schuf eine Koalition dieser Staaten. Die Französische Republik beschloß, England an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen. Napoleon schlug einen Feldzu g gegen Indien vor (Ein Teil von Indien hatte bis 1763 zu Frankreich gehört). Um diesen Feldzug führen zu können, mußte aber zuvor Ägypten erobert werden. Bonaparte erklärte: "Der Herr Ägyptens wird der Herr Indiens werden. "Das Direktorium gab seine Einw illigung, und Bonaparte segelte mit 350 Schiffen und einer Armee von 30 000 Mann im Mai 1798 nach Ägypten. Der Feldzug in Ägypten und Syrien war ein Mißerfolg. Er besiegte bei den Pyramiden die feudalen Mamelukken. Er kam bis Akkon, konnte aber die von den Türken und Arabern mit englischer Hilfe verteidigte Stadt nicht nehmen. Er befahl den Rückzug. Ununterbrochene Kämpfe, sengende Sonne und die Pest setzten dem Heere Napoleons schwer zu. Die Verbindung zu Frankreich war unterbrochen. Der englische Admira l Nelson hatte die Schiffe, mit denen die französische Armee nach Ägypten gesegelt war, vernichtet. 1798 greift Rußland in den Krieg ein. Der russische General Suworow marschiert 1799 über die Alpen in Italien ein.

Das Direktorium hatte inzwischen sowohl bei der Bevölkerung als auch bei der Bourgeoisie jeden Kredit verloren. Das Bürgertum verlangte eine starke Gewalt, die Royalisten wie Jacobiner mit eiserner Hand niederhalten konnte. Ihre Blicke richteten sich auf Napoleon. Der war im Oktober 1799 aus Ägypten zurückgekehrt und begab sich unverzüglich nach Paris. Er entschloß sich zum Staatsstreich. Die Bankiers unterstützten ihn. Am 9. November 1799, dem 18. Brumaire des VIII. Jahres der Republik, versammelte Napol eon die ihm ergebenen Truppen um sich. Angesichts einer von Bonaparte aufgedeckten angeblichen Verschwörung, verlegten der "Rat der Alten" und der "Rat der 500" ihre Sitzungen nach St. Cloud, einer kleinen Stadt in der Nähe von Paris. Die Bewachung vertra ute man dem Organisator der wirklichen Verschwörung, dem General Bonaparte an. Am nächsten Tage jagte er beide Räte auseinander. Die Staatsgewalt ging an drei Konsuln über, an deren Spitze er selbst stand. Er übernahm die Führung der neuen Regierung, der neben ihm zwei ehemalige Direktoren, die an der Verschwörung teilgenommen hatten, angehören: der frühere Abt Sieyes und Roger Ducos. Nach einem Monat trat die von Bonaparte diktierte Verfassung in Kraft. Die ganze Macht wurde dem ersten Konsul übertragen . Die beiden anderen Konsuln hatten nur beratende Stimme. Die Konsuln ernannten den Senat, dieser ernannte aus der Zahl einiger tausend von der Bevölkerung gewählter Kandidaten die Mitglieder anderer gesetzgebender Körperschaften.

Die Kriege des Konsulats

Die erste Aufgabe, vor die sich der erste Konsul gestellt sah, war die Abwehr der äußeren Gefahr. Napoleon marschierte in Norditalien ein. Es kam zur Schlacht bei Marengo, die im letzten Moment Napoleon für sich entscheiden konnte (1800). Österreich bat u m Frieden, der 1801 unterschrieben wurde. Wieder war Italien in der Hand Napoleons. Frankreich erhielt das Recht auf Belgien und das linke Rheinufer bestätigt. Es gelang Napoleon mit Rußland Frieden zu schließen. Zar Paul der I. erklärte England den Krieg, wurde aber wenig später ermordet und die englandfreundliche Fraktion in Petersburg gelangte zur Macht. England machte nach dem Ausscheiden Österreichs ein Friedensangebot. Der Friede zu Amiens hielt allerdings nur kurz, ca. ein Jahr.

Der allmächtige erste Konsul ernannte sich 1802 zum lebenslänglichen Konsul und 1804 zum Kaiser. Damit war Frankreich wieder Monarchie, aber nicht im feudalen, sondern im bürgerlichen Sinne. Napoleon machte seinen Frieden mit dem Papst, schloß 1801 ein Konkordat und ließ die Geistlichen vom Staat besolden.

Im Jahre 1804 wird der "Code Civil" fertiggestellt (Bürgerliches Gesetzbuch). Dazu schreibt Napoleon später: "Mein wahrer Ruhm liegt nicht darin, daß ich 40 Schlachten gewonnen habe... sondern in dem was nicht vergessen werden kann, was ewig leben wird, nämlich in meinem Code Civil." Gegen die Presse ergriff Napoleon strenge Maßregeln. Von 73 Zeitungen wurden 60 verboten, die übrigen der polizeilichen Zensur unterstellt. Seine engsten Mitarbeiter waren der Minister des Äußeren Talleyrand und der Polizeimi nister Fouche. Beide verrieten ihn später.

