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Beiträge zur Geschichte  









Manfred Behrend

"In Spanien stand's um unsre Sache schlecht..."

60 Jahre nach dem Barrikadenkampf in Barcelona

60 Jahre post factum sind Vorgänge des Spanischen Bürgerkrieges, besonders die Kämpfe zwischen Faschismusgegnern unterschiedlicher Richtungen Anfang Mai 1937 in Barcelona, auf der Linken hart umstritten. Bei Vorgeplänkeln seit 1992 im "Neuen Deutschland" und während gesellschaftswissenschaftlicher Tagungen standen einander einerseits Kurt Hager und der ehemalige Offizier der spanischen Republikanischen Volksarmee Fritz Teppich, andererseits unter anderen der Anarchist Arthur Lehning, der sozialdemokratisch orientierte Historiker Wolfgang Wippermann, der Geschichtswissenschaftler und Mitherausgeber von Trotzki- Schriften Reiner Tosstorff und ich gegenüber. Der Streit eskalierte aus Anlaß einer Spanienkonferenz, die Bundesvorstand und Landesvorstand Berlin der PDS zum 24. November 1996 ins Karl-Liebknecht-Haus einberiefen. Die AG Republikanische Spanienkämpfer in der IV VDN blieb der Konferenz demonstrativ fern, weil sie erstens nicht in die Vorbereitungen einbezogen war, weil zweitens zu Veranstaltungsbeginn der Film "Land and Freedom" von Ken Loach gezeigt wurde, in dem die Problematik von 1937 die Hauptrolle spielt und den sie als "kraß tatsachenverfälschend" abqualifizierte, und weil ihr drittens vor allem Tosstorffs Referat über "Anarchisten und POUM versus moskautreue Antifaschisten" nicht behagte. Zudem behauptete sie, den Inszenatoren gehe es "gar nicht um den Spanienkrieg, vielmehr darum, die PDS im Hinblick auf deren Bundeskongreß Anfang 1997 auf bestimmte Gleise zu schieben".(1) Da das der inneren Logik nach "auf revolutionäre Gleise schieben" bedeutet hätte, vertiefte sie die These klugerweise nicht. Die Spanienkonferenz selbst war z. T. durch heftige Debatten zwischen Anhängern stalinistischer Geschichtsauffassungen und denen einer an Tatsachen orientierten Sicht gekennzeichnet. Sprachlich nicht astrein, aber lautstark wetterte einer der Erstgenannten: "Der Trotzkismus wird vor den Wagen der PDS gespannt - und die merkt's nicht mal!"(2)

Wahrheit und Legenden über die Maitage 1937

Die stalinistische Version ist ebenso alt wie die Vorgänge in Barcelona selbst. Das verleiht ihr den Schein einer feststehenden Tatsache, die zu beweisen nicht mehr nötig wäre. Die Legende wurde noch während der Kämpfe, teilweise sogar schon vorher ersonnen und vornehmlich von der Kominternpresse, aber auch durch fellow travellers in die Welt posaunt. Inzwischen findet sie sich in Publikationen zahlreicher Autoren, die häufig zwar in Spanien, nicht aber am Ort der Geschehnisse gewesen sind. Hierzu gehören auf deutscher Seite neben Teppich und Hager Karl Mewis, die Interbrigadisten Heinz Hoffmann, Ludwig Renn und leider auch Heinz Priess. Letzterer hätte den sonst in seinem Erinnerungswerk unternommenen Versuch, damals Geglaubtes kritisch zu überprüfen, konsequent weiterführen müssen.(3) Als Paradiesvogel mangelnder Wahrheitsliebe brillierte Alfred Neumann, wie Hager vormals Politbüromitglied der SED. Er verkündete: "Trotzkis Leute haben 1937 in Spanien von den Dächern auf die Maidemonstration geschossen."(4) Das aber konnten sie nicht. Wegen generellen Verbots gab es am 1. 5. 1937 keine Demonstration.

Die gängige Lesart stalinistischer Barcelona-Legenden bietet Teppich dar. In seinem Buch "Spaniens Himmel" schreibt er: "Während an den Fronten vor Madrid und Euzkadi im Frühjahr 1937 schwere Kämpfe tobten und die Aragon-Front im großen und ganzen abwartend verharrte..., wurde von Barcelona aus ein unverzeihlicher Anschlag auf das republikanische Hinterland ausgelöst... Die Putschbefürworter hatten vorsorglich ihre Parteigebäude befestigt und große Mengen Waffen der Front entzogen... Am 3. Mai eröffneten sie in Barcelona das Feuer. Durch die Stadt rast das Gerücht, den Faschisten solle von einer 5. Kolonne die Front geöffnet werden. Der konservative britische Historiker Hugh Thomas berichtet in seinem Buch 'Der spanische Bürgerkrieg' auf S. 331: 'Der deutsche Botschafter Faupel berichtete aus Salamanca nach Berlin, Franco habe ihm am 7. Mai gesagt, daß in Barcelona dreizehn nationalspanische Agenten tätig seien.'... Am 4. Mai griffen die POUM sowie ihre Anhänger in (den anarchistischen Organisationen) FAI und CNT Regierungs-, Partei- und Polizeigebäude der Republik an. Die Versorgung der Front war unterbrochen, die Rüstungsproduktion stand still. Die Soldaten an den Fronten waren empört. Von Valencia riefen die anarchistischen Minister Garcia Oliver und Federica Montseny über Radio zur Einstellung der Attacken auf. Dagegen forderte das POUM-Organ 'La Batalla': Revolution! Die Aufständischen versuchten, anarchistische Milizgruppen von der Front abzuziehen, um sie zum Kampf im Hinterland einzusetzen. Die Regierung entsandte Kriegsschiffe und Polizei. Am 8. Mai gibt die CNT-Führung die Parole aus: 'Weg mit den Barrikaden!' Der Anschlag auf die um ihre Existenz kämpfende Republik hat Hunderte von Todesopfern und Tausende von Verletzten gefordert. Der moralische Schaden wird nie überwunden."(5)

Zu Teppichs phantasievoller Schilderung nur dies: Die Kämpfe in Barcelona wurden nicht von Anarchisten und POUMisten ausgelöst, sondern durch ein Kommando der Sturmgarde, einer speziellen Polizeitruppe, unter Führung des zur KP-nahen katalanischen PSUC gehörenden Kommissars für Öffentliche Ordnung, Eusebio Rodriguez Salas. Ohne Vorwarnung versuchte es am Nachmittag des 3. 5. 1937, die Telefonzentrale der Stadt zu besetzen, die sich seit Niederschlagung der Faschistenrebellion ein Jahr zuvor unter Arbeiterkontrolle befand und von CNT-Milizionären bewacht wurde. Das Kommando stieß auf Widerstand und mußte nach einem Schußwechsel abziehen.

Barcelonas zumeist anarchistisch organisierte Arbeiter waren seit Wochen von der Provinzial- und Regionalregierung sowie der PSUC provoziert worden. Den Angriff auf die Telefónica faßten sie - wie sich zeigen sollte zu Recht - als Auftakt zur Liquidierung aller revolutionären Errungenschaften des Jahres 1936 in Katalonien auf. Sie strömten in die Innenstadt, errichteten Barrikaden und setzten sich zur Wehr. Wenn also von Putsch und "Anschlag auf das Hinterland" die Rede ist: Es standen weder POUM noch Anarchisten dahinter.

Deren Parteigebäude waren vorher keineswegs besonders befestigt worden. Sie starrten auch nicht von Waffen. Vielmehr gab es, wie der Augenzeuge und Mitkämpfer George Orwell berichtet, von Letzteren nur wenige.(6) Das wiederum war nicht verwunderlich. Die einzige Front, von der sich für Barcelona etwas hätte beschaffen lassen, war die in Aragon. Die aber litt chronisch an unzulänglichen und veralteten, bisweilen für die Kämpfer selbst lebensgefährlichen Waffen. Neue Waffen für das republikanische Spanien kamen vor allem aus der Sowjetunion. Sie wurden zwar an parteikommunistische Einheiten, die Volksarmee und die Polizei vergeben, nicht aber an CNT und POUM.

Die zuerst von Salas' Sturmgardisten Attackierten und ihre Genossen verteidigten sich, griffen aber in der Regel nicht an. Dennoch hatten sie zeitweise das Übergewicht. Dies lag sowohl an ihrer Zahl als daran, daß Teile der Zivilgarde kampflos die Waffen streckten. Volksarmee und Interbrigadisten blieben neutral. Auf der Gegenseite standen nur Sturmgardisten, Leute von der PSUC und dem bürgerlichen Estat Catala. Hätten Anarchisten und POUM den Angriff gewagt, wären sie Herren der Stadt geworden.

Die Versorgung der Front und die Rüstungsproduktion wurden nicht eingestellt, ebenso wenig übrigens der Telefonverkehr in und via Barcelona.

"La Batalla" forderte zwar im allgemeinen, keineswegs aber im besonderen "die Revolution". Die Parole, die Regierungen in Barcelona und Valencia zu stürzen, gab die Zeitung nicht aus. Auch versuchten "die Aufständischen" keine "Miliztruppen von der Front abzuziehen, um sie zum Kampf im Hinterland einzusetzen". Als rund 500 Soldaten aus POUM und CNT von sich aus ihren Kameraden in Barcelona zu Hilfe kommen wollten, wurden sie durch Vertreter ihrer eigenen Parteien und der Regionalregierung hiervon abgebracht.(7) Spaniens Zentralregierung in Valencia hingegen schreckte nicht davor zurück, 5000 glänzend bewaffnete Sturmgardisten von der Jarama-Front abzuziehen und nach Barcelona zu schicken.(8) Auf dem Weg dorthin räumte die Truppe verschiedentlich mit politischen Gegnern auf. Gleichzeitig taten sich im Schutze der Nacht in Barcelona selbst "Republikverteidiger" durch Morde, so an dem legendären italienischen Anarchisten Camillo Berneris und dem Sekretär der spanischen Libertären Jugend, Alfredo Martinez, hervor.(9)

Das Unterfangen, den angeblichen Hinterlandputsch in Barcelona mit Franco und dessen Agenten in Verbindung zu bringen, ist angesichts der entschieden antifaschistischen Haltung von Anarchisten und POUM verwegen und abgeschmackt. Teppich versucht sich bei anderer Gelegenheit davon zu distanzieren, schafft das aber nur zum Teil.(10) Zu gut paßt die Legende in das allgemeine Lügengewebe der Komintern und und des sowjetischen Geheimdienstes von den POUM-"Trotzkisten" als Helfern der Faschisten, das zeitgleich mit den Moskauer Schauprozessen fabriziert wurde und nach wie vor Bestandteil prostalinistischer Spanien- Argumentation ist. Weiter unten wird von ihm ausführlicher die Rede sein

Die Parole, alle bewaffneten Aktionen einzustellen und die Barrikaden zu räumen, gab die Führung der Anarchisten nicht am 8., sondern schon am 4. und 5. 5. 1937 aus. Sie stellte sich damit gegen die eigene Basis, die tagelang weiter auf den Barrikaden blieb. Nicht ohne Erfolg war die anarchistische Führung zugleich bemüht, der von draußen anrückenden Sturmgarde keine Hindernisse in den Weg zu legen. Als diese am Nachmittag des 7. 5. in Barcelona eintraf, hatten die Arbeiter resigniert und ihre Barrikaden eingerissen. Die Telefónica war von den Anarchisten geräumt, kurz danach entgegen den Waffenstillstandsvereinbarungen beider Seiten von der Polizei besetzt worden. Der kurze Zeit möglich gewesene Sieg der Revolutionäre gedieh zur vollendeten Niederlage.

So mühselig die Auseinandersetzung mit der stalinistischen Barcelona-Legende ist, so notwendig ist sie noch immer. Nicht um eingefleischte Dogmatiker zu überzeugen - die bleiben allen Fakten und Enthüllungen zum Trotz bei den alten Statements und verzichten auf jedwedes Abwägen und Nachdenken. Doch ist es wichtig, Sozialisten und potentielle Sozialisten für einen Kampf zu wappnen, der vornehmlich in Überzeugungsarbeit bestehen wird. Er erfordert Geschichtskenntnisse, auch solche über stalinistische Kniffe und Winkelzüge zum Schaden antifaschistischen Kampfes und der Revolution.

