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Beiträge zur Geschichte  









Die Februarrevolution (1848) in Frankreich

Breite Kreise der französischen Bevölkerung waren unzufrieden mit dem "Königreich der Bankiers." Je hartnäckiger Louis Philippe und seine Minister Reformen verweigerten, um so lauter wurde der Ruf nach Reformen. Die Gruppen, die Reformen verlangten, hatte n zwei Sprachrohre: die Zeitung "National", an der Lamartine mitarbeitete und das gemäßigte Bürgertum vertrat, und die Zeitung "Reforme", das Blatt der kleinbürgerlichen Demokraten, in der der Rechtsanwalt Ledru-Rollin eine Rolle spielte. Er war überzeugt er Republikaner. 1847 blieb auch Frankreich von der wirtschaftlichen Krise nicht verschont. Die Geschäfte gingen zurück, der Arbeitslohn sank um 50-60%. Die Minister der Regierung waren in einige Skandalgeschichten verwickelt. Das Bürgertum versuchte die Krise zu nutzen, um der Regierung die Wahlrechtsreform abzutrotzen und eine Herabsetzung des hohen Wahlzensus zu erreichen (noch immer 200 Fr. direkte Steuern jährlich). Unter aktiver Teilnahme der Zeitungen "National" und "Reforme" wurden Bankette verans taltet, auf denen bürgerliche Politiker Reformen forderten. Ein großes Bankett war auf den 22. Februar festgesetzt.

Man veröffentlichte auch den Plan des Aufmarsches zum Bankettplatz. Das Bankett aber wurde kurzfristig von der Regierung verboten. Das Bürg ertum fügte sich. Vor dem Bankettgebäude versammelten sich Arbeiter, Handwerker und Studenten. Die Reste der aufgelösten Geheimgesellschaften riefen zum Aufstand. Die Regierung antwortete mit der Einberufung der Nationalgarde, die sich aber größtenteils m it den Arbeitern verbrüderte. Man rief: "Fort mit Guizot!" "Es lebe die Reform!" Der König entschloß sich, Guizot zu entlassen. Aber es war bereits zu spät. Die Massen gingen auf die Straße. In der Nacht zum 24. Februar schossen die Regierungstruppen vor dem Außenministerium auf demonstrierende Arbeiter. Jetzt nahm der Aufstand allgemeinen Charakter an. Die Pariser bauten 2.000 Barrikaden. Am Morgen des 24. Februar waren alle Kasernen und Waffenarsenale in den Händen der Aufständischen. Der König floh aus Paris. Der Versuch der Deputiertenkammer, den minderjährigen Enkel des Königs unter der Regentschaft seiner Mutter, der Herzogin von Orleans, auf den Thron zu setzten, wurde von den Arbeitern mit Waffengewalt verhindert. Der Thron wurde auf einem Platz i n Paris öffentlich verbrannt. Die Macht wurde von einer provisorischen Regierung ausgeübt, in der Lamartine eine führende Rolle spielte. Innenminister wurde Ledru-Rollin. Am 25. Februar 1848 wurde Frankreich zur Republik erklärt.

Die Luxembourg Kommission

Auf Verlangen der Arbeiter wurden auch zwei Sozialisten in die Regierung aufgenommen, aber nicht als Mitglieder der Regierung, sondern nur als Sekretäre: der Arbeiter Albert und der kleinbürgerliche Journalist Louis Blanc. Die Arbeiter forderten das Recht auf Arbeit. Zu diesem Zweck setzte man eine Kommission ein, die im Palais Luxembourg untergebracht wurde und von Albert und Blanc geleitet wurde, die damit praktisch aus der Regierung ausschieden. Es wurden Nationalwerkstätten eingerichtet, in die sich b ei der hohen Arbeitslosigkeit bald 100.000 Arbeiter einschrieben.

Inzwischen war die Regierung nicht untätig geblieben. Sie schuf eine Mobilgarde (Garde mobile) aus 24 Bataillonen.

Die Konstituierende Versammlung

Am 4. Mai 1848 wurde die neu gewählte Konstituierende Versammlung eröffnet. Etwa ein Viertel der Deputierten waren verkappte Monarchisten. Die Mehrheit gehörte den gemäßigten Republikanern, den Vertretern des industriellen Bürgertums an. Die vorläufige Regierung trat zurück. Es wurde ein fünfköpfiges Exekutivkomitee gewählt. Das Ergebnis der Wahl war so, daß Blanqui, der eben aus dem Gefängnis kam, erklärte: "Jetzt ist der Bürgerkrieg unvermeidlich." Die Luxembourgkommission wurde sofort aufgelöst. Mittel punkt des Kampfes gegen die Konstituierende Versammlung waren die demokratischen Klubs. In Paris waren ca. 250 entstanden. Am 15. Mai machten Demonstranten den Versuch, die Versammlung auseinanderzutreiben, indem sie in den Sitzungssaal eindrangen, die Ko nstituierende Versammlung für aufgelöst erklärten und eine neue Regierung unter Blanqui ausriefen. Diese forderte die Unterstützung der polnischen Revolutionäre, die Besteuerung der Reichen mit einer Milliardenabgabe, Abzug der Truppen aus Paris, die "Org anisierung der Arbeit" und die "Beseitigung der Armut". Da marschierten die bürgerlichen Bataillone der Nationalgarde und der Mobilgarde auf. Die Demonstranten wurden verjagt, Blanqui und andere Führer des Volksklubs verhaftet und die revolutionären Klubs geschlossen.

