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Beiträge zur Theorie  









Markus Jensch

Vergangenheitsverständnis

Beiträge der Kritischen Psychologie zu einem anderen Umgang mit der DDR-Vergangenheit

Der Aufsatz ist im Wintersemester 1994/1995 aus einer Arbeitsgruppe an der Freien Universität Berlin entstanden, die sich auf der Grundlage der Kritischen Psychologie mit der DDR-Vergangenheit befaßte. Der Beitrag ist keine "repräsentative" Darstellung der Arbeit unserer Gruppe, sondern ich habe mir zwei Fragestellungen herausgepickt, die besonders zur Diskussion provozieren. Zum einen möchte ich über den gescheiterten Versuch, Menschen zum Sozialismus zu erziehen, und die spezifische Form von Herrschaft, die daraus entstand, sprechen. Zum anderen möchte ich gegen den vorherrschenden Diskurs der Beschuldigung im Umgang mit der DDR- Vergangenheit argumentieren.

1. Erziehung zum Sozialismus - eine gescheiterte Verführung

Anregungen für die folgenden Überlegungen erhielt ich vor allem aus dem Aufsatz von Eva Kellner und Angelika Soldan über "Die Reduktion des Individuums - Versuch einer Auseinandersetzung mit der realsozialistischen Ethik" (1991) sowie aus einem Beitrag von Klaus Holzkamp mit dem Titel "We don't need no education..." (1983). Kellner und Soldan zeigen in ihrem Artikel, daß Probleme und Widersprüche in der DDR kaum als solche erkannt wurden, sondern oftmals in Defizite der noch im alten bürgerlichen Denken befangenen Individuen umgedeutet wurden, die eben noch nicht die wahren Möglichkeiten des Sozialismus erkannt und die richtige sozialistische Moral noch nicht entwickelt hätten. Die sozial-ökonomische Ursache dieser Entwicklung sehen sie mit Michael Brie und Peter Ruben darin, daß die Produktionsmittel nicht wirklich vergesellschaftet, sondern nur verstaatlicht wurden, anders gesagt, daß keine wirkliche Verfügung der assoziierten Produzenten über die Produktions- und Lebensbedingungen erreicht wurde, sondern ein System entstand, "in dem alle zu Beamten wurden und niemand sich wirklich als realer Produzent, Eigentümer und Machtausübender verhielt" (Kellner & Soldan, 1991, 432, die ihrererseits hier Michael Brie zitieren). Klaus Holzkamp warnt in seinem Aufsatz vor der falschen Annahme, man könne Menschen zu fortschrittlichen politischen Zielen (zum Frieden, zum Sozialismus, zur Völkerfreundschaft...) erziehen. Holzkamp zeigt auf, daß derjenige, der da erzogen werden soll, erzieherische Maßnahmen (Lockungen, Täuschungen, Belohnungen, Bestrafungen usw.) stets als besondere Einschränkung der Verfügung über seine Lebensbedingungen erfährt. Für ihn entsteht damit die Notwendigkeit, diese Verfügungseinschränkung zu überwinden, und solange dies nicht geschehen ist, kann der inhaltliche Bezug zu dem politischen Ziel für den Betroffenen nur gebrochen sein. Holzkamp plädiert dafür, Verhältnisse zwischen Menschen niemals (auch nicht zwischen Erwachsenen und Kindern) als Erziehungsverhältnisse, sondern als Unterstützungsverhältnisse zu gestalten. Schauen wir aus der Perspektive dieser Überlegungen auf die schwierige Anfangszeit der Sowjetunion bzw. der DDR.