Spanien und die Volksfront

Die Maitage 1937 in Barcelona waren keine bloße Episode. Seit Beginn der zweiten spanischen Republik 1931 wurde der Staat von bürgerlich geführten Kabinetten regiert, Vertretungen einer Klasse, die wie in anderen Ländern historisch zu spät gekommen war und um so ängstlicher auf die nachdrängenden Klassen reagierte, stets bereit, sich mit der feudalen Reaktion zu verbünden. Den liberalen oder konservativen Regierungen gemeinsam war, daß sie Kernprobleme der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung vor sich herschoben oder nur zum geringsten Teil anpackten. Insbesondere handelte es sich dabei um das horrende reaktionäre Übergewicht der katholischen Kirche, der Grundherren und der Armee; um die Landarmut von Millionen Tagelöhnern und Bauern, die periodisch zu Hungersnöten führte; um die Rückständigkeit von Industrie und Verkehrswesen; um Spaniens Nationalitätenfragen und seine Kolonialherrschaft im Norden Marokkos. Zwischen den Regierungsparteien und großen Teilen des Volkes herrschten Spannungen, die sich immer wieder in Aufruhr und Streiks, 1934 im Aufstand der Bergarbeiter Asturiens entluden, der durch General Francisco Franco brutal unterdrückt wurde. Am Ende erschien Spanien immer weniger regierbar. Vom rechten Rand drohte der Faschismus, der anders als in Italien und Deutschland hier nur per Militärputsch die Macht erlangen konnte. Links bahnte sich Mitte der 30er Jahre eine Volksfrontlösung an.

Die Volksfront, aus Faschismusgegnern unterschiedlicher Klassen, Schichten und Parteien zusammengesetzt, hatte sich zuerst im Nachbarlande Frankreich herausgebildet; ihre Organisierung nahmen dort die Führer der Bürgerlich-Radikalen, Sozialisten und Kommunisten in die Hand.(11) Nach hartem Gerangel hinter den Kulissen erklärte 1935 die Kommunistische Internationale beim VII. und letzten Weltkongreß in Moskau die Volksfront zum erstrebenswerten Ziel. Sie kam damit dem Wunsch der sowjetischen Führung und Stalins nach, Bedingungen für ein Zusammengehen der UdSSR mit parlamentarisch regierten kapitalistischen Ländern, besonders England und Frankreich, gegen die von faschistisch regierten drohende Kriegsgefahr schaffen zu helfen. Vorwiegend indirekt und keineswegs konsequent kritisierte die Komintern während des Kurswechsels ihre ultralinke Politik in der vorangegangenen Phase seit 1928, die in Deutschland Hitlers Machtantritt begünstigt hatte, also die Mißachtung der bürgerlichen Demokratie und ihre Gleichsetzung mit Diktatur, den Kampf vornehmlich gegen die zu "Sozialfaschisten" erklärten Sozialdemokraten und die systematische Unterschätzung des tatsächlichen Faschismus. Die Kominternsektionen, darunter die kleine spanische PCE, übernahmen nach der alten die neue Linie und verlautbarten gegebenenfalls, so wieder die spanische Partei, ihre Bereitschaft zur Volksfront.

Interessant ist nun der Charakter des Programms, das die PCE im Zusammenhang damit im Sommer 1935 vorschlug. Es enthielt nicht nur Forderungen wie Ablösung der damaligen konservativen Regierung und Neuwahlen, Amnestie der politischen Gefangenen, Wiederherstelllung demokratischer Verhältnisse, Steuersenkungen für Arbeiter, Bauern und Angehörige der städtischen Mittelschichten, Einführung von Arbeitslosenunterstützung, Säuberung der Armee von Gegnern der Republik und Verbot faschistischer Organisationen. Vielmehr waren neben solchen nach Selbstbestimmungsrechten für Katalonien, Euzkadi (Baskenland) und Galicien sowie Entlassung Spanisch-Marokkos aus der Kolonialherrschaft auch die revolutionär-demokratischen Postulate: Enteignung des Großgrundbesitzes und kostenlose Übergabe des Bodens an Landarbeiter und Bauern darin enthalten.(12) An der Stimmung weiter Bevölkerungskreise gemessen waren sie real. Sie wurden in ähnlicher Form auch von der starken Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) erhoben.

Gleich dieser gab aber die PCE, als am 15. 1. 1936 ein Volksfrontabkommen mit den drei liberalen Parteien geschlossen wurde, ihre wichtigsten Forderungen, revolutionäre wie reformerische, preis. Das Kommuniqué hierüber weist aus, daß die Liberalen - Linksrepublikanische Partei, Republikanische Union und Kataloniens Esquerra - als bestimmende Kraft auftraten. "Die Republikaner", hieß es beispielsweise, "akzeptieren nicht das Prinzip der Nationalisierung des Bodens und seine kostenlose Verteilung an die Bauern." Stattdessen sei die Sicherheit des Grundbesitzes zu garantieren, solle (analog zu 1931) nur staatlicher Kauf von Boden und dessen Verpachtung an Landarme gestattet sein. Selbstverständlich waren die liberalen Republikaner für wirtschaftliche Expansion. Sie verwarfen aber "die Maßnahmen zur Nationalisierung der Banken, die von den Arbeiterparteien vorgeschlagen werden", desgleichen "die Beihilfe zur Arbeitslosigkeit (Arbeitslosenunterstützung)" und "die von der sozialistischen Delegation eingebrachte Arbeiterkontrolle". Auch duldeten sie weder programmatisch festgelegte Maßnahmen zur Demokratisierung der Armee, noch solche zur Dekolonialisierung Spanisch-Marokkos. Die zugunsten der Nationalitäten in Spanien getroffenen Maßnahmen beschränkten sich auf Wiederherstellung der katalanischen Halbautonomie und einer stärker zentralistischen Regelung für Euzkadi.(13) Alles in allem bedeutete das den programmatischen Verzicht auf eine demokratische Revolution. Auch an manchen ursprünglich liberalen Prinzipien gemessen waren die Vereinbarungen ein Rückschlag.

Es gab noch einen weiteren wichtigen Punkt, bei welchem Kommunisten und Sozialisten klein beigaben. Sie fanden sich im Hinblick auf die bevorstehenden Cortes-Wahlen mit einer gemeinsamen Kandidatenliste ab, die den Liberalen wesentlich mehr Mandate als den Arbeiterparteien zusicherte. Nach dem Wahlerfolg vom 16. 2. 1936 zogen Erstgenannte mit 162 Abgeordneten, die Sozialisten nur mit 99 und die Parteikommunisten lediglich mit 17 ins Zentralparlament ein. Die Anarchisten waren aus grundsätzlicher Abneigung gegen den Staat nicht angetreten, hatten aber vielfach für die Volksfront gestimmt. Die POUM war mangels Masse nicht in den Cortes vertreten. Insgesamt standen einander in diesem Parlament 278 Angehörige der Volksfront, 55 der Mittelparteien, von denen die zehn baskischen Nationalisten später zur Volksfront stießen, und 134 Angehörige des Rechtsblocks gegenüber. Das Regierungsruder lag in liberaler Hand.

Bis zum faschistischen Putsch vom 17. und 18. 7. 1936 in Spanisch-Marokko resp. Spanien war die Entwicklung auch dadurch charakterisiert, daß das Volk die politischen Gefangenen befreite, die Arbeiter mittels Streiks ihre Lage zu verbessern suchten, Bauern und Tagelöhner durch spontane Landnahme die Agrarreform vorantreiben wollten und 160 Kirchen in Flammen aufgingen. Die Regierung hatte die Gefangenenbefreiung nicht verhindern können, sperrte aber, um Eigentum und Privilegien der Herrschenden zu schützen, zahlreiche Linke und Anarchisten in Gefängnise. Die Organisationstätigkeit der Linksparteien wurde vielerorts verboten. Gegen Landbesetzer richteten sich Polizeiattacken, die wiederholt zu einem Blutbad führten. Analog zum chilenischen Allende-Kabinett wertete die spanische Regierung die Militärs zu "treue(n) Diener(n) der verfassungsmäßigen Macht und Bürgen des Gehorsams gegenüber dem Volkswillen" auf.(14) Sie bestritt jedwede Putschabsicht der Armee und tilgte durch den Zensor alle dem entgegengesetzten Hinweise aus der Presse. Bis zwei Tage nach Beginn des Putsches weigerte sie sich entschieden, Arbeiter zu bewaffnen, damit sie die Republik retten könnten, und suchte sich stattdessen mit den Putschisten zu arrangieren.

Spaniens Sozialisten halfen die Arbeiterbewaffnung durchsetzen. Daß sie vordem trotz deutlichen Linksrucks in den eigenen Reihen alles an Regierungspolitik geduldet oder mit exekutiert hatten, hing mit der generellen Rolle der Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert zusammen, Stütze bürgerlich-parlamentarischer Herrschaft zu sein. Doch machte diesmal auch die PCE diese Politik mit. Sie war als Kominternsektion gehalten, revolutionäre Ausbrüche im eigenen Land verhindern zu helfen bzw. ihnen entgegenzuwirken, damit Frankreich und Großbritannien nicht von einem Bündnis mit der UdSSR abgeschreckt wurden.

Bekanntermaßen ist damals dies Bündnis dennoch nicht zustande gekommen. Die Westmächte reagierten auf den spanischen Bürgerkrieg mit einer Franco, Hitler und Mussolini fördernden, der Demokratie in Spanien schadenden Politik sogenannter Nichteinmischung. Daher stellt sich die Frage, ob eine revolutionäre Entwicklung in Spanien nicht trotz damit verbundener Risiken für das Land und Europa besser gewesen wäre. Jedenfalls hätte es den Elan des Volkes im Kampf gegen die Putschgenerale und deren Helfer enorm erhöht, wenn dieses Volk Spaniens Geschicke bestimmt, wenn es Staat und Wirtschaft übergenommen hätte. Bei Fortfall des Kolonialstatus in Spanisch-Marokko wäre andererseits die Masse der Mauren schwerlich Franco dienstbar gewesen. Die einzig denkbare Reaktion von Marx, Engels, Lenin, Luxemburg und Trotzki auf eine Entwicklung nach Art der spanischen - das klare Ja zum Revolutionsversuch -, läßt sich ihren Werken entnehmen, Texten zur Revolution von 1848, zur Pariser Commune, zu den russischen Revolutionen seit 1905 und zur deutschen von 1918. Trotzki hat zur Zeit des spanischen Bürgerkrieges noch gelebt und sich ausführlich geäußert.(15) Den Ausgang einer Revolution in Spanien hätte kein Marxist voraussagen können, ebenso wenig wie den jeder anderen Revolution. Doch hätte das Ergebnis unmöglich schlechter ausfallen können als das, das mit der tatsächlich verfolgten konterrevolutionären Politik erreicht wurde.

Um glaubhaft zu machen, daß die Revolution in Spanien unmöglich resp. ein gefährliches Abenteuer gewesen wäre, hat Fritz Teppich auf die Cortes-Wahlen vom Februar 1936 verwiesen, die ein Stimmenverhältnis von rund 4,8 Millionen für die Volksfront, 3,99 Millionen für die "Nationale Front" der Rechtsparteien und 0,45 Millionen für die kleinbürgerlichen Parteien der Mitte ergaben. Ebenso verwies er auf die Tatsache, daß innerhalb der Volksfront Liberale und Basken in der Mehrheit waren. Eine "pseudorevolutionäre Machtergreifung", so sein Schluß, "hätte rasch in den Abgrund geführt".(16) Zu diesem Argument muß gesagt werden:

Von Ausnahmefällen wie dem Rosa Luxemburgs abgesehen, haben sich bekannte kommunistische Führer im 20. Jahrhundert kaum einmal durch ungünstige Mehrheitsverhältnisse von Machtergreifung und Machterhaltung abschrecken lassen. Manche fälschten lieber die Wahlergebnisse, um Volkszustimmung zu ihrem Tun und Lassen vorzutäuschen. Diese Denk- und Verfahrensweise war nicht nur unmoralisch, sondern auch dumm. Doch muß der Historiker stets von dem ausgehen, das passierte, nicht dem, das hätte geschehen sollen.

Das Ansehen der bürgerlichen Regenten Spaniens schwand nach der Februarwahl und besonders dem faschistischen Putsch, der mit als Folge ihrer Politik ausgelöst wurde, rasch dahin. Das Gros der Bourgeois und Adligen flüchtete ins Ausland oder in das von Franco besetzte Gebiet. Im republikanischen Spanien verblieb nur ein Teil ihrer politischen Vertreter, der sich nicht mehr direkt auf die von ihm repräsentierten Klassen stützen konnte und daher in höherem Maße angreifbar war. Als die Massen nach dem Franco-Putsch im Sommer 1936 Spanien, vor allem aber Katalonien und Aragon revolutionär umzugestalten begannen, scherten sie sich um Weisungen der Zentral- oder Regionalregierung den Teufel, konnten andererseits die Regierungen sie nicht an ihrem Tun hindern. Wäre damals neu gewählt worden, hätten offenbar die Linken gesiegt.

