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Beiträge zur Geschichte  









Die Französische Revolution

I. Frankreich vor der Revolution

1. Die ökonomische Struktur

Frankreich hatte vor der Revolution ca. 25 Mill. Einwohner. Davon waren ca. 23 Mill. Bauern. Die meisten Bauern betrieben eine kleine Wirtschaft auf einem Lande, dei meistens einem Gutsbesitzer gehörte, dem sie zu Feudalleistungen verpflichtet waren.

Abgaben der Bauern: 1/4 der Ernte ging gewöhnlich an den Gutsbesitzer, 1/10 an die Kirche, 1/20 als Einkommenssteuer an den König. Außerdem waren zu zahlen: Grundbesitzsteuer, Kopfsteuer, Salzsteuer und indirekte Steuern. Der Bauer war verpflichtet, jährlich mindestens 7 Pfund Salz zu kaufen; das Salz war mit einer hohen Steuer belegt. Außerdem kamen Transportabgaben, Brückenzölle, Mahlgebühren, Backgebühren etc. hinzu.

Die Folge dieser unerhörten Ausbeutung und Ausplünderung führte zu weitgehender Verelendung der Bauern, zu Hungersnöten und Aufständen.

Die Zünfte waren die Grundform der Industrie in Frankreich. Ein Lehrling mußte bei Antritt der Lehre, die 7 Jahre dauerte, Abgaben leisten. Für die Kirche, für die Zunft, für Beköstigung, für das Abfassen der Urkunden. Ein Meister durfte ein bis zwei Lehrlinge beschäftigen. Die Anzahl der niedergelassenen Meister war beschränkt. Einengende Vorschriften reglementierten das gesamte Zunftwesen. Das Zunfthandwerk, das seine Erzeugnisse nur nach bestimmten Mustern und in genau einzuhaltender Anzahl herstellen dürfte, konnte die Bedürfnisse des Marktes nicht befriedigen. Die Zünfte behinderten die Entwicklung des Gewerbes. Die Kaufleute gingen aufs Land und entwickelten das Verlags- und Manufakturwesen.

Es gab wenig Großbetriebe. So die Kohlengruben in Anzin mit ca. 2.000 Beschäftigten. So die königlichen Porzellanmanufakturen und Webereien in Sedan. Die Industrie entwickelte sich hauptsächlich in den Seehäfen, wie Bordeaux und Marseille.

Der Außenhandelsumsatz stieg im 18. Jh. von 130 Mill. auf 1.080 Mill. Livres. Der Entwicklung des Außenhandels war das Zollsystem hinderlich. Der Binnenhandel war behindert durch die Binnenzollgrenzen, die von 50.000 Soldaten bewacht wurden.

2. Die Stände

Politisch stand an der Spitz Frankreichs der König. Seit 1774 Ludwig XVI. Er regierte absolut. Er stützte sich auf Adel und Geistlichkeit.

Der 1. Stand war die Geistlichkeit. Die Vertreter der obersten Geistlichkeit, die Bischöfe, gewöhnlich die jüngsten Söhne des hohen Adels, besaßen riesige Güter und bezogen von der Kirche Einkünfte, sogenannte Pfründen.

Der 2. Stand war der Adel. Alle höchsten Ämter im Staat, alle Befehlsstellen im Heer, waren in den Händen des Adels. Die reichen Adligen lebten am Hofe in Paris. 4.000 Höflingsfamilien erhielten vom König reichlich Geschenke in Form von Pensionen und sonstigen Zuwendungen. Beide Stände waren privilegiert. Sie waren von fast allen Steuern befreit. Ein Teil der Grundbesitzer, die dem Bürgertum nahestanden, beschäftigten Lohnarbeiter.

Zum 3. Stand gehörten all jene, die nicht zu den beiden bevorrechteten Ständen gehörten. Der überwiegende Teil gehörte zu den Bauern. Auch die Handwerker, die Arbeiter und die Armen in den Städten, zählten zum 3. Stand.

Zum Proletariat gehörten damals die Arbeiter in den Manufakturen, außerdem Handwerker (Gesellen und Lehrlinge) und ein Teil der Heimarbeiter auf dem Lande. Politisch folgten sie der Bourgeoisie. In politischer Hinsicht war das Bürgertum rechtlos. Im Staatsapparat und an den Gerichten herrschte der König und der Adel. Der reichste Teil des Bürgertums, die Generalsteuerpächter, die Bankiers, die Kaufleute und die Grundbesitzer waren mit der feudal- absolutistischen Schicht zwar eng verbunden, erstrebten aber Reformen. Sie wünschten die Ordnung der Finanzen und wollten politische Rechte.