1.1. Am Morgen nach der Revolution

Als im Jahr 1917 die Sozialisten in Rußland die Staatsmacht eroberten, konnten sie die Frage, wie nach dem Sieg über die alten Mächte das Zusammenwirken der Menschen zu organisieren sei, nicht mehr länger aufschieben, sondern mußten in der Gegenwart eine Antwort auf dieses Problem finden. Die Bolschewiki, die sich im Kampf für die Revolution einig gewesen waren, hatten nun zu entscheiden, wie sie mit der errungenen Macht umgehen und welche Politik zum Aufbau des Sozialismus sie einschlagen sollten. Dabei mußten sie schnell handeln, denn die Versorgung der Bevölkerung mit dem Lebensnotwendigsten war gefährdet, und die neue Regierung mußte sich gegen militärische Interventionen von außen und zaristische Milizen im Innern wehren. Wie sollte man unter solchen Bedingungen schnell zu einer Einigung über die nächsten Schritte kommen, wie sollte man im Staat und in der Wirtschaft die Aufgaben und die Verantwortung verteilen, wer sollte welche Entscheidungen treffen? Um die eigenen politischen Entscheidungen in Staat und Wirtschaft wirklich durchsetzen zu können, waren die Revolutionäre bestrebt, verantwortliche Positionen auf allen Ebenen in Staat und Wirtschaft danach zu besetzen, wie loyal die Kandidaten in ihrem Verhalten und in ihren Meinungsäußerungen zur Politik der Parteiführung standen.

Auf die Loyalität der Funktionäre zu achten war in der Tat nichts historisch Neues, denn gerade im Kapitalismus werden die kleinen und großen Funktionäre des Staates und des Kapitals daraufhin ausgewählt, ob sie im Interesse ihrer eigenen Karriere loyal dem Verwertungsinteresse des Kapitaleigners bzw. dem Herrschaftsinteresse des Staates dienen und im Zweifelsfalle sich auch über quer dazu liegende eigene Interessen oder Interessen anderer Menschen hinwegsetzen (z.B. ob sie als Angestellte im Privatbetrieb das Ziel der Profitmaximierung ohne Rücksicht auf ökologische Folgen, Arbeitsschutz, Erhaltung der Arbeitsplätze usw. verfolgen oder als Lehrer im Staatsdienst durch die Vergabe von Noten die Selektion der Schüler im herrschenden Verwertungsinteresse betreiben).

Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Loyalität zum "althergebrachten", fest etablierten bürgerlichen Gesellschaftssystem Kapitalismus und der Loyalität, auf die eine revolutionäre Gesellschaft angewiesen ist: Im alten, zur Selbstverständlichkeit versteinerten System ist loyal, wer sich als "unpolitisch" zu begreift: Denn wer sich über politische Zusammenhänge und Alternativen keine Gedanken macht, hat keine Probleme, nur an das eigene Fortkommen unter den gegebenen Bedingungen, d.h. im Dienste der herrschenden Instanzen zu denken. Im Gegensatz dazu kann man eine revolutionäre Gesellschaftsordnung nur dann engagiert unterstützen, wenn man die politischen Ziele begriffen hat und zu der Einschätzung gelangt ist, daß diese Ziele im gemeinsamen langfristigen Interesse sind.

Doch läßt sich dieses Begreifen und Befürworten des politischen Projekts zum Gegenstand der Prüfung, zum Kriterium bei der Besetzung verantwortlicher Positionen zu machen? In welcher Situation sind Menschen, wenn sie auf die Linientreue zu einem politischen Projekt geprüft werden? Welche Handlungsweise wird mir nahegelegt, wenn die Vorteile, Einflußmöglichkeiten und gesellschaftliche Achtung, die ich in bestimmten Berufspositionen erringen kann, daran geknüpft werden, daß ich vorbehaltlos, ja unter Umständen kritiklos die Direktiven der politischen Führung durchzusetzen und als eigene Meinung zu vertreten bereit bin? - Wenn ich belohnt dafür werde, unabhängig von meinem eigenen Dafürhalten das, was andere für das Beste für uns alle halten, durchzusetzen und zu vertreten (und zugleich mir Bestrafung für den Fall angedroht ist, daß ich dies nicht tue), dann - so die naheliegende Schlußfolgerung - brauche ich mir keinen Kopf darum zu machen, was eigentlich die beste Politik für uns alle wäre, ja ich handle mir nur Nachteile ein, wenn ich öffentlich darüber nachdenke oder gar dieses gemeinsames Nachdenken mit anderen zusammen zu organisieren versuche.

