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Beiträge zur Geschichte  









Manfred Behrend

Leo Trotzki (1879-1940)

Verdienste und Fehler eines großen Revolutionärs 1

Über 60 Jahre lang war Leo Trotzki für die internationale parteikommunistische Bewegung der Gottseibeiuns. Als meistverleumdeter Mann der Geschichte wurde er nicht nur von der eigenen Partei bezichtigt, sein ganzes politisches Leben mit Ränkespielen gegen Lenin, die sozialistische Revolution und J. W. Stalin verbracht zu haben. Es hatte auch als erwiesen zu gelten, daß er und seine Anhänger das in Auftrag und Sold finsterer Mächte, besonders des deutschen Faschismus und des japanischen Imperialismus, getan hatten. Unterstützt von westlichen Publizisten verschiedener Couleur, war Stalins Apparat beneidenswert erfolgreich. Selbst eine durch ihn gleichermaßen verfemte Abteilung von Kommunisten wie die KPD-Opposition glaubte dem Herrn der Moskauer Schauprozesse anfangs das, was er an Lügen verlauten ließ, und traute Trotzki alles Böse zu. Jedes Wort, das dieser sagte, und jede Tat, die er beging, war nach Stalins Befinden Teufelswerk. Trotzkis Schriften wurden im sowjetischen Imperium auf ein Minimum reduziert, das in Giftschränke verbannt blieb und nur bisweilen als Steinbruch für Attacken auserwählter Geschichtsfälscher gegen ihn benutzt wurde. Isaac Deutscher, der Klassiker unter den Trotzki-Biographen, hat an Thomas Carlyle erinnert, der bei seinen Cromwell-Forschungen "den Lord Protector unter einem 'Berg toter Hunde', unter einer riesigen Last falscher Beschuldigungen und des Vergessenseins hervorziehen mußte". 2 Verglichen mit dem auf Trotzki getürmten Kadaverberg ist der Cromwellsche ein Maulwurfshügel.

Unter Chruschtschow wurden stalinistisch gesinnte Opfer des "Vaters der Völker" rehabilitiert, unter Gorbatschow auch Bucharin- und Sinowjew-Leute. Trotzki und seine Anhänger blieben ausgenommen. In seiner Rede zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution 1987, die der SED-Führung mehr als andere behagte, wetterte Gorbatschow nochmals gegen die "Trotzkisten". Im Dezember 1989 erklärte sein Emissär Jakowlew dem SED-PDS-Vorsitzenden Gregor Gysi auf die Frage, ob auch Trotzki rehabilitiert würde: Dieser sei nie gerichtlich verurteilt worden; seine Wiederaufnahme in die KPdSU komme nicht in Frage, weil "Trotzki ein erbarmungsloser Mensch war, dessen Hände über und über mit Blut befleckt seien". 3

Obwohl es heute hinreichende Möglichkeiten gibt, solche Verleumdungen zu widerlegen, hält die Diffamierungswelle vielerorts an. Zur alten Verteufelung kommt im nachgorbatschowistischen Rußland eine neue, offen reaktionäre. Sie geht davon aus, daß Trotzki Jude war, und führt auf diesen "Makel" alles Üble oder vermeintlich Üble zurück, das dem russischen Volk seit dem Oktoberaufstand 1917 widerfuhr. Einige neumodische Verleumder haben auch Lenin schandenhalber zum Juden degradiert.

Nachfolgend ein Überblick über den Lebensweg Leo Trotzkis. Es versteht sich angesichts der Fülle vorhandenen Materials, daß vieles, auch manches Wesentliche, weggelassen werden muß. Doch versuche ich die wichtigsten Stationen in seinem Leben, Denken und Wirken wiederzugeben. Geboren wurde Trotzki als Lew Dawydowitsch Bronstein am 7. November 1879 in Janowka, Gouvernement Cherson in der Südwestukraine, einem Ort, wo sich Füchse und Hasen gute Nacht sagten. Er war Sohn eines der wenigen jüdischen Landwirte und Gutsherrn, vielleicht des einzigen. Die Zeit als Realschüler verbrachte er in Odessa, wo er bei einem verwandten liberalen Journalisten und Verleger wohnte und Druckerschwärze schätzen lernte. Aufs Abitur bereitete er sich in Nikolajew vor. Hier gehörte er einem Diskussionszirkel junger Oppositioneller an, die wie er meist Positionen der Volkstümler (Narodniki) vertraten. Kontrahentin war die Marxistin Alexandra Sokolowskaja, Bronsteins spätere erste Ehefrau. 1897 gründeten er und andere Zirkelmitglieder erneut einen Südrussischen Arbeiterbund, wie er 22 Jahre zuvor in Odessa schon einmal existiert hatte. Sie trieben Flugblattagitation unter Arbeitern in der Art, die kurz davor der Rechtsanwalt Wladimir Iljitsch Uljanow in St. Petersburg erprobt hatte. Haft und Verbannung der jungen Leute waren die Folge. Im Gefängnis begann sich Bronstein auf undogmatische Art den Marxismus anzueignen. Außer von dessen Klassikern lernte er vom Begründer der italienischen marxistischen Tradition Antonio Labriola, welcher gleich ihm selbst ein eigenständiger, vielseitig begabter Denker war. In der Verbannung betätigte sich Bronstein unter dem Pseudonym Antid Oto erstmals für eine Zeitung, die Irkutsker "Östliche Rundschau", und zwar mit literaturkritischen Beiträgen. 1902 flüchtete er mit gefälschtem Paß unter dem Namen Trotzki aus Rußland und schloß sich auf Ersuchen des Redaktionsmitgliedes Uljanow-Lenin der Londoner marxistischen Zeitung "Iskra" an. Zudem unternahm er Vortragsreisen zu russischen politischen Emigranten in Westeuropa. Dabei lernte er in Paris die Studentin Natalja Sedowa, seine zweite Lebensgefährtin, kennen.

Streit mit Lenin und Theorie der permanenten Revolution

Bis zum II. Parteitag der russischen Sozialdemokratie 1903, der die Teilung in Bolschewiki und Menschewiki ergab, zunächst auch während des Parteitags stritt Trotzki an Lenins Seite. Dann wandte er sich gegen dessen Plan, die "Iskra"-Redaktion durch Ausschluß ihrer älteren Mitglieder Wera Sassulitsch und Pawel Axelrod zu straffen. Er sah darin schnöden Undank und polemisierte nun auch gegen Lenins Streben nach einer zentralisierten Partei unter der Regie von Berufsrevolutionären. Obwohl es hierzu keinen Grund gab, bezichtigte er den Kontrahenten in der Broschüre "Unsere politischen Aufgaben" des Jakobinertums, nannte ihn nach Robespierre "Maximilien Lenin" und sagte als Folge der Anwendung bolschewistischer Methoden die Substitution der Arbeiterklasse unter eine Elite voraus. Innerhalb der Sozialdemokratie werde "die Parteiorganisation die Partei selbst, das ZK die Parteiorganisation und schließlich ein Diktator das ZK ersetzen". 4 Lenin richtete bei Gelegenheit gleichermaßen ungerechte Angriffe gegen Trotzki. Daher stand Stalin und seinen Agitatoren später ein reiches Arsenal an Wurfgeschossen zur Verfügung.

Das Jahr 1905 sah Trotzki mit an der Spitze einer Revolution in Rußland. Zuerst de facto, dann als gewählter Vorsitzender führte er eine von Proletariern geschaffene, weltweit einzigartige Institution, den Petersburger Sowjet der Arbeiterdeputierten. Er schrieb sich auch nach der revolutionären Niederlage und seiner Verhaftung ins Buch der Geschichte ein. So mit einer Bilanz der 50 Tage des Sowjets, in der er für die nächste Revolution Räte in ganz Rußland prophezeite, und einem Revolutionsprogramm, das 1917 in der Tat verwirklicht wurde. Zudem erarbeitete er für die Sammlung seiner Artikel aus dem Jahre 1905 ein Schlußkapitel, das die Theorie der permanenten Revolution enthielt. 5 

Ideengeschichtlich knüpfte Trotzki mit ihr an Vorstellungen an, die Marx und Engels ab 1848/49 geäußert hatten. Beide traten dafür ein, eine einmal begonnene bürgerliche Erhebung durch die Arbeiter fortzuführen, "bis alle mehr oder weniger besitzenden Klassen von der Herrschaft verdrängt, die Staatsgewalt vom Proletariat erobert und die Assoziation der Proletarier nicht nur in einem Lande, sondern in allen herrschenden Ländern der ganzen Welt so weit fortgeschritten ist,... daß wenigstens die entscheidenden produktiven Kräfte in den Händen des Proletariats konzentriert sind". 6 Diese Auffassung vertrat auch Trotzki. Entgegen seinen Vorläufern legte er darauf Wert, daß die Revolution im unterentwickelten Rußland beginnen würde - eine Möglichkeit, die Engels in einem Brief an Wera Sassulitsch 1885 übrigens nicht ausgeschlossen hatte. 7 Rußlands schwache nationale Bourgeoisie war nach Meinung Trotzkis wie auch Rosa Luxemburgs 8 weder willens noch imstande, die Revolution zu führen. Daher mußte ihrer Meinung nach das dort sehr starke Proletariat die Aufgabe übernehmen.

Ein wesentlicher Punkt der von Trotzki oft erläuterten und variierten Theorie besagte: Um zunächst die bürgerlichen Aufgaben der Revolution zu erfüllen, werde sich die Arbeiterklasse mit den Bauern verbünden. "Die Abschaffung des feudalen Systems der Leibeigenschaft wird die Unterstützung der gesamten Bauernschaft... finden; aber gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutze des Landproletariats werden nicht allein auf keine aktive Zustimmung der Mehrheit, sondern auch auf den aktiven Widerstand einer Minderheit treffen. Das Proletariat wird sich gezwungen sehen, den Klassenkampf ins Dorf zu tragen, und dadurch die Gemeinsamkeit der Interessen mit der gesamten Bauernschaft zerstören... Je bestimmter und entschiedener somit die Politik des Proletariats an der Macht wird, desto schmaler wird seine Basis, desto mehr wird der Boden unter seinen Füßen schwanken...