Das Bürgertum aus den Handels- und Gewerbekreisen verlangte eine Verfassung.

3. Die Ideologie des aufsteigenden Bürgertums

Einen ungeheueren Einfluß auf die ideologische Vorbereitung der Französischen Revolution hatten Volaire und Montesquieu als ältere französiche Schriftsteller.

Voltaire (1694-1778) kämpfte gegen Leibeigenschaft und Kirche.

"Zerstört das alte Gebäude des Betrugs, zerschmettert das Scheusal",

war sein immer wiederholter Wahlspruch. Er forderte Toleranz, Freiheit des Wortes und die Unverletzlichkeit der Person. Er war aber weder Revolutionär noch Demokrat und auch nicht Atheist. Eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse erhoffte er sich von einem aufgeklärten Herrscher, einem Philosophen. Am Schluß seines Lebens schrieb er: "Alles was ich sehe, scheint den Samen der Revolution, die eines Tages unausweichlich kommen muß, auszustreuen, ich werde aber nicht mehr das Vergnügen haben, ihr Zeuge zu sein."

In seinem Testament heißt es: "Ich sterbe in der Anbetung Gottes, meine Freunde liebend, ohne Haß gegen meine Feinde und in Verachtung des Aberglaubens."

Montesquieu (1689-1755) begründete in seinem "Geist der Gesetze" (in zwei Jahren 22 Auflagen) die Theorie von der Teilung der Gewalten. Der König sollte die Exekutivgewalt ausüben und die Ausführung der Gesetze überwachen. Die gesetzgebende Gewalt sollte den Vertretern der besitzenden Klassen, dem Bürgertum gehören. Die Richter sollten sowohl vom König wie vom Parlament unabhängig sein. Die Macht des Königs sollte zugunsten des Bürgertums eingeschränkt werden. Sinn seiner Konstruktion war es, die reale Macht der Klassen im Staat auszubalancieren.

1751 erschienen die ersten Bände der "Enzyklopädie der Wissenschaften, Künste und Gewerbe". Die Leitung der Ausgaben hatten der Philosoph Diderot und der Mathematiker D 'Alembert. Beide waren Materialisten, im Gegensatz zu Voltaire und Montesquieu. Die gesamte politische Enzyklopädie besaß politischen Kampfcharakter. Der katholischen Religion wurde ein unerbittlicher Kampf angesagt, die feudale Gesellschaftsordnung schonungslos kritisiert. Die Enzyklopädisten waren für eine Einschränkung der königlichen Macht, nicht aber für die Beseitigung des Königtums.

Jean Jacques Rousseau (1712-1778) forderte die Republik. Das Volk war bei ihm die quelle der Macht und diese nicht übertragbar. Er war der Vertreter der kleinbürgerlichen Demokratie und sah alles Übel im Privateigentum, mit dem man sich abfinden müsse, da es unvermeidlich sei. Allerdings sollte es eingeschränkt werden. Er Forderte einen unerbittlichen Krieg gegen die großen Besitzer, die kleinen aber wollte er in jeder Hinsicht geschützt wissen.

"Zur Verbesserung der Gesellschaftsordnung ist es nötig, daß jeder genügend besitzt und niemand übermäßig viel hat."

Rousseaus Ideal ist die demokratische Republik des Kleinbesitzes. Seine Theorien spiegeln die Stimmungen der kleinbürgerlichen Schichten wider, die die Vernichtung des Feudalwesens erstrebten, aber die Nöte der kapitalistischen Wirtschaft fürchteten und glaubten, dem zu entgehen, wenn der Großbesitz eingeschränkt werde.

Er schrieb: "Der erste, der ein Stück Land absteckte und dann sich herausnahm, zu erklären; Das gehört mir! und Leute fand, einfältig genug, dies zu glauben, war der wahre Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Mordtaten, wieviel Elend und Schrecken hätte der nicht dem Menschengeschlechte erspart, der die Pfähle herausgerissen, die Gräben zugeschüttet und seinen Genossen zugerufen hätte: Hütet euch, diesen Betrüger anzuhören; verloren seid ihr, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und der Boden keinem."

