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Beiträge zur Theorie  










Martin Blumentritt

Zu K. R.Poppers "Kritischer Rationalismus" - Teil 2

Ein Gesetz wird dem logischen Positivismus zufolge nur aufgestellt zur Deduktion von Prognosen. Ueber deren Anerkennung entscheidet die naturwissenschaftliche Tradition, d.h. ob sich Aussagengefuege in einen logisches System bereits anerkannter Gesetze einfuegen laesst (Kohaerenz). So bestimmen nicht Eigenschaften der Welt die Theoriebildung, sondern diese bestimmt die Eigenschaften einer Kunstwelt. Hier setzt Popper an:

"Die Naturwissenschaft ist fuer den Konventionalisten kein Bild der Natur, sondern eine rein begriffliche Konstruktion; nicht Eigenschaften der Welt bestimmen die Konstruktion, sondern diese bestimmt die Eigenschaften einer kuenstlichen, von uns geschaffenen Begriffswelt, implizit definiert durch die von uns festgesetzten Naturgesetze. Nur von _dieser_ Welt spricht die Wissenschaft"(Logik der Forschung, S. 48)

Konventionalismus bzw. der Rekurs auf eine Kohaerenztheorie der Wahrheit waren unausweichlich, dies war das heimliche Telos der positivistischen Philosophie. Popper hat allerdings keine so weitreichenden Einwaende vorzubringen: "Unser Gegensatz zum Konventionalismus kann nicht durch eine sachlich-theoretische Debatte ausgetragen werden."(S.49) "Aehnlich wie der Konventionalismus sind auch die konventionalistischen Einwaende in der Hauptsache unwiderleglich."(S.50)

Einwaende hatte er gegen die Ableitung von universellen Saetzen aus Protokollsaetzen, da dann eine Falsifikation nicht moeglich sei. Die unabhaengige experimentelle Pruefbarkeit, nicht die Verifikation stand bei ihm im Vordergrund. Das Falsifikationsprinzip ist demnach auch nicht Sinnkritierium, sondern Abgrenzungskriterium. Er musste allerdings deswegen auch nicht-falsifizierbare Theorien wie den Konventionalismus als sinnvoll anerkennen. Die Kritik des Induktionsprinzips gewann er allerdings urspruenglich nicht aus der Beschaeftigung mit den logischen Positivismus, sondern mit Hume, jenes war erst seit der "Logik der Forschung" der Fall.

So entfernt ist Popper vom Positivismus wiederum nicht, da er einige Praemissen des Positivismus teilt. Es ist noch anzumerken, das der Positivismus, wie schon sichtbar geworden ist, keinesfalls eine einheitliche Position ausgebildet hat, so dass Kritiker sogar von einer beweglichen Zielscheibe der Kritik sprachen, die immer entfleucht, wenn man sie meint gepackt zu haben. Das liegt an den immer wieder neu auftretenden Widerspruechen. Daher ist es auch sinnvoll, den logischen Positivismus von seinem heimlichen Telos, von den Konsequenzen her, auf die er hinauslaeuft, zu kritisieren, sonst verstrickt man sich begriffslos in Differenzierungen von Varianten.

Mit der Metaphysik faellt auch jede Erkenntnistheorie, die von der Verschiedenheit und Beziehung von Subjekt und Objekt ausgeht (vgl. Neurath, Soziologie im Physikalismus S. 404) Erkenntnis ist nur noch die Rueckfuehrung einer Aussage auf eine andere Aussage, nach Massgabe der Kohaerenz. Die Fragen, die sich einst stellten, wie die Aussagen zu einem Inhalt kommen, werden als sinnlos abgetan. Dieser Verzicht begruendet den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Das machte allerdings diesen Scientivismus oder Physikalismus fuer die exakten Wissenschaften untauglich, die Fragen, die die Naturwissenschaften selber nicht stellen, naemlich nach ihrer Voraussetzung: einer Natur die auf ihre Erkennbarkeit hin geordnet ist, werden suspendiert. Dies waren die Fragen seit der Antike in der klassischen Philosophie. Ohne ein Etwas, das wahrgenommen wird, gibt es keine Wahrnehmung. Die Sinnenwelt ist zwar im Erkenntnisprozess das Erste, aber sie ist nicht ontologisch das Erste. Diese Frage wird von Popper nicht geklaert, weil er eine "letzte Erklaerung" fuer unmoeglich haelt.