Der Krieg, der 1803 von neuem begonnen hatte, erreicht im Herbst 1805 seinen Höhepunkt. Napoleon hatte starke Truppenverbände in Nordfrankreich konzentriert (Lager von Bologne) und 2300 Schiffe zusammengezogen. Außerdem beorderte er ein starkes Geschwader aus dem Mittelmeer an die Nordküste Frankreichs. Unweit der spanischen Küste, beim Kap Trafalgar traf es auf die englische Flotte unter Nelson (21.10.1805). Die französische Flotte erlitt eine schwere Niederlage. Noch vor der Schlacht bei Trafalgar hatte Napoleon seine Truppen gegen Österreich konzentriert und übernahm selbst den Oberbefehl. Am 2. Dezember 1805 erfolgte der entscheidende Zusammenstoß zwischen den Armeen Napoleons und denen der Österreicher und Russen bei Austerlitz, 100 km vor Wien. Napoleon schlug die Österreicher und kesselte die russische Armee ein.

Mitte des Jahres 1806 bildete Napoleon aus 16 Staaten den Rheinbund, dessen Protektor er wurde. Kaiser Franz I. legte seine Kaiserkrone nieder. Das Heilige Römische Reich hatte aufgehört zu bestehen. Die Bildung des Rheinbundes drängte Preußen in den Krie g.

Der Zusammenbruch Preußens

Der Krieg begann mit einer Reihe gewonnener Schlachten der Franzosen innerhalb von 6 Tagen. Am 14. Oktober 1806 kam es zu entscheidenden Schlacht bei Jena und dem 40 km entfernt liegenden Ort Auerstedt. Die Preußen wurden vernichtend geschlagen, ihr Oberb efehlshaber, der Herzog von Braunschweig, tödlich getroffen. Französische Truppen zogen in Berlin ein.

Preußen war ein rückständiger Feudalstaat, wo sich seit den Zeiten Friedrich des Großen kaum etwas geändert hatte. Man befolgte weiterhin die Lineartaktik, deren Grundlage der Bajonettangriff in geschlossener Formation ist. Nach dem Zusammenbruch Preußens erkannten auch die regierenden Kreise, daß sich Preußen ohne Reformen nicht mehr erholen werde.

Bis zum Jahre 1806 hatte Napoleon viele Siege errungen. Aber der Hauptkonkurrent und Feind Frankreichs war unbesiegt - England.

Die Kontinentalsperre

Da faßte Napoleon den Entschluß, Englands Wirtschaft tödlich zu treffen, in dem er ihr den europäischen Markt entzog. Er wollte den Handel Englands mit dem Kontinent total unterbinden, um es auf diese Weise zu vernichten. Diese Verordnung lautete: "Die br itischen Inseln befinden sich im Blockadezustand." "Der Außenhandel mit den britischen Inseln und jegliche Beziehungen zu ihnen sind verboten." Alle Engländer sollten verhaftet, alle britischen Waren beschlagnahmt werden, die sich auf französischen Gebiet oder dem mit ihnen verbündeten Staaten befanden. Das galt auch für Rußland, das damals mit Frankreich verbündet war.

Nach dem Zusammenbruch Preußens zog Napoleon weiter nach Osten. Ende des Jahres 1806 zog er in Warschau ein. Im Februar 1807 kam es zur Schlacht bei Preußisch-Eylau, die unentschieden blieb. Wenig später bei Friedland schlug er die Russen. Zar Alexander I . mußte Frieden schließen. Im Vertrag zu Tilsit (1807) schlug Napoleon die Teilung Europas vor. Napoleon sollte den Westen, Alexander den Osten erhalten. Der Zar erkannte die Eroberungen Napoleons an und schloß mit ihm ein Militärbündnis ab und verpflich tete sich zur Einhaltung der Kontinentalsperre. Preußen mußte eine Kriegsentschädigung zahlen, sein Heer wurde auf 40 000 beschränkt. Es verlor seine westlichen Gebiete. Aus seinen westlichen Provinzen und drei anderen Staaten entstand das Königreich West falen, das dem Bruder Napoleons, Jerome, übertragen wurde. Aus dem größten Teil der Provinzen, die Preußen bei der Teilung Polens erhalten hatte, wurde das Großherzogtum Warschau gebildet, das sein Bundesgenosse, der König von Sachsen erhielt.

Im Jahre 1809 versuchte Österreich im Zusammenhang mit den Mißerfolgen Napoleons in Spanien, dessen Unterwerfung ihm nicht gelang, von neuem den Krieg gegen Frankreich aufzunehmen, aber das französische Heer schlug die Österreicher in fünf Tagen (19.-23.4 .) in fünf großen Schlachten. Im Juli 1809 kam es zur Entscheidungsschlacht bei Wagram. Es war eine der blutigsten Schlachten; sie endete mit dem Sieg der Franzosen. Allerdings klagte der Kaiser: "Das sind nicht mehr die Soldaten von Austerlitz".