Revolutionäre Ansätze und Kampf zu ihrer Liquidation

Trotz faktischer Unterstützung durch mehrere liberale Volksfront-Regenten scheiterte im Juli 1937 der Versuch faschistischer Putschgenerale, Spanien in wenigen Tagen zu erobern. Zwar konnten sie sich im Nord- und Südwesten, angelehnt an ihren Verbündeten Portugal, festsetzen und von dort mit italienisch-deutscher Hilfe ab September ins Landesinnere vordringen. Doch gelang es am 19. 7. nahezu unbewaffneten Arbeitern, die Putschisten in Madrid, Barcelona, Valencia, Malaga und anderen Städten zu schlagen. Kurz danach gewannen anarchistische Milizen Aragon, eine ganze Provinz. Gleich der POUM half eine Eliteeinheit ihrer Truppen unter Durruti im November, die Hauptstadt gegen Faschisten zu verteidigen. Die Hauptarbeit leisteten hier allerdings kommunistisch geführte Einheiten und Interbrigadisten.

Die im Kampf errungenen Erfolge stärkten das Selbstbewußtsein vieler Arbeiter und Bauern Spaniens. Sie schlossen sich nicht nur in von ihren Parteien und Gewerkschaften geschaffenen Milizen zusammen, sondern bildeten auch Arbeiterpatrouillen anstelle der städtischen Polizei und Wachen zur Verteidigung der Dörfer. Gleichzeitig griffen sie ins Wirtschaftsleben und in die Produktion ein. Nachdem die Inhaber geflohen waren, übernahmen Arbeiter viele Fabriken. Andere unterstellten sie ihrer Kontrolle. Eine Reihe von Betrieben, so Hispano-Suiza, fertigte fortan dringend benötigte Rüstungsgüter. Von der anarchistische CNT-, z. T. auch von der sozialistischen UGT-Gewerkschaft und diesen zugehörigen Milizionären angeregt, schlossen sich besonders in Katalonien und Aragon Bauern und Landarbeiter in Agrarkollektiven zusammen. Das geschah großenteils freiwillig, in Einzelfällen auch unter Druck. Generell erwies sich kollektive Arbeit produktiver als die individuelle, weshalb damals die Versorgung der Städte und der Front sichergestellt werden konnte. Einige besonders gut geleitete Kollektivwirtschaften reüssierten derart, daß sie Krankenhäuser, Schulen und Heime einrichten konnten. Werktätige kontrollierten das Verkehrswesen, die Lebensmittelversorgung, zahlreiche Restaurants, die Theater und Kinos. Mit den Ansätzen zur demokratischen Revolution einher ging die Veränderung der Lebensweise. Das äußerte sich u. a. darin, daß monatelang keine modisch gekleideten MüßiggängerInnen in den Straßen und Parks flanierten, Trinkgelder nicht gezahlt und angenommen wurden und der für Spanien typische Machotyp - z. T. auch an der Front - durch selbstsichere junge Frauen mit Gewehren über der Schulter in die Ecke gedrängt wurde. Nichts zu lachen hatten die verhaßten Kirchen. Genau wie mancher Adlige und Bourgeois bebten begüterte Dorf-Kaziquen ob des neuen, gottlosen Treibens vor Wut.

Auf betrieblicher und örtlicher Ebene bestimmten in großen Teilen Spaniens Fabrikkomitees, Milizeinheiten und Bauernräte. Die Zentralregierung hatte große Schwierigkeiten, sich durchzusetzen. In Katalonien, das wie Aragon am wenigsten unter Volksfronteinfluß stand - vielmehr gaben Anarchisten und POUM den Ton an - hatte die Generalitat genannte Regionalregierung unter Luis Companys erst recht nichts zu sagen. Hier vertrat seit 21. 7. 1936 das von Arbeiterparteien und Gewerkschaften organisierte Zentralkomitee der Antifaschistischen Milizen seinen Part an der Doppelherrschaft, damit zeitweilig wirkliche Macht. Die Arbeiterkomitees wurden indes auch hier nicht zentral zusammengefaßt, die liberale Regionalregierung im Amt belassen.

Außer Angehörigen der bisher herrschenden Klassen, deren Schwestern und Brüdern im kapitalistischen Ausland waren Teile der sozialistischen Partei und die Stalinistenführer über die Vorgänge in Spanien verdrossen. Letztere sahen in der Revolution, die sich anbahnte, eine Gefahr für die UdSSR. Revolutionäre Vorgänge konnten Großbritannien und Frankreich, die als Bündnispartner gewonnen werden sollten, irritieren, eine erfolgreiche Revolution in einem Land, das dem Rußland von 1917 in vielem ähnlich sah, Auswirkungen auf die Haltung der durch Stalins Politbürokratie geknechteten Arbeiter und Bauern in der Sowjetunion haben. Hier mußte gegengehalten werden. Dabei kam den Stalinisten zweierlei zupaß:

Erstens die Tatsache, daß - wie gesagt - im Kampf gegen revolutionäre Ansätze Interessengleichheit mit Spaniens herrschenden Klassen, dem Gros der Sozialdemokraten, zudem noch mit diversen anarchistischen Führern bestand. Strikt dagegen waren nur ein Teil des anarchistischen Lagers, besonders der Jugendverband und die "Freunde Durrutis", Gruppen linker Sozialisten, die POUM und eine winzige trotzkistische Gruppierung. Wer gegen die "Unruhestifter" vorging, war der Mehrheit genehm und wurde dafür honoriert.

Zweitens wirkte sich zugunsten der Stalinisten aus, daß sie beinahe das Monopol für Waffenlieferungen an die Spanische Republik hatten, denn sonst half nur noch Mexiko. In den ersten Bürgerkriegsmonaten hatte auch die UdSSR sich am Lieferembargo beteiligt, das die Westmächte im Zeichen ihrer Nichteinmischungspolitik gegen Spanien verhängten. Da aber Deutschland, Italien und Portugal weiter Franco versorgten, kündigte Moskau im Oktober 1936 die Teilnahme am Embargo. Waffenlieferungen an das republikanische Spanien boten verschiedene Vorteile. Einmal den, daß die Sowjetunion sich mit dem über 500 Tonnen schweren spanischen Goldschatz, den viertgrößten der Welt, bezahlt machen konnte und zudem noch einen Schuldschein über 110 Mill. Dollar kassierte.(17) Gleichzeitig waren die sowjetischen Waffen ein probates Mittel, Spaniens Politik zu beeinflussen. Die Verteilung dieser Waffen lag in parteikommunistischer Hand. Sie erfolgte nur an Moskau genehme Truppen. Anarchisten und POUM gingen leer aus. Wegen fehlender oder hoffnungslos veralteter Waffen konnten sie nach 1936 in ihrem Frontbereich nicht mehr offensiv werden, wurden dafür aber in der kommunistischen Presse und der der Interbrigaden mangelnder Kampfbereitschaft und Solidarität geziehen. Zugleich sind die Waffenlieferungen wiederholt als Mittel genutzt worden, spanische Entscheidungen zu verhindern, die der Sowjetunion nicht zusagten, und ihr genehme zu erzwingen.

UdSSR und PCE taten frühzeitig kund, daß sie gegen eine revolutionäre Entwicklung in Spanien waren.

Nachdem Anfang September 1936 unter dem Gewerkschaftsführer Largo Caballero (PSOE) eine Regierung mit sozialistischer und kommunistischer Beteiligung gebildet worden war - später kamen noch zwei anarchistische Minister hinzu -, schrieben Stalin, Molotow und Woroschilow am 21. 12. einen vertraulichen Brief an den spanischen Ministerpräsidenten. Sie empfahlen ihm, die Klein- und Mittelbourgeoisie für sich einzunehmen, "indem er sie gegen Konfiszierungen schützt". Caballero solle gleichzeitig die Eigentumsrechte und legitimen Interessen jener Ausländer respektieren, die (wie Engländer und Franzosen) die Franco-Rebellen nicht unmittelbar unterstützten. Den spanischen Liberalen möge er die Beibehaltung ihres Vertrauensmannes Manuel Azana als Staatspräsident, allgemein die Aufrechterhaltung des parlamentarischen Systems versprechen.(18)

Zuvor bereits versicherte der spätere Erziehungsminister Jesús Hernández, Herausgeber des PCE-Organs "El Mundo Obrero", in der Ausgabe vom 6. 8. 1936: "Es ist völlig falsch, daß die gegenwärtige Arbeiterbewegung... zum Ziel hat, eine proletarische Diktatur zu errichten. Man kann nicht sagen, wir hätten für unsere Beteiligung am Krieg ein gesellschaftliches Motiv. Wir Kommunisten... sind ausschließlich von dem Wunsch beseelt, die demokratische Republik zu verteidigen." PCE-Generalsekretär José Diaz erklärte am 5. 3. 1937 vor dem Zentralkomitee: "Zu Beginn mögen die verschiedenen übereilten Versuche zur 'Sozialisierung' und 'Kollektivierung', die sich aus einem unklaren Verständnis des gegenwärtigen Kampfes ergaben, durch die Tatsache gerechtfertigt gewesen sein, daß die Großgrundbesitzer und Fabrikbesitzer ihre Güter und Betriebe im Stich gelassen hatten, und daß es unter allen Umständen notwendig war, die Produktion aufrechtzuerhalten. Jetzt können sie im Gegenteil durch nichts gerechtfertigt werden. Da gegenwärtig eine Volksfrontregierung besteht, in der alle gegen den Faschismus kämpfenden Kräfte vertreten sind, ist so etwas nicht nur nicht erwünscht, sondern absolut unstatthaft"(19)

Um den konterrevolutionären Kurs zu rechtfertigen, wurden Krieg und Revolution als Antinomien einander gegenübergestellt. Gebetsmühlenartig wird von stalinistischer Seite bis heute dargetan, erst habe der Krieg gewonnen werden müssen, bevor über soziale Inhalte gesprochen werden konnte. Mir scheinen damals jene im Recht gewesen zu sein, die dialektisch statt antinomisch dachten - so linke spanische Sozialisten, die am 22. 8. 1936 in der "Claridad" konstatierten: "Der Krieg und die Revolution sind ein und dasselbe. Sie schließen sich nicht nur nicht aus oder behindern sich gegenseitig, sondern ergänzen und unterstützen sich. Der Krieg braucht zu seinem Triumph die Revolution im Hinterland, die den Sieg auf den Schlachtfeldern sicherer und begeisterter machen wird."

Der Eintritt von CNT und POUM in die katalanische Generalitat im September, der Anarchisten in die Zentralregierung im November 1936 schwächte die revolutionären Kräfte, da einige ihrer Vertreter nun "in der Verantwortung" waren. In Katalonien wurden per Dekret die lokalen revolutionären Komitees, dann auch die potentielle Arbeiterregierung - das Zentralkomitee der Antifaschistischen Milizen - aufgelöst. Die Befugnisse gingen an die Munizipalverwaltungen resp. die Minister für Verteidigung und Öffentliche Ordnung. Ein weiteres Dekret schränkte die Handlungsfreiheit kollektivierter Industriebetriebe ein und lieferte sie dem Druck der Banken aus. Am 12. 12. 1936 wurde im Schatten der sowjetischen Drohung, sonst keine Waffen für Spanien zu entladen, die bei weiteren Schritten nach rechts hinderliche POUM aus der Generalitat ausgebootet.(20) Danach lieferte Letztere die Lebensmittelversorgung an die PSUC aus, was durch deren Begünstigung bürgerlicher Geschäftemacher Preisanstieg nach sich zog. Gleichzeitig versuchte die Regionalregierung die Arbeiter zu entwaffnen und Arbeiterpatrouillen aufzulösen, wodurch sie Zusammenstöße zwischen diesen und der Polizei provozierte.

Analog zur Generalitat, jedoch mit größerem Nachdruck schränkte die Regierung Caballero revolutionäre Errungenschaften ein. Das Recht der Bauern auf Boden sollte fortan nur für Ländereien gelten, die bekannten Faschisten gehörten. Die Rechte der Fabrikkomitees in Valencia und Madrid wurden eingeengt. Zudem ermächtigte sich die Regierung zu Betriebsinterventionen.