Die Erklaerung aus letzten Prinzipien gilt ihn zu Recht als naiver Essentialismus, so wie z.B. der Rationalismus Descartes' eine Eigenschaft physikalischer Koerper, die Ausdehnung, fuer ihr Wesen hielt, einer war. Kein Naturgesetz kann Popper zufolge etwas sagen ueber "ein letztes Wesen der Welt."(Die Zielsetzung der Erfahrungswissenschaft: in Albert Theorie und Realitaet S. 32)

Eingangs zitierte ich den folgenden Satz. Der sollte nach dem Vorangegangenen nun verstaendlicher sein.

"Die Taetigkeit des wissenschaftlichen Forschers besteht darin, Saetze oder Systeme von Saetzen aufzustellen und systematisch zu ueberpruefen; in den empirischen Wissenschaften sind es insbesondere Hypothesen, Theoriensysteme, die aufgestellt und an der Erfahrung durch Beobachtung und Experiment ueberprueft werden." (Logik der Forschung S. 3)

Der Induktivismus der "logischen Positivisten" wird umgekehrt in einen Deduktivismus. Dies deutete sich auf dem Boden des Positivismus schon an, die Kohaerenz war das Entscheidende. Wenn nun der Ausgangspunkt vom subjektiven Erlebnis auch noch einmal getilgt wird, so kann man umgekehrt bei den "Saetzen" anfangen, wenn sie ohnehin nicht in etwas gruenden. So sind sie spontane Entwuerfe, versuchsweise Konstruktionen, die auf die Natur hin entworfen werden. Sie werden also beliebig aufgestellt, nach bestimmten Kriterien wie der Widerspruchsfreiheit. Dann muss allerdings, gerade weil das beliebig sein soll eine "Auslese" getroffen werden:

"Die Methode der kritischen Nachpruefung, der Auslese der Theorien, ist nach unserer Auffassung immer die folgende: Aus der vorlaeufig unbegruendeten Antizipation, dem Einfall, der Hypothese, dem theoretischen System, werden untereinander und mit anderen Saetzen verglichen, indem man feststellt, welche logischen Beziehungen (...) zwischen ihnen bestehen."(Logik der Forschung S. 7)

Ob nicht bereits das unbegruendete in etwas gruendet, das Problem des Problems, wird noch in der Kritik an Popper zu eroertern sein. Ob die Kritik am induktiven Schluss auch die Induktion selber schon trifft, ist eine andere Frage. Hier stellen sich u.a.die Fragen nach der Wissenschaftsgeschichte und Theoriendynamik, wie sie etwa bei Kuhn und Feyerabend oder in der kritischen Theorie eroertert werden. Die Aufstellung von Hypothesen duerfte nicht so einfach mit dem Argument, dass sei Psychologie, Wissenschaftsgeschichte oder Wissenssoziologie aus erkenntnistheoretischen Fragestellungen auszuklammern sein. Wenn es auch zutrifft, dass induktive Schluesse nicht zu generellen Aussagen verfuehren duerfen, so heisst das noch lange nicht, dass die Induktion bei der Hypothesenbildung keine Rolle spielt.

Auch Popper geht mit den Neukantianern zurueck zu Kant: "Die Kritik des logischen Positivismus, die unter den Kritiken dieser Arbeit die Hauptrolle spielt, wird die Unvereinbarkeit positivistischer und transzendentaler Tendenzen erweisen: den _positivistischen Grundwiderspruch."( Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie hg. T.E. Hanssen), S. 59)

"Was Kant gegen Hume einwendet, ist dasselbe, was hier gegen den strengen Positivismus eingewendet wurde."(ebenda)

Auf die Hume und Kantdeutung wird im 4.Teil noch einmal eingegangen. Hier nur sei nur soviel gesagt, dass Popper Humes Kritik am Induktionsschluss, die sich aus dessen nominalistischer Destruktion des Kausalbegriffs ergibt, uebernimmt, nach der die Erfahrung zwar die regelmaessige Folge von Ereignissen, aber nicht deren Notwendigkeit liefert. Kant hatte den Kausalitaetsbegriff dann in seiner Humekritik wieder gerettet.