1.2. Realitätsverlust und schwindende Handlungsfähigkeit

Dies ist die erste Stufe des Realitätsverlusts, die bei derartigen Loyalitätsverhältnissen eintritt: Unverantwortlichkeit des eigenen Tuns (ich hab ja nur ausgeführt, was andere machtvoll von mir gefordert haben) wird nahegelegt, und hinter dem opportunistischen Nachsprechen der revolutionären Theorie wird das eigene politische Nachdenken selten, findet der Rückzug in eine Nische statt. Doch die entstehenden Teufelskreise treiben den Realitätsverlust noch weiter. Wo ich nämlich Anforderungen an mein berufliches oder außerberufliches Handeln mit meinen unmittelbaren Interessen nicht vereinbaren kann, werde ich mich den Anforderungen zu entziehen versuchen. Da offener Protest und Widerstand in einer Atmosphäre von Opportunismus aussichtslos ist, werde ich so tun, als ob ich die Anforderungen erfülle, aber in Wirklichkeit mich ihnen zu entziehen versuchen.

Für die Partei- und Staatsführung liegt es nahe, Unverantwortlichkeit, Sich-Entziehen und Täuschung durch Verschärfung der Kontrolle und der Anforderungen auszugleichen, was wiederum die Entmündigung der Kontrollierten verstärkt: Ein Teufelskreis ist entstanden. Die Parteiführung erhält immer weniger authentische Information über die realen Probleme, wird immer gravierender getäuscht.

Die Handlungsmöglichkeiten von Partei- und Staatsführung werden aber auch noch auf eine andere Weise zunehmend verengt: Wenn Funktionäre, die grundsätzliche Kritik und Veränderungsvorschläge äußern, von ihren Vorgesetzten verdächtigt werden, sie würden gegen den Sozialismus arbeiten, dann schlägt dieser Verdacht in verschärfter Weise auf die Spitzenfunktionäre und die Parteiführung zurück: Es wird immer riskanter gerade auch für die Mitglieder des Politbüros und den Staats- und Parteichef, grundsätzliche Änderungen vorzuschlagen. Gerade in dem Maße, wie die Strategen der Revolution diese Rückwirkung der Erziehungsverhältnisse auf die politische Führung nicht gesehen haben oder sie zumindest unterschätzten, setzte sie sich hinter ihrem Rücken durch.

Verschärft wird diese Situation noch dadurch, daß vordergründig Kritik und Selbstkritik als Prinzipien politischer Arbeit propagiert werden, diese Kritik und Selbstkritik sich aber nur auf persönliche Verfehlungen und auf die Ausgestaltung einer grundsätzlich bereits festgelegten und für wahr erklärten Politik bezieht. Es fehlten klare für alle Beteiligten kalkulierbaren Kriterien der Definition und Kontrolle von Kompetenzen, ihrer Vergabe und ihres Entzugs, vielmehr waren derartige Prozesse durch allgegenwärtige geheimdienstliche Aktivität vermittelt. In dieser Hinsicht fielen die Sowjetunion und die DDR hinter das im Kapitalismus erreichte Niveau der rechtsförmigen Regelung von Befugnissen zurück, die Einführung in Spitzenpositionen glich der feudalen Zeremonie der Heiligung, die Entlassung von Spitzenfunktionären geriet zum Putsch, zur Palastrevolution.

So wirkte Kontrolle zersetzend auf die Handlungsfähigkeit aller Beteiligten: Auf allen Ebenen, selbst für die Spitzenfunktionäre galt es zuallererst, unter den gegebenen Bedingungen zurechtzukommen und das Lob dieser Bedingungen zu singen, und es wurde immer schwerer, die Bedingungen in Frage zu stellen. Denn die dafür wesentlichen Bedingungen Meinungsfreiheit und Vereinigungsfreiheit waren in der Sowjetunion und in der DDR nicht gegeben.