Sollte sich das russische Proletariat an der Macht befinden, wenn auch nur infolge eines zeitweiligen Aufschwungs unserer bürgerlichen Revolution, so wird es der organisierten Feindschaft seitens der Weltreaktion und der Bereitschaft zu organisierter Unterstützung seitens des Weltproletariats gegenüberstehen. Ihren eigenen Kräften überlassen, wird die Arbeiterklasse Rußlands unvermeidlich in dem Augenblick von der Konterrevolution zerschlagen werden, in dem sich die Bauernschaft von ihr abwendet. Ihr wird nichts anderes übrigbleiben, als das Schicksal ihrer politischen Herrschaft und folglich das Schicksal der gesamten russischen Revolution mit dem Schicksal der sozialistischen Revolution in Europa zu verknüpfen. Die ungeheure staatlich-politische Macht, die ihr ein zeitweiliger Aufschwung der russischen bürgerlichen Revolution gibt, wird sie in die Waagschale des Klassenkampfes der gesamten kapitalistischen Welt werfen. Mit der Staatsmacht in Händen, mit der Konterrevolution im Rücken und der europäischen Reaktion vor sich, wird sie ihren Mitbrüdern in der ganzen Welt den alten Kampfruf zurufen, diesmal zum letzten Gefecht: Proletarier aller Länder vereinigt euch!" 9

Als Stalin Mitte der 20er Jahre gegen die Theorie der permanenten Revolution zu Felde zog, brachte er ein ähnliches, aus Trotzkis Buch "Das Jahr 1905" stammendes Zitat vor. Darin hieß es, die proletarische Avantgarde werde nach der Machteroberung auch ins bürgerliche Eigentum eingreifen müssen. "Hierbei wird sie in feindliche Zusammenstöße nicht nur mit allen Gruppierungen der Bourgeoisie geraten,... sondern auch mit den breiten Massen der Bauernschaft, mit deren Beihilfe sie zur Macht gekommen ist. Die Widersprüche in der Stellung der Arbeiterregierung in einem rückständigen Lande mit einer erdrückenden Mehrheit bäuerlicher Bevölkerung werden nur im internationalen Maßstab, in der Arena der Weltrevolution des Proletariats, ihre Lösung finden können." 10 Stalin schwieg sich über das Faktum aus, daß der erste Teil von Trotzkis Theorie 1917 seine Feuerprobe bestanden hatte, insofern als das Proletariat, repräsentiert durch die bolschewistische Partei, tatsächlich die bürgerliche Revolution zum Sieg führte. Er echauffierte sich darüber, daß sein Kontrahent in der Bauernschaft einen künftigen Gegner gesehen, sie angeblich unterschätzt hatte. Stalin behauptete, die permanente Revolution bedeute folglich eine " Verneinung der Leninschen Theorie der Diktatur des Proletariats", sie sei "eine Abart des Menschewismus". 11 Das war immerhin ein Argumentationsversuch, wenngleich ein völlig mißglückter.

Jahre später erwies sich auch der zweite Teil der Trotzki-Theorie als richtig. Zum Zusammenstoß mit der Bauernschaft kam es Ende der 20er, als das Gros der Mittelbauern, geführt von Kulaken, staatliche Notstandsmaßnahmen zur Erlangung von Getreide zurückwies, die Anhebung des Brotpreises erzwang und zwecks Erlangung weiterer staatlicher Konzessionen die Getreidelieferungen drosselte. Allein in der ersten Hälfte 1928 wurden 150 Bauernrebellionen unterdrückt, später gab es davon Tausende . Stalin war außerstande, zivilisiert mit der explosiven Lage umzugehen. Trotz gegenteiliger Bekundungen steuerte er auf die totale Kollektivierung der Landwirtschaft hin, die nur unter größter Gewaltanwendung und ungeheuren Verlusten an Blut und Gut vonstatten gehen konnte. Die russische Agrikultur wurde in großen Teilen dauerhaft ruiniert. Deutscher behauptet nun, die sozialen Veränderungen von 1929/30, die Trotzki mit aller Schärfe ablehnte, hätten nur die Permanenz des revolutionären Prozesses bewiesen, und Stalin sei dessen unbewußter Agent gewesen. 12 Mir scheint das hundertprozentig falsch zu sein.

Als Trotzki 1932 das Andenken Rosa Luxemburgs gegen Stalin verteidigte, stand auch die permanente Revolution wieder zur Debatte. Im Artikel "Über einige Fragen der Geschichte des Bolschewismus" hatte der KPdSU-Generalsekretär Luxemburg bezichtigt, opportunistische und zentristische Gesinnungen nach Art des späten Kautsky vertreten zu haben. Zugleich behauptete er entgegen eigenen früheren Auslassungen, sie habe zusammen mit Parvus "das utopische und halbmenschewistische Schema der permanenten Revolution" geschaffen. Trotzki habe dieses Schema dann als "Waffe gegen den Leninismus" benutzt.

Der Angriff Stalins galt in erster Linie dem "Luxemburgismus", d. h. der eigenständigen, nichtbolschewistischen Tradition der deutschen Linken und frühen KPD. In Deutschland verwandte erst das Thälmann-ZK, dann die SED-Führung den Artikel in diesem Sinne. 13

Trotzki prangerte Stalins Attacke als "freche und unverschämte Verleumdung" an. Er widerlegte mit ihr verbundene Geschichtsfälschungen und Irrtümer. Unter Hinweis auf die positive Würdigung der russischen Revolution von 1917 und ihrer Führer durch Rosa Luxemburg konstatierte er, sie habe Stalin für seinen Haß genügend Ursache gegeben. Um so gebieterischer sei die Pflicht, Rosas Gedächtnis gegen die von bezahlten Beamten aufgegriffenen Verleumdungen zu schützen "und dieses wahrlich herrliche, heroische und tragische Vorbild den jungen Generationen des Proletariats in seiner ganzen Größe und seinem erzieherischen Zauber" zu vermitteln. 14

Zweite Emigration, Krieg und Revolutionen

Für Trotzkis Leben nach der Revolution von 1905 waren erneute Verbannung und Flucht, Arbeit an der Wiener Emigrationszeitung "Prawda", die vor dem uns bekannten Petersburger Blatt gleichen Namens erschien, sowie die Tätigkeit als Literatur- und Kunstkritiker charakteristisch. Nach außen hin paßte er sich dem Wiener Kaffeehausmilieu zeitweise so vorzüglich an, daß ein österreichischer Minister auf die Frage nach den Aussichten einer russischen Revolution meinte: "Revolution in Rußland? Wer sollte sie denn machen; Vielleicht der Herr Trotzky vom Café Zentral?" 15 Was dem guten Mann unmöglich erschien, war das tägliche Brot des angeblichen Kaffeehausliteraten. Er sammelte Kenntnisse und Erkenntnisse über die bestehende Gesellschaft zu dem Zweck, diese Gesellschaft zu überwinden.

Von spezieller Bedeutung war Trotzkis Arbeit als Militärkorrespondent, die er - in stetem Konflikt mit den Zensurbehörden - für die linksliberale "Kiewskaja Mysl" und andere Blätter leistete. Er berichtete zunächst über die Balkankriege 1912/13, dann über den ersten Weltkrieg. Kennzeichnend für seine Artikel waren die differenzierte Darstellung der jeweiligen Teilnehmer, Mitgefühl für die Leidtragenden der Kriege und eine analytische Schärfe, die an Friedrich Engels und Franz Mehring erinnert. Aussagen wie die folgende aus dem Balkankriegsbuch muten hochaktuell an: "Vor unseren Augen wird eine herrliche Halbinsel, die von der Natur reich beschenkt wurde und in den letzten Jahrzehnten kulturelle Fortschritte gemacht hatte, mit Feuer und Schwert in ein Zeitalter der Finsternis, des Hungers und der grausamen Barbarei zurückgeworfen. Alle kulturellen Leistungen gehen zugrunde, das Werk der Väter, Großväter und Urgroßväter zerfällt zu Staub, Städte veröden, Dörfer brennen nieder, und es ist immer noch kein Ende dieses zerstörerischen Wahnsinns zu erkennen." 16 Die Berichte aus dem ersten Weltkrieg bergen u. a. treffende Einschätzungen des Schützengrabenkampfs und der schon damals vorhandenen deutschen Neigung zum "Blitzkrieg". Das deutsche Militärwesen, so Trotzki, sei durch leistungsstarke Technik, disziplinierte Soldaten aus dem Proletariat und ein spezifisch preußisches Offizierskorps charakterisiert. "Die deutsche Strategie, die eine feudalistische Denkweise mit kapitalistischen Ressourcen kombiniert, beruht voll und ganz auf dem Plan eines Sturmangriffs und auf der vernichtenden Kraft des Erstschlags. Doch eine moderne große Nation (wie die französische; M. B.) - mit ihren riesigen materiellen Ressourcen und mit ihrer millionenstarken initiativreichen und intelligenten Bevölkerung - läßt sich nicht durch einen Sturmangriff... zur Kapitulation zwingen." 17 Vergleichbares trug sich im zweiten Weltkrieg zu, als Hitlerdeutschland und die Sowjetunion die Hauptgegner waren.

Mit einer konsequent revolutionären und marxistischen Haltung verband sich in den Arbeiten dieses hervorragenden Journalisten ein nüchterner Realismus. Er warnte vor der These, Völker lernten aus der Geschichte - 18 sie können es schon deshalb nicht, weil ihnen diese meist in entstellter und verzerrter Form vermittelt wird. Genauso warnte er vor der mechanistischem Denken entstammenden Auffassung, der Krieg fördere die Revolution. "Gerade die riesigen Ausmaße des heutigen Krieges", so der Verfasser, "können der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung und damit in erster Linie der revolutionären Bewegung des Proletariats die Flügel für lange Zeit stutzen." 19 Zwar könnte der Krieg bei katastrophalen eigenen Niederlagen die Revolution in Rußland schneller hervortreten lassen, "aber um den Preis der inneren Schwächung". 20

In der russischen Sozialdemokratie wirkte Trotzki vor dem ersten Weltkrieg trotz wachsender innerer Gegensätze auf fortdauernde Parteieinheit hin. Als sich die Bolschewiki Januar 1912 in Prag als eigene Partei konstituierten, rückte er von Lenin ab und bildete mit anderen, meist menschewistischen Sozialdemokraten den Augustblock. Sich hierüber zu entrüsten, wie das in Stalins Zeiten geschah, besteht kein Grund. Stalin selbst gehörte übrigens zu denjenigen, die noch bis zu Lenins Aprilthesen 1917 auf die Menschewiki als revolutionären Partner vertrauten. Es muß aber nüchtern registriert werden, daß der heterogen zusammengesetzte Augustblock nicht zufällig so rasch auseinanderfiel. Zwischen Trotzki und den weiterhin auf Bündnisse mit den Liberalen orientierten Menschewiki bildeten sich schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten heraus, so daß er seinen mit der Blockbildung begangenen Fehler einsah. Lenin und er kamen einander fortan immer näher.

Ein wichtiger Grund hierfür lag im Ausbruch des großen Krieges, der nicht die Bolschewiki, wohl aber den rechten menschewistischen Flügel um Plechanow an der Seite der reaktionären "Vaterlandsverteidiger" sah. Trotzki war der erste bekannte Sozialist, der schon im September 1914 eine umfassende Analyse zum Thema "Der Krieg und die Internationale" vorlegte. Darin nannte er es im Kampf um den Völkerfrieden in erster Linie notwendig, die revolutionären Energien der Arbeiter zu erhalten. Die Friedensbedingungen müßten überall gleich sein: "Keine Kontributionen! Das Recht jeder Nation auf Selbstbestimmung! Die Vereinigten Staaten Europas - ohne ständige Heere, ohne regierende Feudalkasten, ohne Geheimdiplomaten!" 21 Den Zusammenschluß zu republikanischen Vereinigten Staaten von Europa propagierte zur selben Zeit auch Lenin. 22 Trotzki trat während des Krieges noch mehrfach für Frieden ohne Annexionen und Kontributionen ein. So im Entwurf des Zimmerwalder Manifestes, den die internationale Konferenz sozialistischer Kriegsgegner im September 1915 einstimmig annahm. 23 Gleichartig sind die Forderungen im Dekret über den Frieden, das Lenin am 26. Oktober 1917, dem 8. November neuen Kalenderstils, vor dem II. Allrussischen Sowjetkongreß in Petrograd verkündete. Es lohnt sich, den Kurs internationalistisch gesinnter Kommunisten mit dem zu vergleichen, den einerseits die imperialistischen Mächte, andererseits Stalins UdSSR steuerten. Zwischen ihr und diesen Mächten gab es dabei keinen wesentlichen Unterschied. Die Strategie beider Seiten widersprach Trotzkis Manifest und Lenins Dekret aufs Schärfste.