Ein wichtiger Differenzpunkt zwischen Anhängern der Zentralgewalt inklusive PCE und PSUC einerseits, Anarchisten und POUM andererseits war die von Erstgenannten betriebene Entmündigung der Milizen und deren Eingliederung in eine straff von oben dirigierte Volksarmee. Diese war mit Eigenschaften bürgerlicher Truppen ausgestattet. So gab es wieder Rangabzeichen, Drill, unterschiedlich hohen Sold statt gleicher Bezüge, nahezu uneingeschränkte Befehlsgewalt der Offiziere und Privilegien zu deren Gunsten. Zugleich wurde die Macht der Politkommissare eingeschränkt, ihre Zahl verringert. Begründet wurde all das u. a. damit, daß vor allem anarchistische Milizen viel zu undiszipliniert seien, um richtig Krieg führen zu können. Dies Argument der Disziplinlosigkeit, auf das besonders Ludwig Renn an vielen Stellen seines Spanien-Buches zu sprechen kommt,(21) hat im Einzelfall etwas für sich. Doch will bedacht sein, daß sich manch anarchistische Einheit ausgezeichnet geschlagen hat, es andererseits Desertionen, Feigheit vor dem Feind und Verrätereien auch bei der Volksarmee, ja selbst bei Interbrigadisten gab. Stalinanhänger operieren zugleich mit der mangelnden Offensivtätigkeit an der Aragon-Front. Sie verschweigen den Grund hierfür, das gegen diese Front der Anarchisten und POUMisten wirkende Waffenembargo, und kolportieren stets erneut die damals ersonnenen Geschichtslügen, wonach die Anarchisten nicht kämpfen konnten und die POUM es vorzog, mit Faschisten zwischen den Fronten Fußball zu spielen oder Kaffee zu trinken.(22)

Darüber, wie es an der Aragon- und Huesca-Front wirklich aussah, haben zwei Augenzeugen, George Orwell und Waldemar Bolze (KPDO), berichtet.(23) Erschütternd ihre Schilderungen über den beängstigenden Mangel an Pistolen, Gewehren, Maschinengewehren und Handgranaten, an Patronen, die nicht nach jedem fünften Schuß steckenbleiben, sowie an Brennholz und Kleidung. Orwell merkt gleichzeitig an, Journalisten, die das Milizsystem verhöhnten, hätten selten darüber nachgedacht, "daß die Milizen die Front halten mußten, während die Volksarmee in der Etappe ausgebildet wurde".(24)

Wiederholt ist von stalinistischer Seite behauptet worden, Anarchisten und POUM seien durchweg gegen eine zentralisierte Armee und damit gegen eine vernünftige Kriegführung gewesen. Das trifft nicht einmal für alle anarchistischen Führer zu, erst recht nicht für die POUM. Von Zeitungsartikeln gleichen Inhalts abgesehen, legte deren Militärkonferenz vom Januar 1937 in Lérida fest: Ein Erfolg der gegenwärtigen Kriegführung hängt von der umgehenden Schaffung eines einheitlichen zentralen Oberkommandos ab. Die selbständigen Parteimilizen müssen einer revolutionären Armee Platz machen. Im Zusammenhang damit sind Soldatenräte das demokratische Organ der Masse.(25) Different ist zwischen Bürgerlichen, Stalinisten und Revolutionären nicht der zentrale Charakter der angestrebten Armee, wohl aber ihr revolutionärer Charakter, dazu die Frage, ob diese Armee autoritär geführt werden oder es bei aller Anerkennung der Notwendigkeit von Disziplin Mitspracherechte der Soldaten geben soll. Durch solche Mitsprache kann z. B. sinnloses Hinsterben auf aussichtslosem Posten, das es beim Militär häufig vorkommt, vermieden werden. Zugleich würde Begeisterung für die eigene revolutionäre Sache eine dringend notwendige zusätzliche Waffe gegen den technisch und ausbildungsmäßig überlegenen Feind sein.

Die Konflikte zwischen Revolutionären und Ordnungshütern in der spanischen Republik spitzten sich um die Jahreswende 1936/37 zu. Nachdem die kleine POUM-Gruppe in Madrid samt ihrer Presse verboten und der bekannteste Führer der POUM, Andres Nin, aus der katalanischen Regierung entfernt war, meldete am 17. 12. 1936 die Moskauer "Prawda": "Was Katalonien betrifft, so hat die Säuberung von Trotzkisten und Anarcho- Syndikalisten begonnen; sie wird mit derselben Energie gehandhabt werden, mit der sie in der UdSSR betrieben wurde." Damit spielte das Blatt auf jene berüchtigten Schauprozesse an, die im selben Jahr in Moskau begonnen hatten. Sie dienten dazu, Lenins engste Kampfgefährten zu liquidieren, waren aber gleichzeitig nur die Spitze eines ungeheuren und ungeheuerlichen Eisbergs.

Im März 1937 wurden in dem katalanischen Ort Sabadell alle in einer Flugzeugfabrik beschäftigten Ausländer verhaftet, darunter drei der KPDO zugehörige Deutsche. Anschließend übernahmen sowjetische Spezialisten die Leitung der Fabrik. Dadurch war gesichert, daß die Produktion, die gerade anlaufen sollte, in die "richtigen Hände" kam, also nicht der bislang ohne Luftunterstützung gebliebenen Aragon-Front dienen könnte, solange sie von Anarchisten und POUMisten gehalten wurde. Die Verhafteten wurden nach Valencia gebracht und dort von GPU-Agenten verhört - weniger über Fragen des Flugzeugbaus als darüber, welche Verbindungen zwischen KPDO und POUM bestünden. Gleichzeitig wurden die KPDOler als "Trotzkisten" tituliert und als "Gestapo-Agenten" verleumdet. "Ende März", so die Schlußfolgerung eines der Betroffenen, "waren also bereits Prozesse in Vorbereitung, die die getreue Kopie ihrer Moskauer Vorbilder waren, um die POUM in Spanien und die KP(O) in Deutschland vor den Arbeitermassen zu diskreditieren".(26)

Während Stalins NKWD sich schon damals in Madrid und Murcia Übergriffe leistete, entsandte der rechtssozialistische Finanzminister der spanischen Zentralregierung, Juan Negrín, bewaffnete Zollbeamte an die französische Grenze, damit sie den Anarchisten die Grenzkontrolle abnähmen. Sie provozierten bewaffnete Zusammenstöße mit mehreren Toten. Es folgten an verschiedenen Orten politische Morde und Strafexpeditionen der Polizei. Die Stimmung war so brisant, daß zum 1. Mai alle Versammlungen und Demonstrationen in Spanien untersagt wurden. Zwei Tage später löste der zur PSUC gehörende Kommissar für Öffentliche Ordnung, Salas, die Barrikadenkämpfe in der katalanischen Hauptstadt aus.

Weichenstellungen zur Vernichtung der POUM

Das Kräfteverhältnis im nichtfaschistischen Teil Spaniens hatte sich inzwischen erheblich gewandelt. Der unmittelbare Einfluß bürgerlicher Parteien, die seit September 1936 nicht mehr den Ministerpräsidenten stellten, war zurückgegangen. Ihre wichtigsten Anliegen allerdings - Wahrung und erneuter Ausbau kapitalistischer Verhältnisse - wurden weiter berücksichtigt. Formell dominierten die Sozialisten. In der Zentralregierung waren sie vor allem durch Largo Caballero und dessen Widerpart, den weiter rechtsstehenden Marine- und später Kriegsminister Indalecio Prieto, vertreten. Ihre Führer stützten sich außer auf die PSOE auf die 1,5 Millionen Mitglieder starke Allgemeine Union der Arbeiter (UGT), die in Spaniens Wirtschaft und Politik, partiell auch in der Armee wichtige Posten innehatte. Das Ansehen der Sozialisten litt unter den Rangeleien zwischen ihrem linken und rechten Flügel, vor allem aber durch das mit Regierungsgeschäften verbundene Abdriften nach rechts. Zudem war es der konkurrierenden PCE gelungen, der PSOE durch Zusammenschluß der sozialististischen und kommunistischen Jugend zu einer gemeinsamen Organisation den Jugendverband und durch Schaffung der Sozialistischen Einheitspartei Kataloniens (PSUC) Teile ihres katalanischen Klientels zu entziehen.

Die Kommunistische Partei war Hauptgewinnerin im neuen Spanien. Zur Zeit des Volksfrontabkommens 30 000 Mitglieder stark, wuchs ihr Bestand bis Dezember 1936 um mehr als 250 000, bis Juni 1937 auf eine Million. Ein Grund für diese Erfolge war das Ansehen, das die Partei durch die Verteidigung Madrids gewann. Der Nimbus der meist aus ausländischen Genossen bestehenden Internationalen Brigaden, nach wie vor auch der der Sowjetunion wirkte sich ebenfalls zugunsten der PCE aus. Vor allem war jedoch die Kursänderung hin zur Wahrung von Interessen der Kleinbürger und wohlhabenden Bauern wichtig. Vertreter dieser Kreise sowie Verwaltungs- und Militärangestellte strömten derart zahlreich in die Partei, daß sich deren Basis völlig veränderte und sie ihre konterrevolutionäre Politik mit größerem Nachdruck betreiben konnte. Parallel dazu wurde bei der PSUC eine aus Händlern, Gewerbetreibenden und Geschäftsleuten bestehende Föderation, die GEPSI, zum stärksten Rückhalt. Nicht nur durch ihre beiden Minister in der Zentralregierung, sondern auch durch die Besetzung zahlreicher Schlüsselpositionen in Verwaltung, Wirtschaft, den Geheimdiensten und der Zensurbehörde übte die PCE großen Einfluß aus. Unter den 750 000 Kombattanten der Republik nahmen die 120 000 Kommunisten z. T. hervorragende Posten ein, besonders im Offizierskorps.

Hauptverlierer im republikanischen Spanien waren Anarchisten und POUM, das aber aus unterschiedlichen Gründen. Den Erstgenannten bekam der Sündenfall ihrer Führer nicht - deren Beitritt zu Regierungen und eine großenteils zu Lasten ihrer Anhänger gehende Politik. Die seit 1910 bestehende Nationale Konföderation der Arbeit (CNT) war zwei Millionen Mitglieder stark und dominierte mit der ihr nahestehenden Iberischen Anarchistischen Föderation (FAI) Katalonien. Sie entwickelte sich jedoch immer mehr zum gelähmten Koloß. Charakteristisch für den Kurs vieler Anarchistenführer war Nachgiebigkeit den bürgerlichen, rechtssozialistischen und stalinistischen Bündnispartnern gegenüber. Das kulminierte während der Barrikadenkämpfe 1937, woraufhin Kämpfer der CNT und FAI wütend ihre Mitgliedsbücher zerrissen. Nach dem Bürgerkrieg sank der anarchistische Einfluß in den Keller.

Anders als die Anarchisten verhielt sich die im September 1935 entstandene Arbeiterpartei der Vereinigten Marxisten (POUM). Von stalinistischer Seite wurde sie nicht nur befehdet, sondern einem Vernichtungsfeldzug ausgesetzt. Die POUM rekrutierte sich aus von der PCE ausgeschlossenen "rechten" Kommunisten um Joaquín Maurín und von derselben Partei verstoßenen Linken um Andres (Andreu) Nin. Mauríns Anhänger waren zeitweilig im Arbeiter- und Bauernblock (BOC), die Anhänger Nins in der Kommunistischen Linken (IC) vereinigt. Nin war in Moskau ein angesehener Funktionär der Komintern und stellvertretender Vorsitzender der Roten Gewerkschaftsinternationale (Profintern) gewesen. Sein Anschluß an die linke Opposition brachte ihm jedoch Stalins Feindschaft ein. Mehrjährig Leo Trotzki nahestehend, trennte er sich von diesem, als Trotzki das Zusammengehen mit dem BOC verwarf und stattdessen für den Beitritt zur PSOE plädierte, um sie zu revolutionieren. In stalinistischer Sicht galten Nin und die POUM weiter als "trotzkistisch", d. h. das Allerschlimmste.