1.3. Der Sozialismus wurde nicht verwirklicht

In den Ostblockstaaten wurde zwar die private Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums abgeschafft, aber es wurde keine effiziente kollektive Selbstbestimmung der Menschen über ihre gesellschaftlichen Lebensbedingungen erreicht. In marxistischen Begriffen gesprochen: Die von den Menschen reproduzierten gesellschaftlichen Lebensbedingungen traten ihnen auch im neuen System als fremde, unkontrollierte Macht gegenüber. Es wäre falsch, zu behaupten, die Ostblockstaaten seien sozialistische Gesellschaften gewesen bzw. hätten das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln verwirklicht. Die Chance, dieses Ziel zu erreichen, hätte nur bestanden, wenn auf allen Ebenen die Möglichkeit dafür geschaffen worden wäre, daß die Betroffenen sich selbst organisieren und ihre Produktions- und Lebensbedingungen grundsätzlich verändern. Dafür hätte man die hierarchische Organisation von Wirtschaft und Staat und die Trennung von Hand- und Kopfarbeit überwinden müssen.

2. Wider den Beschuldigungsdiskurs

2.1. Die politischen Ziele des Beschuldigungsdiskurses

In der Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit, die in den Massenmedien und mit Hilfe der westdeutschen Gesetzgebung und Rechtsprechung der geführt wird, dominiert die antisozialistische Stoßrichtung, die DDR-Verhältnisse als möglichst grauenhaft zu denunzieren und in die Nähe des Faschismus zu rücken. Die Verunglimpfung der DDR soll offenbar eine Maßstabsverschiebung bewirken: Je grauenhafter die DDR erscheint, desto vertretbarer scheinen die katastrophalen Folgen, die die Wiedervereinigung für viele Menschen (nicht nur aus der ehemaligen DDR) hat. Außerdem zielt die Verunglimpfung der DDR auf eine Tabuisierung des kommunistischen Gedankens überhaupt: Es soll nicht mehr ernstgenommen werden, wer heutzutage kommunistische Ideen äußert. Indem die "Verbrechendes SED-Regimes" mit den Greueln des Faschismus verglichen werden, wird die Grausamkeit des Faschismus relativiert, wodurch Elemente faschistischer Politik (z.B. Großmachtpolitik mit militärischen Mitteln, nationalistisches Gedankengut) wieder leichter der Öffentlichkeit vermittelt werden können. Mit der Bestrafung von Funktionären der ehemaligen DDR, ihrer Verunglimpfung in den Massenmedien und ihrer Ausschaltung aus dem Staatsdienst ist außerdem eine Machtökonomie der Ausgrenzung verbunden: Bestrafung und Entlassung berauben keineswegs nur die unmittelbar Bestraften und Entlassenen ihrer politischen Wirkungsmöglichkeiten. Viele Menschen mit ähnlicher Biographie wie die unmittelbar Betroffenen müssen fürchten, eventuell selbst bestraft oder entlassen zu werden, wenn sie nicht das erwartete Wohlverhalten und die Loyalität zum bürgerlichen Staat zeigen. Angesichts dieser politischen Stoßrichtung des vorherrschenden Diskurses der Beschuldigung und Verunglimpfung plädiere ich dafür, gegen diesen Diskurs Widerstand zu leisten.

2.2. Alternativen zur Schuldzuweisung

Unabhängig von der Zurückweisung der politischen Stoßrichtung des Beschuldigungsdiskurses im Umgang mit der DDR-Vergangenheit stellt sich die Frage, wieweit wir überhaupt Probleme lösen, wenn wir über unmenschliche Handlungen mit Schuldvorwürfen und Schuldeingeständnissen verhandeln. Meine Überlegungen zu dieser Frage ergaben sich aus der Auseinandersetzung mit der Vorbemerkung, die Klaus Holzkamp 1991 einer Aufsatzsammlung zum Thema "Vergangenheitsbewältigung DDR - zeitgebundene Stellungnahmen" voranschickte.

