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TEIL 3: DIE NÄCHSTEN AUFGABEN DER PL/PI

a) Aufbau der Abteilungsgruppen

Den Aufbau von Machtorganen des Proletariats fördern, bedeutet in der gegenwärtigen Phase, auf Abteilungsebene, in der Einheit von Untersuchung Aktion - Organisierung Gruppen aufzubauen. Die Abteilungsgruppe umfaßt diejenigen Arbeiter, die durch den Produktionsprozeß miteinander verbunden sind und die sich zusammengeschlossen haben, um den Kampf gegen die Kapitalistenklasse aufzunehmen. Sie bilden damit auf Abteilungsebene eine Kampfeinheit und werden im Fortschreiten der Revolution zu Einheiten der Machtorgane des Proletariats in den Betrieben.

Die drei Schritte beim Aufbau der Abteilungsgruppe: Der Kader, der in einem bestimmten Betrieb arbeitet, hat die Aufgabe in seiner Abteilung eine Gruppe aufzubauen.

1. In den ersten Wochen leistet er eine Voruntersuchung, deren wesentliche Aufgabe darin besteht, in der Abteilung diejenigen Arbeiter herauszufinden, die bereit und in der Lage sind, die gemeinsame Diskussion - besonders über konkrete Konflikte aufzunehmen.

2. Der Kader hat im weiteren die Aufgabe, diesen Kreis von Arbeitern in einer Gruppe zusammenzufassen. Da es in der augenblicklichen Phase im allgemeinen nicht möglich sein wird Gruppenversammlungen innerhalb des Betriebes durchzuführen, muß sich die Gruppe außerhalb des Betriebes regelmäßig treffen. Der wesentliche Inhalt der gemeinsamen Gruppenarbeit ist es, Konflikte herauszufinden ihre Bedeutung und Durchführung zu diskutieren und eine besondere Schulung zu leisten.

Die Schulung muß das Ziel erreichen, daß alle den Grundwiderspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital sowie die Notwendigkeit, gegen alle Formen der Diktatur der Bourgeoisie zu kämpfen, erkannt haben.

Die Gruppe soll nicht deswegen auf der Ebene des Arbeitsplatzes gebildet werden, um die Diskussionen etwa auf die Probleme am Arbeitsplatz zu beschränken. Arbeitsplatznah sollen die Gruppen vielmehr deshalb sein, weil die Schule des Proletariats für den Klassenkampf der Betrieb ist und die Arbeitergruppen sich hauptsächlich im Betrieb als Machtorgane erweisen werden. Die Diskussion muß alle Probleme berühren - von der häuslichen Situation bis hin zu politischen Problemen im allgemeinsten Sinne. Aufgabe der Kader ist es, dafür zu sorgen, daß politische Fragen so diskutiert werden, daß die auf Abteilungs- und Betriebsebene organisierten Arbeiter in Kampagnen gegen den Imperialismus und den Staatsapparat arbeiten; wie es die italienischen Arbeiter uns vorgemacht haben, die Miet- und Preiserhöhungen ebenso zum Anlaß von Streiks nehmen wie den Einmarsch der US-Aggressoren in Kambodscha.

Um eine Aktion erfolgreich durchführen zu können, ist es notwendig Forderungen zu stellen, deren Berechtigung und Durchsetzbarkeit dem Proletariat einsichtig sind, die also weder zu weit vorpreschen, noch hinter dem Bewußtsein des Proletariats herhinken. (Im ersten Fall führt das hartnäckige Festhalten an diesen Forderungen bzw. an Methoden zu ihrer Durchsetzung entweder zur Isolierung des Kaders oder zur Spaltung der Kämpfenden und damit zum Scheitern der Aktion, im zweiten Fall wird sich der Kampf spontan entwickeln, ohne daß die Kader in der Lage sind, ihn richtig voranzutreiben.)

Es ist notwendig, Forderungen zu stellen, die vereinheitlichenden Charakter haben. Sie dürfen nicht die Privilegien bestimmter Schichten zu erhalten suchen und damit die Spaltung der Arbeiterklasse vertiefen; sondern es müssen solche Forderungen sein, die die gemeinsamen Interessen der Ausgebeuteten gegenüber den Ausbeutern deutlich machen. Forderungen müssen so gestellt werden, daß die Perspektive stets deutlich wird, die über den Rahmen des gegenwärtigen Konflikts hinausreicht.

3. Die Aktion ist eigentlich die Geburtsstunde der Abteilungsgruppe, denn erst die Aktion ist in der Lage, einen, organisatorischen Kampfzusammenhang zwischen den Arbeitern herzustellen. Während eines Konflikts konsolidiert sich die Abteilungsgruppe und weitet sich zugleich aus. Während ihres Aufbaus tritt die Abteilungsgruppe aus ihrem Zwitterdasein - sowohl initiativer Kern als auch Exekutivorgan der Massen zu sein - heraus. Die aktivsten und bewußtesten Arbeiter werden in die. Kaderorganisation aufgenommen. Die eigentliche Abteilungsgruppe weitet sich aus mit dem Ziel, alle aktiv an Konflikten beteiligten Arbeiter zu vereinigen. Ihre Ausweitung bringt zunächst eine Diffusion mit sich: die feste Gruppe wird erweitert um ein Netz von Vertrauensleuten und Kontaktpersonen, das sich über die ganze Abteilung und den ganzen Betrieb erstreckt. Dieses Kontaktnetz ist eine wichtige. Voraussetzung für die Durchführung weiterer Kämpfe. Es umfaßt die Kollegen, von denen bekannt ist, daß sie zuverlässig sind und von denen man erwarten kann, daß sie in bestimmten Situationen bestimmte Aufgaben übernehmen können. So verwandelt sich der kollektive Arbeitszusammenhang in einen kollektiven Kampfzusammenhang.