Nach dem Sieg bei Wagram hätte Napoleon die Möglichkeit gehabt, Österreich zu vernichten. Aber er wollte es als Bundesgenossen gegen England und Rußland gewinnen. Er heiratete die österreichische Prinzessin Marie-Luise.

Die von Napoleon unterworfenen Länder wurden unterschiedlich behandelt. Einige gliederte er Frankreich einfach an. 1811 bestand Frankreich nicht mehr aus 83, sondern aus 130 Departements. Die Schweiz und der Rheinbund waren von Frankreich abhängig, sie st anden unter seinem Protektorat. Im Königreich Neapel herrschte sein Bruder Joseph Bonaparte. Später ging Joseph nach Spanien und Napoleon setzte in Neapel seinen Marschall Murat ein.

Die Kontinentalsperre erwies sich immer mehr als Mißerfolg. England antwortete mit dem Kapern aller französischen Schiffe und der Schiffe seiner Verbündeten auf allen Meeren. Die französischen Waren reichten zur Deckung des Bedarfs auf dem Kontinent nicht aus. Außerdem waren sie teurer und schlechter. Der Schmuggel blühte.

In den besetzten Ländern kommt es zu Aufstandsbewegungen. Am 2. Mai bricht ein Aufstand in Madrid aus. Im Lande bilden sich Partisanengruppen. Die Engländer besetzen Portugal. Im November 1808 marschiert Napoleon mit 180.000 Mann in Spanien ein. Aber auch er wird mit der Aufstandsbewegung nicht fertig.

Der Feldzug gegen Rußland 1812

Rußland war mit der Kontinentalsperre unzufrieden. Sie behinderte die Einfuhr englischer Waren und die Ausfuhr russischen Getreides. Napoleon rüstete ein Heer von fast 600.000 Man aus. Die Soldaten dieser Armee sprachen 12 Sprachen. Im Sommer 1812 marschi erte er in Rußland ein. Bei Smolensk kam es zur ersten Schlacht. Der russische General Kutusow zog sich zurück. Am 7. September kommt es zur Entscheidungsschlacht bei Borodino. Napoleon zieht in Moskau ein, aber der Zar weigert sich Frieden zu schließen. Von den 300.000 Einwohnern Moskaus bleiben nur 30.000 in der Stadt zurück. Die Stadt wird angezündet. Napoleon gab den Befehl zum Rückzug, der zur Katastrophe führte. Napoleon verläßt die Armee und kehrte nach 12 Reisetagen nach Paris zurück. Er stellt e in neues Heer von 300.000 Mann auf. Auf der Durchfahrt durch Warschau bemerkte er: "Es mag sein, daß ich einen Fehler gemacht habe, als ich bis Moskau durchmarschierte, es mag sein, daß ich nicht richtig gehandelt habe, daß ich zu lange dort blieb, aber v om Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt. Darüber mag die Nachwelt urteilen."

Nach langen Zögern erklärte Preußen an Frankreich den Krieg. Österreich folgte später. Im Oktober 1813 kommt es zur Entscheidungsschlacht bei Leipzig (Völkerschlacht). Sie dauerte vier Tage und führte zur Niederlage Napoleons. In der Nacht zum 1. Januar 1 814 ging das preußische Heer unter dem Oberbefehl des Generals Blücher bei Kaub über den Rhein und trug den Krieg auf französischen Boden. Am 31. März 1814 zog das Heer der Verbündeten, an der Spitze Zar Alexander I. in Paris ein. Napoleon dankte ab und g ing nach Elba in die Verbannung. Er wurde Herrscher von Elba und hatte 1000 Soldaten. Auf den Bajonetten der Verbündeten kehrten die Bourbonen zurück. Der frühere Graf von Provence, der Bruder Ludwig XVI., wurde König Ludwig XVIII. Frankreich wurde auf se ine Grenzen von 1792 zurückgeführt.

Noch einmal kehrte Napoleon an die Macht zurück, für 100 Tage. Mit 600 Soldaten war er in Südfrankreich gelandet. Die ihm entgegengeschickten Truppen, liefen zu ihm über. Die Pariser Zeitungen schrieben: "Das Korsische Ungeheuer ist in der Bucht von Juan gelandet." "Der Menschenfresser marschiert nach Grasse." In dem Maße, wie Napoleons sich Paris näherte, wurde der Ton der Zeitungen gemäßigter. "Bonaparte hat Lyon genommen." Oder: "Napoleon nähert sich Fontainebleau." Endlich meldeten die Zeitungen: "Sei ne Kaiserliche Majestät wird morgen von seinem treuen Paris erwartet." Am 19. März flüchtete Ludwig XVIII. in Richtung belgische Grenze. Am 20. März zieht Napoleon in Paris ein. Die Verbündeten erklären ihm den Krieg. Am 18. Juni 1815 wird er bei Waterloo von der englischen und preußischen Armee geschlagen. Die Engländer verbannen ihn nach St. Helena, einer abgelegenen Insel im Atlantik. Dort stirbt er im Jahre 1821. In Europa beginnt die Zeit der Reaktion.

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