Den Ausbruch der Februarrevolution 1917 erlebte Trotzki aus der Ferne mit. Es hatte ihn, wie z. B. auch Bucharin, in die USA verschlagen. Darum bemüht, schnell nach Rußland zurückzugelangen, wurde er einen Monat lang als mutmaßlicher Entente-Gegner von britischen Truppen im kanadischen Halifax festgehalten. Er kam deshalb später als Lenin nach Petrograd. Doch hatte dieser unterdes mit seinen Aprilthesen einen Umschwung innerhalb der bolschewistischen Partei bewirkt, der ganz im Sinne Trotzkis lag. Es war der Kurswechsel von einer kritischen Unterstützung des bürgerlichen Regimes, wie Stalin, Kamenew und andere sie propagiert hatten, zur sozialistischen Revolution unter der Parole "Alle Macht den Sowjets". In einer Zeit schwerster Bedrängnis für die SDAPR (Bolschewiki), als die Partei illegal war, Lenin und Sinowjew von dem menschewistischen Staatsanwalt Wyschinski per Haftbefehl zwecks Prozessierung verfolgt wurden, traten Trotzki und die von ihm geführte Gruppe der Interdistriktler den Bolschewiki bei. Als Vorsitzender des Petrograder Sowjets bereitete er wenig später mit dem Militärrevolutionären Komitee den Oktoberaufstand, damit die Errichtung der Sowjetmacht in Rußland vor. Auf ihn geht auch der Regierungsname "Rat der Volksbeauftragten" zurück.

Leistungen und Fehlleistungen. Kampf bis zum Ausstoß aus Partei und Land

Trotzkis Tätigkeit als Volkskommissar des Äußeren 1918 in Brest-Litowsk steht im Zwielicht. Bekanntermaßen weigerte er sich, den von Deutschland diktierten Raubfrieden sofort zu unterzeichnen, und verkündete mit der Formel "Weder Krieg noch Frieden" Rußlands Auszug aus dem ersten Weltkrieg, worauf die deutschen Truppen ohne Widerstand zu finden losmarschierten und dem Land noch härtere Bedingungen aufzwangen. Daß sein Verhalten falsch und Lenins Plädoyer für unverzügliche Unterzeichnung richtig gewesen war, hat er später selbst eingeräumt. Sein Brester Vorgehen als Verrat hinzustellen ist schon deshalb verfehlt, weil Trotzki beim Ablehnen des Diktatfriedens im Einvernehmen mit der Mehrheit des bolschewistischen Zentralkomitees handelte. Darüber hinaus befand er sich insoweit auch mit dem damaligen Koalitionspartner, den Linken Sozialrevolutionären, im Einklang.

Im Folgenden wird vom Interventions- und Bürgerkrieg die Rede sein. Beginnen möchte ich mit zwei besonders dummen sowjetfeindlichen Fehlurteilen. Das eine stammt von dem "gewendeten" Philosophieprofessor Generaloberst Wolkogonow. Es besagt, Trotzki, der als oberster Kriegskommissar im Panzerzug durch Rußland fuhr, sei demnach "sehr um sein Leben besorgt" 24, also doch wohl feige gewesen. Das andere Fehlurteil fällte "Schwarzbuch"-Herausgeber Stéphane Courtois. Es lautet, paradoxerweise habe vorher "kein bolschewistischer Führer am Krieg teilgenommen, sei es, weil sie im Exil waren, wie Lenin, Trotzki und Sinowjew, sei es, daß sie in das hinterste Sibirien verbannt waren, wie Stalin und Kamenew. In ihrer Mehrzahl Akademiker oder Debattenredner ohne militärische Erfahrung, hatten sie nie an einem wirklichen Kampf mit wirklichen Toten teilgenommen. Bis zu ihrer Machtergreifung waren die Kriege, die sie ausfochten, verbaler, ideologisch-politischer Natur. Ihre Vorstellungen vom Tod, vom Massaker, von der Menschheitskatastrophe waren abstrakt. Diese persönliche Unkenntnis der Schrecken des Kriegs hat möglicherweise die Brutalität begünstigt", die Courteois ihnen nunmehr nachsagt. 25

Geschichtsnotorisch ist demgegenüber, daß in revolutionären Zeiten die bedeutendsten Heerführer meist keine gelernten Soldaten waren. Napoleon stellte innerhalb der französischen Revolutionsgeneralität die Ausnahme, nicht die Regel dar. Cromwell, ein Kriegsherr, der keine Schlacht verlor, war einfacher Landedelmann gewesen. Militärisch waren er und die meisten seiner Generalmajore genauso wenig vorgebildet wie Trotzki und viele seiner Mitstreiter. Der Letztgenannte hatte sich allerdings als Kriegskorrespondent beachtliche militärpolitische und militärstrategische Kenntnisse verschafft. Sein Panzerzug diente weniger seinem und seiner Gefährten Schutz als dazu, rasch an die jeweils gefährdetste Stelle zu kommen, um dort je nach Bedarf die Abwehr zu verstärken, der Truppe durch mitgeführte Ersatzteile oder Kriegsgerät auszuhelfen, zurückweichende Kämpfer an Fahnenflucht zu hindern und zum Angriff anzuspornen. Daß sich Trotzki nicht geschont hat, ist dutzend- und hundertfach verbürgt. Seine Leistungen als Volkskommissar für Heeres- und Flottenangelegenheiten sowie Vorsitzender des Obersten Kriegsrats 1918-1925 waren ähnlich bedeutend wie die als Organisator des Oktoberaufstands. Zu ihnen gehörte das erwähnte Eingreifen an vielen Fronten, wobei er in den meisten Fällen erfolgreich war - so 1918 bei der Verteidigung von Swijaschsk vor Kasan, 1919 bei der von Petrograd. Hinzu kam der Aufbau einer fünf Millionen starken Roten Armee aus dem Nichts heraus; denn vom zaristischen Heer war lediglich eine Division, die der lettischen Schützen, übrig geblieben.

In dem von Marschall Pilsudski provozierten Kriege zwischen Polen und Sowjetrußland 1920 wandte sich Trotzki intern mehrfach gegen die u. a. von Lenin geäußerte Absicht, die Revolution durch die Rote Armee nach Westen zu tragen. Er fügte sich aber der Regierungsmehrheit und polemisierte gar aus falsch verstandener Partei- und Staatsdisziplin gegen ein britisches Vermittlungsangebot, das Rußland einen günstigen Frieden in Aussicht stellte. Der Fortführung des Krieges nach der vor Warschau erlittenen Niederlage widersetzte er sich dann allerdings entschieden und mit Erfolg. In der anschließenden militärstrategischen Debatte wies Trotzki die Vorstellungen sowjetischer Generale über eine spezifisch proletarische Militärwissenschaft mit fortwährend offensivem Kriegsstil sowie die Forderung Tuchatschewskis zurück, einen internationalen Generalstab zur Leitung militärischer Operationen in aller Welt zu schaffen. Beachtung verdient seine Erkenntnis, daß der Interventions- und Bürgerkrieg allein wegen der Rückständigkeit Rußlands noch in quasi napoleonischen Formen ausgetragen wurde und mit einem hochtechnisierten "modernen" Krieg nicht gleichzusetzen war. 26 Stalin ist dies erst 1941 allmählich klar geworden. Da war es beinahe schon zu spät.

Eine Parallele zu den Auseinandersetzungen über proletarische Militärstrategie ergab sich, als 1921 die Kommunistische Internationale die verlustreichen mitteldeutschen Märzkämpfe zwischen revolutionär gesinnten Arbeitern und der Sicherheitspolizei auszuwerten hatte. Bucharin und namhafte Führer der KPD, so August Thalheimer, bejahten eine weiter fortzuführende "Offensivtheorie". Hingegen äußerte Trotzki übereinstimmend mit Lenin, die KI sei "verpflichtet, der deutschen Arbeiterschaft klipp und klar zu sagen, daß wir diese Offensivphilosophie als die größte Gefahr und in der praktischen Anwendung als das größte politische Verbrechen auffassen". 27 Beide setzten gegen erheblichen Widerstand die Ablehnung der Theorie und Annahme der auf Kooperation mit Sozialdemokraten beim Durchsetzen wichtiger Tagesforderungen gerichtete Einheitsfronttaktik durch. Trotzkis damaliger realistischer Standpunkt hinderte ihn allerdings nicht daran, im deutschen Krisenjahr 1923, als er gleich vielen anderen Führern mit Ausnahme Stalins an einen baldmöglichen Sieg der proletarischen Revolution im Herzen Europas glaubte, selbst in "offensivtheoretische" lllusionen zu verfallen. Einem Wunsch des KPD-Vorsitzenden Heinrich Brandler folgend, wollte er sogar die Rolle des Aufstandsführers übernehmen, um den "deutschen Oktober" zustandezubringen. 28

Auf wirtschafts- und sozialstrategischem Gebiet vollbrachte Trotzki Leistungen und Fehlleistungen gleichermaßen. Zu Ersteren zählt sein Vorschlag vom Februar 1920, ein Jahr vor Annahme der NÖP, von der Requisitionspolitik des Kriegskommunismus in der Landwirtschaft zu einer progressiven Natural-Einkommensteuer überzugehen. 29 Er wurde mit 11 : 4 Stimmen vom Zentralkomitee abgelehnt. Zu den Fehlleistungen gehört Trotzkis gleichzeitig verfochtenes Konzept, die Arbeit zu "militarisieren". Lenin zog anfangs mit. Weitergehenden Forderungen Trotzkis, kurzzeitig auch Bucharins von der Art, die Gewerkschaften "durchzurütteln" und zu "verstaatlichen", damit sie ihre Hauptaufgabe in Produktionssteigerungen statt Vertretung von Arbeiterinteressen sähen, stellten sich Lenin und die ZK-Mehrheit entgegen. Das Konzept war falsch und unsozialistisch. Doch kann es nicht zur Rechtfertigung der arbeiterfeindlichen Stalin-Strategie genutzt werden, wie das bisweilen von interessierter Seite versucht wird. Auch deshalb nicht, weil Trotzki zugleich mit der "Militarisierung" einen größeren Einfluß der Arbeiter auf wirtschaftliche Entscheidungen verlangte. Noch weniger kann Stalin wegen seiner späteren Berserkerpolitik durch Hinweise auf Forderungen der mit Trotzki verbundenen Linken bzw. Vereinigten Opposion von 1923/24 und 1926/27 nach beschleunigter Industrialisierung entlastet werden.