Allerdings teilt Popper gerade die Auffassung Kants, mit der dieser Hume ueberwindet, nicht. Er leugnet die "synthetischen Urteile a priori" Kants, die eine reine Naturwissenschaft a priori begruendet.

"Das zentrale Problem der Kritik der reinen Vernunft ist: Wie ist reine Naturwissenschaft moeglich? Mit 'reiner Naturwissenschaft' ...meinte Kant einfach Newtons Theorie." "Dies ist klar aufgrund der Metaphysischen Anfangsgruende der Naturwissenschaft von 1786, wo er eine Apriori-Deduktion von Newtons Theorie gibt."(Conjectures an Refutations S. 94, aehnlich Logik der Forschung XXIV und die von Hannsen Hrg. Schrift.

Es kommt zu drei Argumenten zu und gegen Kant:

- Kant glaubte, "dass...Newtons Physik nicht auf einer Sammlung von   Beobachtungssaetzen begruendet sein koennte" Logik der Forschung XXIV,   "...aufgeruettelt durch Hume sah Kant so klar wie wohl keiner vor   oder nach ihm, dass es absurd ist, anzunehmen, dass Newtons Theorie   aus Beobachtungen abgeleitet werden kann." (Kant und die   Moeglichkeit der Erfahrungswissenschaft. In: Ueber die Moeglichkeit   der Erfahrungswissenschaft. ratio Bd.1 S.2)

- Kant glaubte, "dass Newtons Physik wahr sei" (Logik der Forschung   XXIV)

- "Diese beiden Thesen ergeben zusammen die apriorische Geltung von    Newtons Physik."(a.a.O. XXIV)

Aus der Wissenschaftsdynamik heraus meint Popper nun Kant widerlegt zu haben:

"Wir wissen seit Einstein, dass gegenueber Newton abweichende Interpretation [der Natur] gleichfalls moeglich und denen von Newton vielleicht ueberlegen sind"(Kant und die Moeglichkeit der Erfahrungswissenschaft. In: Ueber die Moeglichkeit der Erfahrungswissenschaft. ratio Bd.1 S.8) Kants Theorie "brach zusammen, als man erkannte, dass Newtons Dynamik nicht a priori gueltig war, sondern eine grossartige Hypothese - eine Vermutung."(Objektive Erkenntnis S. 108)

Auf diese Kritik wird noch einzugehen sein, indem aufgewiesen wird, dass die reine Naturwissenschaft und die Newtonische Physik laut Kant _nicht_ dasselbe sind und die Deutung unbegreiflich laesst, warum Kant so ein Nachdruck auf Erfahrung legt. Er hat allerdings nicht den positivistischen Erfahrungsbegriff, wie er oben dargelegt wurde, den Popper teilt.

Allerdings zieht Popper andere Konsequenzen daraus. Die Erfahrung ist nicht mehr der Anfang und Ausgangspunkt. Er sieht, dass der Erfahrungsbegriff (genauer muesste man von mehreren Erfahrungsbegriffen sprechen, die einen gemeinsamen Kern haben) des logischen Positivismus keine Objektivitaet und Nachpruefbarkeit gewaehrleisten kann. Der Induktivismus sollte ja gerettet werden durch logische Analyse, durch den universellen Gebrauch der physikalischen Sprache, so kommen dann je nach Autor verschiedene Synthesen von subjektivistischem Erfahrungsbegriff (Carnaps methodischer Solipsismus, auch schon Machs psychologistische Auffassung u.a.) universaler, d.h. mathematischer Sprache, zustande.

