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2003-02-17

Erklärung des Club of Budapest International zu Irak

Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschheit - Krieg darf nicht länger ein Instrument nationaler Politik sein

Die Zeit ist gekommen, dass die Weltgemeinschaft erkennt: Krieg, auch als Instrument für die Eliminierung von Terroristen und Aggressoren, ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Er ist ein Akt der Aggression, der das menschliche Leben bedroht sowie die Integrität der Mitwelt, von der menschliches Leben und jegliches Leben auf dieser Erde existenziell abhängen. Keine andere Spezies tötet so extensiv ihre eigene Art; Krieg ist ein spezifisch menschliches Phänomen. Solches Töten war nie gerechtfertigt; es fand allenfalls eine gewisse Rechtfertigung in Zeiten, als menschliche Gemeinschaften in existenzieller Konkurrenz um überlebensnotwendige natürliche und menschliche Ressourcen standen und die Auseinandersetzungen auf die diesbezüglichen Territorien und die jeweiligen Krieger beider Seiten begrenzt waren. In einer Zeit, in der die Ressourcen grundsätzlich allen zugänglich sein müssen und in der sich kriegerische Konflikte grundsätzlich nicht mehr begrenzen lassen, gibt es keinerlei Rechtfertigungen mehr für Krieg - weder politische noch ökonomische. Da moderne Kriegsführungen vor allem unschuldige Zivilisten töten, der Leben spendenden Umwelt ernsthafte Schäden zufügen und zu weltumspannenden Flächenbränden zu eskalieren drohen, ist es notwendig, dass wir Krieg als ein Verbrechen gegen die Menschheit betrachten. Keine Nation sollte mehr das Recht haben, einer anderen Nation einen Krieg erklären zu dürfen!

Selbst die Anhäufung von Massenvernichtungswaffen gibt einer Nation keine Rechtfertigung, eine andere Nation mit Krieg zu überziehen, denn Massenvernichtungswaffen - ob nuklear, chemisch, biologisch oder konventionell - sind per se eine Bedrohung menschlichen Lebens, gleichgültig, wer diese besitzt. Sie können in der Hand keiner Nation toleriert werden - sei diese nun groß oder klein, reich oder arm, von einem Diktator oder einem gewählten Politiker regiert. Solche Waffen müssen aus den Arsenalen jedes einzelnen Staates eliminiert werden! Doch diese Aufgabe ist nicht das selbstverliehene Vorrecht irgendeiner Regierung, sondern die Verantwortung der globalen Gemeinschaft aller Völker und aller Nationen.Es wird keinen dauerhaften Frieden auf dieser Erde geben, solange Massenvernichtungswaffen nicht ihrerseits zerstört sind und ihre Lagerung verboten ist und solange Strategien für ihren Einsatz nicht durch Strategien des Dialogs und der Verhandlungen und, wenn nötig, von international vereinbarten wirtschaftlichen und politischen Sanktionen ersetzt werden. Wenn wir Massenvernichtungswaffen mit Massenvernichtungswaffen bekämpfen wollen, handeln wir nach dem Prinzip "Gewalt gegen Gewalt" oder "Auge um Auge - Zahn um Zahn", was letztlich uns alle blind und zahnlos machen kann. Potenzielle Aggressoren und Terroristen müssen gestoppt werden, aber Krieg ist nicht der Weg, sie zu stoppen.

17. Februar 2003

Zu den Erstunterzeichnern dieser Erklärung gehören: Vinod Bhalla, Paulo Coelho, Peter Engberg, Vigdis Finnbogadottir, Rivka Golani, Jane Goodall, Marco Kappenberger, Pir Inayat-Velayat Khan, Ervin Laszlo, Hans Küng, Zubin Mehta, Joanie Misrack, Lady Fiona Montagu, Marcia Odell, Peter Russell, Masami Saionji, Vinay Sansi, Gerhard Schweter, Aleandro Tommasi, Sir Peter Ustinov, Betty Williams sowie weitere Ehren- und Kreativmitglieder des Club of Budapest International.

Quelle: Club of Budapest


 




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