Nach mehrjähriger Verzögerung erschienen 1999 die Teile 1 und 2 des dritten Bandes der Trotzki-Schriften. Damit sind die programmatischen Forderungen der Opposition erstmals oder erstmals wieder in deutscher Sprache nachlesbar. Sie erweisen, daß die These prostalinistischer und bürgerlicher Kräfte, die Oppositionellen hätten dasselbe wie Stalin gewollt und kein brauchbares Gegenkonzept zu dem von ihm praktizierten "Aufbau des Sozialismus in einem Lande" entwickelt, rundweg falsch ist. Früher als jeder andere drangen Angehörige der Opposition darauf, die finanziellen Mittel zum dringend notwendigen Industrieaufbau durch höhere Steuern von den Besitzenden und eine Getreideabgabe von den Kulaken aufzubringen. Der Aufbau sollte einer Verbilligung industrieller Güter für den Austausch mit Agrarprodukten, der Stärkung des staatlichen Wirtschaftssektors, der Landesverteidigung und erneuter erfolgreicher Teilnahme am Welthandel dienen. Diese und andere Programmpunkte, darunter Aufbau und Festigung landwirtschaftlicher Genossenschaften bei strikter Freiwilligkeit des Beitritts, sind u. a. in Trotzkis Analyse der Sowjetwirtschaft und ihrer Entwicklungstendenzen von 1925, einer Erklärung der Vereinigten Opposition vom Juli 1926 und dem Entwurf einer Plattform dieser Opposition vom September 1927 enthalten. 30 Die Industrialisierung sollte im Klassenkampf gegen inländische Ausbeuter und die Weltbourgeoisie sowie im Kampf gegen die einheimische Bürokratie realisiert werden und von einer Wiedergeburt der Partei- und Sowjetdemokratie begleitet sein.

Entgegen bürgerlichen und prostalinistischen Zweckbehauptungen hat die siegreiche Stalin-Fraktion der KPdSU nicht Punkte dieser Art, sondern das Gegenteil davon verwirklicht. Ihre Form der Planung, die auch durch wechselnde willkürliche Festlegungen jeweiliger "Hauptaufgaben" gekennzeichnet war, beruhte im Gegensatz zu der der Opposition wesentlich auf falschen Zahlen und gefälschten Resultaten. Während Trotzki für rücksichtslose Offenlegung der ökonomischen Gegebenheiten und wahrheitsgetreue Vergleiche mit der Wirtschaft führender kapitalistischer Länder eintrat, wurde unter Stalin alles verschleiert und jeder seriöse Vergleich unmöglich gemacht. Die Opposition zielte auf Rationalität und Effektivität der Investitionen; für Stalinbürokraten war dieser Gesichtspunkt drittrangig. Oppositionelle wollten in gewissem, keineswegs exixtenzgefährdendem Umfang die Kulaken, wohlhabenden Mittelbauern und NEP-Männer schröpfen, um Mittel für die Industrialisierung zu gewinnen. Stalin und seine Leute liquidierten diese Klassen und Schichten durch brutalste Repression. Die Opposition orientierte auf eine Wirtschaft mit zunehmend sozialistischen Tendenzen, auf Verteilung nach der Leistung und wachsende Gleichheit der Produzenten, das aber auf höherer statt niedrigerer Ebene. Unter Stalin wurden faktisch Sklaverei und Hörigkeit wieder eingeführt, die Ungleichheit gesteigert und Produkte entsprechend den unterschiedlich vorhandenen oder fehlenden Privilegien verteilt.

Nicht allein in dieser wichtigen Frage, auch in allen anderen waren die Vorstellungen Trotzkis und der Opposition kritisch-realistisch und marxistisch, eine Fortsetzung der Leninschen Strategie. In den Fraktionskämpfen ab 1923, die sie gleichwohl verloren, ging es ihnen vor allem um die Wiederherstellung der innerparteilichen Demokratie. Eben dabei begingen sie beachtliche, für sie selbst verhängnisvolle Fehler. Trotzki hatte wichtiges Terrain schon dadurch preisgegeben, daß er 1921 wie fast alle bolschewistischen Führer unter Vorantritt Lenins dem Verbot von Fraktionen und Gruppen in der Partei zustimmte. Rund zwei Jahre später war er nicht bereit, Lenins Vorschlag bzw. der Vereinbarung mit ihm entsprechend massiv gegen nationalchauvinistische Tendenzen der Gruppe um Stalin und gegen die vom selben Kreis forcierte innerparteiliche Bürokratisierung anzugehen. Stattdessen ließ er sich auf einen faulen Kompromiß ein, der mit zum Ergebnis hatte, daß das sogenannte Lenin-Testament und weitere wichtige Aufzeichnungen des sterbenden Parteiführers der KPdSU-Mitgliedschaft gegenüber verschwiegen wurden.

Als einem, der die durch Stalin abgesegnete "Geschichte der KPdSU (B). Kurzer Lehrgang" mehrfach genießen durfte, scheinen mir folgende durch Band 3 der Trotzki-Schriften belegte Fakten und Vorgänge bemerkenswert zu sein:

Erstens, daß nicht Trotzki, seine Anhänger und Verbündeten den Fraktionskampf begannen, sondern ihre Gegner - zunächst die Troika aus Stalin, Sinowjew und Kamenew, dann das Bündnis aus Stalin und Bucharin. Die sogenannten Trotzkisten der Linken Opposition ab 1923, die 1926/27 mit Kamenew, Sinowjew und weiteren Bolschewiki die Vereinigte Opposition bildeten, mußten sich ihrer Haut wehren. Zu illegalen Versammlungen, Druckschriften und Demonstrationen gingen die Oppositionellen erst über, als Unterdrückungsmaßnahmen sie dazu zwangen. Ihr Verzicht auf Fraktionstätigkeit zu einer Zeit, da sie noch relativ stark waren, war der kommunistischen Sache ebenso abträglich wie der Verzicht auf rechtzeitige Verwendung der erwähnten, gegen Stalin und die Bürokratie gerichteten Lenin-Dokumente.

Zweitens war die Opposition dadurch im Nachteil, daß sie sich auf Überzeugungsarbeit beschränkte, wobei sie wie vordem die Aufklärer logisch-rational auf Basis der Wahrheit argumentierte. Ihre Widersacher nahmen auf Sachargumente nur Rücksicht, wenn ihnen das taktisch geboten schien. Sie scheuten nicht vor Lügen und Verdrehungen zurück. Im Gegensatz zur Opposition stand ihnen der gesamte Propagandaapparat zur Verfügung. Anfangs, im Dezember 1923, war die "Troika" noch nicht sehr stark. Sie fand sich daher zu einer "Resolution über den Parteiaufbau" 31 bereit, in der vorwiegend Trotzki seinen Standpunkt durchsetzen konnte. Die Entschließung hatte strikte innerparteiliche Demokratie und Wahl statt Ernennung der Parteisekretäre zum Inhalt. Als Trotzki jedoch dies Ergebnis mittels "Prawda"-Artikeln und der Broschüre "Der Neue Kurs" zementieren wollte, gingen seine Gegner und der Apparat zur Konterattacke über. Taktische Fehler seinerseits wie die scheinbar schroffe Konfrontation von Parteijugend und Alter Garde durch ihn ausnutzend, diffamierten sie sein Tun als Fraktionsmacherei, ihn selbst als unverbesserlichen Menschewiken. Bald folgten Geschichtsfälschungen zu dem Zweck, Trotzkis Rolle während der Oktoberrevolution und im Bürgerkrieg herabzusetzen und die ihre zu erhöhen. Am Ende brüllten Stalins Kohorten oppositionelle Redner nieder und unterdrückten jede schriftliche Äußerung der Opposition. Ein Gegeneinanderabwägen von Argumenten durch die Partei war somit nicht mehr möglich.

Drittens lag ein wichtiges Handikap für die Opposition darin, daß sie in den Zwängen der bestehenden bolschewistischen Strukturen gefangen blieb. Sie wagte es im Gegensatz zu dem von Lenin gegebenen Beispiel erst relativ spät, sich über die Instanzen hinweg an einfache Mitglieder zu wenden. Schon gar nicht wagte sie an die parteilosen Massen zu appellieren. Gleichzeitig machte sich der Apparat das Faktum zunutze, daß Rußlands Arbeiter nicht mehr die von 1917, daß die nunmehrigen Arbeiter revolutionsmüde waren. Der Apparat stellte Trotzki als revolutionsbesessen hin und verwies auf die Theorie der permanenten Revolution. Er spekulierte, wie Trotzki es nannte, "auf die spießbürgerlichen oder halbspießbürgerlichen Stimmungen des schwerfällig gewordenen Teils der Arbeiterklasse, Parteimitglieder inbegriffen". 32 Stalins Pseudolehre vom "Aufbau des Sozialismus in einem Land" wirkte sich ähnlich aus. Durch sie erschien die Weltrevolution zwar weiter wünschenswert, prinzipiell aber für die sowjetische Entwicklung überflüssig.

Die Vorstellungen der Opposition, besonders Trotzkis, entsprachen dem Konzept eines demokratischen, nicht dem des bürokratischen Zentralismus. Hatte der Moskauer Parteisekretär Uglanow behauptet, das Wesen innerparteilicher Demokratie sei, der Parteiorganisation "die grundlegenden Aufgaben... rechtzeitig und korrekt zu stellen, damit sie gelöst werden können", sah Trotzki darin "die theoretische Formulierung des Parteibürokratismus als eines Systems, in dem die Partei nur Rohmaterial in den Händen des Apparats" ist. 33 Die im Programmentwurf der Komintern von 1928 enthaltene Stalinsche These über die Notwendigkeit der "strengsten revolutionären Zucht des demokratischen Zentralismus" konterte er mit den Worten, derart werde "umstandslos das neue, selbständige Prinzip der 'revolutionären Zucht‘ über den demokratischen Zentralismus, d. h. über die Partei gestellt". Die "Zucht" der bürokratischen Führung sei schon "zu einem schrecklichen Hindernis für die Entwicklung aller Parteien der Internationale geworden". 34 Treffend scheinen mir auch Äußerungen Trotzkis von 1927 zu sein, die besagen: "Das herrschende Parteiregime ist die Hauptgefahr. Denn es paralysiert die Hauptkraft des Widerstandes gegen den Feind... Sind einem Soldaten die Hände gebunden, dann ist für ihn das Gefährlichste nicht der Feind, sondern die Fessel." Und: Aktuelle Aufgabe Stalins sei es, die Partei durch Ausschluß der Opposition zu spalten und sie an "Methoden der physischen Vernichtung zu gewöhnen... Solche faschistischen Methoden dienen nur der blinden und bewußtlosen Erfüllung des sozialen Auftrags anderer Klassen." 35