Zur Zeit des Franco-Putsches hatte die POUM 10 000 Mitglieder. Bis Dezember 1936 brachte sie es auf 70 000, um dann auf 40 000 zurückzugehen. In Katalonien übertraf sie an Anhängern die PSUC. Sie war maßgeblich bei den Milizen vertreten, gewann mehrfach Gefechte und nahm sowohl an der Gewinnung Aragons, als auch an dessen Verteidigung unter schwersten Bedingungen teil. Stalin und dessen Anhänger haßten die Partei, hatte sie doch von Anfang an die Moskauer Prozesse verurteilt und sich für das Asylrecht Trotzkis engagiert. Der sowjetische Generalkonsul in Barcelona, Wladimir Antonow-Owsejenko, attackierte die POUM als faschistisch, worauf sie öffentlich gegen die Verleumdung protestierte.(27) Am gefährlichsten erschien Stalin Andres Nin. Wie vordem Marx und Rosa Luxemburg, setzte dieser Diktatur des Proletariats mit Arbeiterdemokratie gleich, in der keine Organisation das Recht habe, ihrerseits zu diktieren.(28) Die damalige Sowjetunion beurteilte Nin dahingehend, daß dort "für die Arbeiter weniger Freiheit bestehe, sich zu äußern, als selbst in Hitlerdeutschland".(29) Er hoffte auf einen Sieg in Spanien, der "auch über eine Auswirkung auf Frankreich das innere Regime in der SU ändern könne".(30)

Spätestens seit Ankunft des bisherigen Chefs der sowjetischen Konterspionage, Alexander Orlow, im September 1936 in Spanien und dem Aufbau dortiger Filialen bereitete sich der Geheimdienst des NKWD auf einen Feldzug hinter den Fronten vor. "Wir dürfen nicht erlauben", instruierte der Leiter der Auslandsabteilung, Abraham Sluzki, seinen Untergebenen Orlow, "daß Spanien zum internationalen Lager aller antisowjetischen Elemente wird, die dort aus der ganzen Welt zusammenkommen... Wir dürfen nie vergessen, daß Anarchisten und Trotzkisten Konterrevolutionäre sind und man sie bis zum Letzten vernichten muß."(31) Mit fieberhafter Eile wurde der Aufbau des Geheimdienstapparates vorangetrieben. Neben sowjetischen Agenten gehörten ihm spanische und internationale Parteikommunisten an. Mit staatlichen, Partei- und Geheimdienststellen Spaniens war er so verwoben, daß seine Effektivität besonders hoch war und man ihn zugleich schwer von außen ausmachen konnte. Der spanische Servicio de Investigación Militar (SIM), welcher bald 6000 Mitarbeiter zählte und sich keineswegs auf Militärobjekte beschränkte, und sein katalanisches Gegenstück Servicio Secrete Inteligente (SSI) gehörten weitgehend dazu. Zuständig für Verfolgung, Verhaftung und Ermordung mitteleuropäischer, besonders deutscher Kommunisten und Sozialisten war eine SSI-Abteilung, die nach ihrem beim Auslandsbüro der PSUC beschäftigten Leiter "Servicio Alfredo Herz" genannt wurde. Führungskräfte in dem vielgestaltigen und vielgesichtigen NKWD- Apparat waren neben Orlow dessen Statthalter für Katalonien Ernö Gerö ("Pedro"), der zugleich den Vorsitzenden der PSUC "beriet" und später kurzzeitig der politische Chef im volksdemokratischen Ungarn wurde, ferner der die PCE-Führung instruierende Argentinier Codovilla und der Italiener Vittorio Vidali ("Carlos Contreras").

Der Apparat mischte sich bald in alle Bereiche des spanischen politischen Lebens und in das der Internationalen Brigaden ein. Er hatte eigene Haftlager, Folterkeller und Gefängnisse, die im Volksmund "Tscheka" genannt wurden, und ging meist ohne Wissen der spanischen Regierung vor. Über längere Zeit handelte er jedoch mit dem stillschweigenden Einverständnis mancher Minister und Beamter, hatten diese doch denselben "inneren Feind".(32)

Im Januar 1937 begann der Apparat, vor allem in Barcelona, ausländische Antifaschisten zu jagen. Im Laufe der Zeit fielen ihm gleich zahlreichen anderen folgende Personen zum Opfer: der Sozialdemokrat und Volksfront-Unterstützer Mark Rein, Sohn des Vorsitzenden vom russisch-jüdischen "Bund", Raphael Abramowitsch; Peter Blachstein vom "Neuen Weg", einer Abspaltung der deutschen Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP); die ehemaligen Trotzkisten Erwin Wolf, ein tschechischer Staatsbürger, und Kurt Landau, Österreicher; die deutschen Anarchisten Gustav Doster und Rudolf Michaelis; José Robles, ein Literaturprofessor aus Baltimore (USA); die KPDO-Mitglieder Waldemar Bolze, Karl Bräuning, Kuno Brandel und Hans Sittig sowie der frühere deutsche Interbrigadist Bernhard Rosner. Einige von ihnen wurden ermordet oder verschwanden, andere kamen mit Gefängnishaft davon.

Zur Jahreswende 1936/37 besuchte ein Spitzenfunktionär der KPD, Walter Ulbricht, insgeheim Spanien - offenbar, um die Verfolgung von "Trotzkisten" und anderen "unzuverlässigen Elementen" deutscher Zunge bei den Interbrigaden vorzubereiten.(33) Anfang April erschien Abraham Sluzki, damals höchster Chef des NKWD in Westeuropa, in Valencia. Mit Gerö prüfte er die Vorbereitungen zur "Maikrise" in der katalanischen Hauptstadt und begann, vorfabrizierte "Beweise" über die angebliche konterrevolutionäre und Spionagetätigkeit der POUM zu sammeln. Sluzki ließ den spanischen kommunistischen Minister Jesús Hernández zu sich in die sowjetische Botschaft bestellen, um ihn zur Mithilfe bei der geplanten Großaktion gegen den "Trotzkismus" zu veranlassen. Er erklärte, daß "Stalin persönlich sich für diese Affäre interessiert".(34)

Die Schläge des NKWD im spanischen Hinterland richteten sich gegen Antifaschisten unterschiedlicher Richtungen. Vor allem aber sollte die POUM getroffen werden. Sie war dem Allerhöchsten selbst entgegengetreten und hatte seinen Zorn erregt. Zudem schien es relativ leicht zu sein, sie zu isolieren, war sie doch ihrer revolutionären Haltung wegen auch bei anderen Volksfrontpartnern unbeliebt.

In Kenntnis der bereits eröffneten Verfolgungsjagd beriet die POUM-Exekutive am 3. 5. 1937 abends in Barcelona mit den anarchistischen Führern der Region über die Lage, die durch den Anschlag Salas' auf das Telefonamt und die spontane Gegenwehr der Arbeiter in entstanden war. Sie verwies auf folgende Alternative: "Entweder wir stellen uns an die Spitze der Bewegung, um den inneren Feind zu vernichten, oder die Bewegung scheitert und wir sind vernichtet."(35) Die Anarchisten setzten auf Verständigung mit den Angreifern. Nach den Kampftagen bewahrheitete sich die zweite Seite der Alternative: Die Bewegung schlug fehl, und die Revolutionäre wurden vernichtet.

Reaktion, Terror und ein verunglückter "Moskauer Prozeß"

Stalin-Anhänger, Bürgerliche und Rechtssozialisten verfolgten damals vier Ziele: Auflösung der in Katalonien noch vorhandenen Arbeitermilizen und volle Durchsetzung der Autorität der Volksarmee; Beendigung der Arbeiterkontrolle, besonders in strategisch wichtigen Zweigen; ein Roll back der Kollektivierung in Katalonien und Aragon; radikale Abrechnung mit POUM-"Trotzkisten" und anderen Befürwortern der Revolution. Für die Abrechnung machten sich in erster Linie PCE und PSUC stark.

Ein Hindernis für die Erreichung der gesteckten Ziele hatte schon die Caballero-Regierung weggeräumt. Gleichzeitig mit der Entsendung von 5000 Sturmgardisten nach Barcelona hob sie am 5. 5. 1937 die katalanische Autonomie in den Kernbereichen Verteidigung und Öffentliche Ordnung auf. Hierdurch war Gewähr gegeben, daß die Zentralgewalt bei ihrem weiteren Vorgehen nicht durch Regionalinstanzen behindert würde.

Das zweite, größere Hindernis war Spaniens Ministerpräsident selbst, der sich inzwischen aus politischem Selbsterhaltungstrieb gegen Moskau gewandt hatte.(36) Von Sowjetbotschafter Marcel Rosenberg mit dem Vorschlag bedrängt, PSOE und PCE zu verschmelzen, sagte Largo Caballero entschieden Nein. Er erzwang die Ablösung Rosenbergs und räsonnierte öffentlich - besonders mit Blick auf Moskaus Zuträger aus dem eigenen Kabinett, Außenminister Alvarez del Vayo - über "Schlangen des Verrats, der Illoyalität und der Spionage" zu seinen Füßen. Freunden erklärte er, sich in der Rolle eines Kapitäns zu fühlen, der SOS gefunkt hat und nun entdecken muß, daß seine Retter Piraten sind, die das ganze Schiff als Beute abschleppen wollen. Caballero begann die Armee von Parteikommunisten zu säubern und setzte in Madrid wieder eine zivile Verwaltung anstelle der PCE-beherrschten Verteidigungsjunta ein. Außerdem planten sein Generalstabschef und er einen militärischen Befreiungsschlag in Estremadura, um das faschistisch beherrschte Gebiet in zwei Hälften zu teilen und den Norden vom Nachschub aus Spanisch-Marokko abzuschneiden. Eben diese - damals aussichtsreiche - Offensive suchte Moskau zu verhindern, indem es die notwendigen Flugzeuge und Panzer verweigerte. Der bürgerliche, PCE-nahe General Miaja versetzte dem Unternehmen den Todesstoß, indem er erklärte, keine Truppen aus seinem Bereich dafür abstellen zu wollen.

Am 5. 3. 1937 trafen hohe Kominternfunktionäre und Alexander Orlow, die PCE-Exekutive, der Kommandeur der Interbrigaden André Marty und ein sowjetischer Botschaftsrat in Valencia zusammen. Während der Konferenz wurde Largo Caballero für unfähig erklärt, Krieg zu führen. Gegen den Einspruch von PCE- Generalsekretär Diaz und seines Genossen Hernández beschloß die Tagung, die dazu keineswegs befugt war, den Sturz des Ministerpräsidenten.(37)

Dessen Entmachtung begann während einer Kabinettssitzung am 15. 5., also nach den Barrikadenkämpfen. Die PCE forderte Caballero auf, einer Auflösung der POUM, der Konfiskation ihrer Radiostation, ihrer Druckereien und Gebäude, der Einkerkerung ihrer Exekutive und aller lokalen Komitees zuzustimmen, die die Erhebung in Barcelona unterstützt hatten. Caballero indes verweigerte die Unterdrückung von Arbeiterorganisationen und stellte klar, die Barrikaden seien weder gegen die Regierung gerichtet noch konterrevolutionär gewesen.(38) Doch traten nur die beiden anarchistischen Minister ihm zur Seite. Sozialisten und Bürgerliche folgten der PCE. Am 17. 5. erreichten sie im Verein mit ihr Largo Caballeros Rücktritt, am 18. 5. die Bildung eines neuen Kabinetts unter dem Rechtssozialisten Juan Negrín, das die PCE voreilig "El Gobernio de la Victoria", die "Regierung des Sieges", nannte. Weder Anarchisten und linke Sozialisten, noch Gewerkschafter waren darin vertreten.

Bevor gesondert auf die Verfolgung der POUM eingegangen wird, sollen hier politisch-gesellschaftliche Folgen des von Komintern und PCE initiierten Regierungswechsels verdeutlicht werden. Sie widersprechen der These Teppichs, wonach die revolutionären Errungenschaften in Spanien "über die gesamte Kriegszeit geschützt und bewahrt" wurden.(39)

Im ganzen Land bewirkte die Regierung 1937 eine Auflösung der antifaschistischen Sicherheitsräte, während gleichzeitig der Generalsekretär der Polizei, Gabriel Moron (PCE), allen Mannschaften verbot, faschistisch gesinnte Polizisten anzuzeigen. Die Regierung setzte eine Säuberung der Streitkräfte, aber auch der Volkstribunale von unliebsamen Linken und die Einrichtung von Sondergerichten gegen sogenannte Volksverhetzung durch. Diese waren nach sowjetischem Muster zu geheimen Sitzungen und zur Nutzung von Geständnissen als Beweismittel ermächtigt; sie durften ohne Wissen der Regierung Todesurteile fällen. Alle Radiostationen der Gewerkschaften und Parteien wurden durch polizeiliche Sonderkommandos geschlossen, die Zensur wesentlich verschärft und Kritik an der Sowjetunion verboten. Beim Wiedereröffnen der Cortes kehrten rechte politische Emigranten ins Parlament zurück. Gleichzeitig mit diesen Vorgängen wurde die Exekutive der UGT-Gewerkschaft aufgelöst, in der Anhänger Caballeros dominiert hatten, wurde er selbst auch als Gewerkschaftsführer entmachtet, unter Hausarrest gestellt und aus der UGT ausgeschlossen.