II. Beginn der Revolution

1. Die Einberufung der Generalstände

Die weitere Entwicklung des Kapitalismus setzte die Beseitigung der absolutistisch-feudalen Gesellschaftsordnung voraus. Eine Reihe anderer Gründe beschleunigte den Ausbruch der Revolution.

Die verschärfte Ausbeutung der Bauern, die Mißernte von 1788, führte zu Hungersnöten, Hungerrevolten und Bauernaufständen. Handel und Gewerbe stockten. Nach dem Siebenjährigen Krieg verlor Frankreich fast alle seine Kolonien. Der 1786 abgeschlossene Handelsvertrag mit England brachte billige englische Waren nach Frankreich, die ohne Konkurrenz waren. 200.000 Arbeiter und Handwerker wurden arbeitslos.

Zu diesen Schwierigkeiten kam eine schwere Finanzkrise. Die Ausgaben der Regierung überstiegen bei weitem die Einnahmen. Das Bürgertum weigerte sich, weitere Anleihen zu geben.

1774 hatte Turgot als Minister die Besteuerung des Adels und der Geistlichkeit vorgeschlagen. Er führte den Freihandel für Getreide ein, schaffte den staatlichen Frondienst für Straßenbau ab und verkündete die Aufhebung der Zünfte. 1776 wurde er auf Drängen von Adel und Geistlichkeit entlassen, seine Reformen größtenteils wieder rückgängig gemacht.

Als Nachfolger Turgot ernannte der König den Genfer Bankier Necker zum Finanzminister. Er wollte die Reformen vorsichtig fortführen, befreite die Leibeignen auf den königlichen Domänen, gab ein Verzeichnis der Pensionen und das Staatsbudget der Öffentlichkeit bekannt, um die Staatsausgaben einzuschränken. Er wurde ebenfalls auf Drängen des Adels entlassen.

1787 berief der König Abgesandte von Geistlichkeit und Adel zu sich, die Versammlung der Notablen, und forderte von ihnen das Einverständnis zur Einführung einer allgemeinen Grundsteuer in ihren Ländern. Adel und Geistlichkeit verweigerten die Zustimmung.

1788 stellte der Fiskus alle Zahlungen ein. In dieser Situation sah sich der König gezwungen, die Generalstände einzuberufen, die seit 1614 nicht mehr getagt hatten. Ludwig XVI hoffte auf Zustimmung zur Auflegung einer neuen Anleihe und zur Ausschreibung neuer Steuern.

Necker wurde wieder ins Amt berufen, da der König hoffte, durch Konzessionen das Geld, welches Adel und Geistlichkeit verweigerten, vom Bürgertum zu erhalten. Außerdem erhöhte er die Deputiertensitze des Dritten Standes von 300 auf 600.(Adel 300 und Geistlichkeit 300)

2. Die Nationalversammlung

Die Frage war von Anfang an strittig, in welcher Weise abgestimmt werden sollte. Geistlichkeit und Adel waren für Abstimmung nach Ständen und für getrennte Sitzungen. Der Dritte Stand verlangte gemeinsame Sitzungen und Abstimmung nach Köpfen. Die Sitzung der Generalstände wurde am 5. Mai 1789 eröffnet. Der König hielt eine kurze Rede. Er verlangte die Bewilligung neuer Gelder, beklagte sich über die Erregung der Geister und warnte vor Neuerungen. Der Dritte Stand lud die anderen Stände zu gemeinsamer Sitzung ein. Die privilegierten Stände lehnten ab. Nach fruchtlosen Verhandlungen schritt der Dritte Stand am 12. Juni 1789 selbständig zur Prüfung der Vollmachten der Deputierten aller drei Stände. Fast alle Vertreter der Geistlichkeit schlossen sich ihm nach und nach an.

Am 17.6. war der Namensaufruf beendet. Der Dritte Stand erklärte sich auf Antrag des Abtes Sieyès zum Vertreter der ganzen Nation, da er 96% der Nation repräsentiere. Am 20.6. fand die Nationalversammlung die Türen zum Sitzungssaal verschlossen. Die Deputierten versammelten sich deshalb im Ballhaussaal und leisteten dort einen Schwur, sich nicht eher zu trennen, bis eine Verfassung ausgearbeitet sei (Ballhausschwur).