Die Junitage

Am 22. Juni 1848 erließ das Exekutivkomitee der Konstituierenden Versammlung ein Dekret über die Auflösung der Nationalwerkstätten. 113.000 Arbeiter wurden auf die Straße geworfen. Nun brach ein allgemeiner Aufstand aus. Die Konstituierende Versammlung entließ das Exekutivkomitee und übertrug die Macht einem Militärdiktator, dem General Cavaignac. Er führte 24.000 Mann der Mobilgarde, die Regimenter der regulären Armee und die Bataillone der Nationalgarde. Seine Artilleri e feuerte rücksichtslos auf ganze Stadtviertel von Paris.

Die Aufständischen hatten keine einheitliche Führung und keine Bundesgenossen. Bis Mittag des 24. Juni war das Übergewicht auf seiten der Arbeiter, am 25. Juni auf seiten Cavaignac. "Es war ein Kampf", wie Marx schrieb, "um die Erhaltung oder Vernichtung der bürgerlichen Ordnung."

Am 26. Juni ergab sich St. Antoine, die letzte Verteidigungsstellung der Aufständischen. Im Kampfe fielen 800 Arbeiter; nach dem Kampf wurden nicht weniger als 11.000 erschossen, 25.000 verhaftet, 3.500 in die Verbannung geschickt. Der Sieg des Bürgertums in den Junitagen von Paris signalisierte den Sieg der Konterrevolution in ganz Europa.

Die Gesetzgebende Versammlung

Die Konstituierende Versammlung bemühte sich, die Arbeiten an der Verfassung schnell zu beenden. Sie schuf eine starke Zentralgewalt. In der neuen Verfassung wurde die gesetzgebende Macht einer "Gesetzgebenden Versammlung" anvertraut, die aus 750 Mitgliedern bestand. Sie wurde von allen männlichen Franzosen, soweit sie das 21. Lebensjahr erreicht hatten, gewählt. Die ausführende Gewalt wurde einem Präsidenten der Republik anvertraut, der durch eine Volksabstimmung für vier Jahre gewählt wurde. Der Präside nt nahm eine starke Stellung ein: Er erklärte den Krieg und schloß Frieden, er führte im Namen der Regierung die Verhandlungen mit den ausländischen Mächten, er war der Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernannte die obersten Zivilbeamten. Für den Präsidentenposten gab es zwei Kandidaten: den General Cavaignac, der ein überzeugter Republikaner war, und den Neffen Napoleons I., Louis Napoleon Bonaparte.

Napoleon an der Macht

Louis Napoleon hatte bereits zweimal versucht, durch eine Verschwörung an die Macht zu gelangen. Diese Versuche brachten ihn ins Gefängnis. Er ging später in die englische Emigration. Den Wahlsieg, den er errang, verdankte er seinem Namen und seinen demag ogischen Versprechungen.

Im Mai 1849 fanden die Wahlen zur Gesetzgebenden Versammlung statt. Jetzt erlangten diejenigen die Oberhand, die offen die Monarchie forderten, die Anhänger der Orleans und der "legitimen" Bourbonen-Dynastie, die sich zur "Partei der Ordnung" vereinigt ha tten. Die kleinbürgerlichen Demokraten waren mit 150 Abgeordneten vertreten und standen unter der Führung von Ledru-Rollin. Sie fürchteten die Wiederherstellung der Monarchie und versuchten, die breiten Schichten des Kleinbürgertums und die Arbeiter zum Kampf gegen die monarchistische Mehrheit zu bewegen. Die "Ordnungspartei" begann sofort reaktionäre Maßnahmen einzuführen. Das allgemeine Wahlrecht wurde aufgehoben, die Zahl der Wähler verringerte sich von neun Millionen auf sechs Millionen. Der Geistlich keit erlaubte man Schulen zu eröffnen.

Der Staatsstreich von 1851

Bald spitzten sich die Beziehungen zwischen dem Präsidenten und der "Ordnungspartei" zu. Im Jahre 1852 lief die Amtszeit des Präsidenten ab. Eine erneute Wahl ließ die Verfassung nicht zu. Sein Versuch, die Gesetzgebende Versammlung zu bewegen, die Verfas sung zu ändern, schlug fehl. Da brachte der Präsident ein Gesetz ein, das allgemeine Wahlrecht wieder einzuführen. Die Kammer lehnte ab. In der Nacht zum 2. Dezember 1851 ließ Louis Napoleon die Führer der "Ordnungspartei" verhaften und verkündete gleichz eitig die Wiedereinführung des allgemeinen Wahlrechts. Durch Änderung der Verfassung verlängerte er seine Vollmachten auf 10 Jahre. Gegen diesen Staatsstreich riefen die Republikaner zum Aufstand, der aber von den Truppen des Präsidenten schnell unterdrüc kt wurde. 26.000 Aufständische stellte man vor Gericht.

Ausrufung des Kaisertums

Unter den Bedingungen des Terrors führte Louis Napoleon eine Volksabstimmung durch und ließ sich auf zehn Jahre als Präsident bestätigen. Ein Jahr später, am 2. Dezember 1852, rief er sich, gestützt auf die Militärkaste, die Bankiers und die industrielle Großbourgeoisie, zum Kaiser von Frankreich als Napoleon III. aus.



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