Die Opposition und Trotzki hatten wohl auch darin recht, daß der proletarische Kern der Partei ihre Auffassungen akzeptiert haben würde, hätte er sie kennengelernt. 36 Gerade deshalb unternahm der Apparat alles, um die innerparteilichen Gegner mundtot zu machen. Stalin und er stützten sich zunehmend auf die Geheimpolizei. Sie beuteten gleichzeitig Fehler ihrer Kontrahenten aus, so Kamenews und Sinowjews Neigung zur Kapitulation und Trotzkis Neigung zu ungenügend bedachten Äußerungen. Beispielsweise erklärte er beim 13. Parteitag im Mai 1924: "Die Partei hat letzten Endes immer recht, weil sie das einzige historische Instrument ist, über das das Proletariat zur Lösung seiner fundamentalen Aufgaben verfügt"; und wenn sie "in Detailfragen unrecht" haben sollte: Right or wrong - "es ist meine Partei". 37 Stalin mokierte sich über den Unfug. Doch hatte ihm sein stärkster Gegner damit für später ein verheerend wirkendes Zuchtinstrument in die Hand gegeben. Gleichermaßen negativ für die Sache innerparteilicher Demokratie wirkten sich die Leugnung der Existenz des "Lenin-Testaments", zu der sich Trotzki 1925 unter Druck bereit fand, und seine sogenannte Clemenceau-Erklärung vom Juli 1927 aus. 38 Nicht minder als von Trotzkis Unbedachtsamkeiten profitierte der Generalsekretär von der Haltung Bucharins. Diesem graute vor Stalins Tücke und seiner Unbedenklichkeit beim Anwenden terroristischer Methoden. Er war aber nicht bereit, gemeinsam mit Trotzki für die Wiederherstellung der Parteidemokratie zu streiten.

Am Ende erlitten alle Oppositionellen, die der ersten wie die der zweiten, dritten und letzten Stunde, historisch schwerwiegende Niederlagen. Dazu gehörten in Trotzkis Fall nach dem Hinausdrängen aus wichtigen Funktionen der Parteiausschluß 1927, die Verbannung nach Alma Ata 1928 und die Ausweisung aus der Sowjetunion 1929. Die Vorgänge waren Bestandteil eines umfassenden konterrevolutionären Rückschlags aus den Reihen der Bolschewiki heraus auf die Oktoberrevolution. Sie hatten die Liquidierung der Lenin-Partei und aller politisch-gesellschaftlichen Fortschritte seit Februar 1917, den Rückfall in schlimmste Barbarei zur Folge.

Auseinandersetzung mit dem Stalinismus

Die theoretischen Resultate von Trotzkis Auseinandersetzung mit dem Stalinismus sind in einer größeren Zahl von Aufsätzen, vor allem aber in "Verratene Revolution" von 1936, dem letzten durch ihn fertiggestellten Buch, enthalten. Ein Beweggrund für das Buch war die Behauptung des Generalsekretärs des ZK der KPdSU (B), in der Sowjetunion habe der "Sozialismus in einem Lande", den er, Stalin, 1924 als Gegenstück zur Theorie der permanenten Revolution kreierte, bereits gesiegt. Demgegenüber urteilte Trotzki unter Berücksichtigung der Realität und marxistischer Kriterien: "Die sowjetischen Eigentumsverhältnisse auf der Grundlage niedriger Arbeitsproduktivität: das ist lediglich ein Übergangsregime, dessen Schicksal die Geschichte noch nicht endgültig entschieden hat." 39 Beim Verteidigen des gesellschaftlichen Eigentums sei der Staat sozialistisch, bei der ungleichen Verteilung der Güter bürgerlich. Dementsprechend habe auch die Bürokratie, entstanden aus der Oberschicht des siegreichen Proletariats und Schichten der gestürzten Klassen, einen Doppelcharakter, trage sie fortschrittliche wie reaktionäre Züge. "Die Diktatur des Proletariats löst sich nicht in eine klassenlose Gesellschaft auf, sondern entartet zur Allmacht der Bürokratie über die Gesellschaft." Der Kampf zur Rettung der proletarischen Diktatur ist "vom Kampf gegen den Stalinismus untrennbar". 40

Die Sowjetbürokratie, so der Autor, "hat nicht nur die Linke Opposition besiegt. Sie siegte über die bolschewistische Partei. Sie siegte über das Programm Lenins, der die Hauptgefahr in der Verwandlung der Staatsorgane von 'Dienern in Herren der Gesellschaft' sah. Sie siegte über all diese Feinde - die Opposition, die Partei und Lenin - nicht mit Ideen und Argumenten, sondern vermöge ihres eigenen sozialen Schwergewichts. Das bleierne Hinterteil der Bürokratie wog schwerer als der Kopf der Revolution." 41 "Das Regime wurde 'totalitär', Jahre ehe dieses Wort aus Deutschland herüberkam." 42 Trotzki war besonders über das Geschick der Jugend besorgt. Er schrieb, selbstbewußte Charaktere könnten sich ohne Kritik nicht entfalten. "Doch der Sowjetjugend werden die elementarsten Möglichkeiten verwehrt, Gedanken auszutauschen, sich zu irren, eigene und fremde Fehler zu überprüfen und zu korrigieren. Alle Fragen... werden über ihren Kopf hinweg entschieden." 43 Hart beurteilte er gleichzeitig den Verrat, den die Bürokratie um ihrer Privilegien willen am Internationalismus und an der Weltrevolution übte, in China wie beim Pakt der Sowjetgewerkschaften mit der streikbrecherischen Führung der englischen Trade Unions, während der Volksfrontphase in Frankreich und Spanien, und den vom Apparat bewirkten Anschluß an das System des europäisch-asiatischen Status quo. 44 Im Ergebnis seiner Untersuchungen und der Erkenntnis, daß sich die Bürokratie nicht selbst reformieren kann, 45 zog der Verfasser den Schluß, allem Anschein nach sei eine zweite, politische Revolution gegen den bürokratischen Absolutismus unerläßlich. "Es handelt sich nicht darum, eine herrschende Clique durch eine andere zu ersetzen, sondern darum, die Methoden selbst zu ändern, nach denen Wirtschaft und Kultur geleitet werden. Das bürokratische Selbstherrschertum muß der Sowjetdemokratie Platz machen. Die Wiederherstellung des Rechts auf Kritik und wirklich freie Wahlen ist die notwendige Vorbedingung für die weitere Entwicklung des Landes. Das setzt voraus, daß den Sowjetparteien, angefangen mit der Partei der Bolschewiki, die Freiheit wiedergegeben wird und daß die Gewerkschaften wiederauferstehen. Auf die Wirtschaft übertragen, bedeutet die Demokratie die radikale Revision der Pläne im Interesse der Werktätigen. Die freie Diskussion der Wirtschaftsprobleme wird die aus bürokratischen Fehlern und Zickzacks resultierenden Kosten senken. Teures Spielzeug - Sowjetpaläste, neue Theater, protzige Untergrundbahnen - wird zurücktreten zugunsten von Arbeiterwohnungen. Die ‘bürgerlichen Verteilungsnormen' werden auf das unbedingt Notwendige zurückgeführt werden, um in dem Maße, wie der gesellschaftliche Reichtum wächst, der sozialistischen Gleichheit Platz zu machen. Die Titel werden sofort abgeschafft, der Ordensplunder wird in den Schmelztiegel wandern. Die Jugend wird frei atmen, kritisieren, sich irren und reifen können. Wissenschaft und Kunst werden von ihren Ketten befreit. Schließlich wird die Außenpolitik zu den Traditionen des revolutionären Internationalismus zurückkehren." 46

Trotzki ging hier über das hinaus, was er bisher propagiert hatte. Mit der Forderung freier Wahlen, eines sozialistischen Mehrparteiensystems, vorheriger Diskussionen wirtschaftlicher Fragen mit den Massen und wiedererstehender tatsächlicher Gewerkschaften sprang er über den eigenen Schatten. Bemerkenswert ist andererseits sein Schluß, daß Stalinismus und Faschismus trotz tiefer Unterschiede ihrer sozialen Grundlagen symmetrische Erscheinungen sind: "Die Erstickung der Sowjetdemokratie durch die allmächtige Bürokratie geht, ebenso wie die Zerschlagung der bürgerlichen Demokratie durch den Faschismus, auf ein und dieselbe Ursache zurück - die Verspätung des Weltproletariats bei der Lösung der ihm von der Geschichte gestellten Aufgabe." 47 Speziell in unseren Tagen ist Trotzkis Rußland-Prophezeiung von Interesse: "Der Sturz der... bürokratischen Diktatur wäre, wenn keine sozialistische Macht diese ersetzt, gleichbedeutend mit einer Rückkehr zu kapitalistischen Verhältnissen bei katastrophalem Rückgang von Wirtschaft und Kultur." Eine siegreiche bürgerliche Partei fände unter den Spitzen der jetzt privilegierten Schichten "nicht wenig willfährige Diener". 48 Das Übergangsregime "könnte nur dem Kapitalismus weichen". Der aber wäre "ein Kolonial-Kapitalismus mit einer Kompradoren-Bourgeoisie, dessen Widersprüche eine fortschrittliche Entwicklung ausschlössen." 49 "Das alles würde natürlich mit Gott und altslawischen Ligaturen verbrämt... Und die Herausbildung einer kapitalistischen Schicht würde eine Proletarisierung und Pauperisierung solchen Ausmaßes bedeuten, daß die Vorgänge, die zum Jahr 1917 führten, davor verblassen würden." 50

Ein blutiger Strich

Zur Verfolgung der Marxisten in Sowjetrußland hatte Trotzki 1929 festgestellt: "Die bloße Proklamierung der Opposition zu einer konterrevolutionären Partei genügt nicht. Das nimmt niemand ernst. Ihm (Stalin) bleibt nur eins übrig: versuchen, zwischen der offiziellen Partei und der Opposition einen blutigen Strich zu ziehen. Er muß um jeden Preis die Opposition mit Attentaten, Vorbereitungen zum bewaffneten Aufstand usw. in Verbindung bringen." 51 Am 19. August 1936, zwei Wochen nach Abschluß der Arbeiten am Manuskript der "Verratenen Revolution", begann in Moskau ein Schauprozeß gegen das "trotzkistisch-sinowjewistische terroristische Zentrum", der erste in einer Reihe von Pseudogerichtsverfahren. Durch ein Geflecht ungeheuerlicher Lügen, sogenannte Geständnisse, die Experten der physischen und psychischen Folter aus wehrlosen Gefangenen herausgepreßt hatten, und deren jedes Maß übersteigende Verleumdung durch den Chefankläger und einstigen Lenin-Verfolger Andrej Wyschinski wurde eine von Genickschußurteilen zäsurierte Hetzpropaganda ohnegleichen in Szene gesetzt. Hauptangeklagter war und blieb Leo Trotzki. Doch wagte Stalin nicht dessen Angebot anzunehmen, sich unter den Bedingungen eines normalen Verfahrens der sowjetischen Justiz zu stellen. Die im Gerichtssaal anwesenden Delinquenten sollten die UdSSR laut Anklage nur deshalb gegründet haben, um sie baldmöglichst wieder zu zerstören; zwischendurch hätten sie die Vergiftung Stalins, Gorkis und der Bevölkerung ganzer Städte versucht, wirtschaftliche Sabotageakte verübt etc. Trotzki indes sollte als Agent Hitlers und des Mikado die Anschläge angeordnet haben. Vor allem sein Sohn Leo Sedow und er unternahmen ungeheure Anstrengungen, die Lügen zu widerlegen. Sie schafften es, fanden aber in einer Situation, die durch drohende Kriegsgefahr, scheinbar unüberwindliche Gegensätze zwischen der Sowjetunion und Hitlerdeutschland und das blinde Vertrauen zahlloser Antifaschisten in Josef Stalin gekennzeichnet war, weltweit kaum Gehör. 52