Am 23.6. fand eine gemeinsame Sitzung unter Vorsitz des Königs statt, in der Ludwig alle Beschlüsse des Dritten Standes aufhob und den Deputierten befahl auseinanderzugehen, um wieder nach getrennten Ständen zu tagen. Nur Adel und Geistlichkeit gehorchten. Mirabeau antwortete, man werde nur der Gewalt der Bajonette weichen. Nun schlossen sich auch einige Vertreter des Adels der Nationalversammlung an.

Am 9. Juli ging die Nationalversammlung an die Ausarbeitung einer Verfassung und erklärte sich zur Konstituierenden Versammlung.

Daraufhin befahl der König dem Adel und der Geistlichkeit sich der Konstituierenden Versammlung anzuschließen, bereitete aber gleichzeitig die Anwendung von Gewalt vor. Die Nationalversammlung ließ er von einer Wache umstellen und Paris von 20.000 Mann Truppen umzingeln.

Vor Ausbruch der Revolution in Paris wurde Necker entlassen. Auf die Nachricht von Neckers Entlassung kommt es in Paris zu Protestkundgebungen, die am 12. Juli zum Aufstand führen. Am 14. Juli wurde die Bastille erstürmt. In Paris bildete sich auf revolutionärem Wege eine Stadtverwaltung, deren Führung in den Händen der Bourgeoisie lag. Der König erschien in der Konstituierenden Versammlung und kündigte den RÜckzug der Truppen an. Necker wird erneut berufen. Zum Führer der Pariser Nationalgarde wurde der Marquis de Lafayette ernannt.

III. Die Großbourgeoisie an der Macht

Dem Aufstand in Paris folgte der Aufstand in den Provinzen, In den Städten ergriff die Bourgeoisie die Macht. Sie bildete nach Pariser Vorbild Nationalgarden. Auf dem Lande vereinigten sich die Bauernaufstände mit den Revolution.

Anfang Oktober versuchte der König erneut Truppen um Paris zusammenzuziehen, um die Revolution niederzuwerfen. In Paris kommt es erneut zu Hungerrevolten. Die Demonstranten ziehen nach Versailles und nehmen den König und die Königin gefangen. Sie werden als Geiseln nach Paris mitgenommen. Die Hoffnungen des Königs sind jetzt auf die Hilfe des Auslandes gerichtet.

1. Die Verfassung von 1791

Der im Jahre 1791 angenommenen Verfassung lag die bereits am 26.10.1789 beschlossene Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte durch die Konstituierende Versammlung zugrunde, in der die Prinzipien und Grundsätze verkündet wurden, von denen man sich bei der Ausarbeitung der Verfassung leiten ließ.

Jeder sollte das Recht haben, frei zu sein, alle sollten vor dem Gesetz gleich sein. Die Stände werden abgeschafft. Das Volk sei die einzige Quelle der Macht. "Die Natur hat die Menschen frei und gleich geschaffen." Im letzten Punkt der Erklärung heißt es: "Das Eigentum ist unverletzliches und geheiligtes Recht."

Nach der 1791 angenommenen Verfassung blieb die Monarchie bestehen. Dem König verbleibt ein Vetorecht mit aufschiebender Wirkung. Es wird das Einkammersystem eingeführt. Entgegen der Erklärung von 1789, gliederte die Verfassung die Bürger in "aktive" und "passive", d.h. solche, die das Recht hatten zu wählen und solche, denen es entzogen war. Frauen hatten kein Wahlrecht. Zur Zahl der Aktiven wurden nur die wohlhabenden Bürger gerechnet, die Steuern zahlten. Nur die aktiven Bürger wurden in die Gesetzgebende Versammlung und in die Organe der städtischen Selbstverwaltung gewählt. Nur sie konnten in die Nationalgarde eintreten. Die Zünfte und die Reglementierung der Industrie wurden abgeschafft, die Einteilung Frankreichs in 83 Provinzen beseitigt. Anstelle der Provinzen traten 83 Departements. Die Binnenzölle hob man auf. Die Gerichte der Grundherren wurden durch Geschworenengerichte ersetzt. Die Juden wurden befreit.

Die beschlagnahmten Ländereien der Geistlichkeit wurden zum Nationaleigentum erklärt und zum Verkauf angeboten. Der Staat gab Geldschuldscheine, die Assignaten, heraus, die das Metallgeld ersetzten und bei der Bezahlung der verkauften Ländereien angenommen wurde. Kirche und Klöster verloren ihren Grundbesitz. Die Geistlichen erhielten vom Staat Gehälter.