Speziell in Katalonien geschah Folgendes: die Auflösung der Arbeitermilizen und Arbeiterpatrouillen; eine Deklarierung des Kollektivierungsdekrets von 1936 als unverbindlich, hierauf folgend die Benachteiligung kollektivierter Industrie- und Handelsunternehmen, Maßnahmen gegen noch vorhandene Arbeiterkontrolle und erste Unternehmensrückgaben in der Nahrungsmittelindustrie; auf dem Land umfassende Strafexpeditionen der Asalto-Garden (Sturmgarden), oft zusammen mit Kaziquen, Grundherren und wohlhabenden Bauern, um die Agrarkollektive zu demontieren. "Die Methode der Unterdrückung", schrieb am 1. 8. 1937 die illegal erscheinende "Libertad", "ist immer dieselbe. Lastwagen voll Asalto-Garden fallen in das Dorf wie Eroberer ein. Unheimliche Registrierungsmaßnahmen in den Lokalen der CNT. Annullierung der Munizipalräte, in denen die CNT vertreten ist. Hausdurchsuchungen mit Plünderungen und Verhaftungen. Beschlagnahmung der Nahrungsmittel der Kollektive. Rückgabe des Landes an die alten Besitzer."(40)

Bislang existierte noch der Rat von Aragon, unter dem die dortigen Agarkollektive drei Viertel des Landes bewirtschafteten. Über seine Liquidierung im August 1937 liegt neben anderen Berichten der des Liquidators General Enrique Lister (PCE) selbst vor. Er beschreibt zunächst, wie Kriegsminister Indalecio Prieto (PSOE) ihm den Auftrag zur Auflösung des Rates gab und dabei zugleich versuchte, ihn hereinzulegen. Einerseits ermächtigte er Lister, nach Gutdünken zu verfahren, anderererseits verlangte er die Behandlung der unpopulären Order als Staatsgeheimnis. Lister schildert, wie er den Minister überlistete, und wie dann beim Anrücken seiner Division der anarchistische Rat von Aragon auseinanderstob. Danach erzählt er phantastische Geschichten über die vorangegangene "Terrorherrschaft". Die über Kollektivierung wirken teilweise so, als handle es sich um Episoden aus dem Stalin-Reich. Lister spricht von Spitzelei und Massenmord an Bauern, auch über versteckte Waffen und 298 im Vereinslokal der anarchistischen Jugend eingemauerte Schinken. Beweise für die Richtigkeit seiner Behauptungen, die er offenbar den Hetzartikeln damaliger parteikommunistischer Organe entnahm, tritt er nicht an. Zur Glaubhaftmachung bemüht er indes das Faktum, daß die Anarchisten nicht gegen solche Berichte protestiert haben.(41) Wie hätten sie das bei der damaligen rigorosen Zensur tun können? Mit keinem Wort geht Lister darauf ein, was er und die anderen Helden seiner Division eigentlich getan haben. Es war, wie andere Quellen uns verraten,(42) die Auflösung von Kollektivwirtschaften und gewählten Dorfräten, die Verhaftung ihrer Mitglieder, der des CNT-Regionalrats und dergleichen mehr. Kollektivierungsgegner begrüßten Listers Soldaten als Befreier. Doch berichtet einer der Stabsoffiziere: Die Leute merkten bald,"daß sie nur eine anarchistische Diktatur gegen eine kommunistische eingetauscht hatten".(43) Noch zu republikanischen Zeiten ging ein Großteil kollektiv bewirtschafteten Bodens an die früheren Inhaber zurück. Die Erträge haben danach abgenommen.

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg von Listers Aktionen gegen die "nationale Schande"(44) in Aragon war die vorangegangene Zerschlagung der anarchistischen und POUM-Milizen, die der Bevölkerung mithin nicht zu Hilfe kommen konnten. Besonders gegen die Soldaten der POUM gingen Regierungstruppen, vielfach unter PCE- oder PSUC-Befehl, mit großer Härte vor. Angehörige älterer Jahrgänge wurden meist ins Hinterland geschickt, viele dort verhaftet. Jüngere Kämpfer beorderte man in gefährlichste Positionen an der Front, wo sie durch faschistisches Feuer dezimiert wurden. "Das Gros der POUM-Milizen wurde nach seiner Rückkehr von längeren Gefechten in einem Hinterhalt von kommunistisch kommandierten Truppen umstellt und entwaffnet."(45)

Keineswegs außer acht zu lassen ist, daß das in einer Atmosphäre verlogenster Hetze der spanischen und internationalen parteikommunistischen Presse, zuweilen auch von fellow travellers, gegen Anarchisten und POUM ablief. In ehrabschneidender Weise wurden die Soldaten der Lenin-Division, ihre meist in Haft befindlichen Offiziere, ihre Partei und deren Führer zu politischen Verbrechern und Faschismushelfern abgestempelt. Vom Denunziationsaufruf im Zentralorgan der PSUC bis zu Folter und Mord übten die Sieger ein Terrorregime aus, wie das republikanische Spanien es bis dahin nicht erlebt hatte.

PSUC-Führer Miguel Valdés gab am 11. 5. 1937 die Parole aus: "Man muß Nin und sein Freundes-Grüppchen ausrotten."(46) Die kommunistische Presse verbreitete eine Flut von Lügen über angebliche Sabotagetätigkeit und Verbrechen der POUM, deren Verbindungen zur "Trotzkismus" und europäischen Faschismus. Mit gleicher Begründung wurde am 28. 5. das Parteiorgan "La Batalla" verboten.(47) Anschließend an die letzte Tagung der POUM-Exekutive verhaftete parteikommunistisch geführte Sonderpolizei auf Orlows Befehl am 16. und 17. 6. 1937 sämtliche Exekutivmitglieder. Sie wurden mit Ausnahme Nins im Hotel Falcón festgesetzt, dem zum NKWD-Gefängnis umfunktionierten bisherigen Sitz der POUM-Zentrale. Ihrer Führung beraubt, ist die Partei am 17. 6. illegalisiert, sind gleichzeitig ihre Milizen zerschlagen worden. Die Staatsanwaltschaft kündigte am 29. 7. ein Gerichtsverfahren gegen zehn Mitglieder des Exekutivkomitees an.

Bevor auf den Prozeß eingegangen wird, muß hier das Schicksal Andres Nins berichtet werden.(48) Ebenfalls am 16. 6. 1937 verhaftet, wurde er nicht ins Hotel Falcón gebracht, sondern insgeheim in eine "Tscheka" zu Alcalá de Henáres. Wiederholt gefoltert und verhört, gab er keine für das NKWD verwendbare Erklärung ab, sondern attackierte die PCE wegen Verschwörung. Derart durchkreuzte Nin den Plan, ihn vor einem spanischen Gericht als obersten politischen Bösewicht im Lande zu "entlarven". Zur selben Zeit häuften sich in der Öffentlichkeit Fragen nach seinem Verbleib, ordneten Spaniens Justiz- und das Innenministerium die Suche nach ihm an. Sicherlich nach Rückfrage in Moskau beschloß Orlow, Nin umbringen zu lassen. Ende Juni 1937 wurde dieser aus dem Geheimgefängnis geholt. "Carlos Contreras", später Leiter des Sturms auf Trotzkis Haus in Coyoacán bei Mexiko City sowie nach 1945 unter seinem wirklichen Namen Vittorio Vidali kommunistischer Senator, erschoß Nin im Park des Königsschlosses Pardo.(49)

Selbstverständlich sollte dieser Ausgang des Falles verschwiegen werden. Dazu ließ das NKWD Polizisten verschwinden, die mit dem Fall befaßt gewesen waren, und ersann das Märchen von Nins Flucht zu Franco nach Salamanca oder Hitler nach Berlin.(50) Als Beweise hierfür sollten Fahrkarten sowie eine angeblich in der Zelle aufgefundene Tasche mit deutschem Geld und Gestapo-Dokumenten dienen, die Tage davor aus amtlichen Archiven entwendet worden waren. Vor Ort schenkte kaum jemand dieser Lüge Glauben.

Die CNT erklärte am 19. 7., Nin sei ermordet worden. Spaniens Regierung hatte die Schmutzarbeit des NKWD und seiner Helfer bislang als nützlich zur Verhinderung revolutionärer Verhältnisse erachtet, sie geduldet und gedeckt, was Negrín übrigens weiterhin tat. Doch regte sich in ihren Reihen Widerspruch. Mehrere Minister wollten die Schmach eines eigenmächtig und verbrecherisch vorgehenden fremden Geheimdienstes im Lande, der sie überging und belog, nicht länger hinnehmen. Der Rechtssozialist Julián Zugazagoitia hätte gern gewußt, "ob ich als Innenminister von gewissen sowjetischen Technikern abhänge. Die Dankbarkeit, die wir der Sowjetunion schulden, darf uns nicht dazu verleiten, unsere persönliche und nationale Würde preiszugeben". Kriegsminister Prieto merkte an: "Die Sowjetrussen schicken uns Waffen, daher glauben sie, es sei alles erlaubt. Ganz anders wäre es, wenn die Waffen aus Frankreich oder England kämen."(51) Die Westmächte sahen aber die Verfolgung von Revolutionären nicht ungern und ließen sich dadurch keineswegs von ihrer Embargopolitik abbringen. Spaniens Minister setzten die Ablösung eines Mitverantwortlichen für Nins Entführung, den des Generaldirektors der Sicherheit Oberst Ortega (PCE), durch. Sie erreichten auch, daß POUM-Häftlinge in normale staatliche Gefängnisse überführt wurden. Doch blieb die Macht von Stalins NKWD im Lande erhalten.

Anarchistischen Angaben vom Juli 1937 zufolge waren allein in Barcelona 800 CNT-Mitglieder in Haft und 60 verschwunden. Ähnlich sah es bei den linken Sozialisten aus.(52) Von den Mitgliedern der weit kleineren POUM waren laut SAP seit Ende des Barrikadenkampfes nahezu 1000 eingekerkert worden, darunter fast alle Internationalen aus ihrer Umgebung.(53) Nach der legalen POUM-Zentrale wurde im April 1938 die illegale aufgespürt und festgesetzt. Die "Freunde Durrutis" waren inzwischen durch rechte Anarchistenführer preisgegeben und von der Regierung verboten worden.

"Wie unter Hitler" resp. "Fast wie unter Stalin", kommentierte der Zeitgenosse Felix Morrow die entstandene Situation.(54) Die beiden Spanien waren einander 1937 ähnlich geworden. Zufrieden war hierüber der britische Konservative Winston Churchill, ein Erzfeind der sozialen Revolution. Er schrieb: "Im Laufe dieses Jahres hat sich im Charakter der spanischen republikanischen Regierung eine sichtbare Fortentwicklung zu einem geordneten Regierungssystem und gleichzeitig zu geordneter Kriegführung vollzogen. Die Anarchisten" - konservativen Engländern waren diese Leute besonders verhaßt - "sind mit Feuer und Stahl unterdrückt worden."(55) Sozialistische Positionen vertrat demgegenüber der junge Willy Brandt, der nach einem Spanienbesuch der SAP-Führung berichtete: "Um die von ihnen erstrebte Monopolisierung der Führung zu erlangen, scheuen die Kommunisten keine Mittel. Doch in einer Situation, in der alles auf die Sammlung der Kräfte gegen Franco ankommt, müssen die Methoden der KP, der Verleumdung ihrer proletarischen Widersacher, der Hetze und des blinden Terrors gegen sie, der Absorbierung und Vernichtung aller anderen die Kampfmoral untergraben und lebensgefährlich für den antifaschistischen Krieg werden. Diese Methoden drohen die ganze internationale Arbeiterbewegung erneut zu vergiften und zurückzuwerfen, sie drohen die Ansätze einer einheitlichen Entwicklung in einen Scherbenhaufen zu verwandeln."(56)

Die nach Caballeros Sturz gebildete "Regierung des Sieges" erlitt 1937/38 mehrfach schwerste Niederlagen. Strebte ihre Vorgängerin noch die Zweiteilung des faschistisch besetzten Spanien durch eine Offensive an, die Moskau und Miaja verhinderten, so führte zur Zeit Negríns ein Vorstoß faschistischer Truppen quer durch Aragon im April 1938 dazu, die Republik zweizuteilen. Die Regierung hoffte nun, endlich die Gunst Englands und Frankreichs zu gewinnen und möglichst noch den Abzug von Francos Verbündeten aus Spanien zu bewirken, indem sie ein Beispiel gab. Daher verabschiedete sie im September/Oktober 1938 ihre besten Helfer, die Interbrigaden, von der Front und z. T. auch aus dem Land. Sie tat dadurch ein übriges, die eigene Niederlage mit herbeizuführen. Die Westmächte honorierten ihre Vorleistung nicht, Deutsche und Italiener blieben in Spanien. Zudem schlossen damals England und Frankreich mit Hitler das Münchner Abkommen. Es bedeutete nicht nur Preisgabe der Tschechoslowakei, sondern beschwor auch eine für die Sowjetunion gefährliche Situation herauf, die nämlich, daß demokratisch und faschistisch regierte Staaten gemeinsam gegen sie vorgehen könnten. Stalin reagierte mit der sukzessiven Annäherung an Deutschland. Er drosselte die Waffenlieferungen nach Spanien.