Vor der Dewey-Kommission zur Überprüfung der Moskauer Prozesse und in Artikeln traf Trotzki Feststellungen, die die Durchschlagskraft der Stalinschen Lügenkampagne bestätigten. So äußerte er, Millionen Menschen in der Welt identifizierten die Oktoberrevolution mit der Bürokratie, die Sowjetunion mit Stalins Clique, die revolutionären Arbeiter mit dem Kominternapparat. "Die moralische Autorität der Führer der Bürokratie und vor allem Stalins hängt in hohem Maße von dem Babylonischen Turm von Verleumdungen und Fälschungen ab..." 53 "Niemand, Hitler inbegriffen, hat dem Sozialismus so tödliche Schläge versetzt wie Stalin... Hitler hat die Arbeiterorganisationen von außen attackiert, Stalin - von innen. Hitler attackiert den Marxismus, Stalin... prostituiert ihn auch... Selbst die Worte Sozialismus und Kommunismus sind grauenhaft kompromittiert, seit wildgewordene Gendarmen unter der Titulatur 'Kommunisten' ihr Gendarmenregime Sozialismus nennen." 54 "Der Stalinismus entwickelte sich nicht organisch aus dem Bolschewismus, sondern entstand als dessen blutige Negation." 55

Die Sowjetunion bewertete Trotzki nun als bürokratisch deformierten Arbeiterstaat. Für manchen seiner wirklichen oder vermeintlichen politischen Nachfahren ist der Terminus heute noch verbindlich. Dabei nehmen sich Äußerungen von der Art, das Proletariat sei in Rußland weiter die herrschende Klasse, bzw. es sei eine gleichermaßen herrschende wie unterdrückte Klasse, 56 in seinem Munde seltsam aus. Zudem beharrte er lange Zeit darauf, daß zwar der Bürokratie der Staat und diesem die Produktionsmittel gehörten, sie aber dennoch keine Klasse, sondern nur eine Kaste sei. Schließlich, so seine Begründung hierfür, müsse sie das Staatseinkommen als Quelle ihrer Macht verteidigen, ohne das Recht, den Staat auszubeuten, vererben zu können. 57 Wie von selbst stellt sich hier die Frage, warum die Sowjetbürokratie, um Ausbeuterklasse zu sein, unbedingt den Kapitalisten gleichen mußte. Sahen Stalins Apparatschiks nicht eher denen eines asiatischen Despoten ähnlich, die ebenfalls vom Staatseigentum zehrten, ohne dessen Inhaber zu sein? Und hat nicht, um ein anderes Argument gegen den Klassencharakter der Bürokratie zu kontern, der von Stalin verehrte Zar Iwan der Schreckliche mit seiner Opritschnina genauso unter den Bojaren gewütet wie er gegen Teile des Apparats - beide Male, um Abteilungen der Mitregierenden im Zaum zu halten? Unter denen, die trotz eigener Teilerkenntnisse weiter an ein zur politischen Revolution fähiges und bereites russisches Proletariat glaubten, war mit in erster Linie Trotzki. Er irrte sich hierin. Seine Verdienste um die Erforschung der Sowjetgesellschaft werden durch solche Irrtümer und theoretischen Fehlleistungen nicht geschmälert. Analogien zwischen Stalinismus und asiatischer Despotie sind erst nach seinem Tode allgemein zur Sprache gekommen.

Zweifellos war Leo Trotzki der weitsichtigste Kritiker des Stalinismus. Doch reichte sein Horizont nicht in allem über den zeitgenössischen hinaus. So sah er in Stalins Fraktion und in diesem selbst, ihres taktisch bedingten zeitweiligen Manövrierens zwischen verschiedenen Flügeln und Gruppen an der Spitze wegen, simplen Zentrismus und ein mit der Parteirechten verglichen kleineres Übel. Zentristen könne man von Fall zu Fall unterstützen, die Rechte aber nie. Sie sei ein Transmissionsriemen für Einflüsse der bürgerlichen Klassen, vor allem der Kulaken, und der Weltbourgeoisie - Kräften, von denen der Revolution wirklich Gefahr drohe - auf die Partei. 58 Daß Stalinbürokratie und Geheimpolizei die inländischen Ausbeuterklassen auch physisch dezimieren, gleichzeitig aber die Arbeiter, Bauern und Intellektuellen versklaven, die von Lenin begründete Partei vernichten und eine neue Willkürherrschaft samt Straflager-Archipel etablieren würden, all das im Namen des "Marxismus-Leninismus", sah Trotzki nicht voraus. Er konnte es wohl auch nicht, da es viel zu ungeheuerlich war. Trotzki ließ sich aber entgegen anderen Zeitgenossen - von damals und von heute - nicht dazu verleiten, die stalinistische Diktatur, die damals auch der ursprünglichen Akkumulation in Rußland diente, mit vollendetem oder "Frühsozialismus" zu verwechseln. Schon 1928 vertrat er den Standpunkt, in der UdSSR sei ein partieller konterrevolutionärer Umschwung möglich, der sich "noch relativ lange hinter revolutionären Formen verbergen kann. Eigentlich hat dieser Umschwung aber schon entschieden bürgerlichen Charakter, so daß eine Rückkehr... zur Diktatur des Proletariats nur durch eine neue Revolution möglich wäre." 59

Nach Ausbruch des zweiten Weltkriegs räumte Trotzki erstmals ein, der Krieg im Westen müßte keine Revolution hervorrufen, es könnte dort auch eine bonapartistisch-faschistische bürokratische Ausbeuterklasse entstehen. Oder das Proletariat würde die Macht erringen, sie aber nach sowjetischem Beispiel der Bürokratie überlassen. "Dann", so der Verfasser, "wären wir gezwungen einzugestehen, daß der Grund für den bürokratischen Rückfall... zu suchen ist... in einer naturgegebenen Unfähigkeit des Proletariats, zur herrschenden Klasse zu werden. Dann müßte man rückblickend feststellen, daß die jetzige UdSSR in ihren Grundzügen Vorläufer eines neuen Ausbeuterregimes im internationalen Maßstab ist." Entweder sei "das Stalinsche Regime ein häßlicher Rückfall beim Umwandlungsprozeß der bürgerlichen Gesellschaft in eine sozialistische, oder es ist die erste Etappe einer neuen ausbeuterischen Gesellschaft. Wenn sich die zweite Prognose als richtig erweisen sollte, dann wird natürlich die Bürokratie zur neuen Ausbeuterklasse. Wie bedrückend auch immer diese zweite Perspektive sein mag, wenn das Weltproletariat wirklich unfähig ist, die Mission zu erfüllen, die ihm der Gang der Entwicklung auferlegt hat, so bleibt keine andere Möglichkeit, als offen einzugestehen, daß das sozialistische Programm... eine Utopie ist. Dann wäre offenbar ein neues ‘minimales' Programm notwendig - zum Schutz der Interessen der Sklaven einer totalitären bürokratischen Gesellschaft." 60 

Die Größe dieses Revolutionärs erweist sich ebenso darin, daß er eine für jeden Sozialisten niederschmetternde Variante weltgeschichtlicher Entwicklung ernsthaft in Erwägung zog, wie darin, daß er im ungünstigsten Fall sofort Partei für die Sklaven ergriff.

Faschismus und Einheitsfront

Nächst Trotzkis Konflikt mit dem Stalinismus war der mit dem Faschismus wesentlich. Wie wenige andere kommunistische Führer, so Clara Zetkin und August Thalheimer, war er sich über den ganzen blutigen Ernst der faschistischen Gefahr im klaren. Er warnte die deutschen Proletarier davor und riet zur unverzüglichen Bildung einer Einheitsfront im Leninschen Sinne. Trotzki begriff den Faschismus als Instrument zur Befestigung der Kapitalherrschaft, zugleich aber als Bewegung von unten, die das in der bisher schwersten Weltwirtschaftskrise gebeutelte und geschockte Kleinbürgertum zur sozialen Basis hatte. Unfähig zu selbständiger Politik, stellte es mit seinem lumpenproletarischen Anhang "menschlichen Staub" dar, der magnetisch von der Macht angezogen und durch den italienischen, mehr noch durch den deutschen Faschismus zum Rammbock gegen Arbeiterklasse und Demokratie zusammengepreßt wurde. Kommt der Nationalsozialismus ans Regierungsruder, so Trotzki an die deutschen Kommunisten, "wird er wie ein furchtbarer Tank über Eure Schädel und Wirbelsäulen hinweggehen". 61 Er hielt an der Gegnerschaft zur Sozialdemokratie fest, polemisierte aber mit aller gebotenen Schärfe wider die "Sozialfaschismus"-Theorie Stalins und der Komintern. Seine Auffassungen begründete er u. a. damit, daß sich die SPD auf Arbeiterorganisationen stütze und ihre Hauptarena das Parlament sei. Der Faschismus könne seine Macht dagegen nicht anders festigen als durch Zerschlagung der proletarischen Organisationen, sein System beruhe auf der Vernichtung des Parlaments. Für die Bourgeoisie stellten parlamentarisches und faschistisches System nur verschiedene Werkzeuge ihrer Herrschaft dar. Für Sozialdemokraten und Faschisten sei die Wahl des einen oder des anderen lebenswichtig. 62 