Der Zusammenschluß der Arbeiter zu Berufsverbänden wurde unter Strafe gestellt. Urheber und Teilnehmer von Streiks wurden bestraft. In den Kolonien wurde die Sklaverei beibehalten, die wesentlichen Feudallasten der Bauern nicht abgeschafft.

2. Die Gesetzgebende Versammlung

Nach Ausarbeitung der Verfassung sah die Konstituierende Versammlung ihre Aufgabe als beendet an. Aufgrund der neuen Verfassung wurde die Gesetzgebende Versammlung gewählt. Die Konstituierende Versammlung hatte beschlossen, daß keines seiner Mitglieder Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung werden darf.

In die Gesetzgebende Versammlung wurden nur aktive Bürger gewählt. Von 766 Deputierten waren nur drei Bauern und vier. Handwerker. Die Großbourgeoisie hatte die größte Zahl der Plätze inne (264 Sitze). Den linken Flügel der Versammlung bildeten die demokratischen Jakobiner und Girondisten mit zusammen 136 Deputierten. Die Girondisten waren Vertreter des Handels- und des Industriebürgertums.

Am 20.6.1791 versuchte der König zu fliehen. Er wurde aber 60 km von Paris entfernt erkannt und zurückgebracht.

IV. Sturz der Monarchie und der Kampf der Girondisten mit der Bergpartei

Die Girondiesten erlangten in der Gesetzgebenden Versammlung bedeutenden Einfluß. Ihre Führer waren Vergniaud, Brissot, Roland.

Der König stand der Gesetzgebenden Versammlung feindlich gegenüber. Als sie beschloß, das Eigentum der gegenrevolutionären Emigranten zu beschlagnahmen und die Todesstrafe für Konterrevolutionäre einführte, den Geistlichen, die den Eid auf die Verfassung verweigerten, die Gehälter entzog, legte der König sein Veto ein.

Im März 1792 mußte der König ein Ministerium der Girondisten unter Roland berufen. Inzwischen rüstete Österreich zum Krieg gegen Frankreich, verbündet mit Preußen. Ludwig XVI sollte wieder in seine vollen Rechte eingesetzt werden. Darauf hatten sich der preußische König Friedrich Wilhelm der II. und der Österreichische Kaiser Leopold II. in Pirna 1791 geeinigt.

Die Gesetzgebende Versammlung beschloß dem zuvor zu kommen. Sie erklärte Österreich den Krieg.(Frühjahr 1792)

Damit trat Frankreich in eine Reihe von Kriegen ein, die 20 Jahre dauern sollten. Der Krieg begann mit einer Reihe von Mißerfolgen für Frankreich. Der Adel in den Kommandostellen konspirierte mit dem Feind.

Unter dem Druck der Pariser Vorstädte beschloß die Gesetzgebende Versammlung aus der Provinz 20.000 Freiwillige (Föderierte) nach Paris einzuberufen. Der König versagte dem seine Zustimmung und entließ das Ministerium Roland. Im ganzen Lande kam es zu einem Proteststurm. Trotz Verbot des Königs strömten im ganzen Lande die Freiwilligen nach Paris. Sie wurden an die Front geworfen.

Am 11. Juli erklärte die Gesetzgebende Versammlung "Das Vater- land in Gefahr"

1. Sturz der Monarchie
Der Aufstand vom 10. August 1792

Der Herzog von Braunschweig marschierte mit einer regulären Armee auf Paris, unterstützt durch ein bei Koblenz gebildetes Emigrantenheer. In dieser Situation riefen die Jakobiner (Robespierre, Marat, Danton) die Arbeiter und Handwerker der Pariser Vororte zum Aufstand.

Sie forderten die Absetzung des Königs und die Einberufung einer Volksversammlung, des Konvents, der durch allgemeine Abstimmung, ohne Teilung der Bürger in aktive und passive, gewählt werden sollte.

Die Sektionen in Paris, eine Organisation der Pariser Bürger, die schon früher aktive und passive zu ihren Sitzungen zugelassen hatten, erklärte sich als permanent tagend und wählte ein Zentralkomitee, die revolutionäre Kommune von Paris, zur Leitung der revolutionären Bewegung.