Auf der Pyrenäenhalbinsel reichte allerdings sein Engagement noch immer aus, einen Prozeß nach Moskauer Muster gegen die POUM zu initieren. Die dazu notwendigen "Beweise" wurden vom NKWD gefertigt. Zu den Glanzstücken zählte ein von kommunistisch organisierten Polizisten in Gerona aufgefundener Koffer voller Dokumente, die eine Kollaboration der POUM mit den Faschisten belegen sollten. Einige Dokumente trugen, um den Entdeckern die Arbeit zu erleichtern, das Siegel der Militärkommission der POUM. Noch gediegener war ein Schreiben, worauf mit unsichtbarer Tinte ein "A. N" als verläßlicher Agent für einen von der Fünften Kolonne der Faschisten beabsichtigten Aufstand benannt wurde. Polizeioberst Ortega, damals noch im Amt, erklärte dem Justizminister Manuel de Irujo, A. N. sei "natürlich Nin", worauf der Minister erwiderte, es wäre "wohl das erste Mal in der Geschichte der Spionage, daß ein gefährlicher Spion ein höchst kompromittierendes Dokument mit seinen Initialen versehe".(57)

Das Gericht im POUM-Prozeß tagte vom 11. bis 22. 10. 1938 in Barcelona.(58) Ankläger war Staatsanwalt José Gomis, ein NKWD-Agent, der bereits in vielen Fällen Todesstrafen erwirkt hatte. Das Tribunal stand unter erheblichem Druck Moskaus sowie von PCE und PSUC, die Front- und Betriebskampagnen mit Forderungen zu "konsequenter Abrechnung" mit den "Trotzkisten" organisierten. Ministerpräsident Negrín verlangte unter Hinweis auf Soldatentelegramme die Köpfe der Angeklagten. Zudem standen der Anklage Belastungszeugen mit wenig Skrupeln zur Verfügung, wobei es einigen allerdings an geistigen Fähigkeiten und elementaren Kenntnissen mangelte.

Zweck des Verfahrens war in stalinistischer Sicht die Aburteilung der Angeklagten wegen Urheberschaft für den Ausbruch der Barrikadenkämpfe 1937, Spionage für Franco und Hitler sowie Zusammenarbeit mit ihnen. Die von der POUM vertretene politische Richtung sollte hierdurch dauerhaft diskreditiert werden. Das Verfahren würde trotz mancher Mangelerscheinungen auf der Anklägerseite seinen Zweck erfüllt haben, hätte es nicht internationale Solidarität mit den Angeklagten gegeben und der Prozeß nicht im republikanischen Spanien stattgefunden. Trotz aller reaktionären Rückschläge war das immer noch ein halbwegs freies Land mit Menschen, die Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden wußten.

Vornehmlich französische Intellektuelle, darunter André Gide und Francois Mauriac, legten gegen das Verfahren Protest ein. Gleichzeitig scheiterte im Vorfeld des Prozesses der Versuch, durch Verknüpfung mit einem gegen Faschisten gerichteten Spionageverfahren ein Amalgam aus diesen und den POUM-Führern herzustellen. Justizminister Gonzáles Pena widersetzte sich dem Appell des spanischen Regierungschefs, die Angeklagten hinrichten zu lassen. Er wies den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes an, "alle Petitionen dieser Art in den Papierkorb zu werfen".(59)

In der Verhandlung bezogen die Vertreter der POUM-Exekutive, unter ihnen Julián Gorkin und Juan Andrade, Offensivpositionen. Sie widerlegten Lügen über angebliche Spionagetätigkeit ihrerseits und dergleichen mehr, verteidigten die eigene Handlungsweise während des Bürgerkriegs und der Barikadenkämpfe, beschuldigten das NKWD und Stalin der Provokation und des Mordes an Nin. Die Belastungszeugen erlitten eine Abfuhr. Eindrucksvoll wirkten hingegen die Entlastungszeugen - Francisco Largo Caballero, die ehemaligen Minister Federica Montseny, Manuel de Irujo und Julián Zugazagoitia sowie der frühere Botschafter in Paris, Luis Araquistain. Letztgenannter verwies auf den schlechten Eindruck, den das Verfahren im Ausland hervorgerufen hatte. Montseny betonte, die Angeklagten seien nicht für die blutigen Maitage verantwortlich. Caballero konstatierte, mehrfach zur Festsetzung der POUM-Führer und zum Verbot ihrer Partei angehalten worden zu sein, doch habe er "nicht fünfzig Jahre gekämpft, damit es möglich sei, Menschen durch Regierungsbeschluß und ohne Beweise zu verhaften".(60)

Das Urteil krönte den Prozeß, obwohl es im Hinblick auf die Strafen ungerecht war. Nachdem die Staatsanwaltschaft 30 Jahre für jeden Angeklagten gefordert hatte, erkannte das Tribunal auf 15 Jahre, z. T. darunter bzw. Freispruch. Die Strafen waren, was jeder wußte, allein durch außenpolitische Rücksichten bedingt. Das Gericht begründete diese Strafen auf schwejksche Weise. Es warf den Angeklagten vor, daß sie "ihre Partei überall durchsetzen" wollten und "fälschlich in der Zeitung La Batalla behauptet (hätten), die Regierung der Republik empfange von Moskau Befehle und verfolge alle, die sich diesen Befehlen nicht beugten".(61)

Im übrigen verabreichte das Gericht der Anklagevertretung und ihren Hintermännern schallende Ohrfeigen. Es konstatierte, daß die "Beweise" keine Aussagekraft hätten, die POUM legal funktioniert und sich durch Leistungen im politischen und militärischen Kampf bewährt habe, daß sie "ein starkes und altes antifaschistisches Ansehen" genieße, nicht Urheber des Zusammenstoßes am 3. 5. 1937 in Barcelona war und keine direkten oder indirekten Verbindungen, weder zu Franco noch zu polizeilichen und militärischen Stellen eines fremden Staates (Deutschlands), gehabt habe. Die von der Staatsanwaltschaft geltend gemachte Notverordnung mit rückwirkender Kraft betreffe ausschließlich Spionage und habe daher hier keine Geltung.(62)

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, sich vorzustellen, daß irgendein Schauprozeß in Stalins Bereich oder dem seiner Vasallen und Nachfolger so verlaufen wäre. Jene, die in der aktuellen Diskussion einen "Moskauer Prozeß" im republikanischen Spanien verneinen, haben Recht. Daß es aber keinen derartigen Prozeß gab, lag nicht an den Stalinisten und ihren Helfern, an Komintern oder NKWD, sondern an jenen, die deren Vorhaben durchkreuzten. Palmiro Togliatti ("Ercoli"), damals wichtigster Kominternvertreter in Spanien, wertete das Urteil als "skandalöses Resultat". Die Baseler "Rundschau" der Komintern beschränkte sich darauf, die Strafen mitzuteilen und dazu die vom Gericht abgewiesene Anklageschrift nachzudrucken, so als wären die Führer der POUM deswegen verurteilt worden. Die "Deutsche Volkszeitung" der KPD unterschlug den Ausgang des Prozesses.(63) Verfechter prostalinistischer Standpunkte folgen diesen Beispielen "parteilichen" Herangehens an eine unliebsame Angelegenheit bis heute. Meist verschweigen sie den Prozeß oder kennen ihn dank des Schweigens ihrer Vorläufer nicht. Wider besseres Wissen oder unwissentlich geben sie die damals von Stalinanhängern ersonnenen Propagandalügen so wieder, als handle es sich um die lautere Wahrheit. Das Prozeßprotokoll ist aufgefunden und 1989 erstmals veröffentlicht worden, leider nur in Spanisch.

Eine Woche nach Ende des Gerichtsverfahrens gegen die POUM brachen Francos Truppen in den Brückenkopf am Südufer des Ebro ein, der beim letzten offensiven Vorstoß der Republik im Sommer 1938 errichtet worden war. Am 15. 11. zwangen sie die Volksarmee, den Brückenkopf zu räumen. Nur 15 000 von zuvor fast 100 000 Kämpfern kehrten unversehrt aus dem "spanischen Verdun" zurück. Hohe Verluste hatten auch ihre Gegner erlitten, doch verfügten diese über wesentlich mehr Waffen, Flugzeuge, Geschütze und Soldaten. Am 23. 12. begannen sie die Katalonien-Offensive. Zwar hielt die anarchistische 26. Division dem Anprall stand, die 56., parteikommunistisch geführte wich jedoch im Januar 1939 zurück. Neue sowjetische Waffen kamen trotz kurzzeitiger französischer Grenzöffnung meist nicht mehr an. General Miaja, Kommandeur des Mittelabschnitts um Madrid, verweigerte wiederum eine Entlastungsoffensive. Ergebnis war die wilde Flucht republikanischer Truppen. Nur wenige, meist kommunistisch geführte Einheiten leisteten noch Widerstand. Barcelona wurde am 21. 1. kampflos preisgegeben, Katalonien bis zum 10. 2. 1939 gänzlich von Faschisten besetzt. Auf republikanischer Seite hatte allgemeine Demoralisierung den Feind begünstigt. Barcelonas letzter republikanischer Polizeichef urteilte, die Menschen wollten nicht mehr kämpfen, "weil diese Republik nicht mehr unsere Republik ist".(64)

Einziger Lichtpunkt in der Finsternis war, daß kommunistische und sozialistische Gefangene der Republik, so die POUM-Häftlinge, freikamen und den Mordgesellen faschistischer wie stalinistischer Couleur entrinnen konnten.

Um den Madrider Abschnitt einzunehmen, brauchte Franco keine militärische Offensive mehr. Hier meuterte auf republikanischer Seite der bisher als links geltende Berufsoffizier Oberst Casado. Mit rechten Flügelmännern aus PSOE und CNT bildete er eine Junta, die die großenteils schon im Ausland befindliche Regierung für abgesetzt erklärte. Der Junta gehörten keine Volksfrontpartner mit kommunistischem Parteibuch an, wohl aber der lange Zeit ihnen nahestehende General José Miaja. Mit Franco sollte nun verhandelt werden. Doch setzte der die bedingungslose Kapitulation der anderen Seite durch. Am 28. 3. 1939 zog er als Triumphator in Madrid ein. Am 1. 9. löste sein Schutzpatron Hitler den zweiten Weltkrieg aus.

Schlecht stand es nicht nur in Spanien

Ein Lied Ernst Buschs zum Ruhme der Interbrigaden beginnt mit den Worten "In Spanien stand's um unsre Sache schlecht". Busch bezieht sich auf den Spätherbst 1936, als faschistische Truppen Madrid bedrängten und nicht zuletzt - keineswegs aber wie in seinem Lied ganz allein - Angehörige der Internationalen Brigaden die spanische Hauptstadt retteten.