Welches Verhältnis nehme ich eigentlich zu einem Menschen ein, wenn ich nach der Schuld des anderen für ein Vergehen frage? Gestehe ich dem Beschuldigten zu, daß er, als er sich für diese Handlungsweise entschied, ebenso Gründe abwog, wie ich bei meinen Handlungen Gründe abwäge? Treibe ich die Frage nach seinen Gründen soweit, daß ich einsehen muß, daß ich an seiner Stelle, d.h. unter seinen Lebensbedingungen und seinem aus der persönlichen Vorgeschichte gewonnenen Einsichtsstand, Grund gehabt hätte, wie er zu handeln, und somit vermutlich nicht anders gehandelt hätte? Wenn ich die Frage soweit treibe, wird deutlich, daß es darauf ankommt, für die Zukunft die Bedingungen so zu verändern, daß das betreffende Vergehen nicht mehr eine naheliegende Form der Lebensbewältigung ist. Wenn ich die gesellschaftlichen Bedingungen in Frage stelle, wird damit allerdings auch mein eigenes Arrangement, mein Mich-Fügen in diese gesellschaftlichen Bedingungen problematisch. Ich muß zugestehen, daß wir beide, der von mir Beschuldigte und ich selbst, eine gemeinsame Verantwortung für die Veränderung der sozialen Bedingungen, unter denen wir handeln, haben.

Diese eben aufgezeigte Perspektive erscheint ungewöhnlich. Gewohnt sind wir, den Schaden, der durch eine Handlung entstanden ist, entweder der Schuld einer Person anzulasten oder aber das Handeln des Täters so zu rekonstruieren, als sei es eine unausweichliche Folge aus seiner augenblicklichen Lebensbedingungen und seiner Persönlichkeit. Im ersten Falle machen wir die Schuld beim Täter fest (und leiten daraus den Anspruch auf Sühne ab), wir lösen die problematische Handlung aus ihrem sozialen Kontext. Wir fragen nicht mehr nach den Gründen des Täters, sondern verabsolutieren die Möglichkeit, daß der Täter auch anders hätte handeln können. Im anderen Falle, also wenn wir meinen, daß Handlungen kausal bedingt seien, verleugnen wir die Möglichkeit, daß der Täter auch anders hätte handeln können. Das mag den Täter vordergründig entschuldigen, aber indem wir ihn nur als willenloses Glied einer Kausalkette sehen, beschreiben wir ihn als Objekt und überspringen seine damalige subjektive Perspektive, die immer die eines irgendwie gearteten "So-oder-auch-anders-handeln-könnens" war. Als praktische Konsequenz legt diese Sichtweise uns nahe, den zum Objekt erklärten Täter zum Gegenstand von Reparaturmaßnahmen wie z.B. einer Therapieverordnung oder einem Resozialisierungsplan zu machen. Dadurch versäumen wir es, seine Verantwortung dafür, daß sich das Geschehene nicht wiederholt, zur Geltung zu bringen, wir versäumen es, ihn wirklich als Gegenüber und möglichen Bündnispartner für die Klärung der Vergangenheit ernstzunehmen und zu fordern.

Wenn wir die Möglichkeit haben, den Beschuldigten als Bündnispartner für die Klärung der Vergangenheit (und nicht als niederzuhaltenden Feind) anzusprechen, dann sollte es darum gehen, gemeinsam sich darüber zu verständigen, welche Bedingungen zu schaffen sind, damit solche Handlungen nicht mehr funktional für die Bewältigung von Lebensproblemen sind. In einem solchen Klärungsprozeß die Vergangenheit zu verantworten, würde heißen, die eigenen - auch unangenehmen - Erinnerungen sowie die eigenen Fragen an die anderen Beteiligten vorbehaltlos einzubringen und sich mit den Fragen der anderen Beteiligten unvoreingenommen auseinanderzusetzen.


(c) Markus Jensch, Berlin 1995, 2001


Literaturangaben

K. Holzkamp: We don't need no education...; in: Forum Kritische Psychologie 11 (Argument-Sonderband 93), 1983, S. 111-125.

Ders.: Vorbemerkung; in: Forum Kritische Psychologie 27, 1991, S. 43-48

E. Kellner und A. Soldan: Die Reduktion des Individuums. - Versuch einer Auseinandersetzung mit der realsozialistischen Ethik; in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 39. Jahrgang, 1991, Heft 4, S. 431-446.

Osterkamp, Ute: Hat der Sozialismus die Natur des Menschen verkannt oder: Sind die Menschen für den Sozialismus nicht geschaffen?; in: Forum Kritische Psychologie 31, 1993, S. 68-85

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