Während die SPD ihren Anhängern eine Großoffensive gegen Hitler versprach - aber erst dann, wenn er versuchen sollte, gewaltsam die Macht zu ergreifen, kündigte die KPD die Arbeitereinheit für den Fall an, daß der Faschismus gesiegt habe. Trotzki widersetzte sich solcher Kapitulationshaltung und forderte sofortige Aktionsbündnisse. Das bedeute eine "Politik der Annäherung an die Mehrheit der deutschen Arbeiterklasse und die Einheitsfront mit den sozialdemokratischen und parteilosen Arbeitermassen gegen die faschistische Gefahr" 63 "Man muß in der Tat eine vollständige Bereitschaft offenbaren, gegen die Faschisten einen Block mit den Sozialdemokraten zu schließen, in allen Fällen, wo sie auf diesen Block zugehen. Den sozialdemokratischen Arbeitern zu sagen: Werft Eure Führer beiseite und schließt Euch unserer ‘parteilosen' Einheitsfront" - d. h. der KPD-gesteuerten Antifaschistischen Aktion - "an, heißt noch eine hohle Phrase zu tausend anderen hinzufügen." 64 "Man muß der Sozialdemokratie den Block gegen die Faschisten aufzwingen... Keine gemeinsame Plattform mit der Sozialdemokratie oder den Führern der deutschen Gewerkschaften, keine gemeinsamen Publikationen, Banner, Plakate! Getrennt marschieren, vereint schlagen! Sich nur darüber verständigen, wie zu schlagen, wann zu schlagen und wen zu schlagen! Darüber kann man sich mit dem Teufel selbst verständigen, mit seiner Großmutter und sogar mit Noske und Grzesinski." 65 Wegen dieses Appells zur Vernunft und der Ansicht, gegen die Sozialdemokratie könnten Kommunisten erst nach dem Sieg über Hitler wirksam vorgehen, warf KPD-Vorsitzender Ernst Thälmann Trotzki vor, "die Theorie eines völlig bankrotten Faschisten und Konterrevolutionärs" zu vertreten. 66

Die kampflose Aufgabe aller Positionen der deutschen Arbeiterbewegung auch durch die KPD bei Hitlers Machtantritt verglich Trotzki mit der sozialdemokratischen Kapitulation vom 4. August 1914. Er verband das mit der leider irrigen Prophetie, in Deutschland sei "das unheilvolle Lied der Stalinschen Bürokratie jedenfalls zu Ende". 67 Den zweiten Weltkrieg und den Überfall auf die UdSSR sagte er ab 1933 voraus. Ebenfalls schon damals, als niemand sonst es wahrnahm, registrierte er Anzeichen einer Annäherung Stalins an Hitler. Nach der Preisgabe der Tschechoslowakei durch die Westmächte 1938 prophezeite er ein Abkommen zwischen beiden Diktatoren. Die Art der Teilung Polens 1939 durch Hitler und Stalin verurteilte er, begrüßte aber die Enteignungen in Ostpolen und dessen Anpassung an die Verhältnisse in der Sowjetunion. Auch rief er weiterhin zu deren Verteidigung auf. 68 

Keine Illusionen machte sich Trotzki - einer von ganz wenigen - über das Schicksal, das Europas Juden bevorstand. Im Dezember 1938 konstatierte er, die "nächste Entwicklung der weltweiten Reaktion" bedeute mit Sicherheit die physische Ausrottung der Juden. Entgegen vormals von ihm geäußerten Ansichten, die auf der Linie fortschreitender Assimilation lagen, plädierte er seit 1937 für das Recht der Juden auf Eigenstaatlichkeit. 69 

Dritte Emigration und Ermordung

Seine dritte erzwungene Emigration seit 1929 verbrachte Trotzki nacheinander auf einer der türkischen Prinzeninseln im Marmara-Meer, in Frankreich und Norwegen - dort zuweilen in strengem, von der UdSSR durch wirtschaftlichen Druck bewirktem Hausarrest - und in Coyoacán bei Mexico City. Stalin hatte bei der Ausweisung den Fehler begangen, Trotzki sein gesamtes Archiv mitnehmen zu lassen. Er sollte das bereuen, als ihm durch Geheimdienstagenten die jeweils neuesten Schriften seines großen Widersachers übermittelt wurden, z. T. noch vor ihrer Drucklegung.

Trotzkis wichtigste Arbeiten in jener Periode waren neben der "Verratenen Revolution" die Autobiographie "Mein Leben" und die dreibändige "Geschichte der russischen Revolution". Letztgenannte ist die bis heute farbigste und beste Darstellung zum Gegenstand. Sie weist Trotzki als einen marxistischen Historiker aus, dessen Held die denkenden und handelnden Massen sind. Hinzu kamen aus seiner Feder umfangreiche Fragmente einer geplanten Stalin- und das erste Kapitel einer Lenin-Biographie. Leider waren Trotzkis Tage vielfach mit Arbeit für die 1938 gegründete IV. Internationale angefüllt, die die bankrott gegangene Komintern ersetzen sollte, mangels Zulauf aber nicht dazu in der Lage war. Er hat diese Tätigkeit, die aus unermüdlichem Erläutern der "Linie" und Versuchen zur Schlichtung zwischen miteinander streitenden und oft auch zankenden Anhängern bestand, 1935 für wichtiger als alles andere in seinem Leben erklärt. 70 Auch in Anbetracht ihrer geringen, häufig widersprüchlichen Ergebnisse war sie das zweifellos nicht.

Zu den herausragenden Schriften in Trotzkis letzten Lebensjahren zählt das Manifest "Für eine unabhängige revolutionäre Kunst", das er 1938 gemeinsam mit dem Surrealisten André Breton erarbeitete. 71 Es sollte eine internationale Vereinigung progressiver Künstler zum Kampf gegen Stalinismus und Faschismus auslösen, was leider nicht gelang. Mit der Absage an jedes Eingreifen des revolutionären Staates ins intellektuelle gesellschaftliche Schaffen bekräftigte Trotzki darin Prinzipien, die seiner Tätigkeit in den 20er Jahren als zeitweilig führender Literatur- und Kunstkritiker der Sowjetunion und der Absage an den sogenannten sozialistischen Realismus in den 30er Jahren zugrunde lagen. In der Praxis war er nicht immer konsequent. So forderte er Alice Rühle-Gerstel, der Frau des ersten Liebknecht-Mitstreiters gegen die Kriegskredite Otto Rühle, ein Gedicht zu parteipolitischen Zwecken ab, blieb aber dabei erfolglos. 72

Sein letzter, unvollendet gebliebener Artikel und ein wenige Tage zuvor geschriebener Brief lassen Korrekturbereitschaft in einer Kernfrage politischer Strategie erkennen. Bisher hatte Trotzki an der Linie des revolutionären Defätismus festgehalten, die im allseits imperialistischen ersten Weltkrieg für alle linken Sozialisten verbindlich war. Sie hatte in Liebknechts Losung "Der Hauptfeind steht im eigenen Land" ihren knappsten und treffendsten Ausdruck gefunden. Trotzki machte hiervon allein durch die Pflicht, auf jeden Fall die Sowjetunion zu verteidigen, eine Ausnahme, von der er auch gegenüber Kritikern in den eigenen Reihen nicht abging. Nun handelte es sich darum, die Demokratie vor den Nazis zu schützen. In dem Zusammenhang äußerte er sich erstmals positiv zu Kriegsanstrengungen des stärksten kapitalistischen Landes, der USA. 73

Trotz zunehmender Isolierung Trotzkis fürchtete Stalin weiter den Einfluß des Mannes in Coyoacán. 1937 beauftragte er den hochgestellten NKWD-Agenten Spiegelglas, jenen umzubringen. 1939/40 entstanden und agierten unter der Regie des Vizechefs der NKWD-Auslandsabteilung, Pawel Sudoplatow, gleich drei Exekutionskommandos in Mexiko. 74 Berijas und Stalins Begründung für den Meuchelmordbefehl war, daß Trotzki und dessen Anhänger mit ihnen um die Führung der kommunistischen Bewegung stritten und "eine erhebliche Herausforderung für die Sowjetunion" seien. "In der trotzkistischen Bewegung", so Stalin zu Sudoplatow, "gibt es neben Trotzki selbst keine bedeutenden politischen Größen. Mit seiner Beseitigung ist auch die Gefahr beseitigt... Trotzki muß innerhalb eines Jahres, noch vor dem unvermeidlichen Kriegsausbruch, eliminiert werden." 75

Eines der Mordkommandos blieb in Mexiko in Reserve, das zweite drang am 24. Mai 1940 unter Führung des mexikanischen Malers und Obristen im spanischen Bürgerkrieg David Alfaro Siqueiros in Trotzkis Anwesen am Rande Coyoacáns ein. Es versuchte, zum Glück vergebens, Trotzki und seine Familienangehörigen - Enkel und Frau - mit Maschinengewehrfeuer, Brandbomben und einer Sprengladung zu töten. Der Exekutor des dritten Kommandos, Ramón Mercader alias Jacson oder Mornard, verschaffte sich als angeblich Sympathisierender Zugang zu Trotzki. Am 20. August 1940 fügte er ihm mit einer Spitzhacke tödliche Kopfverletzungen zu. Knapp 61 Jahre alt, starb Trotzki einen Tag später. Die verbale Kampagne gegen ihn, den wichtigsten Führer der Oktoberrevolution und Gründer des Sowjetstaates neben Lenin, wurde in der UdSSR und der "kommunistischen und Arbeiterbewegung" bis zum ruhmlosem Ableben beider fortgesetzt, wenn auch seit Chruschtschows Rede von 1956 um direkt kriminalisierende Anwürfe verkürzt. Leo Trotzki war der unbeugsame Kritiker jener Bürokratie gewesen, die sich als Fundament und Apparat einer antisozialistischen Diktatur unter roten Fahnen bewährte. Chruschtschow, Gorbatschow und Jelzin stellten Spitzenvertreter dieser elitären Kaste oder Klasse dar. Deshalb von ihrer Seite Trotzki-Schelte statt Nachruhm.



© Manfred Behrend, Berlin



Anmerkungen:

1  Die Arbeit beruht auf Vorträgen mit dem gleichen Titel, die am  23. 10. 1998 und 16. 9. 1999 gehalten wurden und im "Hintergrund",  Osnabrück, IV/98 bzw. als Ausgabe 7 der Reihe "Vielfalt  sozialistischen Denkens", Hrsg. Helle Panke zur Förderung  von Politik, Bildung und Kultur e. V., Berlin 1999, erschienen sind.

2 Isaac Deutscher: Trotzki II. Der unbewaffnete Prophet 1921-1929, Stuttgart 1962, S. 8.

3 Zit. nach Eberhard Czichon/Heinz Marohn: Das Geschenk. Die DDR im Perestroika-Ausverkauf, Berlin 1999, S. 295.

4 Leo Trotzki: Schriften zur revolutionären Organisation, Hamburg 1970, S. 73.

5 Leo Trotzki: Ergebnisse und Perspektiven. Die treibenden Kräfte der Revolution, in: Ders.: Die permanente Revolution. Ergebnisse und Perspektiven, Essen 1993, S. 191 ff.

6 Karl Marx/Friedrich Engels: Werke. Band 7, S. 218, gleichartig S. 90.

7 MEW. Band 36, S. 307.

8 Rosa Luxemburg: Massenstreik, Partei und Gewerkschaften, in: Dies.: Gesammelte Werke, Band 1/2, Berlin 1972, S. 147.

9 Ergebnisse und Perspektiven, a. a. O., S. 236 f. und 275.

10 J. W. Stalin: Werke. Band 6, S. 328.

11 Ebenda, S. 329.

12 Isaac Deutscher: Trotzki III. Der verstoßene Prophet, Stuttgart 1963, S. 112 ff.

13 Der 1951 beim Dietz Verlag Berlin erschienenen zweibändigen Ausgabe ausgewählter Redcen und Schriften Rosa Luxemburgs wurden Stalins Aufsatz und ein hierauf basierendes Vorwort Wilhelm Piecks vorangestellt.