Hier ist mit der Sache, um die es schlecht stand, zugleich weniger und mehr gemeint. Nur am Rande geht es um den Kampf an den Fronten, in dem Hunderttausende Kombattanten, mit Millionen spanischer Arbeiter und Bauern hinter sich, für die Freiheit stritten. Der Kampf ist in Dutzenden von Büchern und zahllosen Artikeln geschildert worden. Sofern die Vorgänge korrekt wiedergegeben sind, beziehe ich mich darauf. Mein Artikel gilt vornehmlich dem Kampf hinter den Fronten, zwischen bürgerlichen, rechtssozialistischen und stalinistischen Revolutionsgegnern sowie den kommunistischen, linkssozialistischen und anarchistischen Verfechtern sozialer Revolution. Dieser Kampf war genauso wichtig wie der an der Front. Er wird aber von stalinistischer Seite traditionell verschwiegen oder verfälscht dargestellt. Wie zeitnah das Andenken an den Kampf ist, erhellt aus dem Eifer der heutigen Auseinandersetzungen darüber. Sofern in Deutschland und anderswo wieder eine sozialistische Bewegung entstehen soll, wird sie sich für historische Wahrheit statt reaktionäre Apologetik entscheiden müssen.

Der Beitrag meint insofern mehr als Spanien, als die dortigen Ereignisse auch für eine Vielzahl ähnlicher Tragödien und Konflikte in anderen Ländern, einen weltweiten Kampf auf Leben und Tod charakteristisch sind. Nicht allein südlich der Pyrenäen "stand's um unsre Sache schlecht". Die internationale stalinistische Taktik wurde bereits 1926/27 in China, später in der Zeit des über Deutschland hereinbrechenden Faschismus und der Volksfrontperiode, aber auch nach dem zweiten Weltkrieg angewandt. Typisch für sie ist ein Zickzackkurs zwischen opportunistischer Anpassung an die Wünsche bürgerlicher und rechtssozialdemokratischer Bundesgenossen einerseits, ultralinkem Abenteurertum andererseits.(65) So gegensätzlich der immer wieder durch "jähe Wendungen" gekennzeichnete Kurs gewesen ist, er diente stets den Herrschaftsinteressen der sowjetischen Politbürokratie im eigenen Land und UdSSR-Großmachtinteressen draußen, nicht der internationalen Arbeiterbewegung - ihr schadete er. Dieser Kurs war, wie nochmals festgestellt sei, notwendig konterrevolutionär. Erstens hätten Revolutionen anderswo auf die Sowjetunion und deren spätere Satelliten zurückwirken, also die politbürokratische Diktatur gefährden können, zweitens konnten sie die Beziehungen zu potentiellen oder aktuellen kapitalistischen Bündnispartnern beeinträchtigen. Was beim Steuern dieses Kurses herauskam, ist am Beispiel Spaniens demonstriert worden. Es war woanders das Gleiche. Doch muß im Falle Spanien berücksichtigt werden, daß sich dort der republikanische Landesteil mit dem Faschismus im Krieg befand und die äußerste Reaktion auf traditionell militärischem Gebiet, hinsichtlich Zahl und z. T. auch Technik der Waffen der Republik überlegen war. Diese Überlegenheit konnte nur durch revolutionäre Mittel ausgeglichen werden. Indem die Volksfrontkoalition aus Liberalen, Rechtssozialisten und Parteikommunisten, verstärkt durch Komintern und NKWD, die von den Massen im zweiten Halbjahr 1936 erwirkten Ansätze zur demokratischen Revolution wieder zerstörte, sorgte sie dafür, daß Enthusiasmus und Beharrlichkeit der Massen im Krieg dahinschwanden. Damit war der Sieg Francos und seiner Protektoren vorprogrammiert, da gleichzeitig auch die sogenannten Demokratien im Westen der spanischen Republik Schaden zufügten.

Von den Details abgesehen, ähneln die Vorgänge in Spanien denen bei Entstehung und Untergang des "Realsozialismus" in Europa. Mit seiner Unterdrückung von Demokratie, tatsächlicher Mitbestimmung und Mitentscheidung der werktätigen Klassen hat Stalinismus stets dem großen Kapital die Arbeit erleichtert.


© Manfred Behrend, Berlin




Anmerkungen:

1 Neues Deutschland, 23./24. 11. 1996; vorher auch die Äußerungen des ehamligen Interbrigadisten Fred Müller im ND vom 21. 11. 1996.

2 Aufzeichnungen des Autors während der Tagung.

3 Heinz Priess, Spaniens Himmel und keine Sterne. Ein deutsches Geschichtsbuch. Erinnerungen an ein Leben und ein Jahrhundert, Berlin 1996, S. 134.

4 Poltergeist im Politbüro. Siegfried Prokop im Gespräch mit Alfred Neumann, Frankfurt (Oder) 1996, S. 21.

5 Fritz Teppich (Hg.), Spaniens Himmel. Volksfront und Internationale Brigaden gegen den Faschismus 1936- 1939, Berlin 1986, Reprint 1996, S. 85.

6 George Orwell, Mein Katalonien. Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg, Zürich 1975, S. 156 ff.

7 Julián Gorkin, Stalins langer Arm. Die Vernichtung der freiheitlichen Linken im spanischen Bürgerkrieg, Köln 1980, S. 77; Patrick von zur Mühlen, Spanien war ihre Hoffnung. Die deutsche Linke im Spanischen Bürgerkrieg 1936 bis 1939, Berlin-Bonn 1985, S. 7; Felix Morrow, Revolution und Konterrevolution in Spanien einschließlich: Der Bürgerkrieg in Spanien. Deutsche Erstausgabe, Essen 1976,S. 158.

8 Gorkin, a. a. O., S. 78; Der Spanische Bürgerkrieg, herausgegeben von der gruppe arbeiterstimme, Nürnberg 1987, S. 57.

9 Morrow, a. a. O., S. 157 f. und 159 f.

10 Fritz Teppich,Beispiel Spanien - Arbeitermacht oder Volksfront? Referat vom 30. 6. 1996, S. 21 f.

11 Zur französischen Volksfront neuerdings Heinz Köller, Für Demokratie - Brot - Frieden. Die Volksfront in Frankreich 1935 bis 1938, Bonn 1996.

12 Teppich, Spaniens Himmel, S. 46.

13 Morrow, a. a. O., S. 50 f.

14 Morrow, S. 84.

15 Leo Trotzki, Revolution und Bürgerkrieg in Spanien 1931-39, 2. Auflage, Frankfurt/Main 1986.

17 Teppich, Spaniens Himmel, S. 45. Angaben der Wahlergebnisse, die in verschiedenen Publikationen differieren, nach: Ebenda, S. 48.

18 Siegfried Kogelfranz/Eckart Plate, Sterben für die Freiheit. Die Tragödie des Spanischen Bürgerkriegles, München 1989, S. 243 f.; Gorkin, a. a. O., S. 93 f. und S. 269. Die UdSSR versandte zwischen Mitte Oktober 1937 und Dezember 1938 dafür 806 Flugzeuge, 362 Panzer, 120 Panzerautos, 1555 Kanonen, etwa 500 000 Gewehre, 340 Granatwerfer, 110 000 Bomben, 3,5 Mill.Granaten, fast 1 Mrd. Patronen und Handgranaten, ferner Flakscheinwerfer, Lastautos, Radiosender und Torpedoschnellboote in die spanische Republik. (Teppich, Spaniens Himmel, S. 78; Kogelfranz/Plate, a. a. O., S. 245)

19 Zit. nach Trotzki, Revolution und Bürgerkrieg, Band 1, S. 14, sowie Band 2, S. 334.

20 Zit. nach Trotzki, Ebenda, Band 1, S. 34 f.

21 Gorkin, a. a. O., S. 19. Mit derselben Drohung ist die Annahme eines POUM-Appells an die Regionalregierung torpediert worden, Leo Trotzki Asyl zu gewähren. (Morrow, a. a. O., S. 104)

22 Ludwig Renn, Im Spanischen Krieg, Berlin und Weimar 1971.

23 So u. a. Ebenda, S. 300; Morrow, a. a. O., S. 190.

24 Orwell, a. a. O., besonders S. 15, 25, 32 und 45 ff.; Waldemar Bolze, Drei Monate an der Huescafront (April bis Juni 1937) in: Der spanische Bürgerkrieg, herausgegeben von der gruppe arbeiterstimme 1987, S. 61.

25 Orwell, a. a. O., S. 38.

26 Bolze, a. a. O., S. 62.

27 Bericht eines aus Spanien zurückgekehrten KPO-Genossen (Anfang 1939) in: Der spanische Bürgerkrieg, herausgegeben von der gruppe arbeiterstimme 1987, S. 49.

28 Der Spanische Bürgerkrieg, herausgegeben von der gruppe arbeiterstimme 1987, S. 37.

29 Reiner Tosstorff, Andreu Nin und Joaquín Maurín. Vom revolutionären Syndikalisten zum antistalinistischen Kommunisten, in: Theodor Bergmann/Mario Keßler, Ketzer im Kommunismus. Alternativen zum Stalinismus, Mainz 1993, S. 197.

30 Wie Fußnote 27, S. 38.

31 Ebenda, S. 37.

32 Zit. nach Kogelfranz/Plate, a. a. O., S. 382.

33 Ausführlich Patrick von zur Mühlen, a. a. O., S. 164 ff.; ferner u. a. Kogelfranz/Plate, a. a. O., S. 378.

34 Mühlen, S. 178 f.; Kogelfranz/Plate, S. 283.

35 Gorkin, a. a. O., S. 115 f.

36 Der Spanische Bürgerkrieg, herausgegeben von der gruppe arbeiterstimme 1987, S. 57.

37 Hierzu und zum Folgenden Gorkin, a. a. O., S. 105 ff., Kogelfranz/Plate, a. a. O., S. 361 f.

38 Kogelfranz/Plate, S. 360 ff.

39 Morrow, a. a. O., S. 166.

40 Fritz Teppich, Beispiel Spanien, S. 14.

41 Morrow, a. a. O., S. 194.

42 Enrique Lister, Unser Krieg, Berlin 1972, S. 205 ff.

43 Morrow, a. a. O., S. 200 f.; Kogelfranz/Plate, a. a. O., S. 386 f.

44 Zit. nach Kogelfranz/Plate, S. 386.

45 Lister, a. a. O., S. 206.

46 Patrick von zur Mühlen, a. a. D., S. 75.

47 Gorkin, a. a. O., S. 121.

48 Kogelfranz/Plate, S. 376.

49 Hierzu insbesonders Operation Nikolai. Neue Einsichten über Stalins Rolle im Spanischen Bürgerkrieg, eine mit auf Komintern- und KGB-Akten beruhende Sendung, die zuerst im katalanischen Fernsehen, am 24. 7. 1996 aber auch in deutscher Sprache von ARTE ausgestrahlt wurde.

50 Gorkin, a. a. O., S. 30 und 176.

51 El Mundo Obrero, das Zentralorgan der PCE,titelte am 5. 7. 1937 mit "Die Flucht des Banditen Nin". Das Datum wird bei Gorkin, a. a. O., mit "5. 6" falsch angegeben.

52 Gorkin, S. 170 bzw. 172.

53 Morrow, a. a. O., S. 188.

54 Morrow, S. 18ö9; Patrick von zur Mühlen, a. a. O., S. 82.

55 Morrow, a. a. O., S. 186.

56 Zit. nach Kogelfranz/Plate, a. a. O., . 389.

57 Zit. nach Teppich, Spaniens Himmel, a. a. O., S. 25.

58 Zit. nach Kogelfranz/Plate, a. a. O., S. 376 f.

59 Zum Folgenden Gorkin, a. a. O., S. 240 ff.

60 Ebenda, S. 249.

61 Ebenda, S. 257.

62 Ebenda, S. 259.

63 Reiner Tosstorff, Spanischer Bürgerkrieg, Stalinismus und POUM, in: Utopie kreativ, Nr. 69/70, Juli/August 1996, S. 90.

64 Zit. nach Kogelfranz/Plate, a. a. O., S. 439.

65 Im Fall China erzwang die von Stalin, damals auch Bucharin dirigierte Komintern die Ein- und Unterordnung der KPCh unter die Guomindang und Nibelungentreue der Kommunisten dieser Partei und General Tschiang Kaischek gegenüber, und das trotz zahlreicher Vorwarnungen vor ihm so lange, bis er im April 1937 die Arbeiterbewegung Shanghais vernichtete. Danach paßte sich die KPCh der sogenannten linken Guomindang um Wang Jingwei, später Japans Quisling in China, an, bis auch diese mit ihr brach. Schließlich zettelten Emissäre der Komintern im Dezember 1927 einen Aufstand in aussichtsloser Situation in Kanton an, dessen Folge umittelbar eine verheerende Niederlage, perspektivisch die Lähmung des proletarischen Flügels der KP Chinas war.










 

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