Am 10. August 1792 erfolgte der Sturm auf das königliche Schloß. Der König flüchtete in die Gesetzgebende Versammlung und stellte sich unter deren Schutz. Die Gesetzgebende Versammlung entzog dem König die Macht und wollte ihn auf einem Schloß unter Hausarrest stellen, mußte aber auf Druck der Kommune den König verhaften und ihn ins Gefängnis einliefern lassen. Die Girondisten gelangten erneut zur Macht. Danton wurde Justizminister. Die Kommune erklärte sich zur reveolutionären Macht von Paris, die berechtigt sei, die Anordnungen der Gesetzgebenden Versammlung außer Kraft zu setzen.

2. Die Verteidigung Frankreichs

Inzwischen organisierten die Jakobiner die Verteidigung Frankreichs. Danton erklärte vor der Gesetzgebenden Versammlung:

"Wenn das Vaterland in Gefahr ist, hat niemand das Recht, ihm den Dienst zu verweigern, ohne Gefahr zu laufen, sich mit Schmach zu bedecken und sich den Namen eines Verräters des Vaterlandes zuzuziehen. Um die Feinde zu schlagen, brauchen wir Kühnheit, Kühnheit und noch einmal Kühnheit - und Frankreich wird gerettet werden."

3. Der Konvent unter Führung der Girondisten

Am 20. September 1792 kam es zur Entscheidungsschlacht bei Valmy, die mit einem vollständigen Sieg Frankreichs endete. Ganz Belgien wurde besetzt. Der Sieg bei Valmy fiel zusammen mit der Eröffnung des Konvents, der durch allgemeines Wahlrecht gewählt worden war.

Die demokratischen Jakobiner erhielten den Namen Bergpartei. Sie nahmen die obersten Sitze im Konvent ein. Auf den unteren Bänken saßen die Girondisten. Drei Viertel des Konvents gehörten keiner Partei an. Sie bezeichnete man als den Sumpf, ihrer Schwankungen wegen. Sie gingen in der Mehrzahl zuerst mit den Girondisten, später mit den Jakobinern.

Die Girondisten wollten die Revolution beendet sehen, die Jakobiner sie weiterführen, sie vertiefen und den Kampf gegen das feudale Europa weiterführen. Die Girondisten versuchten das Leben des Königs zu retten. Die Jakobiner setzten mit, Hilfe der Pariser Kommune durch, daß der Konvent Gericht über den König hielt und ihn verurteilte.

Am 21. Januar 1793 wurde der König Ludwig XVI. hingerichtet. Die Königin Marie Antonette wurde am 16.10.1794 hingerichtet, ihr wurde der Vorwurfs des Inzests mit ihrem Sohn gemachtt. Unter der laschen Führung der Girondisten verschlechterte sich die Lage an den Fronten erneut. Der Österreichisch- Preußischen Koalition schloß sich auch Spanien an. Rußland beteiligte sich an der wirtschaftlichen Blockade Frankreichs.

Am 1. Februar 1793 erklärte Frankreich wegen der Beschlagnahme französischer Handelsschiffe durch die Engländer an England den Krieg. Am gleichen Tage erfolgte die Kriegserklärung an Holland. Unter dem Einfluß der Massen und der Agitation der "Wütenden" forderten die Jakobiner Festpreise für Brot und Lebensmittel. Am 5. Mai nahm der Konvent das Gesetz über das Maximum für Brot und Getreide an.

Dem Lande drohte Gefahr von außen und von innen. Der Oberbefehlshaber der Nordarmee, der girondistische General Dumonriez, beging Verrat und ging auf die Seite der Österreicher über.

Die Girondisten stellten Marat vor Gericht, mußten ihn aber unter dem Druck der Massen freisprechen. Nun beschlossen die Girondisten gegen die Pariser Kommune vorzugehen und ein Gerichtsverfahren gegen die Sektionen in Ganz zu setzen. Zu diesem Zweck setzte der Konvent eine Zwölferkommission ein. Daraufhin kam es in den Pariser Vorstädten zum Aufstand.

Am 31. Mai beschloß der Konvent die Auflösung der Zwölferkommission. Am 2. Juni gab Marat vom Rathaus das Zeichen zum Läuten der Sturmglocke. 40.000 Pariser zogen bewaffnet zum Konvent. Unter dem Druck des Aufstandes und angesichts der Einschließung des Konvents durch die Massen, beschloß der Konvent die Verhaftung der Girondisten. Zur führenden Partei im Konvent wurden jetzt die Jakobiner.