Popper redet davon, dass die "Protokollsatzlehre der in formale Redeweise uebersetzte Psychologismus"(Logik der Forschung S.63) sei. Da sind wir also beim sogenannten Basissatzproblem. Die Aufgabe erfahrungswissenschaftliche Hypothesen zu ueberpruefen erheischt die Frage nach der _letzten Ueberpruefungsinstanz_. Wenn man sagt: Beobachtungen und Experimente, dann haben wir allerdings noch kein mathematisches Konstrukt, wie die Differentialgleichung, die das Fallgesetz formuliert. Theorien bestehen aus Saetzen, Aussagen, statements, Formeln usw. Beobachtungen und Experimente sind subjektive Erlebnisse bzw. (technisch-)praktische Vorgaenge. Die Basis besteht nun den Positivisten zufolge aus der Gesamtheit der Aussagen, welche fuer Ueberpruefungen verwendet werden koennen.

So haben wir bei Schlick, die individualistische Variante: nur die _eigenen_ Konstatierungen dienen als Basis, haben "absolute und unzweifelhafte Gewissheit". Das Erfuellungserlebnis unserer Konstatierung, das in Beobachtungssaetzen sich niederschlaegt, ist das entscheidende, es ist punktuell und fluechtig. Aehnlich wie in Hegels Kritik der sinnlichen Gewissheit kritisiert Neurath Schlicks "metaphysische Scheinthesen", die in der Forderung nach absolute Gewissheit und Vergleich der Theorie mit der Wirklichkeit zum Ausdruck kommt. Es sind Protokollsaetze, die mit den Saetzen der Theorie verglichen werden, sie sollen intersubjektiv verstaendlich formuliert sein und auf eine Person (Protokollant) Bezug nehmen, eindeutig sein, wie: "die Person N.N. hat zur Zeit t am Ort x Y Wahrgenommen" Sie werden mittels Konvention, Beschluss anerkannt.

Und jetzt kommt die Poppersche Wende. In der Tat meint er, dass die Aussagen, Saetze mit denen Theorien ueberprueft werden auf solchen Festsetzungen beruhen. Er streicht allerdings die Bezugnahme auf eine protokollierende Person. Daher redet er nicht mehr von Protokollsaetzen, sondern von Basissaetzen, diese haben die Gestalt von singulaeren Existenzsaetzen. Wir wuerden das vielleicht quantorenlogisch formulieren: "Es gibt zur Zeit x am Ort y z"

(Es sei schon mal vorweggenommen, dass es da reichliche Probleme gibt. Wenn ich sage ich habe (das meine ich jetzt nicht politisch:-) eine rote Farbempfindung, wie soll dann Klein Heini behaupten, ja, Du hast eine rote Farbempfindung. Nach Popper soll ja die intersubjektive Ueberpruefung gewaehrleistet sein, die eine Hypothese anhand eines Basissatz moeglicherweise falsifiziert. Solche Fragen wollte Kant mit den synthetischen Urteilen apriori und der Unterscheidung von Wahrnehmungs-und Erfahrungsurteilen beantworten. Hier waere der Poppersche Positivismus selber - unter Bewahrung der Popperschen Intentionen - ueber sich hinauszufuehren, um solche Fragen drehte sich der spaetere sog. "Positivismusstreit", ohne das die "positivistischen" Vertreter das so wahrnahmen.

In dem Beispiel geht es um die Wahrnehmung des Fremdpsychischen, es geht aber noch weiter, die Fragen des verifizierenden Experiments, der Mathematisierung, Objektivierung und Reproduzierbarkeit, Fragen die bei Popper noch nicht befriedigend geklaert werden koennen, wobei er aber den Verdienst hat, ueberhaupt den spezifischen Induktivismus des logischen Positivismus zu destruieren, waehrend - wie zu zeigen ist - als heimliche und unreflektierte die Induktion doch wieder hineinkommt. Carnap hatte ja schon eine konventionelle Komponente eingefuehrt, Basissaetze sind singulaere Saetze, Gesetze Allsaetze, und da haben wie den Fallstrick des dogmatischen Realismus und des skeptischen Empirismus (zwischen beiden Position oszilliert der Positivismus im Grunde), den Kant entlarvte, es laeuft darauf hinaus, dass es eine "schlechte Unendlichkeit"(Hegel) von singulaeren Saetzen gibt, eine unabschliessbar unendliche Menge von Faellen, bei dem es stets noch eine Gegenmoeglichkeit geben koennte. Hume entschied sich fuer das Argument der Gewohnheit fuer den Zusammenhang von Erscheinungen, Popper fuer den Fallibilismus, wie wir sehen werden. Das liegt wie in Teil 4 gezeigt wird an der Reformulierung der Kantischen Kritik an Hume mit humeschen Mitteln.

