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Erklärung Gorbatschows zu seinem Rücktritt als KPdSU- Generalsekretär

Die Erklärung Michail Gorbatschows zu seinem Rücktritt als Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, die am Sonnabend im sowjetischen Fernsehen verlesen wurde, hat laut TASS folgenden Wortlaut:

     "Das Sekretariat und das Politbüro des ZK der KPdSU
haben sich dem Staatsstreich nicht widersetzt, und das
Zentralkomitee hat es nicht vermocht, eine entschiedene
Position der Verurteilung und des Widerstandes
einzunehmen. Es hat die Kommunisten nicht zum Kampf gegen
die Verletzung der verfassungsmäßigen Gesetzlichkeit
mobilisiert. Unter den Verschwörern befanden sich
Mitglieder der Parteiführung. Eine Reihe von Parteikomitees
und Massenmedien haben die Aktionen der Staatsverbrecher
unterstützt. Das hat Millionen Kommunisten in eine schlimme
Position gebracht.

     Viele Parteimitglieder haben sich geweigert, mit den
Verschwörern zusammenzuarbeiten, den Umsturz verurteilt
und sich in den Kampf dagegen eingereiht. Niemand hat das
moralische Recht, alle Kommunisten ohne Unterschied
schuldig zu sprechen, und ich als Präsident sehe es als
meine Pflicht an, sie als Bürger gegen unbegründete
Anschuldigungen in Schutz zu nehmen. In dieser Situation
sollte das ZK der KPdSU den schweren, aber ehrlichen
Beschluß über seine Selbstauflösung fassen.  Das Schicksal
der Kommunistischen Parteien der Republiken und der
örtlichen Parteiorganisationen wird von ihnen selbst
entschieden.

     Ich sehe mich nicht in der Lage, weiterhin die
Funktion des Generalsekretärs des ZK der KPdSU auszuüben,
und lege die damit verbundenen Vollmachten nieder. Ich
glaube, daß die demokratisch gesinnten Kommunisten, die
der verfassungsmäßigen Gesetzlichkeit, dem Kurs auf die
Erneuerung der Gesellschaft verpflichtet sind, für die
Schaffung einer Partei auf neuer Grundlage eintreten werden,
die fähig ist, gemeinsam mit allen fortschrittlichen
Kräften aktiv an der Weiterführung der grundlegenden demo-
kratischen Umgestaltungen im Interesse der arbeitenden Men-
schen mitzuwirken." (ADN)
Quelle: Neues Deutschland vom 26.08.1991, S. 5




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