4. Die Diktatur der Jakobiner

Die Jakobiner gelangen im Moment der äußersten Gefahr für das Land an die Macht. Frankreich war von einem Ring feindlicher Feudalstaaten umgeben, denen sich England angeschlossen hatte. Mit dem Übergang der Macht an die Jakobiner entschließt sich England zu intervenieren. Sie besetzten, unterstützt durch einen verräterischen girondistischen General, Toulon.

In der Vendee, in der Bretagne, in Bourdeaux, Lyon und Marseille kommt es zum Aufstand. Von 83 Departements gehorchen dem Konvent noch 23.

Am 13.7.1793 wurde Marat ermordet. Die Jakobiner errichten eine revolutionäre Gewalt. Kommissare, mit unbeschränkten Vollmachten ausgestattet, wurden an die Fronten und die Aufstandsgebiete geschickt. Die von den Jakobinern ausgearbeitete Konventsverfassung wurde nicht in Kraft gesetzt.

Robespierre erklärte: "Die revolutionäre Regierung braucht eine außerordentliche Aktivität, weil sie sich im Krieg befindet. Sie ist keinen stabilen Gesetzen unterworfen, weil die Umstände, unter denen sie herrscht, stürmisch sind und sich jeden Augenblick verändern. Sie ist genötigt, ohne Unterbrechung neue Quellen der Kraft gegenüber den sich schnell verändernden Gefahren zu entdecken.... Die revolutionäre Regierung schuldet den guten Bürgern den nationalen Schutz; sie schuldet den Feinden nur den Tod ..."

Die Fülle der Macht lag seit dem Sommer 1793 beim Wohlfahrtsausschuß, an dessen Spitze Robespierre stand. Bei den Kommunen und Sektionen wurden ebenfalls revolutionäre Ausschüsse gebildet. Zur Aburteilung der Konterrevolutionäre wird ein Revolutionstribunal errichtet.

Vom Herbst 1793 wirkte sich der revolutionäre Terror voll aus. Es wurde ein Erlaß über die Verdächtigen veröffentlicht, zu denen die gezählt werden, "die sich durch ihr Verhalten, durch ihre Verbindungen oder durch ihre Reden und Handlungen als Anhänger der Tyrannei und Feinde der Freiheit auswiesen."

Alle Verdächtigen wurden sofort verhaftet. Ebenso die Geistlichen, die den Eid auf die Verfassung verweigerten. Allen Emigranten, die heimlich nach Frankreich zurückgekehrt waren, drohte die Todesstrafe. Aufständische erschoß man. Die Führer der Girondisten wurden hingerichtet. Damit wurden die Aufstände unterdrückt, die Sabotage gebrochen, der Sieg an den Fronten errungen.

Am 17. Juli 1793 gab der Konvent ein Dekret über die völlige und entschädigungslose Abschaffung der Feudallasten heraus. Es wurde gleichzeitig ein Befehl herausgegeben, alle Urkunden zu verbrennen, in denen die Rechte der Seigneurs aufgezeichnet, waren. Die Güter der Emigranten wurden in kleine Landstücke aufgeteilt und an die Bauern verkauft. Auf Verlangen eines Drittels der Hausbesitzer konnte das Gemeindeland aufgeteilt werden, sofern jeder den gleichen Anteil erhielt.

Die Sklaverei in den Kolonien wurde abgeschafft. Im Herbst nahm der Konvent ein Gestz Über das allgemeine Maximum an.

Damit wurde aber auch ein Höchstsatz für die Löhne eingeführt. Das Heer wurde neu organisiert. Die Lineartaktik wurde durch die aufgelöste Schützenlinie und den Marsch in Kolonnen ersetzt. Die Armee wurde in selbständige Korps geteilt, denen alle Waffengattungen angehörten. Eine große Rolle bei der Reorganisation des Heeres spielte der Jakobiner Lazare Garnot.

Ende 1793 wurden die Engländer aus Toulon vertrieben. Der Hauptmann Bonaparte zeichnete sich hierbei besonders aus und wurde vom Konvent zum General befördert. Lyon wurde genommen, die Österreicher erneut geschlagen. Nach der Schlacht bei Fleurus am 26. Juni 1794 trugen die Heere des Konvents den Krieg in feindliches Gebiet.