Dieses zunächst informelle Netz zu konsolidieren ist die wichtigste Aufgabe der weiteren politischen Arbeit-, denn nur in einem festeren organisatorischen Zusammenhang sind die Arbeiter in der Lage, an der Verallgemeinerung der Erfahrungen intensiv teilzunehmen. Der Aufbau der Abteilungsgruppe und im weiteren Sinne der Betriebsgruppe entwickelt sich also in dem Wechsel von Geschlossenheit - Öffnung - Verbreiterung - Konsolidierung. Dieser fortschreitende Prozeß der Organisierung der Massen ist der fortschreitende Prozeß des Klassenkampfes selber.

Welche Mittel sind geeignet, den Aufbau von Abteilungsgruppen zu fördern?

Trotz der Politik des Kapitals und der nahezu vollständigen Korrumpierung der Gewerkschaften sind die Betriebsversammlungen als Massenversammlungen der Ort, wo Forderungen der gesamten Arbeiterschaft auf Betriebsebene vorgebracht und diskutiert werden können. Es ist die Aufgabe der in Abteilungsgruppen organisierten Arbeiter auf Betriebsversammlungen Forderungen zu stellen, die zu vereinheitlichenden Losungen werden. In Betriebsversammlungen müssen Lernprozesse eingeleitet werden. Diskussionen über Kampfmaßnahmen müssen so konkret sein, daß diese Kampfmaßnahmen am Arbeitsplatz auch organisiert werden können.

Eine wichtige Hilft bei Auseinandersetzungen in der Abteilung ist die Betriebszeitung. Die Betriebszeitung wird vor den Toren des Betriebs, besser im Betrieb, verteilt; es ist eine Zeitung, die die aktuellen Kampfmaßnahmen agitatorisch darstellt. Die Zeitung muß eine politische Zeitung sein. Ihr Ziel muß es sein, den Betrieb gerade zu dem Ort zu machen, an dem das Proletariat den Kampf gegen die Kapitalistenklasse und nicht nur gegen den individuellen Unternehmer aufnimmt, d.h., zu dem Ort an dem ganz allgemein politische Anlässe zum Gegenstand von Kampfaktionen werden. Deshalb muß die Betriebszeitung in enger Verbindung mit den Massen entstehen.

Sowohl die Betriebsversammlung als auch die Zeitung können in der augenblicklichen Phase nicht mehr sein als Unterstützungen beim Aufbau von Abteilungsgruppen. Nur der Kader am Arbeitsplatz ist in der Lage, die organisierende Wirkung dieser beiden Hebel aufzunehmen und - entsprechend dem Drei-Schritte-Modell - zum Aufbau einer Abteilungsgruppe zu verwenden.

b) Schulung und theoretische Arbeit

Die theoretische Arbeit in der Organisation hat zwei Aufgaben zu erfüllen:

In der Schulung eignen sich die Kader die Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus sowie die strategische und taktische Linie der Organisation an. Durch Schulung und Lehrgänge bereiten sich die Kader auf Ihre speziellen Aufgaben vor. Die Schulung ist demnach kein Instrument zur Aneignung allgemeingültiger Wahrheiten des Marxismus-Leninismus, sondern sie ist in engster Verbindung mit der Generallinie und mit den einzelnen Aufgaben der Organisation zu betreiben.

In der Forschung erarbeiten die Genossen Analysen, die den jeweiligen Bedürfnissen der Strategiebestimmung dienen.

Beide Aufgaben können nicht einfach an die Grundeinheiten delegiert werden. Es muß vielmehr ein Büro für Schulung und theoretische Arbeit eingerichtet werden, das sowohl für die Schulung wie für die Forschung Thesen und Material erarbeitet und in die Grundeinheiten hineinträgt, damit diese an der theoretischen Diskussion mitarbeiten. Daneben hat dieses Büro die Durchführung der Schulung und Lehrgänge sicherzustellen. Insbesondere aber hat es die Ergebnisse der Untersuchung zu systematisieren, die beim Aufbau der Abteilungsgruppen durchgeführt werden. Es sammelt die Protokolle und Berichte der Zellen und legt die Auswertung dieses Materials dem jeweiligen Rat der Zellen als Unterlagen für die weitere Strategie-Diskussion vor.

c) Massenarbeit außerhalb des Betriebs

Zur Vorbereitung der politischen Arbeit in proletarischen Wohnbezirken und in der Hochschule hat die PL/PI vorbereitende Ausschüsse eingerichtet. Grundsatz-Papiere zur Arbeit in diesen Bereichen wird die PL/PI in den nächsten Wochen veröffentlichen.

Teil 4: Die Organisationsstruktur der PL/PI

Quelle: Plattform, verabschiedet vom 2. Plenum 1970, GLASNOST-Archiv




 




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