14 Leo Trotzki: Hände weg von Rosa Luxemburg!, in: Permanente Revolution. Wochenschrift der Linken Opposition der KPD, Nr. 15, 23. Juli 1932, Nachdruck durch Sozialistische Aktion/AKP, Mönchengladbach, Januar 1999.

15 Julius Deutsch in: Ein weiter Weg, zit. Nach: Leo Trotzki in den Augen von Zeitgenossen, Hamburg 1979, S. 34.

16 Leo Trotzki: Die Balkankriege 1912-13, Essen 1995, S. 369.

17 Leo Trotzki: Europa im Krieg, Essen 1998, S. 44 f.)

18 Ebenda, S. 344.

19 Ebenda, S. 169.

20 Ebenda, S. 401.

21 Leo Trotzki: Der Krieg und die Internationale, in: Ebenda, S. 453.

22 W. I. Lenin: Werke. Band 21, S. 4 f. und 19.

23 Wortlaut des Manifestes in Leo Trotzki: Denkzettel. Politische Erfahrungen im Zeitalter der permanenten Revolution. Hrsg. Von Isaac Deutscher, George Novack und Helmut Dahmer, Frankfurt am Main 1981, S. 93 ff. Auch die Manifeste der ersten Kominternkongresse ab 1919 stammen aus Trotzkis Feder.

24 Dimitri Wolkogonow: Trotzki. Das Janusgesicht der Revolution, Düsseldorf-Wien-New York - Moskau 1992, S. 198.

25 Das Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen und Terror, München 1998, S. 802.

26 Isaac Deutscher: Trotzki I. Der bewaffnete Prophet 1879-1921, Stuttgart 1962, S. 442 und 451 ff.; Ernest Mandel: Trotzki als Alternative, Berlin 1992, S. 189 f.

27 Zit. nach Theodor Bergmann/Gert Schäfer (Hrsg.): Leo Trotzki - Kritiker und Verteidiger der Sowjetgesellschaft, Mainz 1993, S. 282.

28 Deutscher: Trotzki II, S. 144 f.

29 Leo Trotzki: Mein Leben. Versuch einer Autobiogrphie, Berlin 1990, S. 413 f.

30 Leo Trotzki: Schriften 3. Linke Opposition und IV. Internationale, Band 3.1 (1923-1926) und 3.2 (1927-1928), Hamburg 1999, S. 378 ff., 500 ff. und 891 ff.

31 Trotzki: Schriften 3, S. 648 ff.

32 Ebenda, S. 590.

33 Trotzki, Schriften 3, S. 488 f.

34 Ebenda, S. 1321 bzw. 1331.

35 Ebenda, S. 1018 bzw. 1036 f.

36 Ebenda, S. 1007.

37 Ebenda, S. 368.

38 Bolschewik, Moskau, 1. 9. 1925, bzw. Trotzki: Schriften 3, S. 855 f.

39 Leo Trotzki: Verratene Revolution, in Ders.: Schriften. Sowjetgesellschaft und stalinistische Diktatur, Band 1.2 (1936-1940), Hamburg 1988, S. 754.

40 Ders.: Probleme des Sowjetregimes, in: Ebenda, S. 455.

41 Ders.: Verratene Revolution, a. a. O., S. 789.

42 Ebenda, S. 796.

43 Ebenda, S. 854.

44 Ebenda, S. 891 f.

45 Leo Trotzki: Wohin führt die Stalin-Bürokratie die UdSSR? In: Ders.: Schriften, Band 1.1 (1929-1936), S. 578.

46 Trotzki: Verratene Revoloution, a. a. O., S. 988.

47 Ebenda, S. 979.

48 Ebenda, S. 955 f.

49 Leo Trotzki: Thermidor und Bonapartismus, in: Schriften 1.1, S. 227 f.

50 Ders.: Kurs auf Kapitalismus oder Sozialismus, in: Schriften 1.1, S. 176.

51 Fußnote 28 auf Seite 562 in Trotzki: Schriften 1.1, a. a. O.

52 Leo Sedow: Rotbuch über den Moskauer Prozeß 1936, Frankfurt/Main, 4. Aufl. 1988; Leo Trotzki: Stalins Verbrechen, Berlin 1990. Charakteristisch für die Gläubigkeit prominenter ausländischer Demokraten dem sowjetischen Diktator gegenüber Lion Feuchtwanger: Moskau 1937. Ein Reisebericht für meine Freunde, Berlin 1993.

53 Leo Trotzki: Wozu und warum diese Prozuesse? In: Ders., Schriften 1.2, a. a. O., S. 1056.

54 Ders.: Der Anfang vom Ende, in: Leo Trotzki, Schriften 1.2, a. a. O., S. 1100.

55 Ders.: Das Zentralkomitee, seine Zusammensetzung und die Geschichte des Bolschewismus, in: Ebenda, S. 1204.

56 Leo Trotzki: Verratene Revolution, a. a. O., S. 953; Weder proletarischer noch bürgerlicher Staat; in: Ders.: Schriften 1.2, S. 1133.

57 Trotzki: Verratene Revolution, a. a. O., S. 952 ff.

58 Leo Trotzki : Schriften. Band 3, S. 796, 1120 und 1349.

59 Ebenda, S. 1345.

60 Leo Trotzki: Die UdSSR im Krieg, in: Ders., Schriften 1.2, S. 1280 f.

61 Leo Trotzki: Wie wird der Nationalsozialismus geschlagen? 8. 12. 1931, S. 10.

62 Ders.: Was nun? Schicksalsfragen des deutschen Proletariats, 27. 1. 1932, S. 79 f.

63 Ders.: Die Wendung der Komintern und die Lage in Deutschland, 26. 9. 193l0, S. 14.

64 Ders.: Wie wird der Nationalsozialismus geschlagen? S. 7.

65 Leo Trotzki: Wie wird der Nationalsozialismus geschlagen? S. 7 f.

66 Isaac Deutscher, Trotzki III, S. 143.

67 Leo Trotzki: Die Tragödie des deutschen Proletariats, 14. 3. 193, in: Ders. Schriften über Deutschland, Frankfurt/Main 1971, S. 289.

68 Deutscher, Trotzki III, S. 424 f. und 434 f.

69 Theodor Bergmann/Gert Schäfer (Hrsg.) Leo Trotzki..., a. a. O., S. 302 f.

70 Das allerdings zusammen mit seiner ganzen antistalinistischen Oppositionstätigkeit. Deutscher: Trotzki III, S. 237,

71 Wortlaut in: Leo Trotzki: Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 503 ff.

72 Alice Rühle-Gerstel: Kein Gedicht für Trotzki. Tagebuchaufzeichnungen aus Mexiko, Frankfurt/Main 1979.

73 Deutscher: Trotzki III, S. 462 f.

74 Hierzu und zum Folgenden das Kapitel "Die Ermordung Trotzkijs" in: Pawel Antoljewitsch Sudoplatow und Anatolij Sudoplatow: Der Handlanger der Macht. Enthüllungen eines KGB-Generals, Düsseldorf 1994; ferner die Artikel Wolfgang Kieslings und Christiane Barckhausen-Canales in: Neues Deutschland, Berlin, 24. 5. und 23./24. 9. 1995.

75 Sudoplatow, S. 108 f.



Literatur von und über Trotzki

Deutscher, Isaac: Trotzki I Der bewaffnete Prophet 1879-1921
Ders.: Trotzki II Der unbwaffnete Prophet 1921-1929
Ders.: Trotzki III Der verstoßene Prophet 1929-1940
Band I und II Stuttgart 1962, Band III Stuttgart 1963

Mandel, Ernest: Trotzki als Alternative, Berlin 1992

Ranc, Julijana: Trotzki und die Literaten. Literaturkritik eines Außenseiters, Stuttgart, 1997

Trotzki, Leo: Denkzettel. Politische Erfahrungen im Zeitalter der permanenten Revolution. Hrsg. Von Isaac Deutscher, George Novack und Helmut Dahmer, Frankfurt a. M. 1981
Ders.: Die Lehren der deutschen Katastrophe 1933. Leo Trotzki antwortet auf die KPD. Faksimiledruck Coburg 1988
Ders.: Die permanente Revolution. Ergebnisse und Perspektiven, 1906/1928 , Essen 1993
Ders.: Drei Konzeptionen der russischen Revolution. Berlin 1975
Ders.: Geschichte der russischen Revolution, Teil 1-3, Frankfurt a. M 1973
Ders.: Hände weg von Rosa Luxemburg!Hrsg. Sozialistische Aktion/AKP, Mönchengladbach 1999
Ders.: Ihre Moral und unsere, Hrsg. Soz. Aktion/AKP, o. O. o. J.
Ders.: Literatur und Revolution, Essen 1994
Ders.: Mein Leben. Versuch einer Autobiographie, Berlin 1990
Ders.: Schriften 1. Sowjetgesellschaft und stalinistische Diktatur
Band 1.1 (1929-1936), Band 1.2 (1936-1940). Hrsg. Helmut

Dahmer, Rudolf Segall und Reiner Tosstorff, Hamburg 1988
Ders.: Schriften 2. China
Band 2.1 (1924-1928). Band 2.2 (1928-1940). Hrsg. Wieland
Bode, Helmut Dahmer, Horst Lauscher, Rudolf Segall, Reiner
Tosstorff, Rolf Wörsdörfer, Hamburg 1990

Ders.: Schriften 3. Linke Opposition und IV. Internationale
Bisher erschienen die ersten zwei Viertelbände
Band 3.1 (1923-1926), Band 3.2 (1927-1928). Hrsg. Helmut Dahmer,
Wolfgang Feikert, Horst Lauscher, Rudolf Segall, Reiner Tosstorff, Rolf Wörsdörfer, Hamburg 1999
Ders.: Stalins Verbrechen, Berlin 1990
Ders.: Wie wird der Nationalsozialismus geschlagen?

Auswahl aus Schriften über Deutschland.
Hrsg. Helmut Dahmer, Frankfurt a. M. 1971

Leo Trotzki 1879-1940. In den Augen von Zeitgenossen, Hamburg 1979

Leo Trotzki - Kritiker und Verteidiger der Sowjetgesellschaft.
Hrsg. Theodor Bergmann/Gert Schäfer, Mainz 1993

Trotsky Bibliography. An International Classified List of
Publications about Leon Trotsky and Trotskyism 1905-1998
Third,complitely revised and enlarged edition. Compiled and edited by Wolfgang and Petra Lubitz, München 1999

Nützlich zu einer ersten Kenntnisnahme von Leben und Werk Trotzkis sind:

Abosch, Heinz: Leo Trotzki zur Einführung, Hamburg 1990

Moneta, Jacob: Leo Trotzki - unbewaffneter, bewaffneter, ermordeter Prophet.
Hrsg. Grundsatzkommission der PDS, Berlin 1997

Serge, Victor Leo Trotzki. Leben und Tod, München 1981.
  Das Buchmanuskript wurde von Natalja Sedowa durchgesehen.










 

GLASNOST, Berlin 1992 - 2017