Kant, Hegel, Marx und die Kritische Theorie haben eine andere Loesung, die in einem _anderen Erfahrungsbegriff_ liegt und die Praxis in einem erweiterten Sinne zur Fundierung der Theorie einfuehrt.

Das praktische Moment werden wir bei Popper auch finden, daher war auch - entgegen seinen Erwartung bei der beruehmten Soziologentagung in Tuebingen, als er das Referat und Adorno das Korreferat hielt, der Streit so wenig ostentativ heftig. In den Nuancen, was man unter Erfahrung, Praxis usw. versteht, lief das Ganze auseinander, waehrend man oberflaechlich sich einig wusste, gegen den "logischen Positivismus" mit seinem Induktivismus, in der Frage der Wertfreiheit usw.

Daran muss man sich in der Philosophie gewoehnen, viel Laerm um nichts:-) D.h. es wird um Nuancen gestritten, die aber dann von der Konsequenz "ums Ganze" gehen.

Wir haben schon von den Basissaetzen gesprochen. Nun ist Popper ja nicht der Auffassung, dass Saetze, die auf Beobachtung beruhen, der Anfang der Wissenschaft ausmachen. Er kritisiert den induktiven Schluss, den Schluss von den Basissaetzen zu Allsaetzen. Er dreht die ganze Sache um. Ihm zufolge beginnt man mit einer Theorie, im Sinne einer Hypothese und erschliesst daraus Basissaetze, die zu ueberpruefen sind.

"Diese letzte Pruefung soll feststellen, ob sich das Neue, das die Theorie behauptet, auch praktisch bewaehrt, etwa in wissenschaftlichen Experimenten oder in der technisch-praktischen Anwendung. Auch hier ist das Pruefungsverfahren ein deduktives: Aus dem System werden (unter Verwendung bereits anerkannter Saetze) empirisch moeglichst leicht nachpruefbare bzw. anwendbare singulaere Folgerungen ("Prognosen") deduziert und aus diesen insbesondere jene ausgewaehlt, die aus bekannten Systemen nicht ableitbar sind bzw. mit ihnen in Widerspruch stehen. Ueber diese - und andere - Folgerungen wird nun im Zusammenhang mit der praktischen Anwendung, den Experimenten usw. entschieden. Faellt die Entscheidung positiv aus, werden die singulaeren Folgerungen anerkannt, _verifiziert_, so hat das System die Pruefung vorlaeufig bestanden; wir haben keinen Anlass, es zu verwerfen. Faellt eine Entscheidung negativ aus, werden Folgerungen _falsifiziert_, so trifft ihre Falsifikation auch das System, aus dem sie deduziert wurden."(Logik der Forschung S.8)

Popper setzt Induktion und Induktionsschluss gleich. Von daher ist es konsequent, die Induktion ganz zu verwerfen. In der Wissenschaft kommen keine Induktionsschluesse vor, sehr wohl aber im Alltagsleben, zum Beispiel haben Vorurteile diese Struktur. Aus eine Menge von Faellen wird etwas verallgemeinert. Das Alltagsbewusstsein erschliesst z.B. aus der Berichterstattung der rechtsextremen Hetzpresse, die selektiv ueber Auslaenderkriminalitaet berichtet, aus einigen Faellen von Kriminalitaet: Alle Auslaender sind Verbrecher. Mit Recht lehnt Popper solche Schluesse ab. (Wir werden allerdings in Frage stellen, ob es legitim ist Induktion und Induktionsschluss in der Weise zu identifizieren und ob nicht Popper bestimmte wichtig erkenntnistheoretische Fragen ausblendet, wie die Funktion der Induktion fuer die Hypothesenbildung).


© Martin Blumentritt, Hamburg 1995

 Fortsetzung Teil 3


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GLASNOST, Berlin 1992 - 2015