5. Der Kampf der Strömungen im Lager der Jakobiner

Mit dem Sieg nach außen und der Niederwerfung des Feindes im inneren, verstärkten sich die Gegensätze im Lager der Jakobiner. Hebert und seine Anhänger, die sich auf die Ärmsten und die "Wütenden" stützten, forderten die Verschärfung des Terrors gegen die Spekulanten und Maßnahmen gegen die Reichen. Der Konvent ließ die Wütenden verhaften, ihr Führer Jacques Roux beging Selbstmord. Nachdem Hebert einen Aufstand versucht hatte, wurde er und seine Anhänger verhaftet und hingerichtet. (März 1794) Danach wurde eine Verschwörung Dantons und seiner Anhänger im Sumpf aufgedeckt. Sie wurden ebenfalls hingerichtet. Danton hatte verlangt mit dem Bürgertum Frieden zu schließen, den Terror abzuschaffen, das allgemeine Maximum aufzuheben und mit England Frieden zu schließen. Man warf ihm vor, Volksgelder veruntreut zu haben und von England bestochen worden zu sein.

Die Lage der Armen blieb trotz Beseitigung der Feudallasten schwer. Ein besonderes Gesetz bedrohte das Einbringen eines Agrargesetzes im Konvent mit dem Tode. Die Bauern besaßen keine Mittel, Land zu kaufen. Aufgeteilt war nur das Land der Emigranten. Gegen das Eigentum allgemein gingen die Jakobiner nicht vor. Im Gegenteil! In der Konventsverfassung war es ausdrücklich als "das natürliche und unveräußerliche Recht des Menschen" bezeichnet. Da die Jakobiner keine entscheidenden Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der Armen ergriffen, verloren sie langsam die Massenbasis. Im bürgerlichen Sumpf und einem Teil der Jakobiner reifte eine neue Verschwörung. Als Robespierre im Konvent die Verhaftung der Verschwörer verlangte, hinderte man ihn am Reden. Er wurde verhaftet und im Gefängnis festgesetzt.

Von der Kommune befreit, begab er sich ins Rathaus. Hier wurde er verwundet und von gegenrevolutionären Truppen, die das Rathaus umstellt hatten, verhaftet. Die Unterstützung Robespierre durch die Pariser Vorstädte war nur unzureichend erfolgt. (9. Termidor des Jahres II, 27. Juli 1794)

Am darauffolgenden Tage wurden Robespierre, St. Just und ihre Anhänger für außerhalb des Gesetzes stehend erklärt und hingerichtet. An die Macht gelangten nun die sogenannten Thermidorianer, ein gegenrevolutionäres Bürgertum, das einen wütenden Terror gegen die Volksmassen entfachte.

6. Der gegenrevolutionäre Thermidor-Konvent und das Direktorium

Dem Wohlfahrtsausschuß wurden seine Vollmachten genommen. Ihm verblieben die auswärtigen Angelegenheiten und die Leitung der Heere. Er war ein Ausschuß von 16. Der neue Ausschuß für innere Sicherheit wurde von den Thermidorianern besetzt. Der Jakobinerclub wurde geschlossen. Der Revolutionsausschuß von Paris wurde aufgelöst. Die Girondisten kehrten in den Konvent zurück.

Am 24. Dezember wurde das allgemeine Maximum abgeschafft. Durch die zügellose Ausgabe von Papiergeld wuchs die Teuerung. Im Frühjahr 1795 versuchten die hungernder Massen unter der Parole: "Brot und die Verfassung von 1793" zweimal einen Aufstand. Sie forderten die Rückkehr der Jakobiner. Die Aufstände werden niedergeschlagen.

Im August 1795 nimmt der Konvent eine neue Verfassung an. Ein Zweikammersystem wird eingeführt. Die untere Kammer, der Rat der 500, schlug die Gesetze vor, die obere Kammer, "der Rat der Alten" bestätigte sie. Beide Kammern, wählten fünf Direktoren, das sogenannte Direktorium, dem sie die ausführende Gewalt übertrugen. Gewählt wurde wieder nach dem alten Zensuswahlrecht. Das eingesetzte Direktorium herrschte bis 1799. Der Staatsstreich des 18. Brumaiere brachte den General Bonaparte an die Macht, der erster Konsul wurde (Nov. 1799).

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